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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Mutter
Eingestellt am 25. 09. 2009 08:01


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Erika Stiller
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2009

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Die Mutter

Die Kinder warteten schon seit Stunden. Langsam bekamen sie Hunger. Das Wenige, das die Mutter ihnen dagelassen hatte, war schon aufgegessen. Es war nicht viel gewesen, ein paar Kekse, f├╝r jeden eine Scheibe Brot. Zu Trinken gab es nur noch Leitungswasser. Den Saft hatten die Kinder zu den Keksen getrunken und Milch war schon aus, bevor die Mutter weggegangen war.
Sie hatte auf dem Heimweg Milch und Br├Âtchen einkaufen wollen. Doch nun war es dunkel. Hatten die L├Ąden ├╝berhaupt noch auf? Wenn es dunkel ist, dann ist es sp├Ąt und also Zeit f├╝rs Bett. So hatten es die Kinder gelernt. Wenn es drau├čen dunkel ist, muss man zu Hause sein. Denn dann war alles zu drau├čen, der Kindergarten, die Schule, der Spielplatz, der Supermarkt, Annas L├Ądchen. Dann konnte man drau├čen nichts mehr machen, nicht spielen, keine anderen Kinder mehr treffen und auch keine S├╝├čigkeiten mehr kaufen. Dann musste man ins Bett.
Die Kinder waren ratlos. Sie wussten nicht, was sie machen sollten. Sollten sie auf die Mutter warten, oder sollten sie ins Bett gehen? Die Situation war neu f├╝r sie; so lang hatte die Mutter sie noch nie zuvor allein gelassen. Angst kroch in ihre kleinen K├Ârper und gewann Gewalt ├╝ber sie. Das M├Ądchen sp├╝rte sie schon seit einer ganzen Weile, die Angst. Deshalb hatte sie auch viel geweint. Sie war nicht gern allein, im Dunkeln, ohne die Mutter. Jetzt war sie m├╝de vom Weinen, traute sich aber nicht zu schlafen. Die Mutter konnte ja jeden Moment kommen, musste jeden Moment kommen. Da wollte sie wach sein und der Mutter zeigen, wie gut sie gewartet hatte. Der Junge, der gro├če Bruder, der schon zur Schule ging, in die erste Klasse, der Junge h├Ątte ihr gerne gesagt, sie k├Ânne ruhig schlafen, er w├╝rde sie dann wecken, sobald er die Mutter h├Âre. Doch er traute sich nicht. Allein mit seiner Schwester in dieser ungewohnten Situation, im Dunkeln, und niemand sonst mit dem er h├Ątte reden k├Ânnen? Solange seine Schwester wach war, hatte er eine Aufgabe. Pass gut auf deine Schwester auf, hatte die Mutter zu ihm gesagt, ich werde nicht lange weg sein, am Abend komme ich zur├╝ck. Nun war es Abend, die Mutter musste also gleich kommen. Sie w├╝rde Br├Âtchen und Milch mitbringen und sie w├╝rde sie in den Arm nehmen. Ganz bestimmt w├╝rde sie das. Da war sich der Junge sicher. Er war sich dessen sicher, solange seine Schwester wach war, und er ihr dies wieder und wieder sagen konnte.
"Mach das Licht an, bitte."
"Du wei├čt doch, die Mama mag es nicht, wenn wir Licht machen. Nur die Gro├čen d├╝rfen Licht machen."
"Aber es ist schon so dunkel und ich habe Angst. Wenn wir Licht haben, weine ich auch nicht mehr. Und dann k├Ânnen wir auch was spielen."
Der Junge hatte keine Lust zum Spielen, aber er f├╝hlte sich auch nicht wohl im Dunkeln. Die Wohnung wirkte so anders im Dunkeln ohne seine Mutter, so fremd. Dem M├Ądchen war auch nicht wirklich nach Spielen zumute. Es hatte Hunger, war m├╝de und wollte nur noch, dass die Mutter zur T├╝r reinkam und alles wieder war wie immer.
Die Mutter kam nicht. Der Junge machte Licht. Es wurde k├╝hl, den Kindern war kalt. Sie trauten sich nicht, eine Decke zu holen. Aneinander gekuschelt schliefen sie ein.
Als die Geschwister aufwachten, d├Ąmmerte es bereits. Beide Kinder waren nass. Das M├Ądchen weinte wieder, wusste sie doch, wie wenig die Mutter es leiden konnte, wenn die Hose nass war. Ihr Bruder tr├Âstete sie, er wolle ihnen saubere Hosen aus dem Schrank holen. Das beruhigte die Schwester etwas. Der Junge versuchte die T├╝r des Kinderzimmers zu ├Âffnen, doch es ging nicht. Sie war abgeschlossen. Das M├Ądchen weinte nun heftig.
"Weine nicht", bat sie der Bruder, "ich wasche uns die Hosen aus. Sie trocknen sicher ganz schnell."
"Ja?" fragte die Schwester zaghaft, nicht ohne einen Anflug von Hoffnung.
"Sicher"
"Kommt die Mama nun bald?"
"Ja, bestimmt."
"Warum ist sie nicht schon gestern gekommen?"
"Sie hat wohl keine Milch und keine Br├Âtchen mehr gekriegt."
"Oh ja, Milch und Br├Âtchen."
"Wir m├╝ssen auf die Mama warten, sie bringt Milch und Br├Âtchen mit."
"Kommt sie bald? Ich habe Hunger."
"Ja, sie kommt bald."

__________________
EST

Version vom 25. 09. 2009 08:01
Version vom 27. 09. 2009 15:53

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo miss @stiller,

da dich noch niemand begr├╝├čt hat: herzlich willkommen im haifischbecken. ich w├╝nsch dir viel spa├č. m├Âgest du aus dem, was du mit uns erleben kannst, etwas mitnehmen k├Ânnen f├╝r dich.

deine geschichte hat mich sehr ber├╝hrt. sie ist so sicher, so einfach und dabei doch so genau und kindgerecht geschrieben, dass sogar ein walfisch wie ich herzklopfen bekommt. gro├čes, ganz gro├čes kleines kino!

leider machst du sie mit

quote:
5 Tage sp├Ąter kam die Mutter nach Hause. In ihrer Einkaufstasche befanden sich eine T├╝te mit Br├Âtchen, ein Liter Milch und je ein Spielzeug f├╝r die Kinder, ein Boot f├╝r Peter und eine Pl├╝schm├Âwe f├╝r Anne. Die Wohnungst├╝r war aufgebrochen worden, die Wohnung teilweise ausgebrannt. Im Briefkasten lag ein Brief, ein amtliches Schreiben. Sie m├Âge sich umgehend im ├Ârtlichen Polizeirevier melden. Ihre Tochter, Anne, sei im Krankenhaus, ihr Zustand sei ├Ąu├čerst kritisch. Peter, ihr Sohn, sei im Heim. Er w├╝rde psychologisch betreut. Es gehe ihm den Umst├Ąnden entsprechend. Ein Kontakt zu ihren Kindern sei von Seiten der Beh├Ârden nicht erw├╝nscht.
kaputt. dieser "epilog" ist so ├╝berfl├╝ssig wie ein kropf. ich w├╝rde ihn weglassen und die ├Ąngste der kinder nicht "aufl├Âsen" - sie bleiben ja ohnehin ein leben lang bestehen, mag da noch kommen was will.

und die t├╝ren lass besser alle offen bis auf die korridort├╝re. das gen├╝gt.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Erika,

"Herzlich willkommen" auch von mir. Ein sehr ernstes Thema hast du dir da ausgesucht - aber eine ansprechende Sprache hief├╝r gefunden.
bluefins Vorschl├Ąge hast du umgesetzt - das finde ich gut. Tats├Ąchlich war der letzte Absatz unn├Âtig - und doch habe ich (aus meiner Sichtweise) weitere Vorschl├Ąge:


Die Kinder warteten schon seit Stunden. ("Cut"=Neue Zeile)
Langsam bekamen sie Hunger. Das Wenige, das die Mutter Mutti ihnen dagelassen hatte, war schon aufgegessen. Es war nicht viel gewesen,: eEin paar Kekse, f├╝r jeden eine Scheibe Brot. (Cut)
Zu Trinken gab es nur noch Leitungswasser. Den Saft hatten die Kinder zu den Keksen getrunken und Milch war schon aus, bevor die Mutter Mutti weggegangen war.
Sie hatte auf dem Heimweg Milch und Br├Âtchen einkaufen wollen. Doch nun war es dunkel. (Cut)
Hatten die L├Ąden ├╝berhaupt noch auf? Wenn es dunkel ist, dann ist es sp├Ąt und also Zeit f├╝rs Bett. (Cut)
So hatten es die Kinder gelernt. Wenn es drau├čen dunkel ist, muss man zu Hause sein. Denn dDann war alles zu drau├čen, der Kindergarten, die Schule, der Spielplatz, der Supermarkt, Annas L├Ądchen. Dann konnte man drau├čen nichts mehr machen, nicht spielen, keine anderen Kinder mehr treffen und auch keine S├╝├čigkeiten mehr kaufen. Dann musste man ins Bett.
Die Kinder waren ratlos. Sie wussten nicht, was sie machen sollten. Sollten sie auf die Mutter warten, oder sollten sie ins Bett gehen? (Cut)
Die Situation war neu f├╝r sie; so lang hatte die Mutter sie noch nie zuvor allein gelassen. (Cut)
Angst kroch in ihre kleinen K├Ârper und gewann Gewalt ├╝ber sie. (Cut)
Das M├Ądchen sp├╝rte sie schon seit einer ganzen Weile, die Angst. Deshalb hatte sie auch viel geweint. Sie war nicht gern allein, im Dunkeln, ohne die Mutter Mutti. Jetzt war sie m├╝de vom Weinen, traute sich aber nicht, zu schlafen. Die Mutter Mutti konnte ja jeden Moment kommen, musste jeden Moment kommen. Da wollte sie wach sein und der Mutter zeigen, wie gut sie gewartet hatte. (Cut)
Der Junge, der gro├če Bruder, der schon zur Schule ging, in die erste Klasse, der Junge h├Ątte ihr gerne gesagt, sie k├Ânne ruhig schlafen, er w├╝rde sie dann wecken, sobald er die Mutter h├Âre. Doch er traute sich nicht. Allein mit seiner Schwester in dieser ungewohnten Situation, im Dunkeln, und niemand sonst, mit dem er h├Ątte reden k├Ânnen? Solange seine Schwester wach war, hatte er eine Aufgabe. (Cut)
Pass gut auf deine Schwester auf, hatte die Mutter zu ihm gesagt, ich werde nicht lange weg sein, am Abend komme ich zur├╝ck. (Cut)
Nun war es Abend, die Mutter musste also gleich kommen. Sie w├╝rde Br├Âtchen und Milch mitbringen und sie w├╝rde sie in den Arm nehmen. Ganz bestimmt w├╝rde sie das. Da war sich der Junge sicher. Er war sich dessen sicher, solange seine Schwester wach war, und er ihr dies wieder und wieder sagen konnte.
"Mach das Licht an, bitte."
"Du wei├čt doch, die Mama mag es nicht, wenn wir Licht machen. Nur die Gro├čen d├╝rfen Licht machen."
"Aber es ist schon so dunkel und ich habe Angst. Wenn wir Licht haben, weine ich auch nicht mehr. Und dann k├Ânnen wir auch was spielen."
Der Junge hatte keine Lust zum Spielen, aber er f├╝hlte sich auch nicht wohl im Dunkeln. Die Wohnung wirkte so anders im Dunkeln ohne seine Mutter, so fremd. (Cut)
Dem M├Ądchen war auch nicht wirklich nach Spielen zumute. Es hatte Hunger, war m├╝de und wollte nur noch, dass die Mutter Mutti zur T├╝r reinkam und alles wieder war wie immer.
Die Mutter kam nicht. (Cut)
Der Junge machte Licht. Es wurde k├╝hl, den Kindern war kalt. Sie trauten sich nicht, eine Decke zu holen. Aneinander gekuschelt schliefen sie ein.
Als die Geschwister aufwachten, d├Ąmmerte es bereits. Beide Kinder waren nass. Das M├Ądchen weinte wieder, wusste sie doch, wie wenig die Mutter es leiden konnte, wenn die Hose nass war. Ihr Bruder tr├Âstete sie, er wolle ihnen saubere Hosen aus dem Schrank holen. Das beruhigte die Schwester etwas. Der Junge versuchte die T├╝r des Kinderzimmers zu ├Âffnen, doch es ging nicht. Sie war abgeschlossen. Da dr├╝ckte er die Klinke zum Schlafzimmer der Mutter, auch abgeschlossen. Er probierte sein Gl├╝ck an der Wohnzimmert├╝r, abgeschlossen. Das M├Ądchen weinte nun heftig.
"Weine nicht", bat sie der Bruder, "ich wasche uns die Hosen aus. Sie trocknetn sicher ganz schnell."
"Ja?" fragte die Schwester zaghaft, nicht ohne einen Anflug von Hoffnung.
"Sicher"
"Kommt die Mama nun bald?"
"Ja, bestimmt."
"Warum ist sie nicht schon gestern gekommen?"
"Sie hat wohl keine Milch und keine Br├Âtchen mehr gekriegt."
"Oh ja, Milch und Br├Âtchen."
"Wir m├╝ssen auf die Mama warten, sie bringt Milch und Br├Âtchen mit."
"Kommt sie bald? Ich habe Hunger."
"Ja, sie kommt bald."


Vielleicht kannst du was davon gebrauchen!? Ein guter Plot, den ich gern gelesen habe.

LG, KaGeb

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

mein lieber @kageb,

die abs├Ątze n├Ąhmen der schrecklichen situation den flow, finde ich. ich w├╝rde sie nicht machen.

"mutti" ist eine verballhornung des begriffes "mutter". er wird von manchen kindern in der direkten rede gebraucht, vielfach auch von ehem├Ąnnern (dann eher herablassend). in dieser geschichte nennen die kinder ihre mutter "mama". der begriff "mutti" hat also nichts verloren.

nach einem doppelpunkt wird klein weiter geschrieben, wenn kein ganzer satz folgt.

das mit den vielen zugesperrten t├╝ren ist, wie schon einemal gesagt, in der tat unn├Âtig. nicht aber der hinweis darauf, dass die situation, nachts allein mit seiner schwester zu sein, f├╝r den jungen ungewohnt ist - damit wird dem leser klar, das hier etwas ungew├Âhnliches passiert. und auch der satz, dass sich die kleine schwester beruhigt, als der junge sagt, er wird ihm die hose trocken machen, ist wichtig: was f├╝r ein gro├čer bruder!

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Retep
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Registriert: Jun 2008

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Morgen Erika,

obwohl ich nicht wei├č, wie alt die beiden Kinder sind, wie sie aussehen, warum die Mutter nicht wiederkommt etc., hat mich deine Geschichte sehr betroffen gemacht.
Die Dialoge bringen die Geschichte voran, durch sie konnte ich mich in die Situation der Kinder einf├╝hlen und mitf├╝hlen.

Im Vergleich mit der ersten Fassung hast du die "Pointe" weggelassen, wie bluefin empfohlen hat. Ich sehe das wie er, der ehemalige Schluss h├Ątte die Geschichte v├Âllig kaputt gemacht!

Deine Geschichte erinnert mich im weitesten Sinne an eine andere, die ich vor l├Ąngerer Zeit gelesen habe.
Michaels, A.:Fluchtst├╝cke:
In dem Roman l├Ąsst eine j├╝dische Familie ihren Sohn allein in einem Zimmer zur├╝ck, er hofft vergeblich, dass sie bald wiederkommt.

Habe deine Geschichte sehr gerne gelesen,der Stil hat mir sehr gefallen, der offene Schluss l├Ąsst eigene Gedanken zu.

Gru├č

Retep


__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

es kreist in dem eindrucksvollen text alles um die mutter, obwohl oder weil sie gar nicht da ist. warum sollte sie daher nicht im titel genannt werden? der titel ist der beste, den ich mir vorstellen kann.

wg. der rechtschreibfrage empfehle ich eine einschl├Ągige fachliteratour.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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