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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Nacht vor dem Tage
Eingestellt am 14. 02. 2005 21:53


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Amy
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2005

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Diesen Traumtext musste ich kurzerhand fĂŒr meine Deutsch-Seminar noch in der Nacht zuvor schreiben.
Die Stichworte Schiff, Orkan, EisbĂ€r, Einkauf, BĂ€r im Frack und Empfang beim BĂŒrgermeister waren vorgegeben.


Die Nacht vor dem Tage

Das Schiff fuhr sehr langsam, schien beinahe still zu stehen. Doch da war ein kĂŒhler Wind, das ferne Kreischen der Möwen, die ihr zuriefen, ein Duft von Kokospalmen. Sie stand vorn am Bug und wĂŒnschte sich, das Schiff wĂŒrde schneller fahren.
„WĂ€re ich Jona, wĂŒrde Gott einen Orkan schicken; und springen mĂŒsste ich“, dachte sie und lĂ€chelte.
Plötzlich spaltete sich das Wasser unter ihr und zwischen der schaumigen Gischt blickten ihr zwei funkelnde Augen entgegen.
„Das ist der Wal der mich rettet.“ Sie stieg erleichtert ĂŒber das GelĂ€nder, setzte sich nieder und ließ die FĂŒĂŸe ins Wasser baumeln. Wie wollte schon fragen, wie weit es noch bis Ninive wĂ€re, da erkannte sie, dass das Tier im Wasser ein EisbĂ€r war.
In diesem Moment begann er, nach ihren FĂŒĂŸen zu greifen, wollte sie ins Wasser ziehen.
„Ich bitte um eine sanfte Landung auf meinen RĂŒcken, bis dass der Tod uns scheidet“, brummte er und im nĂ€chsten Augenblick fand sie sich in dem dichten Pelz des Tieres wieder.
Da bemerkte sie, dass er die Kleider eines BrĂ€utigams trug und war erstaunt darĂŒber, hier, fernab von den Kokospalmen und den Möwen, einen BĂ€r im Frack anzutreffen.
Der EisbĂ€r schwamm und sie ließ sich mitnehmen, vertraute ihm, wollte an nichts mehr zweifeln.
„Wo schwimmen wir hin?“ fragte sie ihn irgendwann.
Er antwortete leise und fast betörend: „In den Hafen der Ehe, mein liebes Kind. Und du bist mein Einkauf. Heute im Sonderangebot.“
Sie reckte die Nase in den Wind, suchte den sĂŒĂŸlichen Duft und war sich dessen bewusst, dass sie sich nun in eine Möwe verwandeln mĂŒsse, wenn sie dem Duft folgen wollte;
„Der Empfang beim BĂŒrgermeister“ sagte der BĂ€r.
Sie wĂ€lzte sich in seinem Fell, fĂŒhlte sich plötzlich unendlich mĂŒde.
„Der Empfang beim BĂŒrgermeister“, hörte sie noch einmal, öffnete die Augen.
„Der Empfang beim BĂŒrgermeister beginnt in einer Stunde. Du solltest langsam aufstehen, mein Schatz.“
Friedrich drĂŒckte ihr einen Kuss auf die Stirn und schlug die Bettdecke zurĂŒck.
„Na, steh schon auf, oder willst du etwa nicht mehr heiraten?“
Er lĂ€chelte amĂŒsiert ĂŒber seinen Scherz, stand auf und ging in die KĂŒche, um Kaffee zu machen.

__________________
Wir komponieren unser Leben nach den Gesetzen der Schönheit, auch in Momenten tiefster Hoffnungslosigkeit (Milan Kundera)

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