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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Oberarmmanschetten
Eingestellt am 30. 06. 2001 14:52


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doktordigitalis
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Die Oberarmmanschetten


Er gab dem Unterkabelf├╝hrer das Formular seiner Vorprogrammierung unterschrieben zur├╝ck. Durch Falschaussagen konnte man noch auf Holzwege locken. Erst mal den Job kriegen, dann kann man immer noch sehen. Diese Vorprogrammierung war sicher wieder eines der Weiterbildungsma├čnahmen der Regierung vom gro├čen Arschloch. Bei Weigerung w├╝rde der Extra-Urlaubstag f├╝r n├Ąchstes Jahr wegfallen. Bis die Jungs von der Prinzipien-Dienstleistungs-Gewerkschaft - PDG - ihm das durchfechten k├Ânnten, d├╝rfte schon der eine oder andere Bonuspunkt verloren gegangen sein.

Vielleicht sollte man eine neue Fibel f├╝r die unverantwortlichen Mitarbeiter, die mitverantwortlichen Untergebenen, die Unterverantwortlichen herausgeben. Gegeben war eine offensichtliche Schlitzohrigkeit, umgeben von einer scheinschwangeren Dickh├Ąutigkeit. D├╝nnb├Ąuchigkeit war nicht gerade chic in Oberarschlochs Reich. Schadenfreude machte es, da zuzuschauen. Dickb├Ąuchige Schlitzohren der untergeordnetsten Sorte waren aufgeweicht, indifferent und herrlich national; Selbstkritik brauchte man hier nicht zu f├╝rchten.

Er entwertete einige Felder des oberarschigen Monatsbillet und fuhr ins oberarschige Konsum- und Ausstattungszentrum, um ein paar Billets zu verplempern. Er fand es l├Ąstig, dieses monatliche Anprobieren von Oberarschhemden und Oberarmmanschetten bis hin zu den g├Ąngigen Erzeugnissen des Audio- und Videomarktes. K├Ârbeweise stapelten sich die Videospiele und gro├če Kleiderbeh├Ąlter versperrten ihm die ohnehin schmale Aussicht auf eine triste und entwurzelte Landschaft suburbaner Ver├Âdung.

Vorprogrammierung hatte in dieser Zeit eine ganz andere Bedeutung. Man kannte das Hauptprogramm von Ober-Arschloch nicht, er hatte es aus dem Verkehr ziehen lassen, damit es nicht raubkopiert w├╝rde. Die monatlichen Frageb├Âgen zur Gutgl├Ąubigkeit waren klein gerastert. Die Kleinrasterei bahnte laut Hackerorgan Rast┬┤aus ungeahnte Wege den Verbraucherschutz auszutricksen.


Zum Gl├╝ck hatte er nur noch sechs Besuche im MED-SAT-Center und zw├Âlf Einheiten Freizeit abzurei├čen. Wenigstens das durfte man noch selbst. Leider mu├čte er sich immer von diesem penetranten Controller ablochen lassen, aber als selbstst├Ąndiger Arbeitsloser nahm er das in Kauf. Selbst aber st├Ąndig. Vom Ich zum Selbst gab es jetzt als Bausatz!

Das Oberarschloch, wer war das ├╝berhaupt? Vielleicht er selbst? Er begann insgeheim wieder mit dieser gef├Ąhrlichen T├Ątigkeit, auf verschiedenen Ebenen selbstst├Ąndig zu denken. Die Jungs vom Informatikkommando waren ja letzten Monat erst da gewesen. Es galt jetzt nur noch den Unterkabelf├╝hrer einmal durch die Wohnung zu f├╝hren, ohne da├č er die Stelle bemerkte, wo der Hauptkanal angezapft und nur notd├╝rftig ├╝berklebt war. Insgeheim hatte er so ca. 6000 Stunden aus dem Seitenkanal abgezapft und lie├č das Material von seinem Computer auswerten.

Schwerwiegende Konsequenzen w├╝rde es nach sich ziehen, wenn er sich unvorsichtigerweise dem Unterwerfungsritual widersetzte. Einmal ins DVD-Fach kucken lassen, ok. Einmal die Kanalbenutzereinheiten ablesen lassen, und beim Rausgehen noch die obligatorischen Zwei-Finger-hinterm-Ohr, was soviel hie├č wie: Wir tanzen hier nicht aus den Teigen, dem Oberarschloch ganz zu eigen. Zwangsfreie Zweckoption nannte man das. Dann hatte er wieder f├╝r sechs Monate Ruhe. Der Ableser nickte kotzbrockig und kritzelte Zahlen auf sein Formular. Eine Durchschrift lie├č er da. Die Datumsangabe war 31. M├Ąrz 2020.
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geschrieben 1982 - Hamburg
doktor digitalis
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