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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Neue
Eingestellt am 26. 11. 2017 21:49


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LUPESIWA
Festzeitungsschreiber
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Aus meiner Reihe "Geschichten über Senioren für Senioren"

Die Neue

Eine zaghafte Stimme holt Martha in die Wirklichkeit zurück. Das Fensterbrett ist leer, aber die Wärme fließt noch durch ihren Körper.
„Hallo Frau Eichmann, möchten sie nicht doch mit…“
„Ja doch, Schwester Birgit, bringen sie mich runter in die Cafeteria“, ruft sie aufgekratzt der jungen Frau zu. „Vielleicht ist noch leckerer Apfelkuchen da.“
Schwester Birgit wundert sich etwas über diesen Stimmungswandel. Sie ist erleichtert darüber, würde aber niemals fragen, was der Grund dafür sei. Sie ist noch nicht lange in dieser schönen Seniorenresidenz am Park und weiß wenig über die Bewohner.
Als könne Martha ihre Gedanken lesen dreht sie den Kopf zu ihr und sagt mit einem verschmitzten Lächeln:„ich habe Eichmännchen gesehen.“
In der Cafeteria scheint sie keiner zu vermissen, nur Isolde Gruber, ihre Zimmernachbarin, hat ihr Kommen bemerkt und rudert mit den Armen. Einige kichern und stecken tuschelnd die Köpfe zusammen.
„Wo bleibst du denn“ empfängt Isolde sie ganz aufgeregt, „du hast das Beste schon verpasst.“ Plötzlich stoppt sie und senkt ihre Stimme. „Ach Gott, heut ist ja…“
„Ist schon gut, Isolde, alles in Ordnung“, hilft Martha ihr aus der Verlegenheit, „aber was sooo Aufregendes soll ich denn verpasst haben?“
„Eine Neue ist im Haus, die wohnt in der dritten Etage“, sprudelt es aus Isolde heraus und dabei rückt sie immer näher heran.
„Na und, es kommt doch öfter jemand Neues, ein Kommen und Gehen“, reagiert Martha gelassen und bringt ihr Ohr in Sicherheit.
„Lass mich doch ausreden“ wispert ihre Nachbarin, „die soll was besonderes sein, eine Mathilde von und zu, verstehst du, eine von adliger Abstammung.“
„Na wenn schon, die atmet genau dieselbe Luft wie wir. Und jetzt will ich in Ruhe meinen Kuchen essen.“
Isolde dreht sich beleidigt weg und murmelt vor sich, “dann erzähl ich dir gar nichts mehr.“

Martha macht sich keine Gedanken darüber. Sie weiß genau, dass Isolde ihr Schweigen nicht lange aushält, sie muss sich einfach mitteilen. Ab und zu ist das auch nervig, denn der meiste Klatsch und Tratsch im Hause interessiert sie gar nicht. Aber Verlass ist auf Isolde. Die ist noch gut zu Fuß und hat ihr schon in mancher schwierigen Lage geholfen.
Nach dem zweiten Stück Apfelkuchen knufft Martha ihre Nachbarin in die Seite.
„ Erzähl schon, was habe ich verpasst?“
„Nun willst du es doch wissen“, triumphiert die und quasselt gleich los. „Schau mal zu dem Tisch links außen. Siehst du Madam sitzen, ja genau da, zwischen Einstein und Mücke?“
„Ja und, sehe ich, sieht nett aus die Frau. Was ist nun die Sensation?“
„Sensation, Sensation“, stöhnt die andere ungeduldig, „ na die Buhlerei unserer beiden Männlichkeiten. Die haben ein regelrechtes Rollatorrennen hingelegt, um einen Platz an ihrem Tisch zu kriegen. Dabei haben sie sich im Aufzug mit ihren Karren verhakt und keiner konnte mehr aussteigen. Kannst du dir das vorstellen?“ prustet sie und krümmt sich vor Lachen.
„Und das hast du alles gesehen?“, fragt Martha darauf todernst.
„Du schon wieder“, faucht Isolde, „hab ich nicht gesehen, aber die anderen haben es erzählt. Kannst einem jeden Spaß verderben.“ Sie steht auf und will zur Tür.
„Jetzt knurre nicht schon wieder rum“, lenkt Martha ein und hält sie am Arm fest. „Ich glaube es ja. Nun sei so lieb und nehme mich mit. Vielleicht gehen wir noch ein paar Minuten vor die Tür und vielleicht“, fügt sie lachend hinzu, „erwischen wir die beiden Gockel beim Balzen.“
Da muss auch Isolde lachen und schiebt ihre Zimmernachbarin mit Schwung vors Haus, um noch ein wenig den schönen Herbsttag zu genießen.



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Die Träume sind frei

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