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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Nacht hat wenig Wörter.
Eingestellt am 07. 03. 2005 12:37


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nachtsicht
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Immer wenn die Wände der Wohnung mich auffressen wollen, wenn die Abende nach leeren und kurzen Tagen meine Einsamkeit zunächst erträglicher, verständlicher machen, mein Leben aber dann schwarz anmalen, so dass es vom Tot kaum noch zu unterscheiden ist, streife ich alte, liebgewonnene Kleidung über und steige die 43 Treppenstufen hinab um das Haus über den Hinterausgang zu verlassen. Den Nachbarn begegne ich an solchen Tagesenden nur selten, sie wohnen nie allein und sind die meiste Zeit auf Arbeit, in Vereinen oder in der kleinen Eckkneipe mit den hübschen Bedienungen, dort wo auch nachts noch gedämpfte und vermischte Wörter nach draußen dringen, die ich nicht verstehen kann.
Draußen ist immer da wo ich bin. Es ist dort, wo meine Hände in den Hosentaschen und mein Dasein in der Dunkelheit versteckt ist, wo Wolken vom Mond angestrahlt werden, so schön, dass ich manchmal für ein paar Minuten stehen bleibe und ihnen beim Reisen in die Ferne zuschaue. Schwermütig setze ich doch wieder einen Fuß voran, unsicher ob ich nicht einfach aufhören sollte, mit den Schritten, mit der Traurigkeit, mit dem Essen und Trinken.

Moosbewachsene Mauern schützen mich rechts und links vor Wind und dem Verlust meiner Erinnerungen an Zeiten, in denen ich mit Frauen hier lachend vorüberzog. Gelacht über die Welt und über die Unglücklichen, die Verlierer, oft mit dem besten Wein im Blut und der größten Freude in den Augen. Heute prasseln winzige Tröpfchen hinunter, so zart, dass mich der Aufprall jedes einzelnen auf den Boden schmerzt, kleine Kinder der Wolken verwischen die Tinte der Vergangenheit und säubern mein Fenster zur Realität. Ich bin allein.

Wie immer streifen meine Blicke die Schaufenster der gemütlichen Läden mit ihrem Charme und ihren Besitzern, die sich für ihren Traum, selbstständig zu sein, aufopfern, die ihre Hilfe freundlich aber mit Nachdruck anbieten, um letztlich das verdiente Geld im Laden nebenan wieder auszugeben. Hätte ich die Wahl, ich würde die Leere in meiner Brust sofort umtauschen gegen die Leere im Portemonnaie und erfahren was es heißt, einen Platz, einen Sinn in der Welt zu haben. Das Leben treibt Menschen wie mich nicht einfach irgendwo hin, nein, es ignoriert sie und lässt sie nur zuschauen, wie der Fluss aus wunderbaren und niederschmetternden Erlebnissen von der Geburt bis zum Ende an ihnen vorbeifließt, ohne dass sie jemals mehr als einen Spritzer abbekommen. Sie verdorren dann wie Blumen, die niemand gießt.

Vor mir baut sich nun langsam die einzige Erhebung in der Gegend auf, im Frühjahr treffen sich Verliebte oben, um noch näher am Himmel zu sein. Küsse und Umarmungen streicheln dann den Hügel, der von mir bisher nur einige Tropfen Einsamkeit abbekommen hat, heute Nacht werde ich ihm mehr geben. Je näher ich komme, je mehr spüre ich seine Kraft, Kraft die ich nicht mehr habe. Oben gehe ich zu der Stelle, von der man die ganze trüb erleuchtete Stadt sehen kann. Ich schreie so laut es geht, weil ich das noch nie getan habe, bevor mir die Holzbank an der Aussicht einen Platz anbietet, ich lehne ab und mich nur daran an, auch wenn der Boden etwas kalt ist. Aus der Innentasche kommt das Messer und spendet dem Berg mein Blut.

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Stern
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Hallo nachtsicht,

dein Text ist für mich stimmungsvoll, auch wenn die Stimmungen teilweise verschieden bei mir ankommen und untereinander nicht ganz stimmig sind. Ich mag deine Schreibe, die Bilder, die du entwirfst. Trotzdem habe ich bei näherer Betrachtung Einiges auszusetzen oder nachzufragen.


Immer wenn die Wände der Wohnung mich auffressen wollen, wenn die Abende nach leeren und kurzen Tagen(warum sind die einsamen Tage "kurz"? für mich persönlich paßt das nicht, "lang" könnte ich leichter verstehen, aber "leer" alleine wäre ausdrucksvoller) meine Einsamkeit zunächst erträglicher, verständlicher machen(wieso?), mein Leben aber dann schwarz anmalen, so dass es vom Totd kaum noch zu unterscheiden ist, streife ich alte, liebgewonnene Kleidung über und steige die 43 Treppenstufen hinab, um das Haus über den Hinterausgang zu verlassen. Den Nachbarn begegne ich an solchen Tagesenden nur selten, sie wohnen nie allein und sind die meiste Zeit auf Arbeit, in Vereinen oder in der kleinen Eckkneipe mit den hübschen Bedienungen, dort wo auch nachts noch gedämpfte und vermischte Wörter nach draußen dringen, die ich nicht verstehen kann.
Draußen ist immer da, wo ich bin(für mich ein schlichter, aussagekräftiger Satz). Es ist dort, wo meine Hände in den Hosentaschen und mein Dasein in der Dunkelheit versteckt ist, wo Wolken vom Mond angestrahlt werden, so schön, dass ich manchmal für ein paar Minuten stehen bleibe und ihnen beim Reisen in die Ferne zuschaue. Schwermütig setze ich doch wieder einen Fuß voran, unsicher ob ich nicht einfach aufhören sollte, mit den Schritten, mit der Traurigkeit, mit dem Essen und Trinken.

Moosbewachsene Mauern schützen mich rechts und links vor Wind und dem Verlust meiner Erinnerungen an Zeiten, in denen ich mit Frauen hier lachend vorüberzog. Gelacht(hier fände ich eine Wiederholung von "Lachend" flüssiger) über die Welt und über die Unglücklichen, die Verlierer, oft mit dem besten Wein im Blut und der größten Freude in den Augen. Heute prasseln winzige Tröpfchen hinunter, so zart, dass mich der Aufprall jedes einzelnen auf den Boden schmerzt, kleine Kinder der Wolken verwischen die Tinte der Vergangenheit und säubern mein Fenster zur Realität(obwohl mich die Stelle fasziniert - sie hat was Kitschiges mit den "kleinen Kindern der Wolken" und etwas nicht ganz Stimmiges mit dem "Aufprall" der "zarten", "winzigen Tröpfchen"). Ich bin allein.

Wie immer streifen meine Blicke die Schaufenster der gemütlichen Läden mit ihrem Charme und ihren Besitzern, die sich für ihren Traum, selbstständig zu sein, aufopfern, die ihre Hilfe freundlich aber mit Nachdruck anbieten, um letztlich das verdiente Geld im Laden nebenan wieder auszugeben.(der Satz ist mir zu lang, ich kapiere nicht ganz, was du damit im Zusammenhang deiner Geschichte aussagen willst, und den Bogen zum nun folgenden Satz kriege ich dadurch auch nicht ganz) Hätte ich die Wahl, ich würde die Leere in meiner Brust sofort umtauschen gegen die Leere im Portemonnaie und erfahren was es heißt, einen Platz, einen Sinn in der Welt zu haben. Das Leben treibt Menschen wie mich nicht einfach irgendwo hin, nein, es ignoriert sie und lässt sie nur zuschauen, wie der Fluss aus wunderbaren und niederschmetternden Erlebnissen von der Geburt bis zum Ende an ihnen vorbeifließt, ohne dass sie jemals mehr als einen Spritzer abbekommen. Sie verdorren dann wie Blumen, die niemand gießt. (das ist mir einen Tick zu dramatisch und auch nicht schlüssig, zumal dein Protagonist sich ja vorhin noch an glückliche Stunden erinnerte - und ich auch nicht recht glauben will, dass sein Lebensgefühl aus dem Nichts, also ohne niederschmetternde Ereignisse, entstanden ist - aber, ich geb's zu, das ist psychologisierend)

Vor mir baut sich nun langsam die einzige Erhebung in der Gegend auf(baut sie sich langsam auf? wenn es die einzige Erhebung ist, dann muss sie doch schon lange sichtbar sein), im Frühjahr treffen sich Verliebte oben, um noch näher am Himmel zu sein. Küsse und Umarmungen streicheln dann den Hügel, der von mir bisher nur einige Tropfen Einsamkeit abbekommen hat,(hier würde ich einen Punkt setzen) heute Nacht werde ich ihm mehr geben. Je näher ich komme, je mehr spüre ich seine Kraft, Kraft die ich nicht mehr habe(warum? was ist geschehen?). Oben gehe ich zu der Stelle, von der man die ganze trüb erleuchtete Stadt sehen kann. Ich schreie so laut es geht, weil ich das noch nie getan habe, bevor mir die Holzbank an der Aussicht einen Platz anbietet, ich lehne ab und mich nur daran an, auch wenn der Boden etwas kalt ist. Aus der Innentasche kommt das Messer und spendet dem Berg mein Blut.


Hm, beim mehrfachen Lesen scheint es mir nicht geradlinig genug zum Schluss hinzuführen. Irgendwie fehlt Substanz. Leider kann ich es nicht viel genauer ausdrücken. Was ich sagen kann, ist nur ein Suchen nach dem, was ich meine. Mir fehlt ein klares Bild von deinem Protagonisten. Wer ist er? Vielleicht fehlt (mir?) der Hintergrund oder die Andeutung eines Hintergrunds. Es klingt für mich mehr nach Sehnsucht, als nach Todessehnsucht oder gar nach der Ausführung, die am Schluss angedeutet ist. So ähnlich.

Oh ja, der Titel: gefällt mir, lockt mich, aber ganz begriffen hab ich ihn im Zusammenhang nicht. Da sind noch die Wörter aus der Kneipe, gedämpft, vermischt und unverständlich... Sehnt sich der Protagonist nach Worten?

Vielleicht kannst du etwas damit anfangen.

Liebe Grüße,

Stern *

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nachtsicht
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Hallo Stern.

Vielen Dank für deine intensivere Betrachtung.

Die Nacht hat nur deswegen wenig Wörter, weil er niemanden kennt, mit dem er reden könnte.
Jetzt, einige Tage nach dem Schreiben, kommt mir der Text auch etwas lückenhaft vor, ich hätte zumindest ein paar Andeutungen mehr machen können, warum er sich umbringen will. Das Paradoxum [früher war alles gut - von Geburt an verdorrt] ist dir gut aufgefallen - vor mir, ist natürlich Schwachsinn. Insgesamt kommt es mir allerdings auch jetzt noch so vor, als wäre der Text ein Schritt vorwärts in schreibstilistischer Konstanz, die Aussage der kurzen Geschichte ist allerdings unklar, da hast du Recht.

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