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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Die Rose
Eingestellt am 12. 03. 2006 21:31


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Elfi
???
Registriert: Feb 2006

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Die Rose

Grau dr├Ąngten sich die drohenden Regenwolken an jenem trostlosen Tag Ende Oktober am Himmel und vom Friedhof aus betrachtet sah das Ganze noch deprimierender aus. Wie jede Woche, wenn ich am Grab meiner Frau war, verweilte ich anschlie├čend auf der kleinen Bank unterhalb der gro├čen Tannen, betrachtete die n├Ąhere Umgebung und die anderen Menschen, die den Gottesacker aufsuchten. Manchmal fragte ich mich beim Anblick der Besucher, welche Beweggr├╝nde sie nach hier trieb. An jenem Tag sah ich zu der Frau in der schwarzen Jacke, die vor dem mit Buchsbaum begrenzten und mit pflegeleichtem Gr├╝n bepflanzten Grab ihres Mannes stand, das weder Kreuz noch Grabplatte zierte. Ich hatte sie schon einige Male hier gesehen, doch sie kam nur zu besonderen Anl├Ąssen, so wie an jenem Tag, kurz vor Allerheiligen um das Grab zu pflegen. Sie ging alsdann in die Hocke, um zwischen dem Gr├╝n zu harken und ihr Atem stand in wei├čen Wolkenschwaden vor ihrem Gesicht.
Sie schien sich mit der Grabpflege zu beeilen, als ob es ihr unangenehm war, diesen Ort aufzusuchen; als betrachtete sie das Grab ihres an Herzinfarkt verschiedenen Mannes nur als Verwahrstation f├╝r die ├ťberreste menschlichen Lebens, als das Ende von allem.
Manchmal blickte sie zum Grab zur rechten Seite her├╝ber, auf dem schon Heidekraut gepflanzt war, und neben der Steinplatte, in der der Name eines jungen Mannes gemei├čelt stand, befand sich ein Wintergesteck. W├Ąhrend sie erneut her├╝ber sah, klagte sie: ÔÇ×Warum hat Gott das nur zugelassen? Wir haben uns geliebt!ÔÇť In ihrem Blick lag Bitternis und sie hieb mit voller Wucht die Harke in die feuchte Erde, ehe sie ein kleines Gesteck an der rechten, oberen Ecke platzierte und noch etwas verweilte, um das Grab zu betrachten.
Ich wendete meinen Kopf und sah zum Weg, ├╝ber dem in jenem Augenblick eine junge Frau eilte, die in ihrer rechten Hand eine einzelne, wei├če Rose hielt und das Grab des jungen Mannes ansteuerte. Am unteren Ende stehend betrachtete sie die Blumen und das Gesteck, und schien sich ├╝ber den Anblick zu freuen, ehe sie ihre Rose vor dem Gesteck auf der Steinplatte niederlegte. W├Ąhrend sie erneut zum unteren Ende ging, raunte die Frau von nebenan:
ÔÇ×Unn├╝tz!ÔÇť Die junge Frau mit der Brille sah ihr Gegen├╝ber an und fragte: ÔÇ×Was soll unn├╝tz sein?ÔÇť
ÔÇ× Die Rose! Die ist doch eh bald erfroren!ÔÇť, erkl├Ąrte sie und ich war neugierig, wie die weitere Unterhaltung ablaufen w├╝rde.
ÔÇ×Dann bringe ich ihm eine neue Rose!ÔÇť, meinte die Brillentr├Ągerin, die in etwa drei├čig Jahre alt zu sein schien.
ÔÇ×Das ist doch unn├╝tz!ÔÇť, ereiferte sich die ├ältere, ÔÇ× Da hat er doch nichts von; er sieht sie schlie├člich nicht!ÔÇť
ÔÇ×Auch wenn er die Rose nicht sieht, mein Freund hat sie verdient, und eine Geste der Wertsch├Ątzung ist nie unn├╝tz! Im Grunde genommen ist die Rose wie die Liebe, die ich st├Ąndig erneuere, um sie lebendig zu halten!ÔÇť
Die ├ältere schaute die J├╝ngere ziemlich skeptisch an und fragte: ÔÇ× Und was haben Sie davon?ÔÇť
Die junge Frau hielt einen Moment inne, ehe sie antwortete: ÔÇ×Muss ich was davon haben? Wenn ich sehe, dass das Grab meines Freundes neu bepflanzt wurde und mit frischen Blumen geschm├╝ckt ist, freue ich mich, dass seine Angeh├Ârigen ihn nicht vergessen haben. Warum sollte die Freude ├╝ber diese lieben Gesten nicht die erreichen, f├╝r die die Blumen bestimmt sind?ÔÇť
Die ├Ąltere Frau schwieg und stand noch eine ganze Weile vorm Grab ihres Mannes, w├Ąhrend die J├╝ngere mit einem leichtem L├Ącheln im Gesicht den Friedhof verlie├č.
Auch ich sa├č an jenem Tag noch lange auf der Bank und dachte nach, w├Ąhrend ich aus der Entfernung zur wei├čen Rose dieser lebendigen Liebe blickte.

Wie gro├č das Echo dieser wei├čen Rose damals war, ahnte die junge Frau sicher nicht: Wenn ich heute auf dem Friedhof verweile, freue auch ich mich dar├╝ber, auf jenem Grab wieder eine wei├če Rose liegen zu sehen, und denke, dass dieser junge Mann, obwohl ich ihn nicht kannte, auch meine Freude sp├╝ren kann.

__________________
Das Paradies befl├╝gelt deine Fantasie, und nur mit den Fl├╝geln deiner Fantasie gelangst du ins Paradies.

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Burana
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Elfi!
Da ist viel Tiefe drin. Um das r├╝ber zu bringen, was ich zwischen den Zeilen lese, m├╝sstest Du am Text noch ein bisschen feilen. Das holpert gelegentlich. Schaust Du noch mal dr├╝ber? Liebe Gr├╝├če! Burana

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