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Leselupe.de > Science Fiction
Die Reise der Estrellaner (überarbeitete Version)
Eingestellt am 09. 04. 2015 19:56


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ThomasQu
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Die Estrellaner

Der Kapitän, ein bärtiger Mann mittleren Alters und seine fünf Passagiere, allesamt Mathematiker, waren auf einem Routineflug, als sie plötzlich einen besorgniserregenden Druckverlust in ihrem Schiff bemerkten, eine Notlandung war ihre einzig Chance.
Die nächstbeste Möglichkeit war R 51526.

Der Kapitän landete sanft und die Luke des kleinen Raumgleiters öffnete sich. Die sechs Gestrandeten kletterten heraus.
Sie atmeten tief durch, tupften sich den Schweiß von der Stirne und schauten sich um. Wahrscheinlich hatte noch niemand je einen Fuß auf diesen Planeten gesetzt.
Temperatur und Atmosphäre waren angenehm, ein etwas fremdartiger Geruch lag in der Luft und das Gehen war im Vergleich zu ihrem Heimatplaneten leicht, durch die minimal geringere Gravitation.
Sie befanden sich in einem savannenartigen Gelände, am Rande eines Flusses.
Auf der anderen Uferseite wurde die Landschaft hügelig, dort machte sich tropische Vegetation breit.
Während der Kapitän versuchte, den Schaden zu lokalisieren, verteilten sich die Passagiere um das Schiff. Auf ein Leck in der Außenhaut aber waren die bordeigenen Reparaturmöglichkeiten nicht ausgerichtet.
Der Kapitän erklärte den Frauen und Männern, dass ihnen ein mehrstündiger Aufenthalt auf R 51526 bevor stand, bis ein Bergungsteam eintreffen würde.

Inzwischen war der halbe Tag vergangen, die Sonne stand hoch am Himmel und man befestigte die Plane aus dem Survival-Kit, um etwas Schatten zu bekommen.
Notsignale wurden ausgesendet, aber von Hilfe oder einer Nachricht gab es bislang keine Spur.
Der Nachmittag wurde drückend. Ein heißer Wind kam auf und rauschte in den Blättern des Ufergestrüpps. Am Firmament zeigten sich bedrohlich schwarze Wolken. Blitz und Donner wechselten immer schneller, schlagartig öffnete sich der Himmel und die Gestrandeten flüchteten in die Raumfähre.
Das kleine Inferno dauerte eine halbe Stunde.
Beim Blick aus den Luken war jetzt eine große Tierherde zu erkennen, die sich gemächlich näherte. Aus anderen Richtungen tauchten weitere Kreaturen auf. Große Fünfbeinige, schwarzweiß Gestreifte und welche mit langen Hälsen. Von überall kamen Tiere zum Fluss, um zu trinken. Sie waren kein bisschen scheu und zogen unmittelbar am Raumschiff vorbei.
Staunend beobachteten die Gestrandeten das Geschehen. Bekannt war, dass auf R 51526 allerhand primitives Leben existierte, aber mit so großen Geschöpfen hatten sie nicht gerechnet.
Plötzlich herrschte Aufregung am Fluss. Irgendetwas hatte eines der trinkenden Tiere gepackt und versuchte nun, es ins Wasser zu zerren.
Schnell war das Opfer im brodelnden Nass verschwunden und die durstigen Tiere wagten sich zur Tränke zurück.

Die Dämmerung war kurz und die Vierfüßler verzogen sich in die Weiten der Savanne. Es wurde kühl und schnell herrschte stockfinstere Nacht. Ein grandioser Sternenhimmel tat sich auf.
Es stellte sich nun die Frage, wie es weitergehen sollte. Die Rettung war längst überfällig. Der Kapitän hatte keine Ahnung, was schief gelaufen sein konnte. Sie mussten die Nacht in der engen Raumfähre verbringen, das war klar.
Er und die Passagiere machten es sich auf den Sitzen so bequem wie möglich. An Schlaf war jedoch nicht zu denken.
Was, wenn längere Zeit keine Hilfe kam? Wovon sollten sie sich ernähren, wenn die Notrationen aufgebraucht waren? Wo sollten sie bleiben? Die Raumfähre war als Unterkunft auf Dauer zu klein für alle sechs Personen.
Man diskutierte, bis flussaufwärts am Horizont die ersten Sonnenstrahlen erschienen.

Nach dem Frühstück teilte der Kapitän die Passagiere in Gruppen ein. Er selbst blieb mit einer dunkelhaarigen, etwas korpulenten Frau als Sicherung bei der Raumfähre zurück, die beiden anderen Paare sollten in verschiedene Richtungen losziehen und am Ufer entlang die Gegend erkunden.
Am Abend berichteten alle von ihren Erlebnissen. Das Paar, das flussaufwärts ging, erzählte von einem umgestürzten Baum, auf dem man sicher und fast trockenen Fußes auf die andere Flussseite gelangen könnte.
Die Anderen sagten, dass der Fluss unweit in einen See mündete. Auch dort konnte man diese Flussmonster sehen, die am Abend zuvor Beute gemacht hatten. Die sahen furchterregend aus, waren braungrün und es gab nicht wenige davon im Fluss und im See. Vor denen sollte man sich in Acht nehmen.
Da die Raumfähre für sechs liegende Personen nicht genügend Platz bot, schliefen die Frauen in der Fähre und die Männer darunter im Gras.

Der dritte Tag begann mit dem Plan, die andere Flussseite zu erkunden.
Wieder zogen zwei Paare los. Dieses Mal leitete der Kapitän den Expeditionstrupp selbst, während die korpulente Frau zusammen mit einem mageren großgewachsenen Mann beim Raumschiff blieb.
Nach einer guten Stunde Fußmarsch erreichten sie den umgestürzten Baum. Während sie darüber hinweg balancierten, sahen sie die Flussmonster links und rechts träge am Ufer liegen. Sie waren flach, schuppig, mit kurzen Beinen, einem großen Maul und langem Schwanz.
Drüben angelangt, entfernten sich die Estrellaner vom Ufer und erkundeten den Wald, der immer dichter wurde, je tiefer sie eindrangen. Bald stießen sie auf einen Wildwechsel, der ihnen das Fortkommen erleichterte.
Hier gab es eine andere Population als in der Savanne. Das Leben spielte sich in den Baumwipfeln ab. Auch die Geräusche, die die Tiere produzierten, waren anders.
Die Vier suchten in erster Linie nach essbaren Pflanzen oder Früchten.
Auf einem großen Baum über ihnen befand eine Gruppe Lebewesen mit Armen und Beinen, die sich in halsbrecherischer Weise von Ast zu Ast schwangen. Sie taten sich an den Blättern des Baumes gütlich. Einer von den Estrellanern zupfte ein Blatt ab und probierte davon. Ungenießbar.
Der Wildwechsel führte sie an das Ufer eines Baches. Auch hier erspähten sie nach kurzer Zeit die Monster, es lebten aber unter Wasser auch noch andere Geschöpfe, die stromlinienförmig waren.

Der Erkundungsausflug dauerte viel länger als geplant und so kamen sie gerade noch zur Dämmerzeit zum Raumschiff zurück. Die Vier konnten zwar einiges berichten, aber außer Schrammen, Kratzern und unzähligen Insektenstichen hatte der Ausflug nichts Zählbares erbracht. Allerdings hatten dieses Mal die Daheimgebliebenen eine bemerkenswerte Beobachtung gemacht.
Zur späten Nachmittagszeit, als gerade wieder Tierherden an ihnen vorbei zur Tränke zogen, sahen sie, wie sich zehn Individuen aus der Ferne dem Schiff näherten und bis auf hundert Meter heran kamen. Wie Tiere sahen die nicht aus. Sie gingen aufrecht auf zwei Beinen, trugen Lendenschurz, die Frauen waren barbusig und die Männer hielten lange Holzstangen in den Händen. Sie ähnelten sogar verblüffend den Estrellanern, waren aber kleiner, stämmiger und behaarter. Auffällig war, dass bei ihrem Erscheinen die Tiere scheu wurden.
Die Ankömmlinge betrachteten lange den Raumgleiter, drehten dann aber ab und verschwanden in der Ferne. Die Beiden hatten den Eindruck, dass die sich untereinander mit Sprache und Gestik verständigen konnten.
Im Anschluss an das Abendessen kam man zu dem Ergebnis, dass man, um den Vorrat der Essensrationen zu schonen, sich auf das Jagen verlegen musste. Im Visier hatten sie eines von den Herdentieren, die jeden Spätnachmittag an der Fähre vorbeizogen. Doch wie sollte das gelingen? Sie hatten keine weittragenden Waffen.
Die Estrellaner kamen überein, dass die Männer am folgenden Tag auf der anderen Flussseite mit Säge und Axt junge Bäume schlagen und diese mit Messern am dickeren Ende anspitzen sollten, während die Frauen versuchten, Feuer zu entfachen.
Wenn das gelang, konnten am späten Nachmittag die Männer mit ihren Speeren auf Jagdbeute hoffen, vermutlich in der gleichen Manier, wie diese geheimnisvollen Wesen, die nahe dem Raumschiff aufgetaucht waren.

Der nächste Morgen war unangenehm schwül, der Himmel mit dichten Wolken bedeckt.
Schon bald, nachdem sie aufgebrochen waren, begann es zu regnen. Der große umgefallene Baumstamm über dem Fluss war jetzt glitschig und die Männer mussten aufpassen, nicht ins Wasser zu fallen. Drüben angekommen schlugen sie eine andere Richtung ein, als am Vortag und hielten nach geeigneten Bäumchen Ausschau.
Nachdem sie zwei oder drei gefällt hatten, stellten sie fest, dass das Holz für ihre Zwecke zu weich und die Stämmchen innen hohl waren. Man konnte keine stabile Spitze schnitzen. Sie mussten andere Gehölze finden, aber es war wie verhext. Wenn die lang und gerade waren, taugte das Holz nicht, und die massiveren waren krumm und voller Äste.
Vom Regen durchnässt drangen sie tiefer in den hügeligen Dschungel ein, als sich auf einmal der Wald auftat. Unvermittelt standen sie vor einer Lichtung. Hier roch es nach Rauch!
Plötzlich bemerkten sie gegenüber auf der anderen Seite den Eingang einer Höhle. Es war weder etwas zu hören, noch zu sehen. Vermutlich wohnten hier Wesen, wie sie gestern aus der Ferne zu sehen waren.
Nach einem kurzen Meinungsaustausch zogen sich die Männer zurück Richtung Fluss. Die waren vielleicht zu zehnt, hatten lange Speere. Sie wollten auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

Die Frauen unterdessen, die bei dem Raumschiff zurückgeblieben waren, hatten nicht einmal den Versuch unternommen, Feuer zu entfachen. Wie sollte man bei dem Wetter etwas Trockenes zum Verbrennen finden.
Am frühen Nachmittag kehrten die Männer mit gerade mal zwei krummen Holzstäben als Mitbringsel zurück. Wieder ein verlorener Tag, wieder Astronautenkost. Unter dem Raumgleiter hatte sich eine Pfütze gebildet und sie mussten sich zu sechst in die enge Fähre quetschen. Die Männer zogen die nasse Kleidung zum Trocknen aus, wenigstens war es nicht kalt.
Gegen Abend riss die Wolkendecke auf. Das ganze Land dampfte, als der allabendliche Tierstrom vorbei zog. Auch dieses Mal fingen die Monster im Fluss ihre Beute. Während der Krisensitzung berichteten die Männer von der Entdeckung der Höhle.
Vier Tage waren sie schon auf R 51526 und von Hilfe nach wie vor keine Spur.
Sie mussten endlich anfangen, ihre Probleme zu lösen:
Wo wohnen und wie ernähren!
Für den kommenden Tag wollte der Kapitän wieder Zweiergruppen bilden und noch einmal einen Vorstoß Richtung See wagen. Vielleicht fand man dort besseres Holz für die Speere. Das Paar, das bei der Fähre Stellung hielt, bekam den Feuer-Auftrag.

Tag fünf, die Sonne ging auf, der Himmel war wolkenlos. Die Nacht unbehaglich und die Kleider der Männer klamm, als der Kapitän mit drei Passagieren loszog.
Der hoch aufgeschossene Mann und die korpulente Frau, die die Raumfähre sicherten, breiteten die Folie aus und rissen Grasbüschel aus dem Boden. Diese legten sie zum Trocknen auf die Plane. Als nächstes suchten sie am Flussufer nach Schwemm- und Totholz, immer die Monster im Blick, die sich aber den ganzen Tag nicht rührten. Das Holz sollte ebenfalls in der Sonne trocknen. Die Suche war schwierig, man fand fast nichts. Ein halber Tag der Mühe ergab nur wenig minderwertiges Brennmaterial. Die Frau klaubte einen Vorrat faustgroßer Steine auf, um die Flussmonster mit gezielten Würfen zu vertreiben.
Jetzt mussten die Beiden feststellen, dass es im Survival-Kit des Raumschiffes nichts gab, womit man Feuer entfachen konnte.

Sie überlegten, auf welche Art man einen Funken erzeugen könnte, um das inzwischen getrocknete und klein zerriebene Gras zu entfachen. Die Frau begann, die gesammelten Steine abwechselnd aneinanderzuschlagen. Schnell stellte sich heraus, dass große Kieselsteine nicht geeignet waren.
Interessant erschien ihr ein sehr harter eckiger Stein, von dem kleine Splitter mit scharfen Kanten abbrachen, wenn der mit einem Kiesel kollidierte. Anstatt des Kiesels benutzte sie nun einen Weicheren, der daneben lag. Nach mehrmaligem Anschlagen entstand tatsächlich ein kleiner Funke, der augenblicklich verglimmte.
Hocherfreut über ihren Erfolg probierte sie jetzt verschiedene Schlagtechniken. Das beste Ergebnis erzielte sie, wenn sie den weicheren Stein in spitzem Winkel auf den harten Eckigen schlug. Sie konnte jetzt fast nach Belieben Funken erzeugen.

Ungeduldig erwarteten sie die Rückkehr der vier Anderen, die aber erst auftauchten, nachdem die Tierwanderung abgeschlossen war. Sie trugen fünf lange spitze Stangen, gerade gewachsen und aus festem, starken Holz.
Inzwischen hatte die Sonne den Horizont erreicht. Ein trockener, heißer Tag ging zu Ende und in einer halben Stunde würde es dunkel sein. Die Frau ordnete die Grasfitzelchen zu einem Haufen auf dem Boden und versuchte, zielgenau Funken darauf zu platzieren. Nach ein paar Versuchen gelang dies. Nun pustete sie mit Bedacht in das Gewirr.
Ganz leichter Rauch stieg auf, der sich verdichtete. Nach wenigen Minuten züngelte unter beständigem Pusten die erste Flamme. Jetzt legte sie dünne Zweige nach. Sofort brannten sie an und ehe sie sich versah, war ein kleines, aber respektables Lagerfeuer entstanden.

Zum Abendessen gab es wieder Fertigkost, aber alle waren in Hochstimmung. Endlich mal ein Erfolgserlebnis. Der Kapitän berichtete, dass sich die Landschaft weit unterhalb des Sees deutlich veränderte. Es gab entlang des Flusses einen Wald mit besserem Holz. Sollte man sich auf eine Umsiedlung einigen, könnte man dort leicht große Brennholzvorräte anlegen.
Problematisch aber war die Sache mit der Raumfähre, die war für solche Kurzstrecken in einer dichten Atmosphäre nicht konzipiert. Die musste erst mal steil nach oben starten, um aus vielen Kilometern Höhe wieder zielgenau herabzugleiten. Das bedeutete auch einen immensen Energieverlust.
Während sie hin und her überlegten, stocherte der lange Schlaksige nachdenklich mit einem der beiden krummen Holzspieße vom Vortag in der Glut des Lagerfeuers.
Die dünnen und teilweise morschen Stöckchen aus den Bündeln verbrannten schnell und nach einer knappen Stunde war das Feuer aus. Um ein ganzes Tier zu braten, hätte es nicht gereicht. Sie kamen überein, am nächsten Tag noch einmal loszuwandern und die Gegend unterhalb des Sees unter dem Aspekt einer Umsiedlung zu begutachten.

Der Morgen begann wolkig, man brach trotzdem auf, selbst auf die Gefahr, in einen starken oder lang anhaltenden Regen zu geraten. Zum ersten Mal ließen die Estrellaner ihre Raumfähre ohne Bewachung zurück.
Der Weg um den See war bekannt, der erste Teil des See-Abflusses auch. Links Savanne, rechts am anderen Flussufer Dschungel. Doch nach einer weiteren Gehstunde wurde die Landschaft steinig, der Fluss schmal und reißend. Hier gab es auch weniger von den schuppigen Flussmonstern.
Jetzt sahen sie auf ihrer Uferseite in der Ferne den Wald. Den galt es erst einmal gründlich zu untersuchen. Eine komfortable Höhle wäre ideal. Die entdeckten sie nicht, aber eine Lichtung, direkt am Fluss.
Mittendrin, ganz nah am Ufer, wuchs ein einsamer großer Baum. Gefällt wäre der ideal als Brücke über das Gewässer, um auch den abseitigen Dschungel bequem zu erreichen.
Als das Wohnproblem angesprochen wurde, wusste keiner von den Estrellanern Rat. Holz genug für einen Hausbau war vorhanden, aber es fehlte das Werkzeug.
Auf dem Rückweg machte sich jeder seine Gedanken, aber der Umzug war beschlossene Sache.

Beim Raumschiff angekommen wurden sie stutzig. Das Gras um den Gleiter war komplett niedergetrampelt, Tiere konnten das nicht gewesen sein.
Die Estrellaner begutachteten die Fähre von allen Seiten, konnten aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Ihre wertvollen Steine hatten sie vorsorglich eingeschlossen.
Vermutlich waren es diese seltsamen Wesen, die die Gelegenheit nutzten, sich bei ihnen umzusehen. Das hieß aber auch, sie wurden permanent beobachtet.
Den Männern fiel auf, dass sich bei einem der beiden minderwertigen krummen Spieße die geschnitzte Spitze verändert hatte. Klar, durch das Herumstochern in der Glut hatte sich das Holz gehärtet, eine wichtige Erkenntnis. Bei nächster Gelegenheit wollte man die Spitzen der anderen Speere ähnlich behandeln.

Der Umzug am nächsten Morgen war wie folgt geplant. Der Kapitän flog zusammen mit dem dritten Mann, einem kräftigen Untersetzten mit Halbglatze, zum neuen Landeplatz, während der magere Hochaufgeschossene mit den drei Frauen aus Einsparungsgründen den gleichen Weg wie tags zuvor zu Fuß ging. Der Flug dauerte sieben Minuten, kostete aber zwanzig Prozent des vorhandenen Energievorrates.
Die beiden Männer begannen unvermittelt mit der Fällung des Baumes am Ufer. Mit einer so kleinen Axt war das eine langwierige Arbeit und die beiden wechselten sich ab. Gegen Mittag erschien der Rest der Truppe und man hatte einen Holzfäller mehr.
Unterdessen rissen die Frauen Grasbüschel aus dem Boden und breiteten diese auf der Plane aus, in der Hoffnung, dass die Zeit bis zum Abend für die Trocknung ausreichen würde. Anschließend gingen sie in den Wald, um Brennholz zu sammeln. Hier war es ungleich einfacher, hochwertiges Holz zu finden. Verlaufen konnten sie sich nicht, denn für den Rückweg brauchten sie sich nur in Richtung der Axthiebe zu orientieren, die weithin hörbar waren.
Der Abend brach herein und es gab wieder Astronautenkost. Die Arbeit der Männer war über den Tag gut vorangeschritten und man hatte schon eine imposante Kerbe in den Baum geschlagen. Leider wurde die Axt zunehmend stumpf. Trotzdem wollte man am nächsten Abend fertig werden.
Nach dem Essen versuchten die Frauen, das Lagerfeuer zu entfachen, aber das Gras war nicht richtig trocken, obwohl es den ganzen Nachmittag in der Sonne lag. Es war auch anders, nicht so fein, wie das Savannengras. So sehr sie sich mühten, nichts kam in Gang. Jetzt hatten sie zwar Brennholz, aber trotzdem kein Feuer, von einem Jagderfolg gar nicht zu reden. Sie hatten heute nicht mal ein einziges Tier gesehen und inzwischen schon einen großen Teil der Lebensmittelvorräte verbraucht, aber solange es nicht regnete, waren wenigstens die Nächte erträglich, dann mussten sie sich nicht zu Sechst in der Raumfähre zusammenquetschen.

Am Morgen gingen die Frauen ein Stück des Weges zurück Richtung Savanne, deren Ausläufer sie nach 20 Minuten erreichten. Sie hatten die Plane dabei und füllten diese mit einer großen Menge Savannengras. In weiter Ferne konnten sie eine Tierherde erkennen.
Zurück im Lager breiteten sie das Gras zum Trocknen aus. Im Anschluss wollten sie weiteres Brennholz sammeln.
Plötzlich brach eine der Frauen, eine blonde Langhaarige, in den Boden ein, als wäre sie in ein Loch getreten. Tatsächlich, ein Loch, das von oben her zugewachsen war. Sie untersuchten es und schaufelten mit ihren Händen die Erde beiseite. Der Durchbruch vergrößerte sich und ließ erahnen, dass es unten noch weiterging. Sie warfen einen kleinen Stein in die Tiefe und hörten, wie er mehrmals aufschlug.
Eine von den Frauen rannte los, um die Männer zu holen, denen eine Pause vom Holzhacken willkommen war. Leider konnte man ohne Licht nichts erkennen und sie beschlossen, sollte abends ein Feuer in Gang kommen, mit einem brennenden Scheit hinab zu leuchten.

Der Baum fiel am späten Nachmittag mit lautem Krachen und Getöse. Die Männer konnten ihn optimal platzieren und die Krone ragte noch mehr als fünf Meter über das gegenüberliegende Ufer hinaus. Jetzt mussten sie nur noch für eine behinderungsfreie Überschreitung ein paar Äste entfernen. Diese Arbeit hoben sich die Männer für den nächsten Tag auf.
Inzwischen brannte ein recht stattliches Feuer und Alle liefen zu der Höhle, bewaffnet mit brennendem Holz. Der Kapitän streckte seinen Arm mit einem brennenden Scheit weit in den Höhleneingang hinein, aber man konnte nur bis zu dem flackernden Lichtschein blicken. Also ließ er sein Scheit los. Es holperte einige Meter einen recht steilen Gang hinab und kam zum Liegen.
Das Feuer überstand den Sturz und man gewann den Eindruck, es könnte sich dort unten etwas auftun. Langsam erlosch die Flamme. Sollte sich die Höhle als bewohnbar erweisen, hätten sie vielleicht eines der größeren Probleme gelöst.
Zurück im Lager deckten sie das gesammelte Brennholz mit der Plane ab, das restliche Savannengras wurde in der Raumfähre gelagert, um es vor Feuchtigkeit zu schützen.
Heute schliefen auch die Frauen im Freien, alle um das langsam verglimmende Lagerfeuer herum.

Der Morgen graute, es war bewölkt und nieselte. Die korpulente Frau war schlagartig wach und legte sogleich ein paar trockene Äste nach. Auch die Männer rafften sich auf und schritten zur Tat.
Sie brauchten bis in den späten Vormittag, um mit ihren ungeeigneten und abgenutzten Werkzeugen die Äste des gefallenen Baumes zu entfernen.
Ein Paar blieb im Lager, die beiden Anderen begaben sich unter Führung des Kapitäns auf das gegenüberliegende Ufer, um eine Liane oder ähnliches zu suchen. Nach einiger Zeit hatten sie das Passende gefunden und machten sich mit drei gut 5 Meter langen Schlingpflanzen auf den Rückweg.
Als sie gerade über den gefällten Baum über den Fluss balancierten, kam die blonde, langhaarige Frau ins straucheln, taumelte und fiel mit einem spitzen Schrei ins Wasser. Sofort wurde sie von der starken Strömung mitgerissen.
Geistesgegenwärtig warf ihr der Untersetzte, der hinter ihr ging, einen von den Lianensträngen zu, die er in der Hand hielt. Gerade noch konnte sie das Ende fassen. Er musste jetzt aufpassen, nicht selbst mit in die Fluten gerissen zu werden.
Mit vereinten Kräften schafften es die Estrellaner, sich auf dem leicht schwankenden, dünneren Ende des Baumes zu stabilisieren. Wenn jetzt die Liane riss, war die Frau verloren.
Vorsichtig tasteten sie sich auf das Dschungelufer zurück. Jetzt hatten sie sicheren Stand und konnten sie aus den Fluten ziehen.
Das war brenzlig, die gefährlichste Situation, seit sie auf R 51526 gestrandet waren.
Erschrocken beobachteten der Hochgewachsene und die korpulente Dunkelhaarige, die am Waldrand verblieben waren, aus der Entfernung den Vorfall.
Für einige Minuten mussten sich die Vier von dem Schock erholen, ehe sie den erneuten Versuch einer Flussüberquerung wagten. Glücklich auf der Waldseite angekommen, umarmten sich Alle und die Blonde zog die nasse Kleidung zum Trocknen aus.

Als nächstes legten sie einige längere Äste in das Feuer. Als diese anbrannten, zogen die drei Männer und die leichteste Frau, eine sehnige, Rothaarige mit Wuschelkopf, in Richtung Höhle los. Die beiden anderen blieben im Lager zurück.
An der Höhle angekommen band sie sich das dünnere Ende der Liane um die Taille. Vorsichtig ließ sie sich in das Loch hinab, in der linken den brennenden Ast, die rechte Hand in die Kletterpflanze gekrallt.
Der Einstieg war eng und ging steil nach unten. Nach einigen Metern hatte sie ebenen Boden unter sich. Hier lag auch das Holzscheit, das der Kapitän am Vortag hatte hineinfallen lassen. Sie zündete es wieder an, befreite sich von der Liane und blickte sich um.
Vor ihr führte der Gang weiter in die Tiefe. Sie konnte sogar aufrecht gehen. Das Feuer leuchtete die Höhle hinreichend aus und sie beschrieb mit lauter Stimme den oben gebliebenen die Umgebung. Nach ein paar Schritten wendete sich der Weg nach rechts und es tat sich ein kleiner Saal auf. Die Luft war kühl und modrig. Sie bemerkte, dass ihre beiden Flammen flackerten, ein Indiz dafür, dass es mindestens einen weiteren Ausgang gab und dass Durchzug herrschte. Der Boden der Höhle war matschig, stieg nach hinten leicht an und war dort trockener und halbwegs eben.
Wieder im Tageslicht, berichtete sie von den Begebenheiten im Untergrund. Ob und wie diese Höhle als Wohnraum zu verwenden sei, mussten sie sich noch überlegen, aber als Vorratsraum taugte sie allemal. Aber dafür bräuchte man erst einmal Vorräte.

Zurück im Lager beschrieb man den beiden daheimgebliebenen Frauen die Örtlichkeit. Die Kleidung der Blonden war inzwischen fast trocken und sie konnte sich wieder anziehen.
Die Korpulente ergriff nun eine Liane und begutachtete sie. Sie nahm einen von den scharfkantigen Splittern, die damals beim Steine zusammenschlagen abgesprungen waren und begann, an der Kletterpflanze entlang zu schaben. Es lösten sich ein paar Fasern, die man der Länge nach abziehen konnte. Als nächstes griff sie nach einem Stückchen Holz und schnitt mit ihrem Steinsplitter einen schmalen Streifen ab. Die anderen schauten interessiert zu. Sie schabte den relativ stabilen Spreißel glatt. Jetzt musste in das dickere Ende ein dünnes Loch hinein. Sie hatte Nadel und Faden und begann, ihre Kleidung notdürftig auszubessern.

Inzwischen war später Nachmittag. Zwei Frauen blieben im Lager, während die Rothaarige zusammen mit den Männern auf Jagd ging. Der erste Versuch. Sie liefen Richtung Savanne, jeder mit einem Speer mit gehärteter Spitze in der Hand.
Am Waldrand angelangt, äugten sie hinaus auf die weite Graslandschaft und erspähten eine kleinere Herde. Die Tiere näherten sich gemächlich dem Fluss. Die Jäger ließen die Herde erst einmal an sich vorbeiziehen.
Als sich die Tiere am Ufer erfrischten, schwärmten sie aus ihrer Deckung und versuchten, die Herde von hinten zwischen sich und dem Fluss einzuschließen. Vorsichtig und geduckt schlichen sie näher, bis eines der Tiere plötzlich den Kopf hob, sich umwandte und die Flucht ergriff. Alle anderen hinterher. Ein Tier aber, das wohl etwas lahmte, entkam ihnen nicht. Der Untersetzte und die Frau schleuderten die Speere in die Flanke und wenige Sekunden später waren auch die beiden anderen Jäger zur Stelle.

Im Lager angekommen, versuchten sie, die Beute auszunehmen. Keiner von ihnen hatte so etwas je schon gemacht. Nachdem die beiden Messer stumpf und nahezu unbrauchbar waren, kam wieder einer der scharf gezackten Steinsplitter zur Verwendung. Man ließ das Wildbret über dem Fluss ausbluten. Die Eingeweide und die anderen nicht essbaren Teile, wie Kopf oder Füße, wurden in der Strömung entsorgt.
Von der Beute war jetzt nicht mehr viel übrig, die Keulen waren noch das Beste, Rücken und Schultern erwiesen sich als knochig. Ernüchterung machte sich breit. Man befestigte das Fleisch an einem Holzstock und drehte es über dem Lagerfeuer. Während es dort briet, plante der Kapitän den nächsten Tag. Die beiden wichtigsten Punkte waren immer noch Ernährung und Unterkunft. Man wollte eine Leiter bauen, die den Abstieg in die Höhle erleichtern sollte, dort ein Feuer entfachen, und sehen, ob und wo der Rauch abzog.
Außerdem, was passiert bei starkem Regen? Läuft sie dann voll?

Inzwischen war das Essen fertig, der erste selbstgejagte Braten. Zwar wurden alle satt, aber danach war nichts mehr übrig. Wenn sie sich allein von der Jagd ernähren würden, müssten sie dreimal täglich ein Tier erlegen. Erwischten sie nichts, mussten sie hungern. Überhaupt, diese Ernährung war auf Dauer viel zu einseitig, sie brauchten dringend Alternativen. Aber woher nehmen? Sie hatten das Gefühl, dass für jedes Problem, das sie lösten, zwei neue auftauchten.

Der Bau der Leiter war aufwändig. Aus ihrer Sammlung war die kleine Handsäge noch am besten zu gebrauchen. Man sägte zwei kleine Bäumchen ab und kürzte die Stämme auf die benötigte Länge. Danach wurden sie in regelmäßigen Abständen eingekerbt. In diese Kerben wurden die passend gesägten Sprossen eingelegt und mit geflochtenen Lianenfäden fixiert. Jetzt konnten sie nach Belieben in die Höhle ein und aussteigen.
Sogleich schafften sie Brennholz hinein und entfachten ein großes Feuer. Der Rauch sammelte sich unter der Höhlendecke und der stetige Luftstrom verblies ihn durch irgendwelche Ritzen, nichts von dem Qualm drang durch das Eingangsloch hinaus. Das war ein großer Vorteil.
Mit adäquater Beleuchtung konnte der Saal nun eingehend begutachten werden. Als nächstes müsste der Schlamm entfernt werden. Für diese Arbeit wollte man aber erst den nächsten starken Regen abwarten, vorerst blieb die Höhle ungenutzt.

Es war Zeit zu jagen. Das gleiche Team wie tags zuvor probierte erneut sein Glück. Wieder erschien die Herde zu der erwarteten Stunde, jedoch dieses Mal vorsichtiger. Lange witterten die Tiere, bevor sie sich an das Ufer wagten. Erst nach geraumer Zeit fühlten sie sich sicher.
Die Jäger hatten die gleiche Taktik wie am Vortag. Sobald nur eines von den Tieren den Kopf hob, verharrten sie und duckten sich in das hohe Gras. Erneut gelang es ihnen, sich nahe heran zu schleichen. Als sie von einem der vorsichtigeren Tiere bemerkt wurden, und sich alle fluchtartig in Bewegung setzten, stürmten sie vor und konnten ein Tier erlegen.

Die beiden daheimgebliebenen Frauen verließen derweil das Lager, um Holz zu sammeln. Wider Erwarten zeichnete sich ein Brennholzproblem ab. Ihr Verbrauch war exorbitant hoch und um eine ausreichende Menge zu finden, mussten sie immer weitere Wege gehen.
Als sie schon ein ziemliches Stück von ihrem Camp entfernt waren, bemerkten sie, dass etwa zwanzig Schritte voraus etwas seltsames auf dem Boden lag. Sie steuerten darauf zu und erkannten drei von diesen aufrecht gehenden Geschöpfen. Die waren tot, ihre Körper mit Wunden übersät, auf denen jetzt Fliegen schwirrten.
Doch was war das? Bei einem hob sich leicht der Brustkorb! Der atmete noch!

Einige Jahre später hatten sich die Estrellaner auf R 51526, auch Erde genannt, etabliert, weil der Urmensch, den sie gerettet hatten, bei ihnen blieb.
Die Jäger staunten damals nicht schlecht, als ihnen bei ihrer Rückkehr die blonde Frau entgegeneilte und sie von dem Vorfall unterrichtete.
Die Leiter aus der Höhle wurde schnell zu einer Tragbahre umfunktioniert, mit der der Verletzte ins Lager gebracht wurde. Noch eine Nacht im Wald hätte er wohl nicht überlebt.
Man pflegte und päppelte ihn auf. Die drei Opfer waren damals bei der Jagd im Wald von einer rivalisierenden Sippe angegriffen worden, die ihnen die Beute streitig machte.

Die Estrellaner wohnten noch immer in ihrer damals entdeckten Höhle, die inzwischen gemütlich mit Tierfellen eingerichtet war. Es bildeten sich Ehen und eine ganze Schar an Kindern hatte sich eingestellt.
Die Ernährung war abwechslungsreich, der Dschungel auf der anderen Flussseite lieferte dank des urmenschlichen Wissens leicht zu gewinnende Lebensmittel im Überfluss. Ohne ihren Schützling hätten sie vielleicht nicht einmal überlebt.
Sie hatten jetzt Speere mit scharfen Feuersteinspitzen, Steinäxte, die besser waren, als man sich das überhaupt vorstellen kann und die erbeuteten Tiere, meistens Schweine, Gazellen oder Gnus, konnten bis auf das letzte Gramm verwertet werden. Sie fingen Fische, erlegten sogar Krokodile, die besonders schmackhaft waren. Kurz gesagt, es ging ihnen nicht schlecht, und die brünette, korpulente Frau, die damals das Feuer entdeckte, war sogar glücklich.
Der Raumgleiter, der etwas zu nah am Fluss geparkt war, wurde irgendwann von einem Hochwasser mitgerissen, es war kein großer Verlust.

500 Jahre später hatten sich die Nachkommen der damals Gestrandeten schon auf den halben Afrikanischen Kontinent verteilt und sollten von ihrer Nachwelt den Namen “Homo Sapiens“ erhalten.

Version vom 09. 04. 2015 19:56
Version vom 22. 02. 2016 09:15

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FrankK
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Hallo, @ThomasQu
Ich habe keine Ahnung, inwieweit Jon sich schon einmal um die Geschichte bemüht hat, es erweckt aber fast den Anschein, als wäre dies ein gewaltiges Stück Arbeit.
In Deinem Kommentar erwähnst Du, es wäre Deine Lieblingsgeschichte. Das ist schön. Eine gute Voraussetzung für die Bereitschaft, an dem Stück zu arbeiten.
Leider kann ich mir nicht vorstellen, dass sie in dieser Form auch zu meiner Lieblingsgeschichte werden könnte.
Ich Versuche jetzt mal an einigen Sentenzen zu erklären, wo es explizit bei mir klemmt. Fühle Dich aber bitte nicht angegriffen, weil ich meine Gedankengänge ziemlich unverblümt darlege.

quote:
Dass das Forschungsministerium gerade diese beiden Streithähne und Erzfeinde für eine so wichtige Mission einsetzte, erschien im Nachhinein unerklärlich.

Es erscheint mir schon im Vorfeld unglaubwürdig. Streithähne? Allerspätestens beim Missionsbriefing hätte der Kommandant sein Veto einlegen können / müssen.
Ist denn eine solch katastrophale Ausgangslage nötig? Der Konflikt hätte genauso gut später aufflammen können. Streit / Krankheit / Unfall wären mögliche und logischere Ausgangssituationen.

quote:
Zwar waren sie erst mal in Sicherheit, doch schnell bemerkten die sechs, dass der Energievorrat des kleinen Raumgleiters nur noch fünf Prozent betrug. Die Techniker hatten es unterlassen, die Akkus wieder aufzufüllen, Arbeitsverweigerung!

Welche „Arbeit“ macht es, den Akku zu laden? Wieso sollte es an Bord des Mutterschiffes kein „automatisches Ladesystem“ geben?
Unmittelbar nach besteigen und vor dem Start sollte eine eindeutige Anzeige auf den niedrigen Energiezustand hinweisen. Kein anderes Shuttle verfügbar?
Ist es wichtig, dass das Fluchtshuttle so wenig Energie besitzt?

quote:
Jetzt kam der große Moment, die ersten Schritte auf R 51526, noch nie hatte ein Estrellaner einen Fuß auf diesen Planeten gesetzt.

Oh ja, Spannung pur ... ääh ... zumindest fast.

quote:
Die Luke öffnete sich und die drei Männer und drei Frauen stiegen aus.

Das war alles? Der „große Moment“ an sich? Der war ja kürzer als der Einleitungssatz.
Hier habe ich noch schmunzeln können, hier baute sich eine leise Hoffnung auf, es könnte lakonisch-humorvoll weitergehen.
Der Anfall war schnell vorüber.

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In jedem von den Raumgleitern des Forschungsschiffes befand sich eine kleine Survival- und Werkzeug Ausrüstung, die begann man jetzt zu begutachten. Leider mussten sie feststellen, dass diese unvollständig war. Welch eine Schlamperei, es war die Aufgabe der Techniker, dafür zu sorgen, dass alle Boote zu jeder Zeit und zu einhundert Prozent einsatzfähig waren.

Die Unvollständigkeit der Shuttle-Ausrüstung erscheint mir unlogisch. Weshalb sollten Werkzeuge fehlen? Im Mutterschiff sollte es in den entsprechenden Einsatzbereichen überall ausreichend Werkzeuge geben, es besteht kein Bedarf, auf diese Materialien zurückzugreifen.

quote:
Der Survival Kit beinhaltete zehn Strahlenpistolen, deren Intensität und Streuung einstellbar war und die man am Energiespeicher des Gleiters aufladen konnte, vier Handfunkgeräte, ein kleines und ein großes Messer, eine Axt, eine Handsäge, einen Erste Hilfe Koffer, eine drei mal drei Meter große hauchdünne wasserdichte Plane, zwei Zangen, verschiedene Kabel und Elektronik Teile, darunter ein Übersetzungsgerät… Alles in allem nicht üppig, um sich damit auf einem fremden Planeten für unbestimmte Zeit durchschlagen zu können.

Langatmige Auflistung und ... wenn das Werkzeugset teilweise schon geplündert war – wieso sind die Strahlenpistolen noch an Bord? Wären die bei einer Meuterei im Mutterschiff nicht als Erstes von Interesse für die Meuterer gewesen?

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Ganz Große, die fünfbeinig aussahen ...

Begriffe wie „Rüssel“ dürften den gut ausgebildeten Leuten doch wohl vertraut sein.

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Bekannt war, dass auf R 51526 allerhand primitives Leben existierte, aber mit so großen Geschöpfen hatten sie dann doch nicht gerechnet.

Hatten die anfangs erwähnten Aufklärungssonden denn kein Bildmaterial übermitteln können?

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Man konnte nicht genau erkennen, was das war, beschloss aber, in Zukunft sehr vorsichtig zu sein.

Vorsichtig sein – empfiehlt sich immer, wenn man einen fremden und unerforschten Planeten betritt.

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Inzwischen war das Opfer im brodelnden Wasser versunken und die durstigen Tiere, die Hals über Kopf geflüchtet waren, wagten sich langsam zurück zur Tränke.

Ist denn das kurz zuvor erwähnte Löwenrudel (ich nehme an, dass es eins sein sollte) plötzlich nicht mehr in der Nähe?

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Plötzlich bemerkten die Estrellaner mehrere sehr helle, große Lichtpunkte, die über das Firmament zogen und hinter dem Horizont verschwanden. Die sechs waren wie gelähmt vor Entsetzen. Das war kein Kometenschwarm, das waren Teile des Mutterschiffes, die in der Atmosphäre verglühten! Unvorstellbar! Welch ein Irrsinn! Jetzt mussten die vollkommen ausgerastet sein.

Jetzt – allerspätestens jetzt – hätte ich emotionale Reaktionen erwartet.
Die Chance verpufft mit dem nächsten Satz.

quote:
Jedes Paar, das unterwegs war, hatte zur Sicherheit eine kleine Strahlenpistole und ein Funkgerät dabei.

Autsch!
Man hatte doch beschlossen „in Zukunft sehr vorsichtig zu sein“ ? Es gibt 10 Waffen, jedes Zweierteam hat 1 Waffe dabei. Der Rest liegt unnütz am Schiff herum!
Und wenn gerade der Waffenträger eines Teams von einem Tier angegriffen wird, ist der Partner macht- und hilflos.

quote:
Allerdings hatten auch sie diese Flussmonster ausgemacht, die das Tier am Abend vorher erlegt haben mussten.

Wieso „auch“? Wer hat den sonst noch „Flussmonster“ entdeckt? Überhaupt eine sehr seltsame und unbedarfte Truppe. Hier wunder ich mich nun doch schon, dass sie das Shuttle überhaupt hatten starten können.

quote:
Da die Raumfähre für sechs Personen in liegender Position nicht genügend Platz bot, schliefen die Frauen in der Fähre und die Männer darunter im Gras.

Gut, dass es keine Schlangen gibt.

quote:
Zwei Paare zogen los, ausgerüstet mit einem Funkgerät, zwei Messern, der Axt, der Handsäge und einer Strahlenpistole, während das dritte Paar am Raumschiff blieb.

Um Gottes willen – wieso bloß wieder nur EINE Waffe?

quote:
Der Erkundungsausflug dauerte viel länger als geplant und so kamen sie gerade noch zur Dämmerzeit zum Raumschiff zurück.

Erkundungsausflug – Dämmerzeit – Flussmonster ...
Was für ein Trupp ist da unterwegs? Fähnlein Fieselschweif?
Entschuldige den bissigen Sarkasmus.

quote:
Die beiden Estrellaner hatten den Eindruck gewonnen, dass die sich sogar untereinander verständigen konnten.

Und ich gewinne den Eindruck, dass es auf Estrella keinerlei Tierleben gibt. Was soll das? Auch Tiere verständigen sich untereinander.

quote:
Man kam zu dem Ergebnis, dass man, um Energie zu sparen, Sprechfunk und Strahlenpistolen weiterhin nur in äußersten Notfällen verwenden wollte, gleichzeitig aber, um den Vorrat der Essensrationen zu schonen, sich auf das jagen verlegen musste.

Bislang, so der Eindruck, waren weder eine einzige Strahlenpistole noch ein Funkgerät zum Einsatz gekommen.

quote:
... während die Frauen bei der Kapsel bleiben und versuchen mussten, auf irgendeine Weise Feuer zu entfachen. Wenn das gelang, konnten nachmittags die Männer zu dritt mit ihren Spießen auf Jagdbeute hoffen.

Ääh – Moment mal. Die Frauen sollten „irgendwie“ Feuer entfachen (in der Nähe des Schiffes) und die Männer wollten anschließend ... ob die Tiere wohl vor dem Feuer flüchten? Ob ich gerade bezweifle, dass auch nur irgendeiner dieser „Schiffbrüchigen“ in der Lage ist, ein Tier auszuweiden?

quote:
Die waren vielleicht zu zehnt und hatten lange Spieße und sie wollten auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

Speere, mein Freund, Speere! Lass sie bitte Speere haben, sonst klingt es zu sehr nach Schaschlik.
Ist aber mittlerweile fast egal, seit geraumer Zeit quäle ich mich durch die Geschichte.

quote:
Vier Tage waren sie schon auf R 51526, und sie hatten noch keinerlei Fortschritte gemacht.

Blase und Darm dürften auch langsam voll sein. Was solls.
Auf der Enterprise (Kirk) wars ne ganze Fünf-Jahres-Mission – ohne Waschraum.

quote:
... Das beste Ergebnis erzielte sie, wenn sie den weicheren Stein in relativ spitzen Winkel auf den harten eckigen schlug. Sie konnte jetzt fast nach Belieben Funken erzeugen.

Was? Wie bitte?
Strahlenwaffe – entsprechende Einstellung – ein Schuss – Feuer.
Elektrische Ladung – Stück Draht – Glühwendel – trockenes Gras – Feuer.
Mann, die haben ein ganzes Raumschiff dabei und wollen Feuer durch „Steine aneinander tackern“ machen?
Das nachfolgende „Frau macht Feuer“ Szenario ist eindrucksvoller geschrieben als „der große Moment, die ersten Schritte auf R 51526“.

quote:
Zwei Männer sollten, nachdem die Sitze wieder eingebaut waren, mit dem Gleiter zum neuen Landeplatz fliegen, während der dritte Mann und die drei Frauen aus Gründen der Energieeinsparung den gleichen Weg wie tags zuvor zu Fuß gingen.

Wann waren die Sitze ausgebaut worden? Hab ichs überlesen?
Puh, was für eine Sicherheitsvorkehrung. Ein Mann und drei Frauen zu Fuß unterwegs.
Ich als „Missionsleiter“ hätte den „notwendigen Piloten“ zusammen mit den drei Frauen in das Shuttle gesteckt und wäre mit dem letzten Mann zu Fuß aufgebrochen. Nur so, aus Sicherheit.
Weil ... wenn ich mir vorstelle, wie groß (und schwer) das Shuttle sein dürfte, sollte das Gewicht von ein paar Estrellanern nicht besonders viel ausmachen.

quote:
... inzwischen schon fast ein Drittel ihrer Lebensmittelvorräte verbraucht.

Nanu, sollte doch für dreißig Tage reichen? Also am fünften Tag – bestenfalls ein Sechstel verbraucht.
Ich hätte ein ungutes Gefühl, die Nacht hier zu verbringen, unter einem angetackerten Baum.

quote:
Zum Frühstück lockte schon wieder die Astronautenkost, deren Bestand sich fast schon halbiert hatte.

Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind wir gerade mal bei Tag acht, und damit knapp unter ein Viertel.


Huch – zwei Zeitsprünge – und plötzlich ist Schluss.

Dieses „500 Jahre später“ – Gedöns ist völlig überflüssig. Schon bei der ersten Beschreibung der Tiere (schwarz-weiss-gestreift, langer Hals, eine Art Fünfbeiner) war mir klar, worauf es hinausläuft.

Während die ersten Tage „ausführlich“ im Verhältnis zu den letzten Tagen geschildert werden, kommt die ganze Geschichte nur sehr wage bei mir an.

Es bildet sich kein Film im Kopfkino, keine Bilder formen sich, nur unscharfe Szenen.
Kein Schiffbrüchiger wird bei mir lebendig, ich kann nicht mit ihnen mitfühlen und mich nicht entsprechend in sie hineinversetzen. Gesichtslose und körperlose Erscheinungen, mit denen ich keinerlei Identifikation aufbauen kann.

Vergiss einfach mal meine ganze bisherige Litanei! Das sind alles nur mir unlogisch erscheinende Stolperstellen, die mir in der ersten Lesung auffielen.

Wenn Du diese Geschichte selber durchgehst und beispielsweise Dir die Szene unmittelbar nach der Landung vorstellst (die ersten Schritte und so), was spielt sich in Deinem Kopfkino ab?
Beschreib doch mal (ruhig hier in einem Kommentar) die Bilder und Emotionen, die Du dir dabei vorstellst / ausmalst.
Beschreib doch mal die Figuren, die vor Deinem geistigen Auge erscheinen.
Was sind das für Leute?
Wissenschaftler? Einfaches Bordpersonal? Führungskräfte? Jemand mit medizinischer Ausbildung? Technische Ausbildung?

Keinem der Charaktere einen Namen zu verpassen (ich erwarte sicherlich nicht „Lieschen Müller“) kann man machen. Trotzdem sollte man die Personen unterscheidbar charakterisieren. Nicht nur „die Frau mit dem Feuer“, etwas weiter muss es schon gehen.

Wenn Du möchtest, können wir gemeinsam versuchen, die Geschichte „lesbarer“ und „interessanter“ zu gestalten.
So, wie sie jetzt ist, liest es sich ähnlich spannend wie der Dienstbericht der Nachtstreife von Kleinmümmelsheim.
Bitte nicht böse sein!

Der Grundplot ist interessant und durchaus vielversprechend. Logische und sprachliche Details (Letztere habe ich noch gar nicht bekrickelt) sollten noch ausgebessert werden, damit auch andere Leser einen Zugang zu Deiner Lieblingsgeschichte finden.

Zu Deinen eigenen, bisherigen Kommentaren:
quote:
Dass ich für die Estrellaner ... Prügel beziehe, bin ich schon gewohnt.

Niemand will Dich prügeln, oder Deine Geschichte.

quote:
Überarbeitet habe ich auf Jons Kritik hin nur den Anfang, also, wie es dazu kam, dass sie auf R 51526 gelandet sind. Der ist jetzt viel kürzer, aber vielleicht setze ich sogar wieder die erste Version ein.

Tut mir leid, die ganze Geschichte hat ein Problem.
Wie Sebatsian schon schrieb: Zu viel Distanz.

quote:
Das wäre ein ziemlich umfassender Umbau. Meinst du, das ist meine einzige Chance? Ich befürchte halt, dass dadurch aller Charme verloren geht, (den scheinbar und leider nur ich beim lesen so empfinde, es ist tatsächlich meine Lieblingsgeschichte).

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Deine Lieblingsgeschichte ist. Sie bietet genügend Raum für Abenteuer, Romantik und Emotionen. Raumfahrende Schiffbrüche, die „Robinsons“ aus dem All.
Leider kommt die notwendige Essenz noch nicht an:
Es wirkt Steril, wie ein Missionsbericht / Tagebuch, mit viel Abstand von einem Unbeteiligten mit eigenen Worten nacherzählt. Da war kein „Beobachter“ in der Nähe, als Leser bin ich zu keinem Moment „in der Geschichte“.
Das ließe sich aber erarbeiten.
Es ist Dein Plot, in Deinem Kopf wirkt die Geschichte anders, Dein „Kopfkino“ läuft rund.

Viele aufmunternde Grüße aus Westfalen
Frank

__________________
Leben und leben lassen.

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ThomasQu
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Servus Frank, Nürnberg lässt grüßen.

Du hast dir ja eine irrsinnige Mühe gemacht, Gott sei Dank muss ich dir keinen Stundenlohn bezahlen.
Sicherlich könnte ich das eine oder andere Detail deiner Rezension entkräften, das führt aber zu nichts. Fest steht, dass niemand außer mir von der Story verzaubert ist und ich muss langsam und zähneknirschend akzeptieren, dass ihr drei, Jon, Sebatsian und du, wohl recht habt, es gibt erheblichen Veränderungsbedarf. Wie das ganze aussehen soll? Keine Ahnung.
Leider habe ich momentan eine ganze Flut an Baustellen und die Estrellaner stehen, ehrlich gesagt, ganz hinten. Es wird demnach noch eine geraume Zeit dauern, aber es wird geschehen.

Gruß und DANKE

Thomas

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onivido
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Hallo Thomas,
gerade habe ich die geaenderte Geschichte gelesen. Dabei fiel mir folgendes auf.
quote:
"Die Beiden hatten den Eindruck, dass die sich untereinander mit Sprache und Gestik verständigen konnten."
------------
Welche Beiden?
--------------------
quote:
"Vermutlich wohnten hier Wesen, wie sie gestern aus der Ferne zu sehen waren.
Nach einem kurzen Meinungsaustausch zogen sich die Männer zurück Richtung Fluss. Die waren vielleicht zu zehnt, hatten lange Speere. Sie wollten auf keinen Fall ein Risiko eingehen."
-------------------
Ich bin verwirrt.
--------------------
Quote:
" Als nächstes griff sie nach einem Stückchen Holz und schnitt mit ihrem Steinsplitter einen schmalen Streifen ab."
-------------------------
Hatten die wirklich kein Messer oder ein aehnliches Objekt zum Schneiden in ihrem Himmelsfahrzeug?

Ich glaube, dass dieses Thema in einer so kurzen Geschichte nicht richtig beschrieben werden kann. Mir persoenlich fehlt Information zu den Estrellanern, ihrer Lebensweise, ihrem Ursprungsplaneten, verglichen mit der Erde.Offensichtlich sind sie Allesfresser, das heisst auf ihrem Heimatplaneten muss es Tiere geben. Es waere interessant, wenn sie diese mit den irdischen Tieren vergleichen wuerden.
Waere es nicht viel einfacher die Vorteile des Raumgleiters auszunutzen, um Feuer zu machen, anstatt Steine aufeinander zu schlagen? Wenn gar nichts anderes zu machen waere, koennten starke Funken mit einem angetippten Kurzschluss erzeugt werden.

Ich hoffe, dass dich meine Meckerei nicht belaestigt. Deine Geschichte ist eine der wenigen zu der ich mich etwas zu sagen wage, weil ich die meisten anderen ueberhaupt nicht verstehe.
Beste Gruesse///Onivido

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