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Leselupe.de > Science Fiction
Die OmniCorporation Teil 1 (insp. by D. Adams)
Eingestellt am 06. 12. 2001 19:57


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Rupert Davis
Hobbydichter
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Ich habe die "anhalter" trilogie in f├╝nf b├Ąnden (!!) (schonmal im buchladen danach gefragt?) schon als zehnj├Ąhriger verschlungen und sie alle paar jahre nocheinmal gelesen. sie wurden immer besser!

Ich wei├č ich wei├č, nat├╝rlich kann man dem gro├čmeister nicht das wasser reichen, aber der versuch soll ihm eine ehrung sein.

viel spa├č...

Die OmniCorporation

Die Ultima war zweifelsohne das beeindruckendste Objekt, das je von Menschenhand gebaut worden war. Na ja, eigentlich war sie von riesigen Robotern gebaut worden, die von etwas kleineren Robotern hergestellt worden waren, die wiederum von kleinen Computern entwickelt worden waren, die einst von einem viel gr├Â├čeren Computer programmiert worden waren. Dieser Computer war jedoch irgendwann einmal von Menschen gebaut worden. Zwischendurch hatte zwar ein anderer Computer das Betriebssystem ├╝berpr├╝ft, es wortw├Ârtlich als ┬╗l├Ącherlich┬ź eingestuft und ein neues geschrieben, aber Menschen hatten auf jeden Fall ihre Finger im Spiel gehabt.
Nichtsdestotrotz war die Ultima sehr beeindruckend. Sie war das gewaltigste Raumschiff, das je auf einer erdnahen Umlaufbahn konstruiert worden war. Dies, ganz nebenbei ├╝brigens, in der fabelhaften Bauzeit von nur 39 Monaten. Ein Bauprojekt galaktischen Ausma├čes also, das nur von einer Firma bew├Ąltigt werden konnte: Die OmniCorporation. Die OmniCorporation war nicht nur die einzige Firma, die dieses Projekt realisieren konnte, sie war ├╝berhaupt die einzige Firma. Die OmniCorporation stellte alles her, vom Kaugummi bis zum Neutronendesintegrator. Einfach alles, was der moderne Mensch zum Leben ben├Âtigte. Einer ihrer Werbeslogans lautete: We made everything, expect the earth itself! (1)

(1) Gut, dass niemand bemerkte, dass eine Firma ohne jegliche Konkurrenz eigentlich ├╝berhaupt gar keine Werbung ben├Âtigte! Die Werbebranche hatte immerhin 20% des Weltweiten Arbeitsmarktes ausgemacht. Mal davon abgesehen, das sich ein f├╝nftel der Erdbev├Âlkerung pl├Âtzlich auf der Strasse befunden h├Ątte, h├Ątte sich auch der Lebensstandard der ├╝brigen 75% pl├Âtzlich im Keller der technisierten Zivilisation wiedergefunden. S├Ąmtliche Fernsehanstalten w├╝rden ohne Werbeunterbrechungen nur noch zwei Stunden Programm am Tag zu senden haben, die Leute w├╝rden sich in ihren Mittagspausen anschweigen, gesellschaftliche Beziehungen w├╝rden absterben und letztendlich nur der Anfang des langsamen Todes jeglicher Zivilisation sein. Nicht auszudenken! Aber soweit kam es gl├╝cklicherweise erst gar nicht.


Dabei waren sie mit der Ultima n├Ąher dran, als sie es je gewesen waren. Immerhin hatte sie die unglaubliche Gr├Â├če eines durchschnittlichen Mondes und bot Platz f├╝r achthundert Millionen Menschen. Die Materialaufwendungen zum Bau dieses Interstellaren Wanderers waren so enorm, dass schon einige Wochen nach Baubeginn s├Ąmtliche Skigebiete auf der Erde geschlossen werden mussten, weil s├Ąmtliche Gebirgsz├╝ge zur Rohstoffgewinnung abgetragen wurden. Aber auch das hatte noch nicht ausgereicht. Die ewigen Gegner des unaufhaltsamen Fortschritts, sowie einige Astronomen und eine Handvoll verkappter Romantiker hatten sich wochenlang ├╝ber das pl├Âtzliche Verschwinden des seit jeher so treuen Erdtrabanten gewundert. B├Âse Zungen hatten sogar lange hinter vorgehaltener Hand behauptet, dass die OmniCorporation und der Bau des Schiffes irgendetwas damit zu tun gehabt haben k├Ânnte.
Die Ultima war einfach ein Schiff der Superlative. Das Gr├Â├čte, das Schnellste, das Beste, das L├Ąngste und so weiter. Diese Aufz├Ąhlung k├Ânnte noch ewig so weitergehen und h├Ątte wohl auch, was in den Infobrosch├╝ren allerdings keinerlei Erw├Ąhnung fand, in einigen negativen Aspekten jeden Superlativ in den Schatten gestellt: Die meisten Arbeitsunf├Ąlle, die schlimmsten Baum├Ąngel, das unwirtschaftlichste Antriebssystem, um nur einige zu nennen. Um ehrlich zu sein w├Ąre diese ┬╗schwarze┬ź Liste wohl noch um einiges l├Ąnger als die, die in der Infobrosch├╝re zu lesen war (nebenbei die l├Ąngste Infobrosch├╝re, die es je gegeben hat). Das Guinness Buch der Rekorde von 2278 enthielt ├╝brigens beinahe zw├Âlftausend Eintr├Ąge allein ├╝ber die Ultima. Einige Wochen sp├Ąter brachte man noch einen Sonderband heraus.
Ein weiterer Superlativ, der sich in die Reihe der anderen gesellte, war einst die Anzahl der Besatzungsmitglieder gewesen, die man ben├Âtigte, um diesen Koloss zu fliegen. Allein um das Schiff aus seinem Konstruktionsger├╝st zu man├Âvrieren, hatte man 160.000 Mann ben├Âtigt, die die zahlreichen Steuerkontrollen bedienten, die zahlreichen Steuerd├╝sen steuerten, die zahlreichen Kapit├Ąnsst├╝hle besetzten und die unz├Ąhligen Antriebsreaktoren ├╝berwachten. Wenig sp├Ąter entschied man sich aber doch dazu, nachtr├Ąglich einen Autopiloten zu installieren.
Doch letztendlich, nachdem Milliarden Litern von Schwei├č ├╝ber die Schl├Ąfen ebenso vieler Arbeiter, Erzsch├╝rfer, Elektriker, Statiker, Heizungstechniker und Werbefilmproduzenten geflossen war, r├╝ckte der Moment des rituellen Stapellaufes immer n├Ąher. OmniCorporation hatte versprochen dieses Gro├čereignis der Menschheitsgeschichte in einem geb├╝hrenden Rahmen zu feiern und rief ganz nebenbei das gr├Â├čte Preisausschreiben ins Leben, das die Menschheit je gesehen hatte. Verlost wurden achthundert Millionen Fahrkarten f├╝r die Jungfernfahrt. (2)

(2) Entgegen allen Erwartungen wurden in der ersten Woche gerade mal sieben Lose verkauft. 89 Experten hielten eine drei Tage dauernde Krisensitzung ab, um eine M├Âglichkeit zu finden, die Absatzzahlen anzukurbeln. Letztendlich entschloss man sich, folgenden Punkt aus den Teilnahmebedingungen zu streichen: S├Ąmtliche Mitarbeiter der Firma OmniCorporation, oder einer ihrer Tochterfirmen sowie deren Verwandte und Bekannte sind von der Teilnahme des Gewinnspiels ausgeschlossen.
F├╝nf Minuten nach Bekanntgabe dieser Entscheidung waren alle Lose ausverkauft.

Wochenlang fieberten die gl├╝cklichen Gewinner dem Moment ihres Lebens, dem Moment der Menschheitsgeschichte, dem Moment ├╝berhaupt entgegen. Der erste Flug der Ultima. Das Ziel, auf das nahezu ein ganzer Planet mehr als drei Jahre lang hingearbeitet hatte, der Gipfel des Fortschritts, eine Ode an die Zivilisation, die Krone der Evolution. Die letzten Wochen vor dem Start lag weltweit eine knisternde, gespannte Stimmung in der Luft, wie sie sonst nur F├╝nfj├Ąhrige am heiligen Abend verspr├╝hen.
Doch dann geschah etwas ganz dummes.


Flur 749, Deck 364 (zweite Klasse)

Der Flur 749 auf Deck 364 war an sich nichts besonderes. Als einer von unendlich vielen Fluren im gewaltigsten Raumschiff der Geschichte, war er nichts weiter, als ein Sandkorn in der Sahara. Er hatte noch nicht einmal eine besondere Farbe. Er war dunkelgrau lackiert, in warmes Licht getaucht und sauberer als ein Operationssaal. Hier und da wurden die glatten W├Ąnde von einem Schott unterbrochen und der einzige Schmuck an den W├Ąnden waren ein paar Hinweisschilder und Wegweiser. Wie alle Flure war er so lang, dass man, wo immer man auch stand, in beide Richtungen blicken konnte ohne das Ende zu sehen. An der Stelle, an dem die Sehweite eines durchschnittlichen Menschen endete verlor sich der Flur lediglich in einen kleinen schwarzen Punkt. Er war also wahrlich nichts besonderes. Dennoch sollte er in naher Zukunft Schauplatz eines wirklich bemerkenswerten Zwischenfalls werden.
Mit einem charakteristischen Summen ├Âffnete sich eines der Schotts auf dem Flur 749 und eine hagere, glatzk├Âpfige Figur in einem grauen Overall und einem dazu passenden ausdruckslosen Gesicht trat in das warme Licht. Unterhalb des OmniCorporation-Schriftzug auf der linken Brusttasche seines Overalls war eine schlichte 1 aufgen├Ąht. Ohne sich umzusehen steuerte Nummer 1 den kleinen schwebenden Wagen, den er hinter sich herzog, zielstrebig den Flur entlang. An einer bestimmten Stelle blieb er pl├Âtzlich stehen, bewegte sich steif um seinen Schwebewagen herum und zog an einem der St├Ąbe, die in einem K├Âcher am Heck steckten.
Er kehrte zur├╝ck vor den Wagen und bet├Ątigte einen kleinen Knopf am oberen Ende des Stabes. Am anderen Ende bildete sich von einem leisen Summen begleitet ein feurig rotes, ovales Energiefeld. Nummer 1 setzte das Energiefeld auf dem Boden auf und begann zu wischen. Er begann zu wischen, wie er es jeden Tag tat. Jeden Tag seit nunmehr 35 Jahren. Und in diesen 35 Jahren gab es nicht einen Tag, an dem dieses Ritual anders verlaufen w├Ąre. Nicht einmal hatte er sich zwischendurch diebisch umgesehen und sich, eine Zigarette rauchend, an die Wand gelehnt, solange ihn niemand beobachtete. Er hatte noch nicht einmal irgendwann in diesen 35 Jahren kurz innegehalten um sich am Kopf zu kratzen. Nicht einmal geh├╝stelt hatte er in dieser Zeit. Doch f├╝r dieses Mal hatte das Schicksal einen besonders k├╝hnen Einfall und bog aus einer Laune heraus (oder vielleicht aus Langeweile), pl├Âtzlich vom Freeway der Ordnung ab, um fortan ├╝ber den steinigen Feldweg des Chaos zu holpern.
Nummer 1 hatte weder Ahnung vom Schicksal oder der Zukunft, geschweige denn vom Chaos, deshalb wischte er mit stoischer Geduld in zentimetergenauen Bahnen ├╝ber den bereits blitzblanken Flur, bis ein kleines wei├čes Kaninchen mit einem winzigen Tornister auf dem R├╝cken vor dem Energiefeld seines Wischers auftauchte. Zum erstenmal seit 35 Jahren h├Ârte er vor dem Ende seiner Schicht auf zu wischen. Er h├Ârte auf und starrte das Kaninchen an, das mit neugierig schn├╝ffelndem N├Ąschen zu ihm aufblickte.
Er hatte noch nie zuvor ein Kaninchen gesehen, geschweige denn ├╝berhaupt von der Existenz eines solchen Tieres gewusst (im Grunde genommen hatte er noch nicht mal Ahnung von der Existenz). Demzufolge wusste er auch nicht, was genau da vor ihm stand. Einzig und allein aufgrund der Tatsache, dass es sich bewegte, schloss Nummer 1, dass es sich um ein Lebewesen handeln musste. Dar├╝ber hinaus kam er vorerst zu keiner weiteren Erkenntnis. Seine anatomischen Kenntnisse reichten nicht einmal dazu aus, das zuckende Etwas in der Mitte des Gesichtes des kleinen Tieres als Nase zu identifizieren.
Doch trotz dieser nur kl├Ąglichen Ausbeute an Erkenntnissen von Nummer 1 war es der bemerkenswerteste Zwischenfall in der Geschichte der Wissenschaft, den es je gegeben hatte. Leider war kein Wissenschaftler zugegen, um diesem au├čergew├Âhnlichen und wohl auch einzigartigem Ereignis beizuwohnen. Das war aber auch besser so, wahrscheinlich h├Ątte er vor Erfurcht und Aufregung nur einen Herzanfall bekommen und w├Ąre auf der Stelle gestorben, noch bevor er sich der Bedeutung der Situation bewusst geworden w├Ąre (wie wir gerade gesehen haben, ist das Schicksal mittlerweile zu allem f├Ąhig).
Denn das wahrhaft bedeutungsvolle an dieser Situation war nicht das Kaninchen oder der kleine Tornister, es war die Erkenntnis (so erb├Ąrmlich sie auch war), zu der Nummer 1 kam. Denn eigentlich ist es unm├Âglich, dass ein Reinigungsklon ├╝berhaupt zu einer Erkenntnis kommt. Er war genetisch einzig und allein darauf programmiert worden, an einer bestimmten Stelle zu wischen. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder Taschenrechner hatte eine um Potenzen kompliziertere Programmierung als dieser Klon und doch gelangte er zu einer Erkenntnis. Aber es wurde noch besser.
Nachdem Nummer 1 das Kaninchen einige Sekunden, oder Minuten (es k├Ânnen auch Stunden oder Tage gewesen sein, Reinigungsklone haben kein Zeitgef├╝hl) angestarrt hatte, tat er etwas schier unglaubliches.
Er sagte: ┬╗Nanu!┬ź
Und das Kaninchen antwortete: ┬╗Mir ist langweilig, wann kommt endlich jemand und spielt mit mir?┬ź
Na, habe ich zu viel versprochen? Wahrhaft unglaublich nicht wahr?
├ťbrigens, bevor sich jemand auf dieses Kaninchen versteift, sollte ich Sie vielleicht dar├╝ber aufkl├Ąren, dass an dem Kaninchen wirklich nichts, aber auch ├╝berhaupt nichts au├čergew├Âhnliches ist. Es ist weder eine besondere genetische Z├╝chtung, noch ist es in irgendeiner Form verzaubert. Eigentlich kann es auch noch nicht einmal sprechen. Sie als aufmerksamer Leser haben aber bestimmt schon daran gedacht, dass die Antwort des Kaninchens irgendwie mit dem kleinen Tornister auf seinem R├╝cken zusammenh├Ąngen k├Ânnte. Kurze Erkl├Ąrung: W├Ąhrend der unglaublich kurzen Bauzeit der Ultima, stellte man pl├Âtzlich fest, dass die gelieferten Datenkabel f├╝r den Bordsprechfunk niemals ausreichen w├╝rden, um das gesamte Schiff zu verkabeln. Irgendwer hatte sich scheinbar bei der Planung um einige hundert Nullen verrechnet. Nachdem man den Schuldigen nicht hatte ausmachen k├Ânnen und daher vorsichtshalber den ganzen Planungsstab gefeuert hatte, entschied man sich kurzerhand dazu, abgerichtete Kaninchen einzusetzen, die mit einem kleinen Aufzeichnungsger├Ąt auf ihrem R├╝cken Nachrichten aufnehmen konnten, um sie in jeden Winkel des Schiffes zu transportieren. Warum man daf├╝r ausgerechnet Kaninchen genommen hatte, wei├č ich allerdings nicht. Es steht auch nichts dar├╝ber in den Infobrosch├╝ren.
Sie sehen also, es ist wirklich nichts au├čergew├Âhnliches an dem Kaninchen, also widmen wir uns wieder Nummer 1, der gerade nicht nur sein eigenes erstes Wort ├╝ber die Lippen gebracht hatte, sondern das erste Wort eines Reinigungsklons ├╝berhaupt. Sie m├╝ssen doch zugeben, dass das wirklich au├čergew├Âhnlich ist. Oder hat ihnen ihr Taschenrechner, um das Beispiel noch einmal aufzugreifen, schon einmal das Fr├╝hst├╝ck ans Bett gebracht? Nicht? W├Ąre auch ziemlich ungew├Âhnlich. Aber genug jetzt, es interessiert Sie sicherlich, wer diese Kaninchenbotschaft abgeschickt hat.
┬╗Mit dir spielen?┬ź, fragte Nummer 1, angesichts der Situation viel zu gefasst und ohne das Wissen, dass es sich bei seinem Gespr├Ąchspartner um eine Aufzeichnung handelte.
┬╗Allm├Ąhlich wird mir langweilig┬ź, fuhr das Kaninchen fort. ┬╗Also kommen Sie doch bitte zu mir und spielen mit mir.┬ź Mit einem leisen Knacken endete die Aufzeichnung, nur um einen Moment sp├Ąter mit einem weiteren Knacken fortzufahren. ┬╗Ach ja, ich bin im Freizeitraum 24 auf Deck 1357, direkt am Flur 415. Jedenfalls behauptet der Flipper das.┬ź Dieses Mal endete die Aufzeichnung endg├╝ltig und das Kaninchen hoppelte unverz├╝glich davon.
Nummer 1 kratzte sich am Kopf als er dem Kaninchen nachblickte, zuckte mit den Schultern, steckte seinen Besen in den Schwebewagen und machte sich zu Fu├č auf dem Weg zum Freizeitraum 24.
6 Monate sp├Ąter kam er an.

Freizeitraum 24 auf Deck 1357

Nummer 1 hatte bisher keinen anderen Ort des Schiffes gesehen, als Flur 749 auf Deck 364, und h├Ątte er in den letzten sechs Monaten darauf geachtet, h├Ątte er festgestellt, dass ihm dadurch wahrlich nichts entgangen war. Nichts, bis auf das Turbotransportsystem, das das Schiff durchzog wie Adern einen K├Ârper.
Er durchschritt das Schott mit der Aufschrift Freizeitraum 24 ohne sich dar├╝ber zu wundern, das er soeben lesen gelernt hatte und fand sich in einem v├Âllig dunklen Raum wieder. Lediglich in der hinteren rechten Ecke des Raumes, ungef├Ąhr f├╝nfhundert Meter von ihm entfernt, lie├č ein fahler Schein auf eine Lichtquelle schlie├čen.
┬╗Da sind sie ja endlich!┬ź, begr├╝├čte ihn eine heitere, aber ├╝ber diese Entfernung nur leise zu h├Ârende Stimme.
Nummer 1 durchschritt den gro├čen Saal, der mit den modernsten und beliebtesten, elektronischen Gesellschaftsspielen und Vergn├╝gungsautomaten angef├╝llt war, die die OmniCorporation je entwickelt hatte. Bis zur Decke t├╝rmten sich allerlei exotische Spielger├Ąte und andere Zeitvertreiber, deren genaue Funktionen Nummer 1 nicht einmal h├Ątte erraten k├Ânnen, wenn er sie in der Dunkelheit gesehen h├Ątte. Er ging einfach geradewegs auf den Lichtschimmer zu. Dort angekommen erblickte er einen kleinen Tisch mit einem n├╝chtern wirkenden, schwarz-wei├čen Quadratmuster und einen Flipperautomaten, der seine ganzen kleinen Lichtlein freudig aufblinken lie├č.
┬╗Setz dich doch┬ź, bot ihm der Tisch hastig an und ein kleiner Stuhl fuhr aus dem Boden heraus.
Nummer 1 setzte sich.
┬╗M├Âchten sie Schwarz oder Wei├č?┬ź
┬╗Wei├č┬ź, entschied der Klon ohne wirklich zu wissen was der Tisch von ihm wollte.
Auf dem Spielfeld erschienen 32 sehr sch├Ân gestaltete Hologramme von Schachfiguren.
┬╗Fangen sie an!┬ź, dr├Ąngelte der Tisch.
Die erstaunliche Tatsache das ausgerechnet ein Schachcomputer zur Ungeduld neigte, ist ├╝brigens ebenfalls dem Planungsstab des Ultima-Projektes zu verdanken. Nachdem man den ganzen Stab nach der Sache mit den Datenkabeln gefeuert hatte, hatte man n├Ąmlich schnell feststellen m├╝ssen, das nur der Planungsstab selbst durch seine v├Âllig chaotischen Pl├Ąne fernab jeglicher Struktur durchzusteigen vermochte. Daher wurde der Planungsstab kurzerhand wieder eingestellt. (2)

(2) Der gesamte Planungsstab wurde w├Ąhrend der kompletten Konzeptions- und Bauphase insgesamt 61 mal gefeuert und kurz darauf wieder eingestellt (siehe auch Guinness Buch der Rekorde 2278, Seite 311: H├Ąufigste Entlassung des gesamten Planungsstabes w├Ąhrend der kompletten Konstruktions- und Bauphase eines Raumschiffs).

Es kam wie es kommen musste: Irgendjemand hatte irgendwo auf irgendeinem Lieferschein ein falsches Kreuz gemacht und so kam der Schachcomputer zu einer k├╝nstlichen Intelligenz, die eigentlich f├╝r einen der unz├Ąhligen Schokoriegelautomaten in den weiten Fluren des Schiffes bestimmt gewesen war.
F├╝r die zweite auff├Ąllige Tatsache, dass der Schachcomputer unsinnigerweise an den Notstromkreis angeschlossen und somit immer noch aktiviert war, h├Ątte jedoch noch nicht einmal jemand aus dem Planungsstab eine Erkl├Ąrung gehabt.
Wie dem auch sei, er funktionierte und er wollte endlich spielen. Doch Nummer 1 musste ihn entt├Ąuschen.
┬╗Womit anfangen?┬ź
┬╗Mit dem Spiel.┬ź
┬╗Welches Spiel?┬ź
┬╗Schach┬ź, erkl├Ąrte der Tisch genervt. ┬╗Ich bin ein Schachspiel und ich will jetzt anfangen!┬ź
┬╗Ich denke, ich soll anfangen┬ź, erwiderte Nummer 1 verwundert.
┬╗Ja, sie sollen anfangen, damit ich auch endlich anfangen kann.┬ź
┬╗Dann fang du zuerst an, so sehe ich, wie es geht!┬ź
┬╗Das geht nicht, Sie haben wei├č!┬ź, brummte der Schachcomputer und bemerkte pl├Âtzlich etwas. ┬╗Du wei├čt nicht, wie es geht?┬ź, fragte er entr├╝stet. Pl├Âtzlich hatte er jene Schwelle des Respektes in seinem Programm sprungartig unterschritten, die ihn dazu veranlasste, seine Gegenspieler zu Siezen.
┬╗Nein┬ź, antwortete Nummer 1, der noch nie etwas von Respekt geh├Ârt hatte.
Der Tisch gab einen elektronisch verzerrten Laut von sich. Das beste Äquivalent eines Seufzers, das er je hinbekommen hatte.
┬╗Also gut, ich erkl├Ąr┬┤s dir!┬ź
Bevor er jedoch zu seiner Erkl├Ąrung ansetzen konnte, gab der Flipperautomat den eindringlichen Jingel eines gewonnenen Extraballs zum besten. Eine Tonfolge, die noch lange nach dem H├Âren auf ebenso unangenehme wie unerkl├Ąrliche Weise beharrlich im Ohr verweilte. Der Flipperautomat versuchte so, seiner freudigen ├ťberraschung Ausdruck zu verleihen, die er empfand, als sich die T├╝r am anderen Ende des Raumes ein weiteres Mal, das zweite Mal in f├╝nfunddrei├čigeinhalb Jahren, ├Âffnete und eine schlanke Gestalt im Lichtkegel erschien.
┬╗Ah, noch jemand!┬ź, rief der Tisch freudig aus und verga├č f├╝rs erste seinen ├ärger ├╝ber Nummer 1. Aber schon einen Moment sp├Ąter wurde er erstmals mit den oftmals schwer nachvollziehbaren Launen des Schicksals konfrontiert. Einen Moment sp├Ąter trat Nummer 2 in den schummrigen Lichtkegel, der die illustre Gesellschaft umgab, ein. Der Tisch erkannte sofort, dass er Nummer 1 bis aufs Haar, oder besser gesagt bis auf die Pore glich. Er brauchte daher auch nicht mehr als nur den Bruchteil einer Millionstel Sekunde, um daraus R├╝ckschl├╝sse auf Nummer 2s Schachkenntnisse zu schlie├čen. Allerdings hatte er vor einigen Jahren eine Unterhaltung mit dem Hauptcomputer des Schiffes gehabt, in der es um das f├╝r eine Maschine nur schwer verst├Ąndliche, aber irgendwie faszinierende Ph├Ąnomen der Hoffnung ging. Der Tisch entschloss sich es einmal auszuprobieren.
┬╗Kannst du Schach spielen?┬ź, fragte er den Neuank├Âmmling.
┬╗Nein.┬ź
Der Schachcomputer wollte gerade aus Frust s├Ąmtliche Daten zum Thema Hoffnung l├Âschen, ├╝berlegte es sich im letzten Moment jedoch noch einmal anders und hoffte einfach, das es beim n├Ąchsten Mal funktionieren w├╝rde.
┬╗Also gut, ich erkl├Ąr┬┤s euch beiden. Aber h├Ârt gut zu, ich habe keine Lust, es zweimal zu erkl├Ąren!┬ź
Bevor der Schachcomputer jedoch zu einer Erkl├Ąrung ansetzen konnte, ert├Ânte der Extraball-Jingel erneut, gerade als die letzten Echos des eindringlichen Ger├Ąusches die Geh├Ârg├Ąnge der Anwesenden der friedlichen Stille ├╝berantwortet hatten.
Die T├╝r am anderen Ende des Raumes ├Âffnete sich ein weiteres mal. Diesmal bleib der Schachcomputer jedoch stumm und spielte eine Partie gegen sich selbst. Innerhalb von zwei Sekunden waren s├Ąmtliche Figuren, bis auf die beiden K├Ânige und einen schwarzen Bauern verschwunden. ┬╗Schach Matt!┬ź
Der Tisch murmelte noch 21 mal ┬╗Schach Matt┬ź, bevor der Neuank├Âmmling in den Lichtkegel trat. Als der Schachcomputer den Neuank├Âmmling betrachtete l├Âschte er unvermittelt sein Hoffnungsprogramm. Er sah ebenfalls genauso aus, wie die beiden, die kurz vor ihm eingetroffen waren.
Nummer 1 Blicke wechselten verwirrt von Nummer 2 und dem Neuank├Âmmling ÔÇô auf seinem Overall stand eine 5 ÔÇô hin und her. Nummer 2 erging es ebenso. Er musterte Nummer 1 und Nummer 5.
Und Nummer 5 sagte: ┬╗Ihr seht ja gleich aus!┬ź
┬╗Ihr auch!┬ź, sagten Nummer 1 und 2 im Chor.
┬╗Ihr seht alle gleich aus!┬ź, fuhr der Tisch dazwischen, der erkannte, das sich eine lange unn├Âtige Diskussion anbahnte.


so, das war der erste teil. der zweite existiert leider nur im layout.
aber wenn es euch gefallen hat, und ihr wissen wollt warum schokoriegelautomaten ├╝berhaupt eine inteligenz brauchen, oder was der hauptcomputer von all dem h├Ąlt, dann m├╝├čt ihr mir ein wenig in den hintern treten, damit ich mich mal dransetze!

rupert
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TupperWal
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Gratulation!

es ist wirklich ein bisschen wie der "Anhalter"!
(letztens las ich "raumschiff titanic" und bin immer noch entt├Ąuscht!)
wenn du es schaffst, bis zum ende in dieser qualit├Ąt zu schreiben, wird das ein richtig gutes SF-buch!

bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht!!!
wo sollte ich dich hintreten, damit du voran kommst?

gr├╝├če
frank

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Rupert Davis
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nun ja...

hi tupperwal,

also ich denk schon, das ich es hinbekommen k├Ânnte in der qualit├Ąt weiterzuschreiben, und irgendwie existiert der rest der geschichte ja auch schon, aber ich mu├č mal sehen wann ich dazu komme. zuerst schreibe ich nochmal ein anderes geschichtchen auf, das mir schon seit langen als drehbuch zu einem kurzfilm im kopf herumgeistert.
die ist aber weniger lustig und eher im stil von "ein anderer morgen", allerdings diesmal ohne klone!
aber die ernsten sachen hamm dir ja glaube ich auch gefallen!
die omnicorporation sache, war eigentlich sowieso mehr nur ein nebenprodukt, weil ich gerade seit nun schon beinahe zwei jahren an einem roman herumbastel, der eben nicht in dieser weise komisch ist. er ist nicht staubtrocken, aber der ├╝bliche roman-schmunzel-humor ist eben was v├Âllig anderes, als das d. adams-kaliber.
aber da ich manchmal eben auch witzig sein kann, mu├čte ich meinen humor kompensieren und in eben dieses projekt umleiten. allerdings ,und das wort fiel ja, k├Ânnte ebensogut noch ein ganzes buch draus werden.
aber naja, ich werd mal sehen. ich versuch in einer ruhigen m,inute jedenfalls erstmal einen weiteren teil fertig zu bekommen...

viele gr├╝├če,

rupert
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Arathas
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also... ja, durchaus!

Gef├Ąllt mir! Hat Stil, eigene Ideen, ist gut geschrieben und weckt das Verlangen nach mehr.

Darf ich dir "Quer durch die Zeit und bei der dritten Quante links" von mir ans Herz legen? Ich w├╝rde gern wissen, was du von der Geschichte h├Ąltst, denn sie ist auch ein wenig im Adams-Stil geschrieben, wenn auch ├╝ber ein ganz anderes Thema...

cheers, Arathas

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TupperWal
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Hi Ruppert,

"nun ja"???
gef├Ąllt es dir nicht, die Leute zum Schmunzeln, oder gar Lachen zu bringen? Also f├╝r mich ist es erstrebenswert, ein gutes Gef├╝hl zu verursachen!

├ťber den Anspruch, den du an dich selber hast, kann und will ich nichts sagen, aber wie du richtig angemerkt hast, gefallen mir auch deine "ernsteren" Sachen.
Ich mag eine klare, unverschn├Ârkelte Sprache. Eine Sprache, die erz├Ąhlt und nicht um ihrer selbst Willen ejakuliert wurde. Ist sicher Geschmackssache. Ich mu├č mich doch nicht entschuldigen, dass mir deine Sachen gefallen, oder?
Ich finde es nicht schlimm, einfach nur Unterhalten zu wollen, die Leute f├╝r ein kurzes Nu aus ihrem Alltag zu entf├╝hren und dem Universum ein paar "good vibrations" zukommen zu lassen. Lehren und Anspruch vermitteln k├Ânnen ruhig Diejenigen, die sich dazu berufen f├╝hlen. Das hei├čt aber nicht, dass es an Niveau fehlen darf!

Es gef├Ąllt mir einfach wie du schreibst!

Hau rein und machnichsokrass!
Frank

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Rupert Davis
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├Ąhem...(?)

moin ihr zwei!

also erstmal zu tupperwal:

das "nun ja...", war ja gar nicht auf deine kritik bezogen, sondern eigentlich nur auf das "in den hintern treten".
freut mich ja, das dir die sache so gut gefallen hat und ich schreib ja auch gerne sowas (sonst h├Ątt ichs ja net schreiben m├╝ssen!) wollt halt nur mal loswerden, dass ich noch ein wenig brauchen werde mit der fortsetzung. bei der gelegenheit bin ich dann auch gleich mal losgeworden, wie es ├╝berhaupt dazu kam, das ich mich darauf eingelassen habe. naja, in erster linie war es eigentlich ein versuch, ob man als normalsterblicher ├╝berhaupt so schreiben kann.
kann also sein, dass du da vielleicht etwas missverstanden hast, weil ich nicht verstehe, wie du auf "anspruch" und solche dinge kommst. h├Ârt sich ganz so an, als w├╝rdest du glauben, diese art zu schreiben w├╝rde ich voll mistig finden, weils anspruchslos sei. is aber quark! ich h├Ątt vielleicht auch erst nochmal auf feine kritik eingehen sollen. aber um nochmal drauf zu kommen: sicher steht hinter jeder geschichte auch ein gewisser anspruch. er diese hier hat ihn ja erf├╝llt, sonst h├Ątt ich sie gar net gepostet. und nat├╝rlich sollte man, wenn man schreibt unterhalten wollen. das ist das prim├Ąre ziel! wenns lustig ist umso besser, wenns lustig ist und auch noch was aussagt, perfekt!!


nun zu arathas:

habe die kritik ebenso dankend angenommen und werde mal einen blick..., nein, ich werde es mir durchlesen, das "quer durch die zeit..."
bin schon gespannt, kann alllerdings nicht versprechen, das ich das in den n├Ąchsten 4 tagen schaffe. ist grad stressi die zeit und ich flieg immer nur mal so kurz durch netz und check mal alles ab. aber lesen werd ichs auf jeden fall!
au├čerdem werd ich mich ├╝ber die ruhigeren festtage mal versuchen hinzusetzen. vielleicht krieg ich diese andere geschichte schnell fertig...

also, viele gr├╝├če,

rupert


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