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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Pforte der Dämonen
Eingestellt am 14. 08. 2014 22:55


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James Blond
???
Registriert: Aug 2014

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Prolog:
Dämonen betreten diese Welt durch die Pforte unserer Phantasie, ohne die sie machtlos wären. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Kinder zu ihren bevorzugten Opfern zählen. Ihre Phantasie ist keineswegs nur der bunte Blütengarten der Kinderbuchautoren. Wer sie im Übermaß besitzt, wird darunter auch zu leiden haben und sich glücklich schätzen, sobald er Kontrolle über die Pforte seiner Dämonen erlangt.


Just dort, wo ein kleiner Regenbach am Rande des Schulhofs den Eisengitterzaun passiert und etwas hell gespülten Sand hinterlassen hatte, befand sich eine leicht geöffnete Pforte, die, schon etwas versandet, in einen Nachbargarten führte. Für ein Kind war es keine große Mühe, dort hindurchzuschlüpfen.

Ein Geheimnis umgab diese Stelle. Dies war ein besonderer Ort, dessen magische Kräfte man zwar deutlich spüren, sie aber an nichts Außergewöhnlichem festmachen konnte. Es schien von dem Garten vielmehr eine solche Vergessenheit und Stille auszugehen, als wäre er aus der Zeit gefallen und jeder, der ihn beträte, verlöre zugleich alle Erinnerungen an seine gewohnte Welt.

Kinder verspüren zumeist deutlicher die Wirkung solcher Orte. Vielleicht, weil sie erst seit kurzem in dieser Welt wohnen, vielleicht auch, weil ihre Sinne noch nicht den Weisungen eines gereiften Verstandes folgen. So war dieser Zaubergarten für sie ein verlassenes Paradies voller Wunderblüten und zugleich eine Unterwelt lauernder Dämonen, deren Stunde gekommen schien, sobald es zu dämmern begann und sich die helle Spur des Regenbachs von der dunkleren Umgebung in fahlem Schein abhob.

Dann war es, als würde die Zeit ihren Atem anhalten, die Ruhe einer bedrückenden Stille weichen, die bevorstehendes Unheil erahnen lies. Jeder unbedeutende Laut, selbst das leiseste Rascheln wurde von überspannten Sinnen registriert; die Augen suchten im Dämmerlicht nach Hinweisen und da sie nichts finden konnten, steigerte sich die Vorstellungskraft zu beängstigenden Visionen. Die Welt löste sich auf in ein wirres Muster grauer Flächen, die, ständig zu neuen Bildern zusammengesetzt, eine rasche Abfolge verschiedenster Eindrücke ergaben. Kaum erfasst, mussten sie gleich wieder anderen, noch seltsameren, verstörenderen Phantasien weichen. Zweifellos war dies das Werk von Dämonen, die hier ihr Unwesen trieben.

Aber das Kind, obgleich vom erwarteten Schrecken gelähmt, erschien dieses Mal nicht unvorbereitet. Mit beiden Händen umklammerte es ein Holzschwert, fest entschlossen, sich der Gefahr zu stellen und loszuschlagen, sobald sich das Böse auch nur andeutungsweise offenbaren sollte. Als es soweit war und von mehreren Seiten zugleich Augenpaare aufleuchteten und boshafte Fratzen ihr herausforderndes Grinsen zeigten, löste sich der kleine Körper aus seiner Erstarrung und begann, der bedrohlichen Hydra mit gezielten Hieben die Häupter abzuschlagen. Einmal in Bewegung geriet sein Kampf gegen die nachwachsenden Köpfe zu einem kunstvollen Tanz vollendeter Zerstörung, dem selbst Dämonen auf Dauer nichts entgegenzusetzen vermochten.
Irgendwann verließ der Held ermattet die Stätte seines Wirkens, nun ein dunkler Ort der Zerstörung und all seiner dämonischen Krafte beraubt.

Als am nächsten Morgen die Frau des Pastors in ihren Garten blickte, staunte sie nicht schlecht über das Werk der Verwüstung, das sich ihren Blicken bot. Die meisten Blumen hatten ihre Blüten hergeben müssen und der Rasen war bedeckt von einer Schicht zerfetzter Pflanzenteile. "Dämonen haben in unserem Garten gewütet!" rief sie erschrocken. Der herbeigeeilte Gatte blickte ernst und sagte nur: "Ich werde mit dem Schuldirektor sprechen, dass die Pforte verschlossen wird."

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James Blond
???
Registriert: Aug 2014

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Vielen Dank, lieber Wipfel, für Deine Beschäftigung mit diesem Text.

Es freut mich, dass Du das Sprachliche hervorhebst. Ich habe mich hier bemüht, einen etwas altmodischen "literarischen" Ton anzuschlagen, vielleicht nicht unbedingt für Kurzgeschichten geeignet, aber für eine Novelle hat's leider nicht ganz gereicht.

Zunächst meine Frage:
Was bedeutet MP?

Zu Deiner Frage:

Obgleich nur ein leicht wildertes Gartenstück zwischen Schulhof und Pastorat, hing doch das Herz der Pastorengattin daran. Vielleicht war es auch für sie ein Abbild des Garten Eden, wie es im Text ja angedeutet wird.

Und die Zerstörung bezog nicht nur auf einige umgesäbelte Blumen, fast alle Pflanzen hatten unter dem Dämonenkampf schwer zu leiden gehabt. Hinzu kommt, dass die Erwachsenen auf die Zeichen mutwilliger Zerstörung recht empfindlich reagieren, noch dazu, wenn es sich dabei um ihr Eigentum handelt.

Ja, Disteln sind es bei Goethe. Und hier ist es das Bild eines Heranwachsenden, der sein Heldenmütchen an ihnen stillt, das als Spott auf den Göttervater eingesetzt wird.

Mir ging es allerdings um die Ängste der Kindheit und ihre Überwindung in selbstgestellten Mutproben.

LG JB

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Ilona B
Autorenanwärter
Registriert: May 2014

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Hallo JB,
die Geschichte gefällt mir sehr gut. Ich mag "Übersinnliches" und die Atmosphäre kommt gelungen rüber. Man sollte wirklich versuchen, gerade als Schreibender, sich ein Teil dieser kindlichen Phantasie zu bewahren.
Mir persönlich waren einige Stellen zu ausführlich.

quote:
Ein Geheimnis umgab diese Stelle diesen Ort. Dies war ein besonderer Ort, dessen magische Kräfte man zwar deutlich spüren, sie aber an nichts Außergewöhnlichem festmachen konnte. Es schien Von dem Garten vielmehr schien eine solche Vergessenheit und Stille auszugehen, als wäre er aus der Zeit gefallen und jeder, der ihn beträte, verlöre zugleich alle Erinnerungen an seine gewohnte Welt.

quote:
sobald es zu dämmern begann und sich die helle Spur des Regenbachs von der dunkleren Umgebung in fahlem Schein abhob.

Dann war es, als würde die Zeit ihren Atem anhalten, die Ruhe einer bedrückenden Stille weichen, die bevorstehendes Unheil erahnen lies. Jeder unbedeutende Laut, selbst das leiseste Rascheln wurde von überspannten Sinnen registriert; die Augen suchten im Dämmerlicht nach Hinweisen und da sie nichts finden konnten, steigerte sich die Vorstellungskraft zu beängstigenden Visionen. Die Welt löste sich auf in ein wirres Muster grauer Flächen, die, ständig zu neuen Bildern zusammengesetzt, eine rasche Abfolge verschiedenster Eindrücke ergaben. Kaum erfasst, mussten sie gleich wieder anderen, noch seltsameren, verstörenderen Phantasien weichen. Zweifellos war dies das Werk von Dämonen, die hier ihr Unwesen trieben.

Sprachlich finde ich den Text gut, nur eben für die Geschichte zu lang. Allerdings ist es wie immer, nur meine persönliche Meinung.

__________________
Herzliche Grüsse Ilona

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.(Mahatma Gandhi)

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