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Leselupe.de > Science Fiction
Die Nachricht
Eingestellt am 21. 12. 2016 01:17


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Tula
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Die Nachricht

Wang und Nhat standen sprachlos vor dem Bildschirm ihres Bordcomputers. Drei Tage lang hatten sie versucht, mit dem unbekannten Raumschiff Kontakt aufzunehmen, hatten ihm ihr „Fremdes Objekt, bitte melden!“ auf allen möglichen Wellenlängen und mit allen erdenklichen modernen Kodierungsformen gesendet und dabei selbst den sechzehn-dimensionalen Zaibunissa-Y57R8 nicht ausgelassen. Drei Tage lang hatte das fremde Schiff wie ein gewaltiger, im All schwebender Monolith geschwiegen und ihnen nichts als seine undurchdringlich schwarze Hülle gezeigt. Nun aber sendete es seit zwei Stunden diese eine, vollkommen unverständliche Nachricht:

ƥơӵө♣өөөьϠϪөьƥϯѧͽϯөөьƥơӵөьөьЂϒΞөьөьΔϯϯϾϾϯͽөөьƥ\өөьЂƥѧӵӁѾѯΔԲѧӵᵾ۩ӵөөь₣ϒͽ╬♫ϯϯ\

„Kann eine fortgeschrittene Zivilisation so eine seltsame Schrift verwenden?“ meinte Nhat in einem Anflug spöttischen Zweifelns.
„Kommt mir auch seltsam vor. Vielleicht haben die ja unsere Nachricht nur falsch entschlüsselt und versuchen jetzt, in UNSERER Sprache zu antworten.“
„Blödsinn. Dafür ist die Entropie zu klein; zu wenig verschiedene Zeichen. “
„Oder die wollen uns auf eine einfache Weise warnen, dass Struve 2398 bald in eine Phase gerät, also wenn sich die beiden Zwerge näher kommen, bei der es zu gewaltigen Flares kommen könnte, die dann unter Umständen gefährlich werden.“
Nhat schüttelte fassungslos den Kopf und fragte sich, wie es Wang überhaupt durch die Akademie geschafft hatte. Dann verharrte er wieder schweigend in einem Stadium geistiger Anspannung. Auch Wang schwieg eine Weile verlegen; er hatte die herablassende Geste seines Kommandanten durchaus registriert. Plötzlich durchfuhr es ihn wie ein Meteorit die vergiftete Atmosphäre von Ungrus-hX! - „Kann es nicht sein, dass die irgendeine völlig veraltete Verschlüsselung benutzen?“
Nhat fuhr herum. „Du glaubst, die halten uns für technologisch unterentwickelte Deppen, die im Grundkurs galaktischer Navigation durchgefallen sind?“
„Nicht doch. Ich meine, dass es am Anfang unserer modernen Epoche der Raumfahrt noch andere Formen der Zeichencodierung gab. Die haben wir nicht ausprobiert.“
„Du meinst so etwas wie... trinäre Polarisation?“
„Hhmm... Vielleicht noch älter. Wenn ich richtig liege, fing alles mit Binärcodes an.“

Natürlich! - ging es Nath durch den Kopf. Warum war er nicht selbst darauf gekommen? Im 24. Jahrhundert war es zur Mode geworden, kleine Kapseln mit irgendwelchen Nachrichten ins All zu schicken. Space-Cache nannte man sie; zuerst waren es die großen Städte, die sich solch einen Spaß leisten konnten; nicht zuletzt stand ein solcher im Wahlprogramm vieler angehender Bürgermeister ganz oben auf der Liste. Im Laufe der Zeit wurde das Vergnügen auch für kleinere Städte erschwinglich, dann kamen die Fussballklubs, später alle möglichen Vereine, mehr oder weniger erfolgreiche Künstler ... ein jeder wollte sich in der galaktischen Gemeinde eine kleine Gedenktafel errichten. Der Inhalt war eigentlich stets derselbe: eine Multimediathek, ein paar handgeschriebene Autogramme, Fotos vom Bürgermeister, Vereinschef oder Künstler, andere Beilagen und ein gedrucktes Handbuch mit Hinweisen zur informationstechnischen Entschlüsselung der Multimediadaten.
„Selbstverständlich hatte ich sofort an die Möglichkeit gedacht, dass eine fremde Zivilisation irgendwann in den letzten Jahrhunderten einen Space-Cache gefunden hat und von daher unseren alten Binärcode kennt. Ich halte es dennoch für ziemlich hypothetisch, um ehrlich zu sein; für so zurückgeschritten können die uns nicht halten“ redete sich Nath erfolgreich heraus. „Versuchen kannst Du es trotzdem mal.“

Wang ließ sich nicht zweimal bitten und machte sich an einer der Konsolen des Bordcomputers zu schaffen. Bald war er bei seiner Suche im Archiv in einer Wolke von Hologrammen verschwunden; aus dieser drang nur dann und wann ein Fluch auf einen der künstlichen Agenten der Mediathek, der das Wort binär nicht verstanden hatte. So vergingen mehrere Minuten; plötzlich ein Schrei: „Heul Riddick! - Ich hab Dich.“ Die Wolke um ihn wurde wieder dünner, schließlich sah Nhat im letzten Hologramm einen unablässigen, irgendwie an einen Wasserfall erinnernden Sturz von Zeichen in einer dreidimensionalen Matrix, welcher sich ebenfalls nach und nach lichtete. Der Algorithmus hatte die Lösung gefunden.
Stolz zeigte Wang sein Ergebnis:

has*N***ºJc*ºheine**ºhas*º*ºtug*º*ºleeccen**ºh|**ºthisWorldisürs**ºFunkfee|

„Welche Sprache des 24. Jahrhunderts soll das denn sein?“ murmelte Nhat.
„Das hat das Programm anhand der zehn wichtigsten jener Zeit ermittelt. Mit 52-prozentiger Wahrscheinlichkeit ist das Englisch. Sogar ziemlich eindeutig; alle anderen Sprachen liegen recht weit unter diesem statistischen Wert; manche kommen nicht einmal an die 49 Prozent heran.“
„Na gut, und was sagt der Text genau?“ drängte Nhat ungeduldig.
„Ist nicht total klar. Zweimal steht da 'hat' oder 'haben' drin, dann 'ziehen', dann wieder anscheinend wirres Zeug, vielleicht eine Art Dialekt, den das Programm nicht kannte. Das Ende lässt aber wieder wenig Zweifel: 'Diese Welt ist unsere – Funk Fee', wobei der letzte Ausdruck mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Name ist, sicher eine Art Chef, der das Ganze unterschrieben hat.“
„Bei Pferdekopf und Andromeda, das liest sich wie eine Warnung!“ raunte Nhat. „Ich weiß zwar nicht, was bei diesen beiden roten Zwergen und seinen toten Planeten noch zu holen sein sollte, aber mir erscheint der Text als eine klare und deutliche Aufforderung, dass wir hier nicht besonders erwünscht sind. Ich schlage vor, wir verdüsen uns wieder.“
Wang war etwas unschlüssig: „Ich könnte ein zweites Mal nach weiteren Sprachen im System forschen. Soviel ich weiß, gab es damals noch ein paar Dutzend andere.“
„Hat dir die Akademie gar nichts Nützliches beigebracht?“ wies der Kommandant jetzt mit harscher Stimme seinen Zweiten Offizier zurecht. „Die Übersetzung ist mir eindeutig genug, genauso wie die 52 Prozent. Das braucht keine zweite Probe. Wir machen hier jetzt den Exit und uns in den nächsten Sternenstaub.“

Bordtagedatei Logeingabe 25-12-2934, 19:00 Erdzeit Peeking:
Nach drei Tagen vergeblicher Versuche der Kontaktaufnahme, wurde vom fremden Schiff eine Nachricht empfangen, welche die Besatzung auf feindliche Absichten schließen lässt. Aus Sicherheitsgründen wieder entfernt und das System Struve 2398 verlassen.

***

Yenc Lodjonkr starrte fassungslos auf den Bildschirm seines Befehlsstands. Das Schiff der Menschen entfernte sich mit einer Geschwindigkeit, die wenig Zweifel an der Entschlossenheit seiner Crew ließ. Seine Enttäuschung war kolossal: die Erfüllung seiner Aufgabe, die erst vor kurzem entdeckte Zivilisation für den Cygnorionischen Bund zu gewinnen, fiel schwerer als er angenommen hatte. Dabei war er als Kommandant mit aller Vorsicht vorgegangen, hatte das Schiff seit seiner Ortung vor 37 hyadischen Zeiteinheiten unbemerkt verfolgt und sich erst kurz vor dem genau geplanten Moment der Kontaktaufnahme gezeigt. Denn den Informationen der menschlichen Sonde entsprechend, die vor wenigen Generationen von Raumforschern seines Heimatplaneten Trongus (die Bewohner von Terra kennen seine Sonne unter dem Namen Asterion) gefunden worden war, würde man auf der fernen Erde gerade jetzt ein besonderes Fest feiern. Auf die fehlerfreie Berechnung dieser kurzen Zeitspanne, die der Rotationsdauer von Trongus erstaunlich nahe kam, konnte sich Yenc verlassen; das zentrale galaktische Erfassungssystem in der Heimat hatte bereits über 96 Prozent aller Sterne im Arm registriert und kannte deren Eigengbewegungen und zum größten Teil auch die Daten der Planeten, die um sie kreisten.
So hatte Yenc die Anfragen des Schiffes der Terreaner vorsichtshalber ignoriert, um jene wie einen alten Freund im richtigen Augenblick zu überrraschen. Sicherlich kannte niemand an Bord die genaue Bedeutung der Nachricht, welche damals auch die Sonde der Menschen als Begrüßungstext hatte; nichtsdestotrotz waren Yenc und seine Besatzung von seiner positiven, symbolischen Stärke überzeugt:

*
**
*º*º*
*º*º*º*º*
º**º**º**º
||
Frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr



“Keine Sorge Yenc, wir werden das Schiff nicht aus den Augen verlieren. Es wird nicht lange dauern, bis wir eine zweite Möglichkeit haben.”
Yenc schaute über seine Schultern auf den Zweiten. “Ich bin mir nicht so sicher, Ednalo. Bist du davon überzeugt, dass die unsere Nachricht richtig dechiffriert haben?”
“Wir haben sie ganz genau nach den Vorschriften im Handbuch der Sonde kodiert. Für die Übertragung selbst brauchten wir natürlich noch den Gespreizten-Mus-Trichter, also wegen der Energieverteilung im Signalspektrum. Aber das werden die Terries sicher sofort mitbekommen haben, das gehört bis heute zum Einmaleins der galaktischen Informationsübertragung.”
“Und wenn nicht?”
“Na dann hätten sie vielleicht auf irgendeine Weise nachgefragt!?”
“Ednalo, wir könnten ja noch einen weiteren Versuch starten und den zweiten Teil der Nachricht senden.“
“Glaubst du, dass der in der Tat wichtig ist?”
“Das können wir nur vermuten; es ist aber durchaus vorstellbar, dass der zweite Teil im originalen Text eine gewisse Rolle spielt und zu seinem besseren Verständnis beiträgt.”
“Also gut, einverstanden. Ein paar Erdstunden haben wir ja noch, bevor sie zu weit weg sind.”

***

“He Nhat, da ist nochmal 'ne Nachricht reingekommen. Ist mir erstmal genauso unverständlich wie die letzte.”
“Mann! Verschwende jetzt nicht unsere Zeit und schau dir das später an. Wir brauchen die sowieso nicht für unsere Mission.”

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Daginius Lard
Hobbydichter
Registriert: Oct 2016

Werke: 13
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Hallo Tula,
ich hab die Geschichte schon vor einer Weile gelesen und war fast ein bisschen... nein, ich war enttäuscht, als sie sich nur als Weihnachtsgruß entpuppte. Würde mich freuen, wenn du sie noch mal aufnimmst und weitererzählst.
Der Kontakt mit "Erdlingen" aus außerirdischer Sicht erzählt, besonders wenn sich nicht gleich erschließt, das es sich um Außerirdische handelt, ist auch noch mal eine besonders gute Variation deiner Geschichte.
Da steckt so viel Potenzial drin. Mir fallen in diesem Zusammenhang zwei Werke ein, die ich mehrmals gelesen habe und deren Ausgangspunkt die Entdeckung einer Nachricht war: Die Astronauten, von Stanislaw Lem und Orakel der Delphine von Wolf Weitbrecht (letzteres mit mehreren Fortsetzungen). Ich hoffe das dich bald wieder mal die Muse küsst und ich in dieser Rubrik was neues von dir lesen kann. Beste Grüße !

__________________
Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen. (Socrates)

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