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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Rückfahrt (Manchmal führt sie nicht nach Hause)
Eingestellt am 21. 12. 2004 00:45


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David
Hobbydichter
Registriert: Dec 2004

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Die Rückfahrt

Nein, eigentlich hatte ich nicht vor, meine Erwartung zu hoch zu schrauben. Im Gegenteil, ich sagte mir, ich wolle nichts überstürzen und einfach nur einen schönen Tag mit einer lieben Freundin verbringen, die mir während der letzten Wochen immer mehr ans Herz gewachsen ist. Ich hoffte einfach nur, dass Glück würde anhalten und fortführende Schritte würden mir das Hoch erhalten, in dem ich mich befand. Ich wollte es locker sehen und mit dem Gefühl nach Hause fahren, dass etwas schönes am Wachsen war und es keinen Anlaß zur Sorge gäbe, der Weg nach oben könne durch irgendetwas absolut versperrt bleiben. Doch mir war wohl nicht klar, dass sich zwischen uns die Zuneigung bereits so weit entwickelt hatte, dass jeder nächste Schritt für sie ein Schritt in die Ernsthaftigkeit bedeuten würde, der mit ihrer Situation nicht vereinbar war, obwohl ich zeitweise das Gefühl von ihr bekam, dass ihre Freiheit es zuließ, ihre Grenzen viel weiträumiger zu stecken. Mir wurde erst an diesem Tag klar, dass sie mir gegenüber die gleichen Trennungsängste empfand, die sie an ihre alte Bindung festgekettet hatte und ohne eine Lösung des Problems keinen Neubeginn versuchen konnte. Ich erschrak über meine Zuneigung zu ihr und fühlte mich plötzlich sehr verlassen.

Und so fuhr ich mit meinem Motorrad auf der Autobahn Richtung Westen dem Sonnenuntergang entgegen, zurück in Richtung der Stadt, woher ich kam. Diesmal wirkte der blutrote Himmel jedoch nicht so romantisch wie in den letzten Tagen, sondern eher theatralisch. Ich schwamm mit gleichmäßiger Geschwindigkeit im Strom der vielen Autos, die mit ihren eingeschalteten Lichtern das Ende des Tages ankündigten und wir alle fuhren gemeinsam mit der Gewissheit in die selbe Richtung, dass sich unsere Wege irgendwann trennen würden und jeder für sich alleine die letzten Kilometer reisen würde, um sich zwischen den verlassenden Hügeln und Tälern auf sein heimatliches Licht zu zubewegen, bis das Ziel erreicht und ein kleines Bett zu Ruhe einladen würde. Und so sah ich das kleine stille Bett, dass kühl im Halbschatten der Nacht leer auf mich wartete.

"So kann ich doch diesen Tag nicht enden lassen!", dachte ich mir. "So ein Ende gefällt mir nicht und kann ich nur schwerlich akzeptieren."
Und so hörte ich die Stimme eines Regisseurs in meinem Kopf, der lautstark durch sein Megaphon brüllte:
"Schnitt! Die Szene Heute war ja wohl nichts. Du hast sogar schon den Anfang verpatzt. Also - Jetzt noch einmal - , aber diesmal mit ein bisschen mehr Konzentration, bitte!"

Und so wurde der Sonnenuntergang, den ich vor mir sah, zu einem Sonnenaufgang. Und ich fuhr im Strom der Autos gen Osten zur Stadt der Begegnung, wieder in Vorfreude und mit großer Hoffnung, so wie es heute Morgen war, als der Tag begann und die aufregende Ungewissheit noch vor mir lag.
Doch bald verschwand die Sonne leise und unaufhaltsam hinter dem Horizont. Die Illusion verschwand mit den sich auflösenden Farben des Sommerhimmels und zwischen den einsamen roten Rücklichtern breitete sich das kühle Grau der einbrechenden Nacht aus.

"Eigentlich bin ich nur traurig, weil ich nicht mehr so glücklich bin, wie in den letzten Tagen, wo ich glücklicher war, als ich es normalerweise bin.", sagte ich mir. "Es geht mir doch nicht schlechter als vorher, sondern nur genauso gut oder schlecht, wie zu der Zeit, bevor das Hoch der Euphorie begann. Es ist schon seltsam. Wir denken immer, es gibt ein Hoch des Glücks und ein Tief der Traurigkeit, die sich über bzw. unter der Normallinie des Gefühls befinden. So, als würde man eine Kurve zeichnen, mit einem Maximum und einem Minimum, die die Nulllinie manchmal schneidet. Aber das stimmt nicht. Es ist die Steigung, die Tendenz des Besserwerdens, das uns glücklich macht. Und es ist das Gefälle, die Tendenz des Schlechterwerdens, das uns traurig stimmt. Die Größe des Glücks ist in der Steigung und nicht in seiner Höhe manifestiert. Obwohl es dir vielleicht schlechter geht, als Anderen, kannst du glücklicher sein als jene, wenn es bei dir bergauf geht. Glück und Traurigkeit ist also nichts absolutes, sondern die Veränderung im Relativen."

Ich registrierte wieder die Straße unter mir, die sich irgendwo unter mir im Dunkeln hindurch schob, während sich um mich herum meine fahrenden Brüder, im Scheinwerferlicht des anderen, scheinbar stillstehend, aneinander kuschelten, um die Nacht aus ihrer Mitte zu vertreiben. Ich sah die rote Lichterkette vor mir, die mich auf einem schlängelnden Weg in die Unendlichkeit der tiefschwarzen Nacht hinterher zog und erinnerte mich an den grauen steinigen Wanderpfad am Hang eines grünen Berges, dem ich in meiner Vergangenheit stundenlang folgte. Was war eigentlich geschehen?
Ich hatte meine Wanderung unterbrochen, weil ich einen grauen Stein sah, der bei genauerer Betrachtung scheinbar viele bunte Farben hatte und ich bückte mich, um ihn auszugraben. Doch dann stellte ich enttäuscht meinen Irrtum fest. Er ist, wie er immer war, schön, aber grau. So war er und so wird er immer sein. Als ich ihn das erste Mal sah, hatte es mich auch nicht gestört, dass er grau war. Erst jetzt, wo ich mich seinet wegen gebückt hatte, um ihn auszugraben und aufzuheben, störte es mich, dass er so war, wie er war.

"Also werde ich den Stein wieder an seinen Platz zurücklegen und gehe weiter meines Weges. Vielleicht liegt auf meiner Wanderung zwischen den grauen Steinen doch noch irgendwo ein bunter Stein."

In meinem tranceartigen Folgen des Wanderpfades über die Weite der Landschaft kam mir der Gedanke, ob mich dieses Erlebnis nicht für eine kurze Zeit aus meiner Monotonie befreit hatte?

"War ich nicht glücklich, als ich den scheinbar bunten Stein voller Freude ausgrub? Die Enttäuschung dagegen dauerte nur einen Augenblick an. Du hast ihn dort gelassen, wo er war und wo er hingehört und nun gehe ich weiter und lasse ihn zurück. Es geht dir nicht schlechter und nicht besser. Es geht dir wie immer. Du warst nur für einen Moment lang aufgerüttelt worden und bist aus deiner Monotonie erwacht. Und nun, da du weißt was schön ist und die "Leihfrist" abgelaufen ist, vermisst du dies."

Ich ordnete mich aus einer Ausfahrt kommend in die zähe Masse der Lichter ein. Und wieder folgte ich der Herde mit den roten Augen und drängte mich in ihre Mitte. Ich fügte mein Scheinwerferlicht den der anderen hinzu und gemeinsam leuchteten wir unseren Weg. Ruhig tänzelte mein Helm in den Wellen des Windes und wir folgten der untergegangenen Sonne. Es war überhaupt nicht kalt! Das Erreichen irgendeines Ziels erschien mir plötzlich völlig absurd, denn nichts entsprach mehr meinem Leben, als die Straße, auf der ich gerade fuhr. "Es ist seltsam, aber dort, wo ich jetzt war, war mein neues Zuhause."
Ich schmiegte mich zwischen meine leuchtenden Begleiter und fuhr dicht an sie gedrängt in die Ferne, hinaus in die unbekannte Nacht und hoffte unsere gemeinsame Reise würde nie enden.

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Lotte Werther
Guest
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An david

Und so fuhr ich mit meinem Motorrad auf der Autobahn Richtung Westen dem Sonnenuntergang entgegen,...

Ich schwamm mit gleichmäßiger Geschwindigkeit im Strom der vielen Autos, die mit ihren eingeschalteten Lichtern das Ende des Tages ankündigten und wir alle fuhren gemeinsam mit der Gewissheit in die selbe Richtung, dass sich unsere Wege irgendwann trennen würden und jeder für sich alleine die letzten Kilometer reisen würde, um sich zwischen den verlassenden Hügeln und Tälern auf sein heimatliches Licht zu zubewegen, bis das Ziel erreicht ...

Doch bald verschwand die Sonne leise und unaufhaltsam hinter dem Horizont. Die Illusion verschwand mit den sich auflösenden Farben des Sommerhimmels und zwischen den einsamen roten Rücklichtern breitete sich das kühle Grau der einbrechenden Nacht aus...

Ich registrierte wieder die Straße unter mir, die sich irgendwo unter mir im Dunkeln hindurch schob, während sich um mich herum meine fahrenden Brüder, im Scheinwerferlicht des anderen, scheinbar stillstehend, aneinander kuschelten, um die Nacht aus ihrer Mitte zu vertreiben. Ich sah die rote Lichterkette vor mir, die mich auf einem schlängelnden Weg in die Unendlichkeit der tiefschwarzen Nacht hinterher zog und erinnerte mich an den grauen steinigen Wanderpfad am Hang eines grünen Berges, dem ich in meiner Vergangenheit stundenlang folgte. Was war eigentlich geschehen? ...

Ich ordnete mich aus einer Ausfahrt kommend in die zähe Masse der Lichter ein. Und wieder folgte ich der Herde mit den roten Augen und drängte mich in ihre Mitte. Ich fügte mein Scheinwerferlicht den der anderen hinzu und geme<insam leuchteten wir unseren Weg. Ruhig tänzelte mein Helm in den Wellen des Windes und wir folgten der untergegangenen Sonne. Es war überhaupt nicht kalt! Das Erreichen irgendeines Ziels erschien mir plötzlich völlig absurd, denn nichts entsprach mehr meinem Leben, als die Straße, auf der ich gerade fuhr. "Es ist seltsam, aber dort, wo ich jetzt war, war mein neues Zuhause."
Ich schmiegte mich zwischen meine leuchtenden Begleiter und fuhr dicht an sie gedrängt in die Ferne, hinaus in die unbekannte Nacht und hoffte unsere gemeinsame Reise würde nie enden.




Ich habe aus diesem diffusen Text die Stellen ausgesucht, die etwas haben. Es sind durchweg die Fragmente, wo du die Fahrt beschreibst. Das ist dir schon ganz gut gelungen.

Mit einigem Feilen daran, finde ich es eine nachvollziehbare Beschreibung, die beim Leser eigene Erfahrungen evozieren kann.

Der restliche Text ist schlecht, vom Inhalt wie auch von der Sprache her. Keine Spannung, keine Geschichte, nur diffuse Gedanken, in Worte gepresst, die eher einer Kundenbesprechung ähnlich sehen, als literarischem Ausdruck.

Lotte Werther

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David
Hobbydichter
Registriert: Dec 2004

Werke: 4
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hallo Lotte Werther,

danke für das Lob und deine Kritik.

Ich vermute, daß nicht herübergekommen ist, dass es ich bei dieser Geschichte um eine Liebesgeschichte handelt,- um eine enttäuschte Liebe. Es handelt von der Situation, wenn du zu einem Date fährst, in der Hoffnung, deine wachsenden Liebesgefühle werden erwiedert. Doch dann mußt du feststellen, daß sich dein Traum nicht erfüllt und du alleine in deine Einsamkeit zurück mußt.
Es stellt sich die Frage, warum du dann eigentlich traurig bist, obwohl sich gegenüber der Zeit vor dem Treffen, in deinem Leben, eigentlich nichts verändert hat. Im Prinzip ist alles, wie vorher, doch vorher warst du glücklich, und nun bist du traurig. War es nicht die eigene falsche Erwartung, die zur Enttäuschung führte? Die eigene Lebenssituation hat sich nicht verändert, nur die Zukunft erscheint plötzlich in einem anderen Bild, als du es dir erhofft hast. Glücklich und traurig sein, hängt also immer damit zusammen, woran man es misst. Man misst es entweder an seiner Gegenwart oder an seiner Hoffnung. Wer das Gefühl hat, etwas dazu zu gewinnen, fühlt sich glücklich. Wer das Gefühl hat, etwas zu verlieren, fühlt sich unglücklich. Dies scheint völlig unabhängig davon zu sein, was man wirklich hat. So ist der Bettler, der 50 Euro findet, glücklicher, als der Millionär, der an der Börse 100.000 Euro verloren hat, obwohl der Millionär nach wie vor erheblich reicher ist, als der Bettler. Und so ist es vielleicht mit allen Erwartungen, der Liebe und dem Leben selbst. Glück und Unglück defeniert sich möglicherweise also nur durch seine Relation zu etwas und ist nichts Absolutes. Es geht also immer nur um das Werden und nicht um das Sein.

In dieser Geschichte wurde zudem nicht nur eine Hoffnung und eine Liebe verloren, sondern darüberhinaus ein Zuhause, denn man ist dort Zuhause, wo man geliebt wird. Ohne Heimat, wird dir das Leben wieder als Weg bewusst. Dann ist der Weg deine Heimat, wie die Straße, auf der du fährst.
Liebe Grüße

David

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