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Leselupe.de > Feste Formen
Die Qual der Wahl
Eingestellt am 29. 05. 2011 15:23


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Walther
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Die Qual der Wahl


Die Hummel, die den T├╝rkenmohn umschwirrt,
Ist ganz umnebelt von den Duftgewalten.
Sie kann nicht anders, als auf Anflug schalten,
Und jeder wei├č, worin das enden wird.

Es ist die Zeit, um jedes Haar zu spalten,
Das sich versehentlich im Mund verirrt.
Ist es vom steilen Zahn endlich entwirrt,
Darf jeder, was er will, bei sich behalten.

Die Rose, die dort steht, bleibt ganz alleine
Und stellt in stummem Zorn die Dornen auf.
Dabei hat sie die allersch├Ânsten Beine,

Und eine volle Dolde swingt im Lauf.
Der weiche Wind umspielt die zarte Kleine.
Die Hummel setzt dem Mohn die Krone auf.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 29. 05. 2011 15:23

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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Ich versuche mal, einige der Metaphern zu entschl├╝sseln:

quote:
Die Hummel, die den T├╝rkenmohn umschwirrt,
Ist ganz umnebelt von den Duftgewalten.

Es geht um Bet├Ârung, Anziehung und Abh├Ąngigkeit. Die Pheromone spieln verr├╝ckt.(Wie bei "M├Ąnner umschwirrn mich, wie Motten das Licht")

quote:
Sie kann nicht anders, als auf Anflug schalten,
Und jeder wei├č, worin das enden wird.

Die Anziehung ist ein Naturgesetz.
quote:
Es ist die Zeit, um jedes Haar zu spalten,
Das sich versehentlich im Mund verirrt.

Die Zeilen verwirren mich. Haare spalten bedeutet, etwas immer mehr zerreden, etwas ins kleinste auff├Ąchern, f├╝r den einen sinnvoll, der andere sieht nur Haarspalterei.

quote:
Ist es vom steilen Zahn endlich entwirrt,
Darf jeder, was er will, bei sich behalten.

Der entwirrende steile Zahn ist sicherlich eine h├╝bsche Frau.
Den Begriff habe ich einige Zeit nicht geh├Ârt. Interessant ist die Etymologie. Es scheint mit "sona" in "ben sona" verwandt zu sein ("Hure" in "Hurensohn").
quote:
Die Rose, die dort steht, bleibt ganz alleine
Und stellt in stummem Zorn die Dornen auf.

Eine alte Jungfer, die zornig geworden ist und verbittert, dass sie niemanden "abbekam". Oder eine Rose, die verlassen werden sollte und schnell noch stachelte.

quote:
Dabei hat sie die allersch├Ânsten Beine,

Sie versteht nicht, dass sie verlassen wurde.

quote:
Und eine volle Dolde swingt im Lauf.
Die n├Ąchste der sch├Ânen ist da.

quote:
Der weiche Wind umspielt die zarte Kleine.
Die Hummel setzt dem Mohn die Krone auf.

Die Befruchtung.

---

Aber es erinnert mich anders gelesen sehr an Kachelmann.

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Bernd,

Deine Analyse meines Gedichts ist sehr spannend zu lesen und wie immer lehrreich besonders f├╝r den Autor. Ich danke Dir f├╝r die gro├če M├╝he, die Du Dir gegeben hast.

In der Tat geh├Ârt dieses Sonett zu den Gedichten, in die ich Elemente der Textcollage eingebaut habe. Ganz besonders geschieht das in S2, die in fr├╝heren Version S1 war, dann aber wegen der formalen Vorgabe der Sonettform zur 2. Strophe wurde.

Als Hinweis m├Âchte ich 2 Bilder anrei├čen, die im erste Verspaar verwandt und dann weitergesponnen wurden. Lange Haare verirren sich in der Tat bei Einwirkung von Fahrtwind bei offenem Fenster etc. gerne im Mund. In der Tat kann in den Diskussionen ├╝ber Fr├╝hlingsgef├╝hle und deren gelegentlich fatale Auswirkung so manches Haar gespalten werden (oder in der Suppe gefunden).

Wir finden, damit es dann auch pa├čt, in S4 wieder eine solche Collage, wo das Schwingen der Rosenbl├╝tenst├Ąnde im Wind mit dem t├Ąnzerischen Swingen gewisser Vorbauten junger leichtgesch├╝rzter Damen quasi ├╝berpaust wird.

Vielleicht habe ich die LeserInnen ein wenig ├╝berfordert. Und vielleicht hat Dich der swingende Singsang des Texts dann doch dazu gebracht, dieses schon aus einer eher m├Ąnnlichen Perspektive mehrfach in Facetten gebrochene Lied auf das ewig Weibliche im Fr├╝hling entstandene Naturgedicht zu besprechen.

LG W.

Lb. Rose,

stand hier der Name Pate? Jedenfalls danke ich artig f├╝r lobende Worte und Bewertung!

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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