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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Oberpfalz
Eingestellt am 05. 02. 2018 11:06


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solowasser
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Die Oberpfalz ist graubraun, im Winter. Sie ist ab und zu weiß, aber nie allzu lange. Die steinigen Felder absorbieren den Schnee, was bleibt ist grauer Matsch, von Traktorspuren zerfurcht. Überhaupt Traktoren. BahnĂŒbergĂ€nge und Traktoren, das ist die Oberpfalz, wie ich sie erinnere. Sanfte HĂŒgel am Horizont, die AuslĂ€ufer des Bayerwaldes oder Böhmerwaldes. Es fĂŒhlt sich wie ein Böhmerwald an. Es sind böhmische Dörfer in der Oberpfalz, ĂŒberall. Es ist eine böhmische Sprache, hart und melodisch zugleich. Schwer verstĂ€ndlich, aber was ist das schon?

Die Oberpfalz, das sind auch die FlĂŒsse. Was gibt es? Die Vils, die Naab, der Regen. Die Donau? Die Donau hat wenig oberpfĂ€lzisches an sich. Zu erhaben, zu glatt trotz ihres SchlĂ€ngelns. Der Regen, die Vils und die Naab, das sind die Adern, die das Land prĂ€gen. Schlammig, zerfurcht, verwachsen. Wildschön. Alles strebt zur Donau hin, strebt hin nach Passau, nach Wien und weiter bis zum Schwarzen Meer. Aber wollen die Vils, die Naab und der Regen das ĂŒberhaupt? Oder wollen sie lieber zurĂŒck, irgendwo nach Böhmen oder Bayern? Sie dampfen im Sommer und stĂŒlpen der Oberpfalz eine triefende Glocke ĂŒber. Alle dampfen mit. Ausweg Hineinspringen. Es ist schlammig und flach, Karpfenland.

Ausgestorbene Bahnstationen, vor Jahrzehnten zuletzt angefahren. Wir lassen sie links liegen. Einen Augenblick spÀter Wald und Karpfenteiche. Wie haben die Urmenschen hier gelebt? Warum haben sie sich diesen Ort ausgesucht? Vielleicht das viele Wasser, die vielen Karpfen. Der viele Schlamm, die vielen Steine. Jahrtausende spÀter sterben immer noch Menschen hier. Es sterben auch Karpfen hier und Bahnstationen.

Die Oberpfalz, kein passendes Wort. Die Pfalz ist weit weg, die obere Pfalz ebenso. Geschichte verlĂ€uft nicht geradlinig, aber auch nicht im Kreis. Sonst wĂ€re die Oberpfalz zurĂŒckgekehrt. So verweilt sie weiter im Exil, in Westböhmen oder Ostbayern. Sie hat es sich hier gemĂŒtlich gemacht.

Vielleicht hat die Oberpfalz GlĂŒck gehabt. Vielleicht sterben die Bahnstationen aus einem ganz bestimmten Grund. Vielleicht wollen die Vils, die Naab und der Regen gar nicht ins schwarze Meer. Vielleicht wollen sie hierbleiben. Und vielleicht ist grau nicht einfach ein trister Farbton, sondern eine Mischung beider Enden: Schwarz und Weiß. Alpha und Omega. Eins und Null. Vielleicht sind hier beide Enden der Welt. Irgendwo mĂŒssen sie ja sein.

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aligaga
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Normalerweise kommentiert oder kritisiert @ali Texte Dritter dann nicht, wenn deren Autoren ĂŒber Jahre keinerlei Interesse an den Hervorbringungen Dritter erkennen ließen. Wer nur an sich selbst und seinem "Schaffen" interessiert ist, hĂ€tt's, so meint @ali, nicht verdient, ganz egal, ob seine Texte was taugten oder nicht. Hier macht @ali eine Ausnahme, weil er der "Oberpfalz" eine Lanze brechen möchte.

Dieser Text hier taugt deshalb nicht viel, weil er ein Bild der "Oberpfalz" zeichnet, wie es nur jemand haben kann, der nie wirklich genau hingeguckt hat und deshalb die Besonderheiten dieses Landstriches gar nicht entdeckt hat.

Das geht schon mit dem befrachteten "Graubraun" des ersten Satzes los. Die Oberpfalz ist parteipolitisch kohlschwarz, durchsetzt mit ein paar bedeutungslosen roten und braunen Einsprengseln. Dass sie im Winter morphologisch brauner wĂ€r' als andere Teile Bayerns, ist Unsinn - schon allein der Name "Fichtelgebirge" weist uns den Weg ins winterliche ImmergrĂŒn. Das Wort "Bayerwald" gibt's in der Oberpfalz gar nicht; typisch fĂŒr sie ist nicht der eigentlich (nieder)bayerische Wald, sondern der Steinwald.

Der OberpfÀlzer spricht nicht "Böhmisch", sondern Bayerisch und macht dabei aus dem offenen a und dem u ein ou; er isst ErdÀpfl, Schwammerl, den Dotsch und Knödel.

Dass die Donau in der Oberpfalz keine Rolle spielt, liegt nicht daran, dass sie so glatt sei oder sich gar "schlĂ€ngle" (das tut sie ohnehin nicht!), sondern weil sie gar nicht nennenswert in Erscheinung tritt. Folglich hat sie Land und Leute auch nicht prĂ€gen können wie in Schwaben, Ober- und Niederbayern. Wer meint, der Regen, die Naab, die Vils und die vielen kleineren BĂ€che und FlĂŒsse seien braun vom Schlamm, hat wohl noch nie wirklich in ihnen gebadet - sie laufen nicht durch einen oberpfĂ€lzischen Sumpf, sondern ihre Betten formt dunkel gefĂ€rbtes, grobes Urgestein, das mangels Fließgeschwindigkeit nie zum Kies werden konnte.

Die Karpfen sind keine Ureinwohner, und die Teiche gibt's erst seit dem Mittelalter - als die Mönche den "Waldlern" beibrachten, wie man sie ausgrÀbt, einstaut und bewirtschaftet.

Dass "Oberpfalz" unpassend klĂ€nge, darf man den Aborigines nicht sagen. Sie waren und sie sind stolz auf ihre "königliche" Vergangenheit, die viel weiter zurĂŒckreicht als nur bis zu Ludwig II. FlĂŒsse wollen nie und nirgends stehenbleiben; sie sind wie der Brocken , der sich vom Gipfel eines Berges losreißt und stets auf dem kĂŒrzesten, schnellstmöglichen Weg in die Ebene stĂŒrzt.

So schaut's aus - an der OberflĂ€che, wenn man richtig hinguckt. Die Tiefe ist davon noch gar nicht berĂŒhrt. Die erforderte ein Vielfaches an Zuwendung.

Heiter wieder weiter

aligaga

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