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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Nachricht
Eingestellt am 06. 01. 2014 07:35


Autor
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Pablo Sanchez
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2014

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Aus dem Radio t├Ânt leise Indie-Musik. Es ist 3:34 Uhr nachts und einer jener Tage, an denen ich eben solche Musik nicht ertragen kann. Es ist einer der wenigen Tage, in denen ich das Radio ausschalte. Normalerweise l├Ąuft es Tag und Nacht, selbstverst├Ąndlich immer der gleiche Sender: "Radio 1 ÔÇô Nur f├╝r Erwachsene". Trotz des Mottos kann ich nicht behaupten den Sender als elit├Ąren Gr├╝nden zu h├Âren. Ich tue dies eher aus Gewohnheit.

Ich setze mich auf den K├╝chentisch und ├Âffne das Fenster. Eine kalte Brise peitscht mir entgegen, l├Ąsst mich kurz erschaudern. Sie lenkt meinen Blick weg vom Fenster, in Richtung des fahrbaren Korbes, der allerdings noch nie seinen Platz gewechselt hat. Auf ihm liegen allerhand Zeitungen, welche ich von Zeit zu Zeit lese, oder einfach nur dort abgelegt und vergessen habe. Aber auch eine d├╝nne, silberne Scheibe ÔÇô das Geschenk meiner Tochter zum 47. Geburtstag - was inzwischen 3 Jahre her ist. Auf deren Vorderseite ist eine Zigarette und ein Kreuz abgebildet. Sie hatte damals die Idee, das Ding an mein Fenster zu kleben. L├Ącherlich! Entgeistert wende ich den Blick ab, nehme mir eine Marlboro aus der halbleeren Packung und z├╝nde sie an. Der erste Zug nimmt jegliche nagenden Schuldgef├╝hle von mir, l├Ąsst mich vergessen und wichtigeren Dingen zuwenden.

Die Nacht ist sternenklar und mondlos, eine Seltenheit in einer sonst so wolkenverhangenen Stadt. Mein Blick wandert ├╝ber die Stra├čen, H├Ąuser, Br├╝cken und Bahngleise unter mir, wie jede Nacht. Die Szene hat etwas magisches, friedvolles an sich, kein Mensch der die Stra├čen quert, kein Auto das die Ruhe st├Ârt. Nicht selten streiten sich hier Nachts lautstark betrunkene Prolls aus den umliegenden Kneipen und D├Ânerl├Ąden. Doch heute ist bisher nichts dergleichen zu sehen. Beschwingt denke ich daran, meine Kamera, zu nehmen und die Szene, gemischt mit meinen Gef├╝hlen einzufangen. Der zweite, tiefe Zug an der Marlboro belehrt mich eines besseren, f├╝r solche Dinge ist auch sp├Ąter noch Zeit.

Das Licht der Stra├čenlaternen erleuchtet den grauen Bordstein. Das Schwarz der Stra├čen in weichem Licht, macht all die im Laufe des Herbstes gefallenen braunen Bl├Ątter sichtbar. Sie liegen am Stra├čenrand, auf dem B├╝rgersteig, tanzen mal elegant, mal verspielt, gef├╝hrt von ihrem Dirigenten...

Sonnenstrahlen kitzeln mein Gesicht. Ein gr├╝ner Punkt in meiner N├Ąhe h├╝pft auf und ab, spielt sein Spiel vor endlosem Gelb. Sie kommt zu mir, zieht mich mit sich. Gelbe Welten er├Âffnen sich mir in ungekannter Pracht. Ich tauche ein, lasse mich treiben. Eine gr├╝ne Welle, die meinen grauen K├Ârper ├╝berschwemmt; ein neuer Anstrich.

Gl├╝cklich nehme ich den dritten Zug der Marlboro. Im ersten Moment losgel├Âst von jenem Unsinn, den man Realit├Ąt nennt, holt mich die kalte Nachtluft beim Ausatmen doch wieder ein.

Mein Blick wird von zwei rot und wei├čen Punkten links am Horizont angezogen. Blinkende Punkte die mich auch aus dieser Entfernung mit ihrem Blitzlicht blenden. Sie beunruhigen mich, scheinen immer n├Ąher zu kommen, begleitet von einem Grollen und Pfeifen, das die Stille durchbricht. Jegliches Gef├╝hl der Freude entflieht meinem K├Ârper, verschwindet ohne das ich es aufzuhalten vermag. Ich will mir dir Ohren zuhalten, doch meine H├Ąnde gehorchen mir nicht. Die eine liegt starr auf dem Fensterbrett, die andere klebt zitternd an der Zigarette.
Der Punkt wird gr├Â├čer und befindet sich nun fast ├╝ber mir. Die Lichter zucken wie Blitze vor meinem Auge, lassen mich nur noch Rot und Wei├č sehen. Unertr├Ągliches lautes Pfeifen und Dr├Âhnen zerrei├čt die Luft. Die Bl├Ątter tanzen nun nicht mehr, sie toben wild, versuchen in ihrer Panik in alle Himmelsrichtungen zu entfliehen. Die Ger├Ąusche, die Lichter, sie brechen mich, durchbrechen die Gitter und Mauern hinter denen sich f├╝r immer weggesperrt geglaubtes Blau und Schwarz befindet...

Verschwommene Bilder, Momente, das Klingeln und ├ľffnen der T├╝r, zwei Blaue Gestalten, welche hinter ihr stehen. Meine Mutter die mit ihnen redet, Worte die ich nicht verstehe, nicht begreifen kann und will. Die Rede von einer Nachricht, die der Welt schon lang bekannt war, die nur mir bisher unbekannt blieb, einer Nachricht geschrieben in n├╝chtern schwarzer Schrift wird meiner Mutter ├╝berreicht...

Die Ger├Ąusche werden schw├Ącher, sind kaum noch h├Ârbar. Stille tritt ein. Doch diese Stille spricht nicht von Frieden und Gl├╝ckseligkeit, sie legt sich dr├╝ckend und schwer auf die Stra├čen, H├Ąuser, Br├╝cken und Bahngleise. Auch die Bl├Ątter liegen nun leblos auf Beton und Teer, unf├Ąhig ihre letzte Ruhe zu finden und ins Erdreich zur├╝ck zu kehren.
Der vierte Zug an der Marlboro hat einen bitteren Beigeschmack, vermag nicht die Gedanken zu verscheuchen, die noch immer leise in meinem Kopf widerhallen. Doch es werden noch weitere Z├╝ge folgen. Z├╝ge, die Gedanken weit weg tragen, da bin ich gewiss, denn das tun sie jede Nacht.

Version vom 06. 01. 2014 07:35

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Pablo Sanchez
Festzeitungsschreiber
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Ist die Kurzgeschichte wirklich so schlecht?

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Bertl Schreiner
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2013

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Hallo Pablo Sanchez,

Du fragst, ob Deine Kurzgeschichte so schlecht sei, dass sie mit einer 2 bewertet wird. Ich m├Âchte dem widersprechen, nicht nur, weil ich in letzter Zeit geh├Ąuft beobachte, dass Zweien verteilt werden. Ich sehe in Deiner Geschichte viel Potenzial und m├Âchte dies exemplarisch andeuten:

- Die einzelnen Z├╝ge an der Zigarette durchziehen den Text und halten ihn zusammen. Dabei bleibt Vieles in der Schwebe, vor allem gegen Schluss, wo anscheinend ein Eisenbahnzug vorbei donnert. Mir scheint, Du spielst hier bewusst mit dem Wort Z├╝ge, die Deine Gedanken mit in die Ferne nehmen - Z├╝ge an der Zigarette? Fernz├╝ge?

- Eine weitere Klammer im Text ist die Beschreibung der Bl├Ątter, die zun├Ąchst "verspielt tanzen", dann "wild toben" und schlie├člich "leblos liegen":

quote:
Auch die Bl├Ątter liegen nun leblos auf Beton und Teer, unf├Ąhig ihre letzte Ruhe zu finden und ins Erdreich zur├╝ck zu kehren.
- Weiterhin versteckt der Text Farben, die gleichsam ein Bild der Situation malen: Da sind auf der einen Seite die bedrohlichen wei├čen und roten Punkte und auf der anderen Seite blau und schwarz, die im Zusammenhang mit den blau angezogenen Boten und ihrer in schwarzer Schrift verfassten Botschaft stehen. Gerade letztere scheint mir in ihrer geheimnisvollen Vieldeutigkeit eine starke Stelle Deines Textes...

Dies sind in K├╝rze einige subjektive Impressionen ├╝ber Deine lesenswerte Kurzgeschichte, die ich mit 6 Punkten bewertet habe. Dabei w├Ąre auch inhaltlich einiges zu sagen ├╝ber den einsamen Menschen, der jede Nacht am Fenster steht, Situationen seines Lebens an sich vorbei ziehen l├Ąsst und dem anscheinend die allgemein bekannte, nicht explizit erkl├Ąrte Nachricht versagt bleibt...

Nat├╝rlich verstecken sich noch einige orthografische Fehler darin; wenn Du magst, k├Ânnen wir diese ausb├╝geln.

Liebe Gr├╝├če
Bertl

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Drachenprinzessin
Autorenanw├Ąrter
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Hallo Pablo Sanchez,

ich habe Ihre Geschichte mit Interesse verfolgt. Sie ist nicht so schlecht, wie Sie befurchten.

Hier ein paar ├ťberarbeitungsvorschl├Ąge:
-

quote:
...t├Ânt leise Indie-Musik, ...Interesse an dieser...
-
quote:
...aus elit├Ąren...
-
quote:
...den K├╝chentisch, ├Âffne das Fenster(.)
Danach w├╝rde ich den Satz trennen, damit er besser lesbar ist. Sie k├Ânnten z.B. wie folgt fortfahren: Die Beine habe ich dabei auf den Stuhl gestellt.
- auch den Satz danach w├╝rde ich lieber trennen. Au├čerdem sind ein paar andere S├Ątze so lang geraten, dass sie den Lesefluss st├Âren. Vielleicht w├Ąre es sinnvoll, wenn sich noch andere Leser dazu ├Ąu├čern w├╝rden.
- den folgenden Satz w├╝rde ich umbauen:
quote:
...unter mir, wie jede Nacht.
- bei w├Ârtlicher Rede w├╝rde ich die Enter-Taste dr├╝cken, nachdem ein Charakter gesprochen hat und der n├Ąchste etwas sagt. Der Backslash verwirrt mich zu sehr.
- im Satz
quote:
Sie beunruhigen mich, kommen scheinbar immer n├Ąher
k├Ânnen Sie das scheinbar ruhig weglassen. Es ist Ihre Geschichte, also gibt es keinen Grund sich vage auszudr├╝cken!
- die S├Ątze in der Staubsaugerszene klingen zu abgehackt. Wenn Sie Spannung aufbauen m├Âchten, k├Ânnen Sie das besser ├╝ber Gef├╝hle tun. Nat├╝rlich k├Ânnen Sie auch W├Ârter wie pl├Âtzlich oder auf einmal verwenden. Ich finde, das kommt immer darauf an, was man ausdr├╝cken m├Âchte.

Bitte verzweifeln Sie jetzt nicht! Ihre Geschichte ist wirklich gut. Die sch├Ânsten Momente waren die beiden Bl├Ątterszenen, in denen Sie bildhafte Sprache verwendet haben. Bitte mehr davon! (Ich wei├č, das ist egoistisch ;D)
Au├čerdem ist die deutsche Sprache ein Biest, das ├ťbung und Feingef├╝hl verlangt, um sch├Ân zu klingen. Ich habe hier schon einige Beitr├Ąge gelesen, deren Autoren die sprachliche Bestie deutsch nicht ganz so gut bez├Ąhmen konnten.
Noch ein Tipp: Mir hilft es, meine fertigen Geschichten liegen zu lassen, um ein paar Tage sp├Ąter noch einmal dr├╝ber zu schauen. Ich merke dann eher, wo es noch hakt.

Ich hoffe, mein Kommentar war hilfreich.

Mit freundlichen Gr├╝├čen
Drachenprinzessin

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Pablo Sanchez
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Hallo Drachenprinzessin und Bertl,

erst einmal m├Âchte ich euch Beiden danken. Ihr habt euch mit der Geschichte auseinander gesetzt und mir St├Ąrken und Schw├Ąchen aufgezeigt. Solche Art der Kritik hatte ich mir erhofft, als ich beschloss mich auf leselupe.de anzumelden.

Die Verbesserungsvorschl├Ąge nehme ich gern an. Ich habe die Geschichte an den entsprechenden Stellen ├╝berarbeitet, einige S├Ątze gek├╝rzt und au├čerdem einen Teil komplett neu geschrieben.

Es handelt sich hierbei um folgende Passage:

quote:
...Als wir das Arbeitszimmer betreten sagt Tim erwartungsfroh: \"Spielst du nachher noch Fu├čball mit mir Papa?\". \"Klar mache ich gern, aber jetzt schau dir erstmal mein neues Bild an.\" W├Ąhrend er mein Werk betrachtet, ├╝berlege ich ob noch etwas daran zu verbessern w├Ąre. \"Ich finde es super, es wirkt so pastellfarben und es wird die Kritiker und deine K├Ąufer bestimmt umhauen\", sagt Tim beindruckt, aber auch ein wenig ungeduldig.
Beim Durchqueren der Galerie f├Ąllt mir ein Bild ins Auge, ein sehr fr├╝hes Werk von mir selbst mit dem Titel \"Auf gro├čer Fahrt\". Es war mein erstes gutes Bild und es begr├╝ndete auch die Tradition der Titelfindung zusammen mit meinen Kindern. Tim hatte den Titel damals ausgesucht und er passte perfekt zum Bild. Inzwischen hat sich mein Stil zwar gewandelt, aber ich verbinde trotzdem eine sch├Âne Zeit damit...

Diese war mir schon von Anfang an ein Dorn im Auge. Sie war zu plakativ und passte nicht zum Grundton der Geschichte.

Ich hoffe die orthografischen Fehler sind nun auch beseitigt.

Liebe Gr├╝├če
Pablo




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