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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Die Religion. Die Ehre. Der Tod.
Eingestellt am 05. 12. 2008 14:42


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Christoph Sturm
Festzeitungsschreiber
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Die Religion
Eines der Themen, wo man bei der Kundgebung einer kritischer Betrachtung, noch Angst um sein leibliches Wohl haben muss.
Sicherlich weniger aus der christlichen Richtung. Es wird sich keine bajuwarische Todesschwadron in Lederhosen in einen Kleinbus setzen, dessen Lagerraum mit Mordwaffen bestĂŒckt ist, zu meiner Adresse fahren und mich vor meiner HaustĂŒr hinrichten, weil ich die katholische Kirche beleidigt, Benedikt als Maledikt bezeichnet, oder Nietzsche zitiert habe.
Von muslimischer Seite sieht das vielleicht schon wieder etwas anders aus.
Ich möchte hier keinen rassistischen Ressentiments schĂŒren.
Fanatiker jeglicher Couleur widern mich an, ob sie den Koran, die Bibel oder „Mein Kampf“ in der Hand halten.

Ich möchte nicht behaupten, dass der tĂŒrkische Mann, der seine von ihm geschiedene Frau, eine Nachbarin meiner Eltern, auf offener Straße brutal mit einem Messer ermordet hat, wĂ€hrend die Kinder zuschauten, so handelte, weil er an Allah glaubte.
Aber der archaische Begriff der verletzten „Ehre“, der bei diesen Taten eine Rolle spielt, taucht eben immer dann im Zusammenhang mit der Religion des TĂ€ters auf.

Ich habe nicht bis zum Ende der Verhandlung verfolgt, wie der Prozess gegen diesen feigen Mörder verlaufen ist. Das Letzte was ich hörte, war dass er auf „unzurechnungsfĂ€hig“ plĂ€dierte. Tabletten nicht genommen und so.

„UnzurechnungsfĂ€hig“, diese Vokabel passt irgendwie besser in einen westlichen Zusammenhang, aber wer ist schon so konsequent, wenn es um die eigene GefĂ€ngnisstrafe geht. Je nach Situation greift man eben auf die Kultur zurĂŒck, die gerade von Nutzen ist.

Das Blut klebte auf der Straße, bei der Autowaschanlage, die ich jedes Mal passieren muss, wenn ich meine Eltern besuchen will. Ihre TodsĂŒnde war es gewesen, modern zu sein, selbststĂ€ndig. So selbststĂ€ndig sich vom Mann zu trennen und mit den Kindern eine eigene Wohnung zu beziehen. Das kleine Haus, neben dem Haus meiner Eltern. Freundlich war sie gewesen, hat meine Mutter gesagt und ihren Mörder haben sie auch gesehen, im Garten, als er wohl einmal auf die Kinder aufpasste. Da hatte er seine Tabletten wohl genommen.
Ehrenmorde sind real. Auch in Deutschland. Immer wieder sterben Schwestern, Töchter und Ehefrauen. Mehr oder weniger vereinzelte Stimmen in der Verwandtschaft sagen dann, dass die BrĂŒder, VĂ€ter oder EhemĂ€nner keine andere Wahl hatten. Die Ehre der Familie war ja in den Schmutz gezogen worden.

Jetzt kann man fragen, warum ich denn glÀubige Menschen, einem Generalverdacht unterstelle. Das ist doch eine infame Vereinfachung und Verallgemeinerung .
Mir ist durchaus bewusst, dass viele Menschen Gutes Tun, weil sie an etwas glauben. Nicht jedem mag die Vernunft alleine reichen um sich ordentlich zu verhalten. Manche benötigen ein Belohnungssystem, ein Himmelreich, das winkt.
In archaischen Zeiten hat das die Menschheit bestimmt vorangebracht, heutzutage hÀngen viele Religiöse in dogmatischen Strukturen fest.

Jeder darf das glauben, was er will. Ich möchte das niemandem absprechen, solange es andersherum nicht anderen Menschen aufgezwungen wird.
Ich bin der Letzte, der den Westen von Europa unkritisch glorifiziert, Kapitalismus und Neoliberalismus, höhlen die Demokratie aus. Wir sind weit entfernt von einer gerechten Gesellschaft.
Die AufklĂ€rung und die damit einhergehende SĂ€kularisierung jedoch, war ein entscheidender Schritt, voranzukommen. In dem Großteil der muslimischen Welt hat diese SĂ€kularisierung noch gar nicht stattgefunden. Aber auch die ach so fortschrittlichen US-Amerikaner haben da noch einiges zu bewerkstelligen, was die Trennung von Religion und Staat betrifft.

Aber was schweife ich ab in die Weltpolitik. Man mag mir einiges unterstellen, auch eine oberflĂ€chliche Betrachtungsweise, aber wenn Schlagworte wie „Ehrenmord“ im Zusammenhang mit der Straße vorkommen, in der meine Eltern wohnen, dann fĂ€llt es schwer, die VorgĂ€nge alle immer nĂŒchtern soziologisch einzuordnen und ĂŒber verfehlte Integrationspolitik nachzudenken.
Meine Eltern, besonders meine Mutter sind ĂŒbrigens ĂŒberzeugte Christen. Provokativ könnte ich schreiben, dass ich sie dennoch fĂŒr wunderbare Menschen halte.
Aber provokativ und plakativ war mein Text sicherlich schon reichlich, besonders wenn ich auf den Mord zu sprechen komme.
Laut Zeugenaussagen riss er ihren Kopf brutal an den Haaren zurĂŒck und rammte ihr das Messer dann ebenso in die Brust.

Vielleicht hĂ€tte ich diesen Vorgang nĂŒchtern beschreiben sollen, als einen normalen Mord von einem geistig verwirrten Mann, der nicht mit der Scheidung von seiner Frau zurecht kam. Die Religion ganz außen vor.
Aber ich habe nicht damit angefangen, Bluttaten oder Kriege mit „Religion“ zu rechtfertigen.
Meinetwegen könnte man die immer raus lassen.
Aber George Bush, Bin Laden und Benedikt haben vielleicht nicht mehr zu sagen, als ich auf der Welt, aber viel mehr Macht und Einfluss.


Version vom 05. 12. 2008 14:42

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Christoph Sturm
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Ich danke Dir, daß Du Dir die Zeit genommen hast fĂŒr Deinen Kommentar.

Ja polemisch ist es und provokant.
Vielleicht auch unsymphatisch ehrlich. Denn es ist nun mal so, daß einen etwas mehr berĂŒhrt, wenn es im persönlichen Umfeld passiert, sonst ist es eine Schlagzeile. Sonst hĂ€tte ich diesen Text vielleicht so nicht verfasst. Beim Verfassen von so einem Text, kommen dann aber die ganzen Schlagzeilen dazu, die einen dann doch mehr berĂŒhrt haben, als man vielleicht glaubte.
Man kann durchaus ein Mensch sein, der sich Gedanken macht und sensibel berĂŒhrt ist vom Geschehen in der Welt, aber gleichzeitig darf man doch so ehrlich sein und sagen, daß Dinge aus dem direkten Umfeld einen intensiver betreffen.
Da geht Deine Kritik ins Leere, auch wenn ich ansonsten nachvollziehen kann, daß dich der Text sonst, vielleicht anekelt in der Polemik.

Vielleicht sollte man diesen Text auch verschieben in den Bereich der ErzĂ€hlungen, denn natĂŒrlich ist dies kein nĂŒchternes Essay, sicherlich kein durchdachter politischer Ansatz.
Die Frage ist dann sicherlich auch, ob man jede Emotion prĂ€sentieren und die dann auch teilweise noch ĂŒberspitzt darstellen muß, um ja noch jeden GlĂ€ubigen Mensch zu provozieren.
Aber alleine, daß diese Rechtfertigung(nicht souverĂ€n, wieder unsymphatisch) hier gerade so rausfliesst, lĂ€sst mich gerade glauben, daß ich den genau so stehen lasse, auch wenn ich schon kurz nach dem Einstellen Angst vor der eigenen Polemik bekam und ihn wieder entfernen wollte.

Manches ist auf die Spitze getrieben, mit der Lust zu Provozieren, auch ungerecht und unreflektiert. NatĂŒrlich ist es auch ungerecht, alles in einen Topf zu schmeissen und dann, um sich etwas wirklich ekelhaftes(da sind wir uns wahrscheinlich einig, hinsichtlich des Mordes), von der Seele zu schreiben, sich zu befreien von etwas, wie ein BankrĂ€uber auf dem Fluchtweg dann "blindwĂŒtig" um sich zu schiessen und Unschuldige, die gerade nur am selben Platz sind mit aufs Korn zu nehmen.

Es ist natĂŒrlich auch ein schmaler Grat zwischen, Emotionen und spontanen Gedanken, die man unkontrolliert durch die Schleuse lĂ€sst, um genau sowas darzustellen und einer Meinungsmache, die man gar nicht will. Da hofft man natĂŒrlich auf Leser, die das herauslesen und das ist vielleicht auch zu viel verlangt.

Dein konkreter Verbesserungsvorschlag ist nachvollziehbar, denn bei allen Spitzen die ich losschiesse, bin ich wirklich davon ĂŒberzeugt, daß jeder glauben "darf" und nicht soll, ich werde das korrigieren. Das darfst du mir jetzt einfach mal glauben, aber sollst es nicht.

Gruß, Christoph

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paulenullnullzwei
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HĂŒhner

Es stimmt, die Argumente laufen etwas durcheinander bei Dir. Stellt sich nur die Frage, warum?

WĂ€re ein Mensch von fanatischen Katholiken getötet worden, wĂ€re klar gewesen, woher das Böse kommt. Vielleicht sind wir alle einfach nur ziemliche Feiglinge, wenn es um die klare Stellungnahme zu andersreligiös motivierten Bosheiten geht. Ich nehme mich da ausdrĂŒcklich nicht aus!

HasenfĂŒĂŸige GrĂŒĂŸe, Paule

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