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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Die Rattenfänger pfeifen wieder - NR-Wahl 06, Österreich
Eingestellt am 07. 10. 2006 10:47


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DayDreamer
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Die Rattenfänger pfeifen wieder

Man redet vom Kollektivismus und hat im Grunde doch absolut keine Ahnung, was man damit alles zu meinen glaubt. Denn wenn die kollektive Stimmungslage der Wählerschaft, so sagt man, von der subjektiven Meinung, man habe seine eigene Situation in der letzten Legislaturperiode nicht entscheidend verbessern können, geprägt ist, ist das Bedürfnis nach einer Wenderegierung gegeben. So in Österreich, Oktober 2006. Eine Ansichtssache.

Ganz nach Protokoll hat jede Gruppierung seinen eigenen Wahlsieger. Anlassgründe gibt es genügend: Stimmenstärkste Partei, Einzug in den Nationalrat, Wahrung der bürgerlich-rechten Mehrheit. Doch es geht hier nicht um Gewinner und Verlierer; nicht um Prozente oder gar Wahlkampfstrategien oder Wahlwerbungsstile.

Es geht um ein menschliches Phänomen. Eine subversive, unterschwellige Bewegung, die seit einigen Jahren nicht nur Europa erfasst hat, sondern weltweit für – derzeit medial noch unterbeachtete – Aufmerksamkeit sorgt. Die Flötenklänge der Rattenspieler klingen wieder. Und dies eindrucksvoller als jemals zuvor.

Die Gründe für die Wahlentscheidung in Österreich sind vielfältig – in ihrer Argumentation gehen sie beinahe in das Reich der transzendenten Mysterien. Doch der Grundtenor ist überall aussagend: Die Sozialdemokratie schaffte es, den Menschen eine bessere Zukunft zu bieten. Versprechen, die weit über rationale und gekannte Wahlversprechen hinausgingen und – auch in den anbrechenden Koalitionsverhandlungen – noch immer hinausgehen.

Es sind wunderbare Dinge, die hier versprochen wurden. In einer Welt der Gefahren und Unsicherheiten verschanzen wir Österreich in einer Festung der paradiesischen Unzulänglichkeiten. Sicherheitspolitischen prekären Verdachtsmomenten setzen wir unsere immerwährende Neutralität entgegen. „Sozialfighter statt Eurofighter“ – ja, so hat es zu sein. Wir in Österreich kämpfen für soziale Gerechtigkeit und mehr Fairness – und nicht gegen den Terrorismus und seine Auswüchse.

Auch der steigenden Arbeitslosigkeit – in Statistikspielereien sinkend – gilt es entgegenzutreten. Eine Grundsicherung bzw. ein Grundeinkommen von 800 Euro ist greifbar. Wer keinen Job bekommt oder sich - aus persönlichen Befindlichkeiten – in der Arbeitswelt nicht so beheimatet fühlt soll zumindest ein „anständiges Auslangen“ finden. Ein 1. Schritt in jene tiefsten Tiefen des Märchenlandes, in denen die KPÖ mit einer Forderung nach 1.300 Euro schon einen kleinen – ideologisch bedingten - Vorsprung hat.

Auch beim Pensionsantritt suggeriert man uns menschliche Nähe und selbstverwirklichende Wärme. 45 und 40 Jahre Arbeit sind genug. Schließlich soll man die restlichen 40 Jahre ja unbeschwert erleben; sich selbst ergebend in der Zufriedenheit seiner erbrachten Leistung. Die Sozialdemokratie gibt uns hierfür nicht nur die Möglichkeit. Nein, vielmehr. Sie sichert uns auch noch allen ein unbeschwertes Einkommen jenseits der inflationären Armutsgrenze von 1.000 Euro.

Ja, die Sozialdemokratie sorgt wahrlich für ein gerechteres Leben. Das Individuum braucht sich um nichts zu kümmern. Getreu dem sozialistischen Motto: Als Einzelner bist du nichts – in der Masse jedoch alles.

Wem gefällt es nicht, derartig gestreichelt und verwöhnt zu werden? Solche Träumereien einer besseren Welt sind doch hundertmal besser als die realen Tatsachen der Wahrheit.

Es ist eben wie es ist.

Und die Rattenfänger?

Die pfeifen wieder.

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jon
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"Süffig" geschrieben, sehr eingängig. Ich möchte beinahe "Genau!" sagen. Aber in Wirklichkeit steht nicht viel drin im Text, was diesen Ausruf verdient.

"Es geht um ein menschliches Phänomen. Eine subversive, unterschwellige BewegungKomma die seit einigen Jahren nicht nur Europa erfasst hatKomma sondern weltweit für – derzeit medial noch unterbeachtete – Aufmerksamkeit sorgt. Die Flötenklänge der Rattenspieler klingen wieder. Und dies eindrucksvoller als jemals zuvor."

Das ist wohl der beste Punkt um zu zeigen, wo dieser Text schwächelt. Er drückt ein gewisses Unbehagen aus, das ich gut nachvollziehen kann, weil ich es auch empfinde. Aber wer dieses Gefühl nicht teilt, erfährt kaum, woher das Unbehagen rührt. Wir wissen ja, dass Wahlversprechen Stimmen bringen. Aber das tun sie schon immer (es ist "ein menschliches Phänomen") – was ist jetzt ("seit einigen Jahren") anders? Und: Was für eine "Bewegung" meinst du? Oder ist das eine österreichische Vokabel und meint "die Bewegung"? Dann weiß ich allerdings auch nicht, was das heute(!) ist (, dass die Nazis ihren "Rattenfang" so nannten, weiß ich schon.).
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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DayDreamer
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Hallo!

Vielen Dank einmal für deinen ausführlichen Kommentar.

Ja, es ist dieses innere Unbehagen, das schwer in Worte zu fassen ist. Und ja - wer dieses Unbehagen nicht fühlt wird mit diesem Text auch wenig anzufangen wissen. Ursprünglich war ich versucht einen ausführlicheren Text zu bringen, in dem alle Versprechen und Lügen detailliert zerlegt werden. Hab dann aber davon abgesehen da so eine Liste natürlich niemals objektiv oder vollständig sein kann.

Aber es tut gut, dass mehr diese "Veränderung" spüren, die uns da erwartet...

PS: Danke für die Komma-Korrektur. Hab es gerade korrigiert. (:

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