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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Sache mit der Ent- und Wiedermaterialisierung
Eingestellt am 12. 05. 2013 21:35


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Rainer Lieser
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2009

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Die Sache mit der Ent- und Wiedermaterialisierung

Es war mitten in der Nacht und Julius trank in der K├╝che ein Glas Milch. Sein Blick wanderte ├╝ber die vielen K├╝hlschr├Ąnke, Geschirrsp├╝lmaschinen, Saftpressen und all die anderen Dinge, die hier herum standen. Er erinnerte sich an die Jahre, als er und seine Frau Agnes sich noch nicht im Ruhestand befanden. Ihr gro├čes Ziel war es damals gewesen, den immensen Ger├Ąte- und Maschinenpark, den es beinahe in jedem normalen Haushalt gab, auf ein Minimum zu reduzieren. Um das zu erreichen, erfanden sie neue Produkte, welche die Funktionalit├Ąten vieler Anderer in sich vereinten.
Er musste lachen.
Was f├╝r eine Ironie: nun lebten sie selbst im gr├Â├čten Ger├Ąte- und Maschinenpark von allen.

Julius war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht bemerkte, wie er pl├Âtzlich anfing mit sich selbst zu reden. ┬╗Es gibt keinen Einkaufsbummel, bei dem Agnes nicht an beinahe allen Schaufenstern, Regalen oder Tischen minutenlang stehen bleibt. Jedes einzelne Ding muss sie sich ganz genau ansehen. Haben wir es noch nicht zuhause, und erscheint es ihr nur halbwegs nutzvoll, muss ich es kaufen.┬ź Ihm fiel der solarbetriebene Teigr├╝hrer aus rostfreiem Edelstahl ins Auge. ┬╗Das ist einer von 26 Teigr├╝hrern.┬ź

W├Ąhrend er den R├╝hrer betrachtete, stellte sich Agnes vor einem der gro├čen Schr├Ąnke auf die Zehenspitzen und ├Âffnete die oberste T├╝r. Dort ergriff sie eines der unz├Ąhligen Einmachgl├Ąser, nahm es heraus und stellte es demonstrativ vor Julius auf den K├╝chentisch. ┬╗Hast Du nicht gerade erst letzte Woche die frische Aprikosenkonfit├╝re ├╝ber alles gelobt? Ohne die neuen Einmachgl├Ąser, w├Ąre die nie und nimmer so lecker geworden.┬ź
┬╗Gut, gegen die neuen Einmachgl├Ąser will ich nichts gesagt haben. Aber was hat die Aprikosenkonfit├╝re mit den 26 Teigr├╝hrern zu tun?┬ź Gab Julius leicht trotzig zur├╝ck.
Agnes stemmte ihre H├Ąnde in die Seite. ┬╗Die Konfit├╝re ist nur deshalb so gut geworden, weil ich unentwegt und an allen Stellen nach Verbesserungsm├Âglichkeiten gesucht habe.┬ź
Sie holte tief Luft. ┬╗W├Ąren die 25 vorangegangen Teigr├╝hrer nicht so fehlerbehaftet gewesen, h├Ątten wir nat├╝rlich auf den solarbetriebenen Teigr├╝hrer aus rostfreiem Edelstahl verzichten k├Ânnen. Die 25 vorangegangenen Teigr├╝hrer waren aber sehr wohl fehlerbehaftet, deshalb haben wir den 26. Teigr├╝hrer, den derzeit perfektesten, unbedingt ben├Âtigt. Defekte Stecker, por├Âse Kunststoffgeh├Ąuse, ├╝berh├Âhter Energieverbrauch und unzuverl├Ąssige Wackeltasten geh├Âren jetzt der Vergangenheit an. Das nenne ich: moderne und sinnvolle Technik zum eigenen Wohl und Vorteil nutzen. Sei es, um die Konfit├╝re leckerer zu machen - oder sich unn├Âtigen ├ärger mit fehlkonstruierten Teigr├╝hrern zu ersparen. Dagegen gibt es ja wohl kaum etwas zu sagen ÔÇô oder?┬ź

┬╗Sehen Sie, so l├Ąuft das immer. Ich bem├Ąngele etwas. Anschlie├čend verweist meine holde G├Âttergattin auf einen klitzekleinen positiven Aspekt, innerhalb des von mir kritisierten desastr├Âsen Gesamtsachverhalts. Und PENG! Durch eben jenen klitzekleinen positiven Aspekt, wird meine Kritik als vollkommen ungerechtfertigt und absolut haltlos abgetan. Agnes ist seit jeher diejenige gewesen, f├╝r die es keine Schwierigkeiten oder Unw├Ągbarkeiten gab, wohin gegen ich schon immer ein Zauderer und Bedenkentr├Ąger war.┬ź Julius wandte sich hilflos gestikulierend von seiner Frau, dem Tisch und dem Einmachglas ab.
Agnes drehte mit ihrer rechten Hand seinen Kopf sanft zu sich, sah ihm milde l├Ąchelnd in die Augen und sagte mit dem charmantesten L├Ącheln das man sich nur vorstellen konnte. ┬╗Dann h├Âr einfach auf meine Verhaltensweisen zu kritisieren, liebster Ehemann.┬ź
Diesem Satz hatte Julius noch nie etwas entgegen setzen k├Ânnen, im Berufsleben und auch danach nicht. Er gab ihr liebevoll einen Kuss auf die Wange. Alles war gut.

Betrachtete man die weiteren R├Ąume des H├Ąuschens, Schlaf-, Wohn- und Badezimmer, Keller und Dachstuhl, zeigte sich dort das gleiche Bild, wie schon in der K├╝che: nirgendwo gab es einen freien Platz.
Aber weil Agnes und Julius ihr gesamtes gemeinsames Leben darin verbracht hatten, war ein Umzug in ein gr├Â├čeres Haus f├╝r beide undenkbar, so sehr die Kinder, Minnie und Max, auch darauf dr├Ąngten. Aus rein finanzieller Sicht, sprach nicht das geringste gegen einen Umzug, denn Agnes und Julius hatten sich aus der gemeinsamen Arbeit ein ordentliches Verm├Âgen erwirtschaftet.
Die Alternative, sich von dem einen oder anderen St├╝ck zu trennen, kam f├╝r die Zwei ebenso wenig in Betracht. ┬╗Niemals!┬ź Zu viele hoffnungsfrohe Erwartungen, die inzwischen zu lieb gewordenen Erinnerungen geworden waren, verbanden sie mit jedem einzelnen St├╝ck.

Wann immer die Themen Umzug oder Entr├╝mpelung von den Kindern auf den Tisch gebracht wurden, was beileibe nicht selten der Fall war, hielt ihnen Julius stets die gleiche Antwort entgegen. ┬╗Es gab hier einmal ein paar Zimmer, die ich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Nach den Gesetzen der Physik, k├Ânnen die kaum ins Nichts verschwunden sein. Die T├╝ren zu jenen Zimmern werden bestimmt nur von irgendwelchen M├Âbeln oder Ger├Ątschaften verdeckt, die man davor aus Unachtsamkeit abgestellt hat. Schon Morgen werde ich mich auf die Suche nach diesen Zimmern machen. Vermutlich ist dort die Platznot noch nicht ganz so ausgepr├Ągt, wie ├╝berall sonst. Sobald ich die Zimmer gefunden habe, wird damit das Raumproblem behoben sein. Womit ich diese Diskussion als beendet betrachte.┬ź Selbstverst├Ąndlich machte sich Julius am n├Ąchsten Tag NICHT auf die Suche.
Doch die unliebsamen Themen w├╝rden fr├╝her oder sp├Ąter von den Kindern erneut angesprochen werden. Nichts war sicherer als das.

Es geschah beim ersten Geburtstag von Minnies Tochter, Henrietta, der mangels Platz im Haus der Gro├čeltern, in einem Campingzelt im Garten von Herrn Hibbeling, einem Nachbarn, gefeiert werden musste. Als Minnie gerade die Geburtstagskerze auf der Torte von Henrietta auszublasen versuchte, kam ihr ein Windzug zuvor. Da platzte Minnie der Kragen. Sie liess ihrer Wut freien lauf. ┬╗Ich fasse es nicht! Wir sitzen bei str├Âmendem Regen in einem zugigen Zelt. Aller Wahrscheinlichkeit nach, halsen wir dadurch meiner Tochter gerade ihre erste Lungenentz├╝ndung auf. Ich kann von Gl├╝ck reden, wenn sie ihren zweiten Geburtstag ├╝berhaupt noch erlebt. Und das nur, weil es nicht einmal f├╝r einen Tag m├Âglich ist, eines der Zimmer im Haus meiner Eltern zu entr├╝mpeln und den ganzen Plunder auch nur vor├╝bergehend, statt uns, hier unter zu stellen.┬ź
In Augenblicken wie diesen w├╝nschte Julius, er und Agnes h├Ątten ihrer Tochter deutlich mehr Gelassenheit im Gencode vererbt. Er wollte eben schon wieder an die verloren gegangenen Zimmer erinnern, als ihn der w├╝tende Blick seiner G├Âttergattin traf. Er kannte diesen Gesichtsausdruck nur zu gut und wusste, dass es in Momenten dieses Gesichtsausdrucks besser war zu schweigen.

Nach der Geburtstagsfeier erz├Ąhlte Julius seiner Frau unter vier Augen, dass er bei dem Wutanfall von Minnie einen Entschluss gefasst hatte. Einen Entschluss, der zu einer grundlegenden Ver├Ąnderung ihrer beider Leben f├╝hren werde. ┬╗Ich will ein neues Forschungsprojekt beginnen. Ich m├Âchte einen Weg finden, Objekten die K├Ârpermasse zu entziehen, ohne dadurch ihr r├Ąumliches Erscheinungsbild zu ver├Ąndern.┬ź
Agnes sah ihn an. ┬╗Es geht also um die Ent- und Wiedermaterialisierung von Objekten. Das ewige Thema, an dem wir uns fr├╝her schon die Z├Ąhne ausgebissen haben. Und das kam Dir wieder in den Sinn, als das Gesicht unserer Tochter die Farbe von Vulkanlava hatte?┬ź
┬╗Offen gestanden halte ich es nicht f├╝r einen Zufall, dass unser Haus so vollgestopft ist, wie es ist. Insgeheim haben wir beide doch ganz zielbewusst auf den heutigen Tag hingearbeitet.┬ź Er nahm ihre Hand und ging ganz sachte vor ihr in die Knie. ┬╗Bist Du dabei, altes M├Ądchen?┬ź
Nat├╝rlich kannte Julius die Antwort bereits, bevor er die Frage gestellt hatte.

Als Versuchsobjekte w├Ąhlten sie die Briefbeschwerer aus. Die hatten sie gemeinsam angeh├Ąuft ÔÇô und auf die konnte ohne gr├Â├čere Not verzichtet werden, seit Agnes und Julius all ihre Kommunikation ├╝ber Computer abwickelten, was seit etwa 15 Jahren der Fall war.
Nat├╝rlich endete das erste Experiment anders als erhofft. Statt die K├Ârpermasse der ausgew├Ąhlten Objekte in Null zu verwandeln, erh├Âhte sich die Anzahl der Briefbeschwerer um das achtfache. In Folge wurde das Zelt, in welchem Henriettas erster Geburtstag gefeiert worden war, jetzt in den Hauptwohnsitz von Agnes und Julius umgewandelt. F├╝r Herrn Hibbeling war das als kurzfristige L├Âsung v├Âllig in Ordnung.
┬╗Also mir ist das ja schon ein wenig unangenehm, Agnes.┬ź Beichtete Julius nach dem Gespr├Ąch mit dem Nachbarn.
┬╗Mir auch. Doch was sollen wir tun? Lass uns das kleine Missgeschick einfach als Ansporn daf├╝r nehmen, in Zukunft umso konzentrierter an unserem Projekt zu arbeiten.┬ź

Drei Tage sp├Ąter musste Julius Herrn Hibbeling darum bitten, ein zweites Zelt in seinem Garten errichten zu d├╝rfen, weil das Erste mit Briefbeschwerern inzwischen ├╝berf├╝llt war.
Nach zw├Âlf Tagen gab es im Garten von Herrn Hibbeling keinen Platz mehr f├╝r ein weiteres Zelt.
Julius sprach daraufhin bei Frau Ebbeling, der Nachbarin zur anderen Seite, vor.

Tochter Minnie und Sohn Max sch├Ąmten sich in Grund und Boden, als sie die erste Geburtstagsfeier von Theodor, dem Sohn von Max, in einem Zelt im Garten von Frau Ebbeling verbringen mussten.

Den ersten Geburtstag von Minnies zweiter Tochter, Wilhelmine, feierten sie einige Zeit sp├Ąter in der Wohnung von Minnie und ihrem Mann Moritz. Mittlerweile gab es daf├╝r selbst im Garten von Frau Ebbeling einfach keinen Platz mehr.
Im Taxi auf der Fahrt nach Hause, sah Julius Agnes ratsuchend an. ┬╗Es war diesmal eine ungewohnt streitarme Feier, findest Du nicht? Ich hatte den Eindruck, die Kinder haben ziemlich abgeschlossen mit uns. Vielleicht sollten wir die Forschungsarbeit endg├╝ltig aufgeben, bevor sie uns f├╝r verr├╝ckt erkl├Ąren lassen. Vielleicht sollten wir doch besser mit der Suche nach den verlorenen Zimmern beginnen. Vielleicht hat das mehr Aussicht auf Erfolg. Was meinst Du?┬ź
Agnes antwortete nicht. Sie blickte stumm zur Seite aus dem Fenster hinaus und betrachtete die Lichter der in der Dunkelheit vorbeiziehenden Geb├Ąude.
Als sie bei ihrem Zelt angekommen waren, lief Agnes weiter auf das Haus zu. Julius folgte ihr. Sie arbeiteten die Nacht durch.

Monate vergingen.
Wieder einmal sa├čen Agnes und Julius bis an den Rand der Bewegungslosigkeit eingeklemmt im Kellerlabor. Der Entmaterialisierungsstrahl erfasste die Briefbeschwerer in den Schalen. Wie schon so oft, vernahmen die beiden ein leises ┬╗FUMP┬ź. Im Anschluss erklang jedoch noch ein Ger├Ąusch, welches ihnen im ersten Moment fremd erschien. Sie sahen sich verdutzt an. Das Ger├Ąusch erklang erneut.
Pl├Âtzlich begann Agnes laut zu lachen und verwies auf den Bildschirm der Video T├╝rsprechanlage. ┬╗Wie soll man etwas auch erkennen, dass so gut wie nie genutzt wird. Kannst Du Dich daran erinnern, wann zuletzt jemand an unserer T├╝r geklingelt hat?┬ź
Julius zuckte mit den Achseln.

Draussen standen Frau Ebbeling und Herr Hibbeling. ┬╗Es gibt da eine Sache, die wir dringend mit Ihnen besprechen m├╝ssen. Nach M├Âglichkeit pers├Ânlich. L├Ąsst sich das wohl einrichten?┬ź
┬╗Ich komme. Bis ich an der Haust├╝r bin, kann es allerdings einige Minuten dauern. Bitte warten Sie.┬ź Sagte Julius und machte sich auf den Weg.
Vorsichtig balancierte er ├╝ber den Arbeitstisch auf die R├Ântgenapparaturen zu. Dort angekommen, ging er auf alle Viere und krabbelte unter den K├╝hlbeh├Ąltern durch, vorbei an der Bunsenbrennersammlung, bis Julius schlie├člich an den Aktenschr├Ąnken ankam, wo er sich wieder aufrichten konnte. Einen kurzen Moment verlor er das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen und streifte dabei eine der Schalen, in denen die Briefbeschwerer aufgestellt waren. Die Schale drehte sich. Sonst geschah nichts.
Erleichtert erreichte Julius schlie├člich die Kellert├╝r. Auf der restlichen Strecke gab es keine weiteren Zwischenf├Ąlle.

Nach exakt zwanzig Minuten kam er leicht ersch├Âpft an der Haust├╝r an. Frau Ebbeling und Herr Hibbeling begr├╝├čten ihn herzlich, dann f├╝hrte Frau Ebbeling ohne Umschweife den Grund f├╝r Ihren Besuch auf. ┬╗Wir wollen heiraten und zusammen ziehen.┬ź
Es war zwar abzusehen gewesen, dass die Zelte nicht bis an das Ende aller Tage in den G├Ąrten von Frau Ebbeling und Herrn Hibbeling hatten stehen bleiben k├Ânnen, aber die Art, wie das nun zu Ende ging, ├╝berraschte Julius schon. Die Nachbarn w├╝rden zuk├╝nftig gemeinsam im Haus von Frau Ebbeling leben, wie er weiter erfuhr. Das Haus von Herrn Hibbeling sollte in drei Monaten verkauft werden.
Drei Monate hatten Agnes und Julius also Zeit, die Zelte aus dem Garten von Herrn Hibbeling zu entfernen. Drei Monate, bis sie ihr Forschungsziel erreicht haben mussten.
Es wurden noch ein paar H├Âflichkeiten ausgetauscht, danach verabschiedeten sich Frau Ebbeling und Herr Hibbeling ÔÇô Julius machte sich auf den R├╝ckweg ins Labor.

Agnes sa├č v├Âllig apathisch vor den Computerbildschirmen. Nat├╝rlich hatte sie das Gespr├Ąch mit den Nachbarn verfolgt, das hatte Julius erwartet. Die heftige Reaktion darauf allerdings nicht. Er nahm ihre H├Ąnde in die seinen. Ihre Lippen zitterten. ┬╗Jetzt komm schon, Agnes.┬ź Sprach Julius sie an. ┬╗Das musste doch irgendwann geschehen. Das war uns doch beiden klar.┬ź
Langsam stiegen ihr die Tr├Ąnen in die Augen. Sie versuchte zu sprechen. Schlie├člich gelang es ihr zwei Worte und ein L├Ącheln zu formen. ┬╗Da sieh!┬ź
Ihr Kopf deutete auf einen der Computerbildschirme. Julius folgte ihrem Blick und erkannte eine verrutschte Schale. ┬╗Ja, an der habe ich mich vorhin gestossen. Na und ÔÇô was ist daran ÔÇŽ?"┬ź
Ihm blieben die Worte im Hals stecken. Und pl├Âtzlich verstand er mehr, als ihm lieb war.
Die Schale war zwar verrutscht, die Briefbeschwerer darin jedoch nicht. Zum Teil schwebten die Briefbeschwerer regelrecht in der Luft. Sie hatten keine K├Ârpermasse mehr.
Als er wieder auf den Platz von Agnes sah, war sie weg. F├╝r immer.

Binnen k├╝rzester Zeit wurden alle Objekte, Ger├Ąte und Maschinen, die im Haus nicht mehr unmittelbar benutzt wurden, in einer Art ├╝berdimensionalem Bildarchiv eingeordnet. Durch einen Klick auf die entsprechende Stelle in dem Bildarchiv, erhielt jedes Ding bei Bedarf seine urspr├╝ngliche K├Ârpermasse und vollst├Ąndige Nutzbarkeit zur├╝ck.

Die Zelte in den G├Ąrten der Nachbarn verschwanden.

Den zweiten Geburtstag von Minnies Tochter Henrietta feierten alle zusammen im Haus, in dem es bald so viel Platz gab, dass Julius vorschlug, Minnie und Max k├Ânnten mit ihren Familien einziehen.
Als die Umzugswagen vorfuhren, wartete Julius bereits an der Haust├╝r. Bevor die M├Âbelpacker mit ihrer Arbeit beginnen sollten, wollte er Minnie und Max unbedingt noch etwas zeigen. Er nahm die beiden an der Hand und f├╝hrte sie zu zwei Zimmern. ┬╗Das sind die verloren geglaubten Zimmer. Hier hat Agnes viel Zeit verbracht. Hier ist sie verstorben. Vor all den Jahren. Das habe ich mir nun endlich eingestehen k├Ânnen. In dem einen steht jetzt das Bildarchiv mit den entmaterialisierten Dingen, das andere k├Ânnte ich mir gut als Kinderzimmer vorstellen. Was meint ihr?┬ź

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