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Leselupe.de > Science Fiction
Die Passage: Die Reise des Aqualonauten
Eingestellt am 29. 11. 2006 22:24


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Fugalee Page
Fast-Bestseller-Autor
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Viel Zeit ist vergangen, seit der Axolot Kenntnis von der geheimnisvollen Passage erlangt hat. Doch der Molchartige wĂ€re nicht Molch, wenn er das Ungewisse auf sich beruhen ließe. So werden wir Zeuge der ersten, groß angelegten Expedition; des ersten bemolchten Upstreams.

„Möge der Laich stets gesund und lernwillig sein.“
(Inschrift auf dem Sandwall nahe der Kathedrale am Großen Platz)


„Na gut, dann verschwinde! Aber wundere dich nicht, wenn ich nicht mehr da bin, wenn du zurĂŒck kommst. Falls du ĂŒberhaupt jemals wiederkommst. Du dickköpfiger, störrischer Molch, du! Ach, ich könnte manchmal verzweifeln an dir. Wenn du nur nicht immer so 
“
Die Schimpftiraden signalisierten Gonatus, dass es klĂŒger war, hier nicht weiter kontra zu geben.
Sie hatte ja nicht ganz Unrecht. Die Expedition war gefĂ€hrlich, und alles andere als typisch fĂŒr einen meeresbodenstĂ€ndigen Wissenschaftler wie ihn. Doch zum einen war die Versuchung einfach zu groß, als erster Molch zur legendĂ€ren Passage zu reisen, zum anderen war er maßgeblich an den ZĂŒchtungen beteiligt gewesen. Die Idee zur Umsetzung der Sonde war sogar alleine auf seinem Algendung gewachsen. Sobald er zurĂŒckkehrte, wĂŒrde er Abralia schon irgendwie wieder besĂ€nftigen. Doch jetzt musste er los.

Aufgeregt schwamm Gonatus zum Großen Platz vor der Kathedrale. Seit Molchsgedenken war dies der Ort, an dem der Axolot seine Versammlungen abhielt. Hier wurden Geschichten ĂŒberliefert. Hier fanden wichtige Abstimmungen statt. Hier lernten sich die Molche untereinander kennen und lieben, und heute wĂŒrde von hier aus ein epochaler Start stattfinden.
Auf einer Anhöhe jenseits der Kathedrale hatten er, Gonatus, und sein Rivale, Bahrami, einige Sandskizzen vorbereitet. Damit wollten sie den Versammelten die Thematik veranschaulichen. Schließlich kam es nicht jeden Tag vor, dass einem eine völlig neue ZĂŒchtung prĂ€sentiert wurde. Ja – am Ende waren Gonatus und Bahrami dann doch zu einer Einigung gekommen. Was nicht zuletzt an der Intervention der beiden Frauen gelegen hatte. Abralia und Spiriti verstanden sich nĂ€mlich prĂ€chtig. Die beiden flossten auf der gleichen StrömungslĂ€nge. Ihr synchroner Flossenschlag zeugte davon, dass auch Spiriti die Meinung vertrat, ihr Mann wĂŒrde mehr Zeit mit seinen Forschungen und fremden Spawnies zubringen, als sich ihr und dem gemeinsamen Laich zu widmen.

Schon von Weitem konnte Gonatus das wuselnde Heer der Molche erkennen. Alte wie Junge. FĂŒr den Laich war es sehr wichtig, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Das Wissen musste bestĂ€ndig weitergegeben werden. Die relativ kurze Lebenserwartung der Molche ließ dies nötig erscheinen. Das Individuum trat zum Wohle der Gemeinschaft meist in den Hintergrund. So war es um so bedeutender fĂŒr den Molch, wenn einer durch seine Taten dermaßen in den Vordergrund rĂŒckte, dass er in den Rang eines Helden aufstieg. Und heute wĂŒrde einer dieser denkwĂŒrdigen Tage sein.
Es hatte manch hitzige Diskussion zwischen Gonatus und Bahrami gegeben. Beide fĂŒhlten sich der Wissenschaft und dem Gemeinwohl der Molche verpflichtet. Fortschritt bedeutete einen hohen Lebensstandard und ließ den Molch zufriedener wirken. Er hatte als intelligentestes Lebewesen von Thalassio eine Verantwortung den anderen gegenĂŒber. Dass da Etwas existierte, von dem man so gut wie nichts wusste, konnte demnach nicht auf Dauer akzeptiert werden. Vielleicht drohte von jenseits der Passage ja irgendeine Gefahr, ein unbekannter Feind. All dies galt es in Erfahrung zu bringen. Einer von beiden, er oder sein Rivale, Bahrami, musste nach oben zum rĂ€tselhaften Übergang. Das Aqualon konnte nur einen Passagier befördern. Und Gonatus war froh, dass man ihn dazu bestimmt hatte. Da sich das Augenmerk auf den zweiten Teil der Mission richtete, war dies auch eine logische Konsequenz gewesen.
Als Gonatus den Großen Platz erreichte, wurde er frenetisch begrĂŒĂŸt. Ein Brodeln und Wuseln ging durch das Wasser. Die Molche rieben die Flossen aneinander, einige kiemten was das Zeug hielt und die ganz jungen Molche, die „Spawnies“, schwammen wie wild geworden durcheinander. Einzig die Sulfidschlote rauchten in ihrer BestĂ€ndigkeit voll Ruhe und friedlich vor sich hin, und bildeten einen angenehmen Kontrast zu dem emsigen Treiben. Auch die Myriaden von fluoreszierenden Algamis trugen dazu bei, indem sie den Platz in ein sanftes Licht tauchten, und die Farben der oxidierenden Eisenschichten in einem bizarren Orangeton erscheinen ließen.
Als Gonatus nĂ€her schwamm erkannte er Bahrami. Diesem konnte man ansehen, dass er am liebsten mit Gonatus getauscht hĂ€tte. Doch die Entscheidung war gefallen. Der erste Aqualonaut in der langen Geschichte des Molchs gönnte sich den Blick auf die jubelnd-zappelnde Menge. Schwamm da vorne nicht die Spawnie-Klasse, welche er erst vor kurzem unterrichtet hatte? Und in der ersten Reihe zappelte doch jener SchĂŒler, der ihm noch bestens in Erinnerung war. Obwohl Gonatus sonst eher die reiferen Molche unterrichtete, bereitete es ihm immer noch Spaß, gelegentlich bei den JĂŒngeren vorbeizuschwimmen. Gerne investierte er diese Zeit, um den Spawnies die Wissenschaft nĂ€her zu bringen. Ja, Gonatus erinnerte sich an jene Schulstunde, und an diesen besonderen SchĂŒler.

„Und Thalassio ist wirklich eine Kugel?“, hatte ihn ein junger Molch zunĂ€chst gefragt.
„Ja!“, hatte Gonatus geantwortet. „Stellt euch einfach den Mugo vor. Ihr kennt doch bestimmt dieses neue Spiel und den Spaß, den sich die schon etwas Älteren von euch mit dem gezĂŒchteten Kugelfisch erlauben. Mit den Freyellas stellen sie den Mugo so ein, dass er bestĂ€ndig nach oben treiben will. Dann hetzt die Horde, in zwei Mannschaften aufgeteilt, hinter dem Mugo her. Ziel ist es, den Mugo wieder auf den Meeresboden zurĂŒck zu befördern. Dabei dĂŒrfen die Molche ihre Flossen nicht benutzen. Nur mit Hilfe des Kopfes versuchen die Molche den Mugo unter das Netz des Bodenspinners zu stupsen. Die Mannschaft, welche den Mugo am hĂ€ufigsten unter dieses Netz bugsieren kann, hat das Spiel gewonnen.“
„Ja, klar kennen wir das Spiel 
“, hatte ein anderer Spawnie geantwortet, „
 aber gibt es denn auch noch andere Welten, wie die unsere?“
„Ja, wir vermuten das. Seit wir von der Passage wissen, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie die Wissenschaftler rĂ€tseln, was nach dem Leerraum kommen mag.“
Und dann war „er“ gekommen.
„Hmm – aaaber, wenn wir wie der Mugo-Fisch doch eine Kugel sind, wo ist dann eigentlich oben und unten, falls da jemand von der Leere auf uns schaut. Uuund, befinden wir uns in der Mitte all dieser Wasserkugeln oder nur irgendwo Rande, tjaaa 
 und weshalb stoßen wir mit den anderen Wasserkugeln eigentlich nicht zusammen, wenn doch zwischen uns gar nichts ist?“
So waren damals die Fragen aus dem anscheinend besonders cleveren Molchlein nur so herausgesprudelt. Gonatus erinnerte sich daran, dass er sich riesig gefreut hatte, so einem jungen Talent begegnet zu sein.
„Bravo, junger Spawnie. Das sind wichtige Fragen, die du da gestellt hast. Wie ist denn dein Name?“
„Ach, eigentlich heiße ich ja Galineo, aber meine Mutti nennt mich immer Galileni. Wahrscheinlich waren ihr zu wenig Weibchen im Laich.“
„Also, mein lieber Galineo Galileni, wie du weißt, werde ich beim nĂ€chsten Strömungszyklus zur Passage reisen, und wenn ich zurĂŒck bin, werde ich dir hoffentlich alle deine Fragen beantworten können.“
„OOOhhh, wirklich?“
„Versprochen!“

Dann war die Unterrichtsstunde vorbei gewesen und die Spawnies waren allesamt hinausgeschwĂ€rmt, als sei ein schleimiger Stoutii hinter ihnen her. Diese Erinnerungen ließen ein Grinsen ĂŒber Gonatos Molchsgesicht huschen. Ja, er hoffte, dass er dem aufgeweckten Spawnie wĂŒrde alle Fragen beantworten können, und dass die Theorie von der Anti-Wasserwelt nicht zutraf. Denn einige Kollegen vertraten die Ansicht, dass ein Körper, kommend von Thalassio, auf einer anderen Wasserwelt großen Schaden anrichten könnte. Allerdings schien ihm diese Chaos-Theorie doch mehr als an den KiemenbĂŒscheln herbeigezogen. Deshalb, genug der Spekulationen! Noch heute wollte Gonatus Tatsachen prĂ€sentieren.

Und der Große Platz lag ihm zu Flossen. In die Menge war nun eine fast andĂ€chtige Ruhe eingekehrt. Als sich schließlich kaum noch jemand bewegte, begrĂŒĂŸte Bahrami den neu Hinzugeschwommenen und ĂŒberließ es ihm, die Blase an die Menge zu richten.
„Verehrte Molche, liebe Spawnies, heute ist ein denkwĂŒrdiger Tag. Ein kleiner Flossenschlag fĂŒr den Molch, doch ein riesiger Flukenschwung fĂŒr den Axoloten. In wenigen Augenblicken werde ich mich in das Aqualon begeben, und mit dessen Hilfe dahin streamen, wo noch kein Molch zuvor gewesen ist.“
Das darauf hin einsetzende Gewusel wÀre von anderen Welten wohl als vereinter HURRA-Ruf interpretiert worden.
„Danke, danke, aber bitte, beruhigt euch wieder! Bevor ich mich auf den Upstream begebe, möchte ich euch mit der Funktionsweise der neuen ZĂŒchtungen vertraut machen. Alle Aufzeichnungen hierzu findet ihr in den entsprechenden Archiven der Wissenschaftshöhlen.
Aus den Überlieferungen unserer VorvĂ€ter und den Beschreibungen ihres unbemolchten Upstreams konnten wir wertvolle Schlussfolgerungen ziehen. Wie sich bestimmt schon herumgekiemt hat, bildeten sich am Ende zwei Lager.
WĂ€hrend die Kollegen um Bahrami das Superaqualon zĂŒchten wollten, das es dem Molch ermöglichen sollte, sicher nach oben zu streamen, als auch eine Exkursion jenseits der Passage in Aussicht stellte, verfolgten wir, meine Kollegen und ich, eine kombinierte Lösung.“
Bahrami zuckte ein wenig mit seinen KiemenbĂŒscheln, als er sich so manch hitzige Diskussion in Erinnerung rief.
„Knackpunkt bei der Sache war das AufwĂ€rtskommen jenseits der Passage. Auch Bahrami hatte mit ZĂŒchtungen experimentiert und im bekannten Wasserraum ganz erstaunliche Erfolge vorweisen können.“
Gonatus sah hinĂŒber zu Bahrami und stellte fest, dass dieser seine Äußerung mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen hatte. Eine gewisse Diplomatie konnte an dieser Stelle nicht schaden, zumal Gonatus nun auf eine Schwachstelle hinweisen musste.
„Nur bezweifelte ich, dass die Wirkungsweise seines Antriebs auch jenseits der Passage von Vorteil sein wĂŒrde.“
Gonatus schwamm hinĂŒber zu dem ersten riesigen Sandbild und erlĂ€uterte dort weiter: „Wie ihr hier sehen könnt, nahm sich Bahrami fĂŒr sein Aqualon den Kopfgrundler zum Vorbild. Beim Upstream treibt die mĂ€ĂŸig intelligente Gallertblase demnach kopfunter nach oben hin zu. Zwischen Kopf und Rumpf zĂŒchtete Bahrami ein Trichterorgan – mehr ein bewegliches Rohr, das die Mantelhöhle mit dem Außenwasser verbindet. Dieses Rohr fungiert als RĂŒcklauf fĂŒr das Atemwasser, das durch eine kleine Pforte, am Kopf des Aqualons, in die Mantelhöhle strömt. Wenn die krĂ€ftige Muskulatur der Mantelwand diese Höhle verengt, schließt sich diese Einlasspforte, und dem Wasser bleibt als Weg nach draußen nur jenes enge Trichterrohr. Und da dieses Rohr zudem sehr rasch gebogen werden kann, ist auch ein Richtungswechsel in der Bewegung möglich. In Anbetracht dieser temperamentvollen ZĂŒchtungsvariante und des umtriebigen Verhaltens des Aqualons, hat Bahrami diese Fortbewegungsart als RĂŒck-Stoß-Triebler bezeichnet.“
Im erneuten Gewusel und Geblubbere hĂ€tte ein Außerthalassionischer vermutlich kollektive BRAVO-Rufe erkannt. Gonatus schwamm indessen völlig entspannt zum nĂ€chsten Sandbild.
„Bahrami wollte nun ein Riesenaqualon zĂŒchten, das eben jene beschriebene Eigenschaft aufweisen und zudem im Inneren fĂŒr konstante DruckverhĂ€ltnisse sorgen sollte, so dass ein Axolot den Upstream ĂŒberleben konnte. Doch wie schon beim Antrieb befĂŒrchtete ich auch bei einem so massigen Körper, dass dieser jenseits der Passage nur Nachteile mit sich bringen wĂŒrde.“
Wieder zuckten die KiemenbĂŒschel Barahmis und sein breites Maul verzog sich zu einem gequĂ€lten Grinsen.
„Schließlich ließ sich mein lieber Kollege jedoch ĂŒberzeugen. Da wir uns ja quasi mit einer Anti-Welt auseinandersetzten, mussten wir uns auch in eine solche hineindenken. Ich war und bin deshalb der Ansicht, dass wegen der geringen Dichte des Leerraums die Ausstoßgeschwindigkeit der ausströmenden Leermasse sehr hoch sein mĂŒsste, um ĂŒberhaupt nennenswerte AuftriebskrĂ€fte entwickeln zu können. Sollten demnach auch nur die geringsten Strömungen jenseits der Passage vorhanden sein, wĂ€re ein Segelflug, wie ihn unser Banta vollfĂŒhrt, der, wie ihr alle wisst, in geradezu majestĂ€tischer Weise durchs Wasser gleitet, viel effizienter anzusehen. Eine Reise zu neuem Wasserraum wĂŒrde so zwar etwas lĂ€nger dauern, doch meiner Meinung nach, wĂ€re ihm ein grĂ¶ĂŸerer Erfolg beschieden.“
Diesmal schwappte eine Woge der Verwirrung ĂŒber die Versammelten hinweg. Kreisförmiges Schwimmen, hektische Maulbewegungen. Einige ließen Blasen aufsteigen und ein paar junge Spawnies tippten sich mit den Flossen an den Kopf.
Ungeachtet dessen schwamm Gonatus zur letzten Sandskizze.
„So gelangten wir zu der eingangs schon erwĂ€hnten Kombi-Lösung. Wir werden mit einem Aqualon, welches nur zu dem Zweck gezĂŒchtet wurde, einen Molch sicher an die Passage zu bringen, nach oben streamen. Dort angekommen, wird diese Aqualon-Basis am Übergang lediglich stationĂ€r eingesetzt. Von dort aus wird eine mitgefĂŒhrte Sonde, die ĂŒber den RĂŒck-Stoß-Triebler verfĂŒgt, aber auch ĂŒber einen riesigen, netzfeinen Hautlappen, der sich im Bruchteil eines Flossenschlages entfalten kann, gestartet werden. Die einzigartige Sonde, dieses filigrane ZĂŒchtungswerk, soll dann, meiner Theorie folgend, durch etwaige Strömungen im Leerraum emporsteigen. Gerade so wie ein Banta im Wasserraum.“
„Aber wie soll etwas gleiten, wenn da nichts ist?“, signalisierten einige Molche.
„Es ist eine Theorie, liebe Freunde. Doch ich habe heute vor, den Beweis anzutreten.“
„Dann sollten Sie jetzt aufbrechen, lieber Kollege. Auf gutes Gelingen“, merkte Bahrami an, und Gonatus war sich alles andere als sicher, ob ihm Bahrami tatsĂ€chlich von Herzen alles Gute wĂŒnschte.
„Ja, es ist soweit. Ich mache mich jetzt auf den Weg“, sprach Gonatus dann sichtlich ergriffen, und fĂŒgte im Anschluss eine an solcher Stelle ĂŒbliche thalassionische Redewendung hinzu: „Möge der Laich stets gesund und lernwillig sein“.
Und mit diesen Worten begann die phantastische Reise.
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Dass die Mission unter keinem glĂŒcklichen Seestern stand, zeigte sich erst, als der Kontakt abriss. Der Zellfaden, den das Aqualon absonderte, und der in periodischen AbstĂ€nden seine Konsistenz Ă€nderte, war gerissen. Noch nie in der Geschichte des Molchs war so ein Fall bekannt geworden. Diese Verbindungsleitung machte eine Kommunikation ja erst möglich und gab Aufschluss ĂŒber den bereits zurĂŒckgelegten Weg. Die Molche waren am Meeresboden zerstört. Wie hatte so etwas geschehen können? Allgemeines RĂ€tselraten setzte ein. War das Aqualon vielleicht dermaßen gestresst damit gewesen, den Innendruck konstant zu halten, dass es zu Stoffwechselproblemen gekommen war? Vertrug sich die Sonde nicht mit dem Aqualon, da es sich auch bei ihr um eine eigenwillige ZĂŒchtung handelte? Wilde Spekulationen, keinerlei Tatsachen. Wissenschaftsmolche, emsige Arbeitsmolche, Theologie- und Lustmolche, alle zeigten sich tief betroffen; selbst den jungen Spawnies war nicht nach Spielen zumute.
Die Stunden vergingen. Wissenschaftler tĂŒftelten schon an einer Rettungsmission, obwohl diese nur von theoretischer Natur sein konnte. ZĂŒchtungen brauchten ihre Zeit. Sowohl vom Aqualon als auch der Sonde standen außer den Prototypen keine weiteren Exemplare zur VerfĂŒgung. Bis der Molch wieder in solche Höhen vordringen konnte, wĂŒrde demnach viel Zeit vergehen, und Gonatus wĂ€re lĂ€ngst in die Geschichte eingegangen; als Held wohlgemerkt, als tragischer.
Alles befand sich noch in einer Art kollektiven Trauerstimmung, als sich ein mÀchtiger Körper von oben herabsenkte.
„SIE kommen zurĂŒck“, jubelten die Spawnies als erste los, und zeigten mit ihren Flossen ganz aufgeregt nach oben. „Seht doch! SIE kommen zurĂŒck.“
Und wirklich, das Aqualon gelangte so ziemlich genau an der Stelle wieder zum Meeresboden, von dem es vor etlichen Stunden aufgestiegen war. Dieser Orientierungssinn war phĂ€nomenal. Voller Neugier schwammen die ersten Molche auf das Aqualon zu. Dieses hatte die feinen KapilarhĂ€rchen schon zeitig entsprechend ausgerichtet, da in der Tiefe stetes DĂ€mmerlicht herrschte. So gab es die Sicht fĂŒr und auf Gonatus frei. In dessen Ausdruck erkannten die Molche blankes Entsetzen. Hektische Unruhe machte sich unter den Versammelten breit. Was war hier nur geschehen? Von der Sonde – keine Spur. Offensichtlich war es zum Abschuss gekommen.
„Holt ihn da raus!“, blubberte es aus gleich mehreren Richtungen. Das Aqualon reagierte immer noch Ă€ußerst gestresst, doch als es ein paar Streicheleinheiten bekommen hatte, drĂŒckte es den völlig perplexen Passagier einfach aus sich heraus.
Die Druckkammer schien bestens funktioniert zu haben. Auf den ersten Blick waren keine Verletzungen an Gonatus festzustellen. Nur sein unablĂ€ssiges Zappeln und seine wirren Flossenbewegungen, die keiner zu deuten vermochte, zeugten von seiner Panik. Die RĂŒckkehr des Aqualons und seines tragischen Helden verbreitete sich natĂŒrlich in Strömungseile. Bald waren wieder alle Molchartigen am Platz versammelt. Sie alle wollten wissen, was es von dieser Reise zu berichten gab. Und dann endlich – Gonatus schien sich wieder etwas gefangen zu haben, richtete er die Blase an die Versammelten.
Doch das Erste, was ihm ĂŒber die Lippen kam, war die Frage, ob außer ihm sonst noch etwas von oben heruntergekommen sei. Einzelne Molche verneinten dies, und fragten nach, was er denn damit meinte. So richtete sich Gonatus dann endlich vor der Kathedrale aus, und begann seine Geschichte zu erzĂ€hlen:
„GeschĂ€tzte Molche, liebe Spawnies, mein Erlebnis lĂ€sst sich mit einer einzigen großen Blase zusammenfassen. Es war – Schrecklich!
Was ich erlebte, war von solcher Tragik, dass ich ernsthaft ĂŒberlege, die wissenschaftliche Arbeit aufzugeben, um mich fortan einzig und alleine um den Laich zu kĂŒmmern. Meine treu sorgende Abralia wĂŒrde es mir sicher danken. Aber lasst mich zuerst erzĂ€hlen. Als ich oben angekommen war, verlief zunĂ€chst alles nach Plan. Zwar hatte ich den Kontakt zu euch verloren, doch konnte ich beim besten Willen keinen weiteren Defekt feststellen. Im Gegenteil, mir ging es den UmstĂ€nden entsprechend gut. Ich vermutete lediglich, dass das Aqualon mit dem Aufstieg und den extremen Druckunterschieden so sehr beschĂ€ftigt gewesen war, bis es schließlich, vor lauter Stress, irgendwann den Faden verloren hatte.“
„Ja, dies war auch unsere Vermutung gewesen“, unterbrach ihn ein Kollege.
„Aber weiter, was geschah dann?“, meinte ein anderer.
„Nun, die Strahlungsquelle außerhalb des Aqualons muss gigantisch sein, doch die Schildmembrane erfĂŒllte ihren Zweck. Die feinen HĂ€rchen hatten sich entsprechend ausgerichtet und sorgten fĂŒr Ă€hnliche VerhĂ€ltnisse wie in Thalassios gelobten Tiefen. Doch konnte ich kaum etwas erkennen und wies das Aqualon deshalb an, in periodischen AbstĂ€nden einen Abgleich vorzunehmen. So konnte ich mir schließlich ein Bild von der Außenwelt machen. Ich kann euch nur ansatzweise beschreiben, wie verloren ich mir in dieser Leere vorkam. Diese Trostlosigkeit könnt ihr euch nicht vorstellen. Denn da war wirklich NICHTS! Weder Kleinstlebewesen, noch irgendeine Sedimentablagerung. Selbst unser geliebtes Wasser schien sich vor dem Leeraum zu fĂŒrchten. Mit einer Auf- und Ab-Bewegung, die mich an den lang gezogenen Schweif eines Noontak erinnerte, strĂ€ubt es sich vehement dagegen, in die Leere vorzudringen. Dieses Verhalten des Wassers ließ eine regelrechte Übelkeit in mir aufsteigen. Ich war heilfroh, dass ich vor meiner Reise nur leichten Algenschleim zu mir genommen hatte. Und dann, der Blick in diese Leere, immer wieder dieser Blick auf ein allumgebendes Nichts. Glaubt mir, wĂ€re nicht direkt unter mir die vertraute Wasserwelt gewesen, und hĂ€tten mir die schĂŒtzenden HĂ€ute des Aqualons nicht ein gewisses GefĂŒhl der Geborgenheit vermittelt, ich wĂ€re vermutlich wahnsinnig geworden.“
„OOOOOHHHHHH!“ Die Molche waren ĂŒber alle Maßen entsetzt.
„Dann, als ich mich von dem ersten Schrecken erholt hatte, besann ich mich auf meine Mission. Der Gedanke daran, wie viele von euch auf Antworten hofften, ließ mich neue Kraft schöpfen. Ich aktivierte also die Sonde. Es waren einige ÜberredungskĂŒnste notwendig, da ich auch ihr die Bedeutung ihres Einsatzes vor Augen fĂŒhren musste. Vielleicht haben die ZĂŒchtungsgegner ja doch nicht ganz Unrecht, wenn sie uns eine unmoralische Vorgehensweise vorwerfen. Ich konnte jedenfalls deutlich spĂŒren, dass die Sonde Angst vor ihrem Einsatz hatte. Doch ließ sie sich schließlich ĂŒberzeugen, ihre Arbeit zu verrichten. So löste sich die Sonde vom Aqualon, schwamm ein paar Runden, um ihre Muskulatur zu konditionieren, tauchte ab, nahm Schwung auf und schoss mit dem RĂŒck-Stoß-Triebler aus dem Wasserraum hinaus, in die mir endlos erscheinende Leere.“
„OOOOOHHHHHH!“
„Ja, liebe versammelte Molchschar. Die Spannung war in diesem Moment beinahe unertrĂ€glich. Meine Sicht war alles andere als perfekt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie hell es jenseits der Passage ist. Doch meinte ich zu erkennen, wie die Sonde kurz nach dem Emporschießen ihre Hautlappen öffnete, und sofort von einer unsichtbaren Strömung hoch- und mitgerissen wurde. Im nĂ€chsten Moment schon hatte ich sie aus den Augen verloren.“
An dieser Stelle legte Gonatus eine kleine Pause ein, und er musste sich erst ein wenig neu sortieren; die Flossen bewegen, die BĂŒschel richten, bevor er dann weitererzĂ€hlen konnte. Die Molchschar gab indessen keinen Flossenschlag von sich. Auf dem Großen Platz hĂ€tte man eine abgeplatzte Schuppe fallen hören können.
„Wir mussten dann erst wieder in unseren Wasserraum zurĂŒckkehren, da mir das Aqualon signalisiert hatte, es habe massive Hautprobleme. Übrigens, dieses ist neben den doch folgenden Schrecklichkeiten meiner Reise, sicher das Absonderlichste. Ich will versuchen, es euch annĂ€hernd in Blasen zu packen. Von allen Impulsen, die ich wĂ€hrend unseres Aufenthalts vom Aqualon empfangen habe, waren dies die Seltsamsten. WĂ€hrend sich zu anderen EindrĂŒcken in etwa Synonyme in unserer Wasserwelt finden lassen, gab es fĂŒr dieses „Haut-GefĂŒhl“ des Aqualons nichts Vergleichbares. So kann ich euch lediglich meine subjektiven EindrĂŒcke vermitteln.
Als wir wieder auftauchten, beobachtete ich sehr genau die Außenhaut des Aqualons. Ich konnte erkennen, wie das Wasser direkt – und ich meine wirklich direkt – an seiner Außenhaut zurĂŒck in Richtung Wasserwelt floss. Ja, es kam mir fast so vor, als habe das Wasser genauso Angst vor dem Leerraum, als kurz zuvor die Sonde. Ich lege hier also Wert auf die Feststellung, dass ich der erste Wissenschaftler bin, der die Vermutung Ă€ußert, das Wasser habe ein – Bewusstsein!
„OOOOOHHHHH!“
„Ja, liebe Molche. Wir haben uns bisher so sehr auf die Schlammuntersuchungen konzentriert, die Festmasse von Thalassio; dann erregte in jĂŒngster Vergangenheit die Passage unsere Aufmerksamkeit und GemĂŒter. Doch was, wenn uns dabei Wesentliches verborgen blieb? Unser Wasserraum ist fĂŒr uns so selbstverstĂ€ndlich geworden, dass wir zwar alle Lebewesen, alle Ablagerungen, ja selbst die chemischen Prozesse um uns herum sondieren – doch was ist mit dem Wasser selbst?“
Kiemenberaubende Stille!
„Als wir nun also aufgetaucht waren und ich sah, wie das Wasser flĂŒchtete, beobachtete ich, wie sich die Haut des Aqualons verĂ€nderte. Anfangs war noch eine dĂŒnne Schicht des Wassers zu erkennen gewesen, etwas spĂ€ter waren nur noch einzelne Wasserstreifen zu sehen, und zum Ende hin, blieb da nur noch ein feiner Rest ĂŒbrig. Keine durchgĂ€ngige Schicht mehr, nein, mehr ein fleckiger Überzug. So fein und dĂŒnn, dass dagegen die Hautlappen der zuvor gestarteten Sonde wie ausgewachsene Banta-Segel wirkten.“
„OOOOOHHHHHH!“
„Und im Folgenden bin ich mir nicht mehr sicher, ob es sich bei meiner Beobachtung um ein reales Erlebnis handelt, oder ich einer Halluzination erlegen bin. Wie ich bereits erwĂ€hnte, meinte ich noch feinste Reste des Wassers zu erkennen. Doch gab es hier kein Abfließen mehr. Es schien, als wĂŒrden sich die feinen Reste einfach in Nichts auflösen. Je lĂ€nger ich auf die Außenhaut schaute, desto weniger vertraute Heimat konnte ich erkennen. Bis schließlich auf der Haut des Aqualons kein RĂŒckstand unserer Welt mehr zu erkennen war.
Und eben dann traten VerĂ€nderungen ein, fĂŒr die ich keine Vergleiche finde. Alles, was ich euch erzĂ€hlen kann, ist, dass die Innenhaut, welche fĂŒr den konstanten Druck verantwortlich zeichnete, mir frisch und lebhaft vorkam, wĂ€hrend die Außenhaut immer abgespannter wirkte. Eine Art Schrumpfungsprozess hatte eingesetzt und die feinen Äderchen der Haut zeichneten sich mit einem Mal immer deutlicher ab. Ich befĂŒrchtete schon, dass die Außenhaut bleibenden Schaden nehmen wĂŒrde. Doch bevor der Zustand eskalierte, drang das Aqualon wieder in unsere Welt ein.
Insgesamt zwölf Mal wiederholte das Aqualon diesen Leerraum-Wasserraum-Zyklus. Immer wieder hielt ich dabei nach der Sonde Ausschau, doch sie blieb verschollen. Ich konnte nicht abschĂ€tzen, wie weit sie in den Leerraum hoch gedrungen war. Ich bekam eine richtige Schuppenhaut bei der Vorstellung, was die Sonde wohl alles durchmachen musste. Zudem meldete sich mein Gewissen, schließlich hatte ich sie ja zu ihrem Einsatz ĂŒberredet. Mir war ganz elend zumute.“
„OOOOCH!“
„Doch was ich dann erlebte, ĂŒbertraf selbst meine schlimmsten BefĂŒrchtungen. Mit einem Mal war ein solch helles Licht um mich, dass selbst die Filtermembran keine Zeit mehr gehabt hatte, mich ausreichend zu schĂŒtzen. Im Aqualon wand ich mich vor Schmerz und zappelte wie wild umher. Mir war, als hĂ€tte mich der Stachel eines Humpossums in beide Augen gestochen.“
„AAAAUUUUU!“
„Dann vernahm ich ein GerĂ€usch, wie ich es noch niemals zuvor vernommen hatte. Nein, kein GerĂ€usch, es war mehr wie das BrĂŒllen eines Monsters. Ihr wisst ja noch, dass bei unseren Schlammbohrungen immer wieder Molche verschwunden sind. Einige glaubten ja, dass in den Tiefen ein Wesen lebt, so schrecklich, dass es mit bloßem Flossenschlag nicht zu beschreiben ist. Wenn es so ein Wesen wirklich geben sollte, dann sage ich euch, das Getöse, das dieses Untier von sich gibt, kann nicht schrecklicher sein, als jenes, das ich dort oben erleben musste.“
„IIIIIIIEEEEHHHH!“
„Ja, liebe Molche, und immer wieder wechselten sich das grelle Licht und das Getöse ab. Ich versuchte eine ErklĂ€rung zu finden, doch es wollte mir nicht gelingen. Zwar strĂ€ubte ich mich als Wissenschaftler gegen die Monstertheorie, doch war das Erlebte am Ende so fĂŒrchterlich, dass ich jedem SchauermĂ€rchen Glauben geschenkt hĂ€tte.
Doch sollte sich mir das ganze Ausmaß der Katastrophe erst noch eröffnen. Denn mit einem Mal fiel von oben etwas auf uns herab. Obwohl ich durch die Außenhaut recht gut geschĂŒtzt war, stieg erneut die Furcht in mir hoch. Was war das fĂŒr ein Zeug, das da auf uns niederging? Dann, in einem schockartigen Impuls, erkannte ich das volle Ausmaß der Tragödie. Einzelne Wissenschaftler hatten ja die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, dass, wĂŒrde etwas aus unserer Wasserwelt auf eine Anti-Wasserwelt treffen, es zu einer schrecklichen Katastrophe kommen könnte, einer Art Kettenreaktion. Und so musste es gekommen sein. Der Abschuss unserer Sonde war doch nicht ohne Folgen geblieben, da nun lauter kleine Wasserteilchen auf uns herab fielen. Das Aqualon erfreute sich an dieser Tatsache, da es sich so den Leerraum-Wasserraum-Zyklus ersparen konnte. Es war zu dumm, um die ZusammenhĂ€nge zu begreifen. Vermutlich war die Sonde von der Leerraumströmung immer höher getrieben worden und schließlich mit ganzer Wucht auf eine andere Wasserwelt getroffen. Dort hatte sie dann die furchtbare Reaktion in Gang gesetzt. Sie hatte die Anti-Wasserwelt zerstört, die nun in kleinsten Partikeln auf uns herab stĂŒrzte.“
„AAARRRRGGGHHH!“
„Ja, ihr Molche. Die Passage geriet durch diesen Teilchenbeschuss aus dem Gleichgewicht. Das Aqualon wurde hoch- und niedergedrĂŒckt. Ich versuchte alles, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, doch es gelang mir nicht. Auch wurde der Teilchenbeschuss immer heftiger. Und das Grauen steigerte sich zu einem furiosen Finale, da sich mir ein letztes furchtbares Bild aufdrĂ€ngte. So abscheulich, dass ich so schnell wie möglich zu euch zurĂŒckkehren wollte.“
„JA, WAS DENN NUR?“, stieg da ein Meer voll Blasen auf.
„Versteht ihr denn nicht? Ich ĂŒberlegte mir, wenn auf dieser Anti-Wasserwelt nun so etwas wie ein Anti-Molch gelebt hĂ€tte, so wĂŒrde bald etwas viel Schrecklicheres als nur Wasserteilchen auf mich herabstĂŒrzen.“
„LIIIEEEEKKKKKK!“
„Ja, liebe Molche. Diese entsetzliche Vision vor Augen musste den Abbruch der Mission zur Folge haben.“
Gonatus legte eine kleine Pause ein und wirkte dann sehr nachdenklich.
„So lasst uns denn wachsam sein, liebe Molche. Wir wollen die nĂ€chste Zeit immer wieder einmal nach oben sehen und hoffen, dass wir mit unserem Versuch niemandem geschadet haben.“
Die dicken Köpfe der Molche reckten sich nach oben. Doch da schwamm zum GlĂŒck nichts, was dort nicht hingehörte.
„Doch war meine Reise nicht umsonst, liebe Freunde. Wir haben dadurch das eigentliche Problem erkannt und die Bedrohung, die möglicherweise auf uns zukommt. Denn, lasst uns den Gedanken zu Ende denken. Sicher existieren neben der zerstörten Wasserwelt auch noch andere. Falls es dort ebenfalls intelligentes Leben geben sollte, ist anzunehmen, dass auch dieses eines Tages Sonden zu uns schicken wird. Vielleicht bergen diese Sonden dann auch eine Gefahr fĂŒr uns, da sie aus einer Anti-Welt stammen. Und wir mĂŒssen uns die bange Frage stellen: Wenn eine solche Sonde unsere Welt trifft, wird dann unser Wasser dem Zerfluss standhalten?“
„AAAIIIIIAAAIIIII!“
„Ja, liebe Molche. ErzĂ€hlt diese Geschichte euren Nachkommen, und diese sollen es dann ihrem Laich erzĂ€hlen. Wir mĂŒssen uns vor der zerstörerischen Kraft der fremden Sonden schĂŒtzen und eine Barriere errichten, die unser nĂ€heres Umwasser in Form hĂ€lt. Schwimmt nach Hause und denkt darĂŒber nach. Wir werden sicher eine Lösung finden.“
So sicher war sich Gonatus allerdings nicht. Zu gewaltig erschien ihm diese Herausforderung. Er jedenfalls hatte seinen Teil erfĂŒllt. Den nĂ€chsten Schritt mussten jĂŒngere Molche tun. Er wĂŒrde sich nicht noch einmal in die NĂ€he dieser entsetzlichen Passage wagen.
Nun schwamm Gonatus erst einmal zurĂŒck in seine Höhle und zu seiner Frau. In Zukunft wĂŒrde er sich mehr Zeit fĂŒr die Familie nehmen. Er hoffte nur, dass Abralia ihm nicht die schuppige Schulter zeigen wĂŒrde. Wenn sie entsprechende Laune hatte, konnte er sie fragen, was immer er wollte, kein BlĂ€schen kam ĂŒber ihre Lippen. Sie blieb stumm wie ein Fisch. Doch Gonatus hatte da so seine Mittelchen. Zuerst wĂŒrde er sie sanft beflossen, dann zĂ€rtlich an ihrem BĂŒschel reiben und so hoffen, dass er sie wieder zum Blasen bringen konnte.


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Fugalee Page
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Hallo! Freunde der Wasserwelten,
es ist nun schon einige Wasserhahntropfen her, dass die erste Geschichte aus „Thalassio“ erzĂ€hlt wurde.
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Hier nun ein weiterer Blick in die Welt des Axoloten. Die Grenzen zwischen wissenschaftlicher AuthentizitĂ€t und molchigem Schabernack sind im wahrsten Sinne des Wortes fließend. So wĂŒnsche ich vor allem den „großen Kindern“ viel VergnĂŒgen beim Lesen.

Thalassionische GrĂŒĂŸe von Molch Page

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flammarion
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KorrekturvorschlÀge:

eine so hinreißende Geschichte sollte möglichst fehlerfrei daherkommen.

Die Passage: Die Reise des Aqualonauten
Veröffentlicht von Fugalee Page am 29. 11. 2006 22:24
Viel Zeit ist vergangen(Komma) seit der Axolot Kenntnis von der geheimnisvollen Passage erlangt hat. Doch der Molchartige wĂ€re nicht Molch, wenn er das Ungewisse auf sich beruhen ließe. So werden wir Zeuge der ersten, groß angelegten Expedition; des ersten bemolchten Upstreams.
„Möge der Laich stets gesund und lernwillig sein.“
(Inschrift auf dem Sandwall nahe der Kathedrale am Großen Platz)


„Na gut, dann verschwinde! Aber wundere dich nicht, wenn ich nicht mehr da bin, wenn du zurĂŒck kommst. Falls du ĂŒberhaupt jemals wiederkommst. Du dickköpfiger, störrischer Molch, du! Ach, ich könnte manchmal verzweifeln an dir. Wenn du nur nicht immer so 
“
Die Schimpftriaden (Schimpftiraden) signalisierten Gonatus, dass es klĂŒger war, hier nicht weiter kontra zu geben. (Absatz)Sie hatte ja nicht ganz Unrecht. Die Expedition war gefĂ€hrlich, und alles andere als typisch fĂŒr einen meeresbodenstĂ€ndigen Wissenschaftler wie ihn. Doch zum einen war die Versuchung einfach zu groß, als erster Molch zur legendĂ€ren Passage zu reisen, zum anderen war er maßgeblich an den ZĂŒchtungen beteiligt gewesen. Die Idee zur Umsetzung der Sonde war sogar alleine auf seinem Algendung gewachsen. Sobald er zurĂŒckkehrte, wĂŒrde er Abralia schon irgendwie wieder besĂ€nftigen. Doch jetzt musste er los.
(Absatz)Aufgeregt schwamm Gonatus zum Großen Platz vor der Kathedrale. Seit Molchsgedenken war dies der Ort, an dem der Axolot seine Versammlungen abhielt. Hier wurden Geschichten ĂŒberliefert. Hier fanden wichtige Abstimmungen statt. Hier lernten sich Molchs untereinander kennen und lieben, und heute wĂŒrde von hier aus ein epochaler Start stattfinden.
Auf einer Anhöhe jenseits der Kathedrale hatten er, Gonatus, und sein Rivale, Bahrami, einige Sandskizzen vorbereitet. Damit wollten sie den Versammelten die Thematik veranschaulichen. Schließlich kam es nicht jeden Tag vor, dass einem eine völlig neue ZĂŒchtungen (ZĂŒchtung) prĂ€sentiert wurde. Ja – am Ende waren Gonatus und Bahrami dann (ĂŒberflĂŒssig) doch zu einer Einigung gekommen. Was nicht zuletzt an der Intervention der beiden Frauen gelegen hatte. Abralia und Spiriti verstanden sich nĂ€mlich prĂ€chtig. Die beiden flossten auf der gleichen StrömungslĂ€nge. Ihr synchroner Flossenschlag zeugte davon, dass auch Spiriti die Meinung vertrat, ihr Mann wĂŒrde mehr Zeit mit seinen Forschungen und fremden Spawnies zubringen, als sich ihr und dem gemeinsamen Laich zu widmen.

Schon von Weitem konnte Gonatus das wuselnde Heer der Molche erkennen. Alte wie Junge. FĂŒr den Laich war es sehr wichtig(Komma) an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Das Wissen musste bestĂ€ndig weitergegeben werden. Die relativ kurze Lebenserwartung der Molche ließ dies nötig erscheinen. Das Individuum trat zum Wohle der Gemeinschaft meist in den Hintergrund. So war es um so bedeutender fĂŒr den Molch, wenn einer durch seine Taten dermaßen in den Vordergrund rĂŒckte, dass er in den Rang eines Helden aufstieg. Und heute wĂŒrde einer dieser denkwĂŒrdigen Tage sein.
Es hatte manch hitzige Diskussion zwischen Gonatus und Bahrami gegeben. Beide fĂŒhlten sich der Wissenschaft und dem Gemeinwohl der Molche verpflichtet. Fortschritt bedeutete einen hohen Lebensstandard und ließ den Molch zufriedener wirken. Er hatte als intelligentestes Lebewesen von Thalassio eine Verantwortung den anderen gegenĂŒber. Dass da Etwas existierte, von dem man so gut wie nichts wusste, konnte demnach nicht auf Dauer akzeptiert werden. Vielleicht drohte von jenseits der Passage ja irgendeine Gefahr, ein unbekannter Feind. All dies galt es in Erfahrung zu bringen. Einer von beiden, er oder sein Rivale, Bahrami, musste nach oben zum rĂ€tselhaften Übergang. Das Aqualon konnte nur einen Passagier befördern. Und Gonatus war froh, dass man ihn dazu bestimmt hatte. Da sich das Augenmerk auf den zweiten Teil der Mission richtete, war dies auch eine logische Konsequenz gewesen.
Als Gonatus den Großen Platz erreichte, wurde er frenetisch begrĂŒĂŸt. Ein Brodeln und Wuseln ging durch das Wasser. Die Molche rieben die Flossen aneinander, einige kiemten was das Zeug hielt und die ganz jungen Molche, die „Spawnies“(Komma) schwammen wie wild geworden durcheinander. Einzig die Sulfidschlote rauchten in ihrer BestĂ€ndigkeit voll Ruhe und friedlich vor sich hin, und bildeten einen angenehmen Kontrast zu dem emsigen Treiben. Auch die Myriaden von fluoreszierenden Algamis trugen dazu bei, indem sie den Platz in ein sanftes Licht tauchten, und die Farben der oxidierenden Eisenschichten in einem bizarren Orangeton erscheinen ließen.
Als Gonatus nĂ€her(getrennt)schwamm erkannte er Bahrami. Diesem konnte man Ansehen (ansehen) , dass er am Liebsten (liebsten) mit Gonatus getauscht hĂ€tte. Doch die Entscheidung war gefallen. Der erste Aqualonaut in der langen Geschichte des Molchs gönnte sich den Blick auf die jubelnd-zappelnde Menge. Schwamm da vorne nicht die Spawnie-Klasse, welche er erst vor kurzem unterrichtet hatte? Und in der ersten Reihe zappelte doch jener SchĂŒler, der ihm noch bestens in Erinnerung war. Obwohl Gonatus sonst eher die reiferen Molche unterrichtete, bereitete es ihm immer noch Spaß, gelegentlich bei den JĂŒngeren vorbeizuschwimmen. Gerne investierte er diese Zeit, um den Spawnies die Wissenschaft nĂ€her zu bringen. Ja, Gonatus erinnerte sich an jene Schulstunde, und an diesen besonderen SchĂŒler.

„Und Thalassio ist wirklich eine Kugel?“, hatte ihn ein anderer junger Molch zunĂ€chst gefragt.
„Ja!“, hatte Gonatus geantwortet. „Stellt euch einfach den Mugo vor. Ihr kennt doch bestimmt dieses neue Spiel und den Spaß, den sich die schon etwas Älteren von euch mit dem gezĂŒchteten Kugelfisch erlauben. Mit den Freyellas stellen sie den Mugo so ein, dass er bestĂ€ndig nach oben treiben will. Dann hetzt die Horde, in zwei Mannschaften aufgeteilt, hinter dem Mugo her. Ziel ist es, den Mugo wieder auf den Meeresboden zurĂŒck zu befördern. Dabei dĂŒrfen die Molche ihre Flossen nicht benutzen. Nur mit Hilfe des Kopfes versuchen die Molche den Mugo unter das Netz des Bodenspinners zu stupsen. Die Mannschaft, welche den Mugo am hĂ€ufigsten unter dieses Netz bugsieren kann, hat das Spiel gewonnen.“
„Ja, klar kennen wir das Spiel 
“, hatte ein anderer Spawnie geantwortet.(Komma oder groß weiter) „
 aber gibt es denn auch noch andere Welten, wie die unsere?“
„Ja, wir vermuten das. Seit wir von der Passage wissen, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie die Wissenschaftler rĂ€tseln, was nach dem Leerraum kommen mag.“
„Hmm – aaaber, wenn wir wie der Mugo-Fisch doch eine Kugel sind, wo ist dann eigentlich oben und unten, falls da jemand von der Leere auf uns schaut. Uuund, befinden wir uns in der Mitte all dieser Wasserkugeln oder nur irgendwo Rande, tjaaa 
 und weshalb stoßen wir mit den anderen Wasserkugeln eigentlich nicht zusammen, wenn doch zwischen uns gar nichts ist?“
So waren damals die Fragen aus dem anscheinend besonders cleveren Molchlein nur so herausgesprudelt. Gonatus erinnerte sich daran, dass er sich riesig gefreut hatte, so einem jungen Talent zu begegnen.
„Bravo, junger Spawnie. Das sind wichtige Fragen, die du da gestellt hast. Wie ist denn dein Name?“
„Ach, eigentlich heiße ich ja Galineo, aber meine Mutti nennt mich immer Galileni. Wahrscheinlich waren ihr zu wenig Weibchen im Laich.“
„Also, mein lieber Galineo Galileni, wie du weißt, werde ich beim nĂ€chsten Strömungszyklus zur Passage reisen, und wenn ich zurĂŒck bin, werde ich dir hoffentlich alle deine Fragen beantworten können.“
„OOOhhh, wirklich?“
„Versprochen!“

Dann war die Unterrichtsstunde vorbei gewesen (ĂŒberflĂŒssig) und die Spawnies waren allesamt hinausgeschwĂ€rmt, als sei ein schleimiger Stoutii hinter ihnen her. Diese Erinnerungen ließen ein Grinsen ĂŒber Gonatos Molchsgesicht huschen. Ja, er hoffte, dass er dem aufgeweckten Spawnie wĂŒrde alle Fragen beantworten können, und dass die Theorie von der Anti-Wasserwelt nicht zutraf. Denn einige Kollegen vertraten die Ansicht, dass ein Körper, kommend von Thalassio, auf einer anderen Wasserwelt großen Schaden anrichten könnte. Allerdings schien ihm diese Chaos-Theorie doch mehr als an den KiemenbĂŒscheln herbeigezogen. Deshalb, genug der Spekulationen! Noch heute wollte Gonatus Tatsachen prĂ€sentieren.

Und der Große Platz lag ihm zu Flossen. In die Menge war nun eine fast andĂ€chtige Ruhe eingekehrt. Als sich schließlich kaum noch jemand bewegte, begrĂŒĂŸte Bahrami den neu Hinzugeschwommenen und ĂŒberließ es ihm, die Blase an die Menge zu richten.
„Verehrte Molche, liebe Spawnies, heute ist ein denkwĂŒrdiger Tag. Ein kleiner Flossenschlag fĂŒr den Molch, doch ein riesiger Flukenschwung fĂŒr den Axoloten. In wenigen Augenblicken werde ich mich in das Aqualon begeben, und mit dessen Hilfe dahin streamen, wo noch kein Molch zuvor gewesen ist.“
Das darauf hin einsetzende Gewusel wÀre von anderen Welten wohl als vereinter HURRA-Ruf interpretiert worden.
„Danke, danke, aber bitte, beruhigt euch wieder! Bevor ich mich auf den Upstream begebe, möchte ich euch mit der Funktionsweise der neuen ZĂŒchtungen vertraut machen. Alle Aufzeichnungen hierzu findet ihr in den entsprechenden Archiven der Wissenschaftshöhlen.
Aus den Überlieferungen unserer VorvĂ€ter und den Beschreibungen ihres unbemolchten Upstreams konnten wir wertvolle Schlussfolgerungen ziehen. Wie sich bestimmt schon herumgekiemt hat, bildeten sich am Ende zwei Lager.
WĂ€hrend die Kollegen um Bahrami das Superaqualon zĂŒchten wollten, dass (das) es dem Molch ermöglichen sollte, sicher nach oben zu streamen, als auch eine Exkursion jenseits der Passage in Aussicht stellte, verfolgten wir, meine Kollegen und ich, eine kombinierte Lösung.“
Bahrami zuckte ein wenig mit seinen KiemenbĂŒscheln, da er sich so manch hitzige Diskussion in Erinnerung rief.
„Knackpunkt bei der Sache war das AufwĂ€rtskommen jenseits der Passage. Auch Bahrami hatte mit ZĂŒchtungen experimentiert und im bekannten Wasserraum ganz erstaunliche Erfolge vorweisen können.“
Gonatus sah hinĂŒber zu Bahrami und stellte fest, dass dieser seine Äußerung mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen hatte. Eine gewisse Diplomatie konnte an dieser Stelle nicht schaden, zumal Gonatus nun auf eine Schwachstelle hinweisen musste.
„Nur bezweifelte ich, dass die Wirkungsweise seines Antriebs auch jenseits der Passage von Vorteil sein wĂŒrde.“
Gonatus schwamm hinĂŒber zu dem ersten riesigen Sandbild und erlĂ€uterte dort weiter: „Wie ihr hier sehen könnt, nahm sich Bahrami fĂŒr sein Aqualon den Kopfgrundler zum Vorbild. Beim Upstream treibt die mĂ€ĂŸig intelligente Gallertblase demnach kopfunter nach oben hin zu. Zwischen Kopf und Rumpf zĂŒchtete Bahrami ein Trichterorgan – mehr ein bewegliches Rohr, das die Mantelhöhle mit dem Außenwasser verbindet. Dieses Rohr fungiert als RĂŒcklauf fĂŒr das Atemwasser, das durch eine kleine Pforte, am Kopf des Aqualons, in die Mantelhöhle strömt. Wenn die krĂ€ftige Muskulatur der Mantelwand diese Höhle verengt, schließt sich diese Einlasspforte, und dem Wasser bleibt als Weg nach draußen nur jenes enge Trichterrohr. Und da dieses Rohr zudem sehr rasch gebogen werden kann, ist auch ein Richtungswechsel in der Bewegung möglich. In Anbetracht dieser temperamentvollen ZĂŒchtungsvariante und des umtriebigen Verhaltens des Aqualons, hat Bahrami diese Fortbewegungsart als RĂŒck-Stoß-Triebler bezeichnet.“
Im erneuten Gewusel und Geblubbere hĂ€tte ein Außerthalassionischer vermutlich kollektive BRAVO-Rufe erkannt. Gonatus schwamm indessen völlig relaxt zum nĂ€chsten Sandbild.
„Bahrami wollte nun ein Riesenaqualon zĂŒchten, dass (das) eben jene beschriebene Eigenschaft aufweisen und zudem im Inneren fĂŒr konstante DruckverhĂ€ltnisse sorgen sollte, so dass ein Axolot den Upstream ĂŒberleben konnte. Doch wie schon beim Antrieb befĂŒrchtete ich auch bei einem so massigen Körper, dass dieser jenseits der Passage nur Nachteile mit sich bringen wĂŒrde.“
Wieder zuckten die KiemenbĂŒschel Barahmis und sein breites Maul verzog sich zu einem gequĂ€lten Grinsen.
„Schließlich ließ sich mein lieber Kollege jedoch ĂŒberzeugen. Da wir uns ja quasi mit einer Anti-Welt auseinandersetzten, mussten wir uns auch in eine solche hineindenken. Ich war und bin deshalb der Ansicht, dass wegen der geringen Dichte des Leerraums die Ausstoßgeschwindigkeit der ausströmenden Leermasse sehr hoch sein mĂŒsste, um ĂŒberhaupt nennenswerte AuftriebskrĂ€fte entwickeln zu können. Sollten demnach auch nur die geringsten Strömungen jenseits der Passage vorhanden sein, wĂ€re ein Segelflug, wie ihn unser Banta vollfĂŒhrt, der, wie ihr alle wisst, in geradezu majestĂ€tischer Weise durchs Wasser gleitet, viel effizienter anzusehen. Eine Reise zu neuem Wasserraum wĂŒrde so zwar etwas lĂ€nger dauern, doch meiner Meinung nach,(kein Komma) wĂ€re ihm ein grĂ¶ĂŸerer Erfolg beschieden.“
Diesmal schwappte eine Woge der Verwirrung ĂŒber die Versammelten hinweg. Kreisförmiges Schwimmen, hektische Maulbewegungen. Einige ließen Blasen aufsteigen und ein paar junge Spawnies tippten sich mit den Flossen an den Kopf.
Ungeachtet dessen schwamm Gonatus zur letzten Sandskizze.
„So gelangten wir zu der Eingangs (eingangs) schon erwĂ€hnten Kombi-Lösung. Wir werden mit einem Aqualon, welches nur zu dem Zweck gezĂŒchtet wurde, einen Molch sicher an die Passage zu bringen, nach oben streamen. Dort angekommen, wird diese Aqualon-Basis am Übergang lediglich stationĂ€r eingesetzt. Von dort aus wird eine mitgefĂŒhrte Sonde, die ĂŒber den RĂŒck-Stoß-Triebler verfĂŒgt, aber auch ĂŒber einen riesigen, hauchdĂŒnnen Hautlappen, der sich im Bruchteil eines Flossenschlages entfalten kann, gestartet werden. Die einzigartige Sonde, dieses filigrane ZĂŒchtungswerk, soll dann, meiner Theorie folgend, durch etwaige Strömungen im Leerraum emporsteigen. Gerade so wie ein Banta im Wasserraum.“
„Aber wie soll etwas gleiten, wenn da nichts ist?“, signalisierten einige Molche.
„Es ist eine Theorie, liebe Freunde. Doch ich habe heute vor, den Beweis anzutreten.“
„Dann sollten Sie jetzt aufbrechen, lieber Kollege. Auf gutes Gelingen“, merkte Bahrami an, und Gonatus war sich alles andere als sicher, ob ihm Bahrami tatsĂ€chlich von Herzen alles Gute wĂŒnschte.
„Ja, es ist soweit. Ich mache mich jetzt auf den Weg“, sprach Gonatus dann sichtlich ergriffen, und fĂŒgte im Anschluss eine an solcher Stelle ĂŒbliche thalassionische Redewendung hinzu: „Möge der Laich stets gesund und lernfĂ€hig sein“.
Und mit diesen Worten begann die phantastische Reise.
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Dass die Mission unter keinem glĂŒcklichen Seestern stand, zeigte sich erst, als der Kontakt abriss. Der Zellfaden, den das Aqualon absonderte, und der in periodischen AbstĂ€nden seine Konsistenz Ă€nderte, war gerissen. Noch nie in der Geschichte des Molchs war so ein Fall bekannt geworden. Diese Verbindungsleitung machte eine Kommunikation ja erst möglich und gab Aufschluss ĂŒber den bereits zurĂŒckgelegten Weg. Die Molche waren am Meeresboden zerstört. Wie hatte so etwas geschehen können? Allgemeines RĂ€tselraten setzte ein. War das Aqualon vielleicht dermaßen gestresst damit gewesen, den Innendruck konstant zu halten, dass es zu Stoffwechselproblemen gekommen war? Vertrug sich die Sonde nicht mit dem Aqualon, da es sich auch bei ihr um eine eigenwillige ZĂŒchtung handelte? Wilde Spekulationen, keinerlei Tatsachen. Wissenschaftsmolche, emsige Arbeitsmolche, Theologie- und Lustmolche, alle zeigten sich tief betroffen; selbst den jungen Spawnies war nicht nach Spielen zumute.
Die Stunden vergingen. Wissenschaftler tĂŒftelten schon an einer Rettungsmission, obwohl diese nur von theoretischer Natur sein konnte. ZĂŒchtungen brauchten ihre Zeit. Sowohl vom Aqualon als auch der Sonde standen außer den Prototypen keine weiteren Exemplare zur VerfĂŒgung. Bis der Molch wieder in solche Höhen vordringen konnte, wĂŒrde demnach viel Zeit vergehen, und Gonatus wĂ€re lĂ€ngst in die Geschichte eingegangen; als Held wohlgemerkt, als tragischer.
Alles befand sich noch in einer Art kollektiven Trauerstimmung, als sich ein mÀchtiger Körper von oben herabsenkte.
„SIE kommen zurĂŒck“, jubelten die Spawnies als Erstes (erste) los, und zeigten mit ihren Flossen ganz aufgeregt nach oben. „Seht doch! SIE kommen zurĂŒck.“
Und wirklich, das Aqualon gelangte so ziemlich genau an der Stelle wieder zum Meeresboden, von dem es vor etlichen Stunden aufgestiegen war. Dieser Orientierungssinn war phĂ€nomenal. Voller Neugier schwammen die ersten Molche auf das Aqualon zu. Dieses hatte die feinen KapilarhĂ€rchen schon zeitig entsprechend ausgerichtet, da in der Tiefe stetes DĂ€mmerlicht herrschte. So gab es die Sicht fĂŒr,(kein Komma) und auf Gonatus frei. In dessen Ausdruck erkannten die Molche blankes Entsetzen. Hektische Unruhe machte sich unter den Versammelten breit. Was war hier nur geschehen? Von der Sonde – keine Spur. Offensichtlich war es zum Abschuss gekommen.
„Holt ihn da raus!“, blubberte es aus gleich mehreren Richtungen. Das Aqualon reagierte immer noch Ă€ußerst gestresst, doch als es ein paar Streicheleinheiten bekommen hatte, drĂŒckte es den völlig perplexen Passagier einfach aus sich heraus.
Die Druckkammer schien bestens funktioniert zu haben. Auf den ersten Blick waren keine Verletzungen an Gonatus festzustellen. Nur sein unablĂ€ssiges Zappeln und seine wirren Flossenbewegungen, die keiner zu deuten vermochte, zeugten von seiner Panik. Die RĂŒckkehr des Aqualons und seines tragischen Helden verbreitete sich natĂŒrlich in Strömungseile. Bald waren wieder alle Molchartigen am Platz versammelt. Sie alle wollten wissen, was es von dieser Reise zu berichten gab. Und dann endlich – Gonatus schien sich wieder etwas gefangen zu haben, richtete er die Blase an die Versammelten.
Doch das Erste, was ihm ĂŒber die Lippen kam, war die Frage, ob außer ihm sonst noch etwas von oben heruntergekommen sei. Einzelne Molche verneinten dies, und fragten nach, was er denn damit meinte. So richtete sich Gonatus dann endlich vor der Kathedrale aus, und begann seine Geschichte zu erzĂ€hlen:
„GeschĂ€tzte Molche, liebe Spawnies, mein Erlebnis lĂ€sst sich mit einer einzigen großen Blase zusammenfassen. Es war – Schrecklich!
Was ich erlebte(Komma) war von solcher Tragik, dass ich ernsthaft ĂŒberlege, die wissenschaftliche Arbeit aufzugeben, um mich fortan einzig und alleine um den Laich zu kĂŒmmern. Meine treu(getrennt)sorgende Abralia wĂŒrde es mir sicher danken. Aber lasst mich zuerst erzĂ€hlen. Als ich oben angekommen war, verlief zunĂ€chst alles nach Plan. Zwar hatte ich den Kontakt zu euch verloren, doch konnte ich beim besten Willen keinen weiteren Defekt feststellen. Im Gegenteil, mir ging es den UmstĂ€nden entsprechend gut. Ich vermutete lediglich, dass das Aqualon mit dem Aufstieg und den extremen Druckunterschieden so sehr beschĂ€ftigt gewesen war, bis es schließlich, vor lauter Stress, irgendwann den Faden verloren hatte.“
„Ja, dies war auch unsere Vermutung gewesen (ĂŒberflĂŒssig) “, unterbrach ihn ein Kollege.
„Aber weiter, was geschah dann?“, meinte ein anderer.
„Nun, die Strahlungsquelle außerhalb des Aqualons muss gigantisch sein, doch die Schildmembrane erfĂŒllte ihren Zweck. Die feinen HĂ€rchen hatten sich entsprechend ausgerichtet und sorgten fĂŒr Ă€hnliche VerhĂ€ltnisse wie in Thalassios gelobten Tiefen. Doch konnte ich kaum etwas erkennen und wies das Aqualon deshalb an, in periodischen AbstĂ€nden einen Abgleich vorzunehmen. So konnte ich mir schließlich ein Bild von der Außenwelt machen. Ich kann euch nur ansatzweise beschreiben, wie verloren ich mir in dieser Leere vorkam. Diese Trostlosigkeit könnt ihr euch nicht vorstellen. Denn da war wirklich NICHTS! Weder Kleinstlebewesen, noch irgendeine Sedimentablagerung. Selbst unser geliebtes Wasser schien sich vor dem Leeraum zu fĂŒrchten. Mit einer Auf- und Ab-Bewegung, die mich an den lang(getrennt)gezogenen Schweif eines Noontak erinnerte, strĂ€ubt es sich vehement dagegen, in die Leere vorzudringen. Dieses Verhalten des Wassers ließ eine regelrechte Übelkeit in mir aufsteigen. Ich war heilfroh, dass ich vor meiner Reise nur leichten Algenschleim zu mir genommen hatte. Und dann, der Blick in diese Leere, immer wieder dieser Blick auf ein allumgebendes Nichts. Glaubt mir, wĂ€re nicht direkt unter mir die vertraute Wasserwelt gewesen, und hĂ€tten mir die schĂŒtzenden HĂ€ute des Aqualons nicht ein gewisses GefĂŒhl der Geborgenheit vermittelt, ich wĂ€re vermutlich wahnsinnig geworden.“
„OOOOOHHHHHH!“ Die Molche waren ĂŒber alle Maßen entsetzt.
„Dann, als ich mich von dem ersten Schrecken erholt hatte, besann ich mich auf meine Mission. Der Gedanken (Gedanke) daran, wie viele von euch auf Antworten hofften, ließ mich neue Kraft schöpfen. Ich aktivierte also die Sonde. Es waren einige ÜberredungskĂŒnste notwendig, da ich auch ihr die Bedeutung ihres Einsatzes vor Augen fĂŒhren musste. Vielleicht haben die ZĂŒchtungsgegner ja doch nicht ganz Unrecht, wenn sie uns eine unmoralische Vorgehensweise vorwerfen. Ich konnte jedenfalls deutlich spĂŒren, dass die Sonde Angst vor ihrem Einsatz hatte. Doch ließ sie sich schließlich ĂŒberzeugen, ihre Arbeit zu verrichten. So löste sich die Sonde vom Aqualon, schwamm ein paar Runden, um ihre Muskulatur zu konditionieren, tauchte ab, nahm Schwung auf und schoss mit dem RĂŒck-Stoß-Triebler aus dem Wasserraum hinaus, in die mir endlos erscheinende Leere.“
„OOOOOHHHHHH!“
„Ja, liebe versammelte Molchschar. Die Spannung war in diesem Moment beinahe unertrĂ€glich. Meine Sicht war alles andere als perfekt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie hell es jenseits der Passage ist. Doch meinte ich zu erkennen, wie die Sonde kurz nach dem Emporschießen ihre Hautlappen öffnete, und sofort von einer unsichtbaren Strömung hoch- und mitgerissen wurde. Im nĂ€chsten Moment schon hatte ich sie aus den Augen verloren.“
An dieser Stelle legte Gonatus eine kleine Pause ein, und er musste sich erst ein wenig neu sortieren; die Flossen bewegen, die BĂŒschel richten, bevor er dann weitererzĂ€hlen konnte. Die Molchschar gab indessen keinen Flossenschlag von sich. Auf dem Großen Platz hĂ€tte man eine Schuppe fallen hören können.
„Wir mussten dann erst wieder in unseren Wasserraum zurĂŒckkehren, da mir das Aqualon signalisiert hatte, es habe massive Hautprobleme. Übrigens, dieses ist neben den doch folgenden Schrecklichkeiten meiner Reise, sicher das Absonderlichste. Ich will versuchen(Komma) es euch annĂ€hernd in Blasen zu packen. Von allen Impulsen, die ich wĂ€hrend unseres Aufenthalts vom Aqualon empfangen habe, waren dies die Seltsamsten. WĂ€hrend sich zu anderen EindrĂŒcken in etwa Synonyme in unserer Wasserwelt finden lassen, gab es fĂŒr dieses „Haut-GefĂŒhl“ des Aqualons nichts Vergleichbares. So kann ich euch lediglich meine subjektiven EindrĂŒcke vermitteln.
Als wir wieder auftauchten, beobachtete ich sehr genau die Außenhaut des Aqualons. Ich konnte erkennen, wie das Wasser direkt – und ich meine wirklich direkt – an seiner Außenhaut zurĂŒck in Richtung Wasserwelt floss. Ja, es kam mir fast so vor, als habe das Wasser genauso Angst vor dem Leerraum, als kurz zuvor die Sonde. Ich lege hier also Wert auf die Feststellung, dass ich der erste Wissenschaftler bin, der die Vermutung Ă€ußert, das Wasser habe ein – Bewusstsein!
„OOOOOHHHHH!“
„Ja, liebe Molche. Wir haben uns bisher so sehr auf die Schlammuntersuchungen konzentriert, die Festmasse von Thalassio. Dann erregte in jĂŒngster Vergangenheit die Passage unsere Aufmerksamkeit und GemĂŒter. Doch was, wenn uns dabei Wesentliches verborgen blieb? Unser Wasserraum ist fĂŒr uns so selbstverstĂ€ndlich geworden, dass wir zwar alle Lebewesen, alle Ablagerungen, ja selbst die chemischen Prozesse um uns herum sondieren – doch was ist mit dem Wasser selbst?“
Kiemenberaubende Stille!
„Als wir nun also aufgetaucht waren und ich sah, wie das Wasser flĂŒchtete, beobachtete ich, wie sich die Haut des Aqualons verĂ€nderte. Anfangs war noch eine dĂŒnne Schicht des Wassers zu erkennen gewesen, etwas spĂ€ter waren nur noch einzelne Wasserstreifen zu sehen, und zum Ende hin, blieb da nur noch ein feiner Rest ĂŒbrig. Keine durchgĂ€ngige Schicht mehr, nein, mehr ein fleckiger Überzug. So fein und dĂŒnn, dass dagegen die Hautlappen der zuvor gestarteten Sonde wie ausgewachsene Banta-Segel wirkten.“
„OOOOOHHHHHH!“
„Und im Folgenden bin ich mir nicht mehr sicher, ob es sich bei meiner Beobachtung um ein reales Erlebnis handelt, oder ich einer Halluzination erlegen bin. Wie ich bereits erwĂ€hnte, meinte ich noch feinste Reste des Wassers zu erkennen. Doch gab es hier kein Abfließen mehr. Es schien, als wĂŒrden sich die feinen Reste einfach in Nichts auflösen. Je lĂ€nger ich auf die Außenhaut schaute, desto weniger vertraute Heimat konnte ich erkennen. Bis schließlich auf der Haut des Aqualons kein RĂŒckstand unserer Welt mehr zu erkennen war.
Und eben dann traten VerĂ€nderungen ein, fĂŒr die ich, wie schon erwĂ€hnte, keine Vergleiche finde. Alles(Komma) was ich euch erzĂ€hlen kann(Komma) ist, dass die Innenhaut, welche fĂŒr den konstanten Druck verantwortlich zeichnete, mir frisch und lebhaft vorkam, wĂ€hrend die Außenhaut immer abgespannter wirkte. Eine Art Schrumpfungsprozess hatte eingesetzt und die feinen Äderchen der Haut zeichneten sich mit einem Mal immer deutlicher ab. Ich befĂŒrchtete schon, dass die Außenhaut bleibenden Schaden nehmen wĂŒrde. Doch bevor der Zustand eskalierte, drang das Aqualon wieder in unseren Raum ein.
Insgesamt zwölf Mal wiederholte das Aqualon diesen Leerraum-Wasserraum-Zyklus. Immer wieder hielt ich dabei nach der Sonde Ausschau, doch sie blieb verschollen. Ich konnte nicht abschĂ€tzen, wie weit sie in den Leerraum hoch(getrennt)gedrungen war. Ich bekam eine richtige Schuppenhaut (wĂ€re Hornhaut nicht das treffendere Wort? Fischköpfe sind doch hornartig) bei der Vorstellung, was die Sonde wohl alles durchmachen musste. Zudem meldete sich mein Gewissen, schließlich hatte ich sie ja zu ihrem Einsatz ĂŒberredet. Mir war ganz elend zumute.“
„OOOOCH!“
„Doch was ich dann erlebte, ĂŒbertraf selbst meine schlimmsten BefĂŒrchtungen. Mit einem Mal war ein solch helles Licht um mich, dass selbst die Filtermembran keine Zeit mehr gehabt hatte, mich ausreichend zu schĂŒtzen. Im Aqualon wandt (wand) ich mich vor Schmerz und zappelte wie wild umher. Mir war, als hĂ€tte mich der Stachel eines Humpossums in beide Augen gestochen.“
„AAAAUUUUU!“
„Dann vernahm ich ein GerĂ€usch, wie ich es noch niemals zuvor vernommen hatte. Nein, kein GerĂ€usch, es war mehr wie das BrĂŒllen eines Monsters. Ihr wisst ja noch, dass bei unseren Schlammbohrungen immer wieder Molche verschwunden sind. Einige glaubten ja, dass in den Tiefen ein Wesen lebt, so schrecklich, dass es mit bloßem Flossenschlag nicht zu beschreiben ist. Wenn es so ein Wesen wirklich geben sollte, dann sage ich euch, das Getöse, das dieses Untier von sich gibt, kann nicht schrecklicher sein, als jenes, das ich dort oben erleben musste.“
„OOOOOHHHHHH!“
„Ja, liebe Molche, und immer wieder wechselten sich das grelle Licht und das Getöse ab. Ich versuchte eine ErklĂ€rung zu finden, doch es wollte mir nicht gelingen. Zwar strĂ€ubte ich mich als Wissenschaftler gegen die Monstertheorie, doch war das Erlebte am Ende so fĂŒrchterlich, dass ich jedem SchauermĂ€rchen Glauben geschenkt hĂ€tte.
Doch sollte sich mir das ganze Ausmaß der Katastrophe erst noch eröffnen. Denn mit einem Mal fiel von oben etwas auf uns herab. Obwohl ich durch die Außenhaut recht gut geschĂŒtzt war, stieg erneut die Furcht in mir hoch. Was war das fĂŒr ein Zeug, das da auf uns niederging? Dann, in einem schockartigen Impuls(Komma) erkannte ich das volle Ausmaß der Tragödie. Einzelne Wissenschaftler hatten ja die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, dass, wĂŒrde etwas aus unserer Wasserwelt auf eine Anti-Wasserwelt treffen, es zu einer schrecklichen Katastrophe kommen könnte, einer Art Kettenreaktion. Und so musste es gekommen sein. Der Abschuss unserer Sonde war doch nicht ohne Folgen geblieben, da nun lauter kleine Wasserteilchen auf uns herab(getrennt)fielen. Das Aqualon erfreute sich an dieser Tatsache, da es sich so den Leerraum-Wasserraum-Zyklus ersparen konnte. Es war zu dumm, um die ZusammenhĂ€nge zu begreifen. Vermutlich war die Sonde von der Leerraumströmung immer höher getrieben worden und schließlich mit ganzer Wucht auf eine andere Wasserwelt getroffen. Dort hatte sie dann die furchtbare Reaktion in Gang gesetzt. Sie hatte die Anti-Wasserwelt zerstört, die nun in kleinsten Partikeln auf uns herab(getrennt)fiel.“
„AAARRRRGGGHHH!“
„Ja, ihr Molche. Die Passage geriet durch diesen Teilchenbeschuss aus dem Gleichgewicht. Das Aqualon wurde hoch- und niedergedrĂŒckt. Ich versuchte alles, um die Situation unter Kontrolle zu bringen, doch es gelang mir nicht. Auch wurde der Teilchenbeschuss immer heftiger. Und das Grauen steigerte sich zu einem furiosen Finale, da sich mir ein letztes furchtbares Bild aufdrĂ€ngte. So abscheulich, dass ich so schnell wie möglich zu euch zurĂŒckkehren wollte.“
„JA, WAS DENN NUR?“, stieg da ein Meer voll Blasen auf.
„Versteht ihr denn nicht? Ich ĂŒberlegte mir, wenn auf dieser Anti-Wasserwelt nun so etwas wie ein Anti-Molch gelebt hĂ€tte, so wĂŒrde bald etwas viel Schrecklicheres als nur Wasserteilchen auf mich herabstĂŒrzen.“
„LIIIEEEEKKKKKK!“
„Ja, liebe Molche. Diese entsetzliche Vision vor Augen musste den Abbruch der Mission zur Folge haben.“
Gonatus legte eine kleine Pause ein und wirkte dann sehr nachdenklich.
„So lasst uns denn wachsam sein, liebe Molche. Wir wollen die nĂ€chste Zeit immer wieder einmal nach oben sehen und hoffen, dass wir mit unserem Versuch niemandem geschadet haben.“
Die dicken Köpfe der Molche reckten sich nach oben. Doch da schwamm zum GlĂŒck nichts, was dort nicht hingehörte.
„Doch war meine Reise nicht umsonst, liebe Freunde. Wir haben dadurch das eigentliche Problem erkannt und die Bedrohung, die möglicherweise auf uns zukommt. Denn, lasst uns den Gedanken zu Ende denken. Sicher existieren neben der zerstörten Wasserwelt auch noch andere. Falls es dort ebenfalls intelligentes Leben geben sollte(Komma) ist anzunehmen, dass auch dieses eines Tages Sonden zu uns schicken wird. Vielleicht bergen diese Sonden dann auch eine Gefahr fĂŒr uns, da sie aus einer Anti-Welt stammen. Und wir mĂŒssen uns die bange Frage stellen: Wenn eine solche Sonde unsere Welt trifft, wird dann unser Wasser dem Zerfluss standhalten?“
„AAAIIIIIAAAIIIII!“
„Ja, liebe Molche. ErzĂ€hlt diese Geschichte euren Nachkommen, und diese sollen es dann ihrem Laich erzĂ€hlen. Wir mĂŒssen uns vor der zerstörerischen Kraft der fremden Sonden schĂŒtzen und eine Barriere errichten, die unser nĂ€heres Umwasser in Form hĂ€lt. Schwimmt nach Hause und denkt darĂŒber nach. Wir werden sicher eine Lösung finden.“
So sicher war sich Gonatus allerdings nicht. Zu gewaltig erschien ihm diese Herausforderung. Er jedenfalls hatte seinen Teil erfĂŒllt. Den nĂ€chsten Schritt mussten jĂŒngere Molche tun. Er wĂŒrde sich nicht noch einmal in die NĂ€he dieser entsetzlichen Passage wagen.
Nun schwamm Gonatus erst einmal zurĂŒck in seine Höhle und zu seiner Frau. In Zukunft wĂŒrde er sich mehr Zeit fĂŒr die Familie nehmen. Er hoffte nur, dass Abralia ihm nicht die schuppige Schulter zeigen wĂŒrde. Wenn sie entsprechende Laune hatte, konnte er sie fragen(Komma) was er wollte, kein BlĂ€schen kam ĂŒber ihre Lippen. Sie blieb stumm wie ein Fisch. Doch Gonatus hatte da so seine Mittelchen. Zuerst wĂŒrde er sie sanft beflossen, dann zĂ€rtlich an ihrem BĂŒschel reiben und so hoffen, dass er sie wieder zum Blasen bringen konnte.

lg

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Old Icke

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Hallo flammarion,

vielen Dank fĂŒr die schnelle Antwort und deine Textarbeit. Die Fehler habe ich natĂŒrlich gleich berichtigt. Nur die Stelle mit der „Schuppenhaut“ hab ich so gelassen. Bei Hornhaut denkt der Leser vermutlich zu sehr an den Menschen.
Wie ich aus deinem Intro entnehme, hat dir der Blick ins Wasser VergnĂŒgen bereitet. Das freut mich natĂŒrlich. Es war nicht ganz leicht, sich in den Molch hineinzuversetzen. Aber es hat auch Spaß gemacht, wieder einmal abzutauchen.

Nochmals, vielen Dank und bis dann

Gruß von F. P.

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