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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Sammlung
Eingestellt am 11. 03. 2005 15:55


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frasdorf
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2005

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Die Schaufel rammte durch die weiche, frische Erde und wurde, begleitet von einem hohlen, tiefen „Bumm“, abrupt gestoppt. Von weiter Ferne verkĂŒndete, gedĂ€mpft durch Nebelschwaden, das Schlagen einer Kirchturmglocke die elfte Stunde. Ethan Peabody klopfte ein paar mal mit der Schaufel in das kleine Loch am Grund der Grube, streckte den mĂŒden RĂŒcken, ließ sich auf die Knie fallen und grub mit den HĂ€nden weiter. Der Schweiß lief ihm ĂŒber Stirn und Nase, das graue, wellige Haar fiel ihm in die Augen. Das Licht der Taschenlampe, die er oben am Rand des Grabes drapiert hatte, nĂŒtzte hier, sechs Fuß tiefer, nichts mehr. Erhellt wurde der Deckel des Sarges, den er freilegte, einzig und allein von dem Mond, der sich zwischen den Fetzen aus feuchter, gebundener Nachtluft zeigte. Der Strahl der Taschenlampe fiel auf den schlichten, halb umgekippten Grabstein, der von der Frau berichtete, nach der Ethan grub. Seiner Frau, der Person, mit der er fast sein ganzes Leben geteilt hatte.
Abigail Peabody war vorgestern im Mooreland Sanatorium verstorben. Die Nachricht, die Ethan einen Tag spĂ€ter erreichte, berichtete schlicht von einem natĂŒrlichen Tod im Schlaf. Die Anstalt teilte sein Ă€ußerstes Bedauern mit, unterzeichnet wurde es in krickeliger Ärzteschrift, die sich nur durch den Aufdruck darunter identifizieren ließ: Prof. Dr. Christopher Lord, Leiter der Anstalt. Des weiteren wurde Ethan darĂŒber in Kenntnis gesetzt, das die Leiche seiner Frau unverzĂŒglich auf dem Privatfriedhof des Sanatoriums beigesetzt werden sollte. Es dauerte keine dreißig Sekunden, da hĂ€mmerte er die Nummer der Anstalt in die Tastatur des Telefons, wurde aber von der SekretĂ€rin Christopher Lords darauf hingewiesen, das es nicht möglich sei, so ohne weiteres den Professor zu sprechen. Ethan pochte auf einen Termin, noch vor der Beisetzung, aber auch dies sei nicht möglich, sagte die freundliche Stimme. Sie drĂŒcke ebenfalls ihr Bedauern aus, doch der Professor werde erst in der nĂ€chsten Woche KapazitĂ€ten fĂŒr ein GesprĂ€ch frei haben. Ethan lehnte eine Terminvereinbarung ab und unterließ auch nicht, der SekretĂ€rin mitzuteilen, wo sie und ihr Professor sich die Termine hin stecken könnten. Von Derwish nach Mooreland waren es, bei gutem Verkehr, etwa acht Stunden mit dem Auto. Er schaffte es in sechs, kam abends nach 19.00 Uhr an und stand vor dem großen verschlossenen Tor. Der Pförtner wies ebenso freundlich wie die SekretĂ€rin, dennoch bestimmt, darauf hin, das die Besuchszeiten bis 18.00 Uhr gehen und er doch morgen frĂŒh um 9.00 Uhr wieder kommen solle. Es wĂŒrde nicht mal der Papst einen Einlass um diese Zeit bekommen, und damit und mit der Hand an einem Schlagstock verabschiedete sich der Pförtner und ignorierte Ethan, der wĂŒtend ĂŒber den Zaun schrie.
Der Pförtner ließ gegen 22.00 Uhr, bei der Ablösung, im Bericht stehen, dass ein gewisser Ethan Peabody von 19.03 Uhr bis 19.19 Uhr vor der TĂŒr stand, aber einen nicht sonderlich gefĂ€hrlichen Eindruck machte, woraufhin der Angestellte von polizeilichen oder anstaltsbestimmten Maßnahmen absah.
Um 22.30 Uhr schlich sich Ethan durch eine LĂŒcke im GebĂŒsch auf der RĂŒckseite des Sanatoriums zum Friedhof und begann damit, das Grab seiner Frau freizulegen. Er musste sich selbst davon ĂŒberzeugen, was wirklich geschehen war. Der Bericht bedeutete nichts weiter als eine große LĂŒge fĂŒr ihn. Seine Frau erfreute sich bester Gesundheit. Bis auf die Tatsache, das Abigail eine notorische Brandstifterin war, was ihr letztendlich dank Richter Franklin, verflucht sei dieser Hurensohn, den Aufenthalt im Mooreland einbrachte, war sie unerschĂŒtterlich gesund. NatĂŒrlicher Tod, pah, dachte sich Ethan, als der halbe Sarg frei lag, ich werde rausfinden, was ihr Bastarde mit ihr angestellt habt. Verflucht seid ihr alle, vor allen Dingen Franklin und Lord. Ich kriege euch alle dran, und ihr werdet vor mir knien und euch wĂŒnschen, niemals den Zorn von Ethan Peabody entfacht zu haben.
Wutentbrannt riss er die letzten Erdklumpen von dem schlichten Holz und stellte sich breitbeinig ĂŒber den Sarg. Er griff nach der Schaufel, setzte sie als Brecheisen an und bog den Deckel auf. Das laute Knirschen und Reißen ließ einige Vögel aus ihrem Schlaf schrecken. Sie und anderes Getier entfachten einen empörten Chor aus Pfeifen, Jaulen und Grummeln. Ethan hielt die Luft an und starrte zum alten GebĂ€ude hinĂŒber. Einige Fenster, bestimmte GĂ€nge und das Treppenhaus, waren erleuchtet so wie zuvor, aber es rĂŒhrte sich sonst nichts. Er horchte, doch bis auf einige Tiere, die sich einen anderen Schlafplatz suchten, war nichts darunter, was auf die Anwesenheit anderer Personen schließen lies.
Die Schaufel legte er leise am Grubenrand ab und machte sich daran, den Deckel anzuheben. Er fluchte, als sich eine Wolke vor den Mond schob. So konnte er keine Konturen erkennen. Irgendwie sah das Innere des Sarges zu gleichförmig aus. Er packte sich die Taschenlampe und leuchtete in das Loch. Leer. In der Erwartung, seine tote Frau und vor allen Dingen an ihr irgendwelche Wunden oder Àhnliches zu entdecken, verschlug es ihm den Atem. Entsetzt richtete er die Lampe noch mal auf den Grabstein.
„Abigail Peabody“ flĂŒsterte er den Namen auf dem Stein, „verdammt, was soll das?“
Da fielen ihm das paar weiße Schuhe links vom Grabstein auf. Im selben Moment hörte er hinter sich „Guten Abend, Mr. Peabody. Ist es nicht zu anstrengend, auf seine alten Tage noch so tiefe Löcher zu graben?“ Er fuhr herum und leuchtete der Stimme ins Gesicht: Professor Lord stand in Trenchcoat, der den Arztkittel nur zum Teil verbarg, ĂŒber ihm. Daneben war der Pförtner, jetzt in Zivil. „Mr. Higgins?“ Der Professor sprach zu dem dritten Mann in den weißen Schuhen hinter ihm. Ethan wollte gerade ansetzen, Lord mit der Schaufel die Beine zu brechen, als er von einem Gegenstand hart am Hinterkopf getroffen wurde. Dunkelheit umfing seine Sinne. Er fiel vornĂŒber und nur um ein Haar wĂ€re er mit dem Gesicht auf dem Rand der Grube gelandet.
„Higgins. Beinahe hĂ€tten sie sein Gesicht verletzt. Sind sie noch bei Trost?“ Der Professor war außer sich. „Schafft ihn raus da. Und seid um Himmels Willen vorsichtig.“
Der Trenchcoat flatterte wie ein Segel hinter Christopher Lord, als er sich abwendete. Die kleinen Nebelschwaden, die ĂŒber den feuchten und warmen Boden krochen, machten wirbelnd Platz. Er war schon einige Schritte entfernt, als ihm noch was einfiel.
„Und schaufelt das verdammte Loch wieder zu. Noch so ein Vorfall und wir sind alle dran.“
Higgins und der Pförtner machten keine Anstalten, die Worte des Professors in Frage zu stellen. Sie wussten um ihr GlĂŒck, Ethan Peabody gerade noch erwischt zu haben.
Ethan blinzelte. Er sah nach oben, sah den Mond, der voll und leuchtend am Himmel stand. Er saß auf einer alten Bank aus dunkler Eiche. Die SitzflĂ€che war weich und warm. Ein angenehmes GefĂŒhl. Es war Nacht, wie spĂ€t, konnte er nur am Mond abschĂ€tzen. Es muss nach Mitternacht sein. Er versuchte, aufzustehen, als er bemerkte, das er sich nicht bewegen konnte. Seine Glieder und sein Leib waren schlaff. Er hatte das GefĂŒhl einer BetĂ€ubung wie in einem Alptraum, in dem man versucht, vor etwas zu fliehen, aber nicht kann. Ein Traum. Ist das hier ein Traum? Die Bank und das feuchte Gras unter seinen nackten Fußsohlen konnte er fĂŒhlen, also war er nicht gelĂ€hmt, nur irgendwie bewegungsunfĂ€hig. Ach ja, wo waren seine Schuhe? Er sah an sich hinab und stellte fest, das er vollkommen nackt, ungefesselt, bewegungsunfĂ€hig (bis auf den Kopf) auf einer Bank am Rande eines Sees saß.
Das musste ein Traum sein. Er schloss die Augen, versuchte seine Arme oder Beine zu bewegen. Es war genauso wie in diesen AlptrĂ€umen. Man hat das GefĂŒhl, unendlich langsam und völlig schutzlos ausgeliefert zu sein. Ok, ein Traum also. Aber wo war er? Er erkannte nichts an diesem Ort. Der See schlug kleine Wellen ĂŒber die Kieselsteine des Ufers. Sein linker Fuß wurde ab und zu von dem kalten Wasser an den Zehen berĂŒhrt. Es war durch und durch schwarz. Aber kein Wasser war schwarz. Das muss eine Vorstellung seines Gehirns sein. Was war das? Er bemerkte, wie sich von links leise etwas ĂŒber den See bewegte. Ein Schatten schob sich durch die Nebelschwaden, die ruhig, beleuchtet von diffusem Licht des Mondes, ĂŒber das Wasser zogen. Ein Schwan. Ein schwarzer Schwan. UnglĂ€ubig beobachtete Ethan das wunderschöne Tier. Er hatte gehört von schwarzen SchwĂ€nen, aber noch nie so ein Tier gesehen. Die Anmut des gebogenen Halses, das sanfte, gleichmĂ€ĂŸige Federkleid. Er verlor sich in der Schönheit des Tieres.
Von rechts kam ein weiterer schwarzer Schwan angeschwommen. Sie glitten sanft, ohne Eile, ĂŒber das Wasser auf ihn zu. Die Luft roch nach feuchtem, vollem Gras, vermischt mit dem Duft von verlorener Hoffnung. Ethan genoss den Traum und fĂŒrchtete ihn. Es fröstelte ihn und gleichzeitig war ihm warm. Verwirrte Sinne machten ihm Angst.
„Wir grĂŒĂŸen dich, alter Mann.“
Er registrierte erst ein paar Momente spÀter, das der Schwan zu seiner Linken zu ihm sprach.
„Du brauchst vor uns keine Angst zu haben. Mein Name ist Caree.“
„Und mein Name ist Curee. Auch ich grĂŒĂŸe dich“ sagte der andere, kohlschwarze Schwan. „Wir sind das Leben und der Tod. Du wirst dich entscheiden mĂŒssen. Aber bevor es so weit ist, möchte noch jemand mit dir sprechen.“
Ethan nahm es einfach so hin, das die SchwĂ€ne mit ihm sprachen. Der Nebel hinter den SchwĂ€nen teilte sich und ein kleines, uraltes Boot kam, leicht in SchrĂ€glage, langsam auf ihn zu. Er lĂ€chelte. Abigail saß darin. Sie hatte ein schwarzes, zerfetztes Kleid an, aber die weißen, langen, glatten Haare machten ihr Erscheinen so schön, wie er sie seit eh und je kannte.
„Abigail, wie schön dich zu sehen. Aber du bist doch tot?“
Sie sah in aus sanften, liebenden Augen an. Er wollte zu ihr gehen, doch sein Körper ließ ihn nicht. Langsam hatte er das GefĂŒhl, das dieser Traum nicht schön enden wĂŒrde. Das Boot stoppte, sie sah ihn unvermindert an, aber sagte kein Wort.
„Abigail,“ Ethan wurde unruhig, „sag doch was. Sag mir die Wahrheit, bist du tot?“
Sie nickte, langsam und scheinbar undeutlich, doch er sah in ihren Augen, das sie ihm zustimmte. Ihr zufriedener Blick machte ihm Angst.
„Und sag mir, wie bist du gestorben?“
Keine Reaktion. Ihre Augen begannen, zwischen den SchwÀnen hin und her zu wandern. Caree und Curee ergriffen das Wort.
„Vielleicht ist sie noch nicht so ganz tot?“
„Ja.“ Curee grinste!! „Vielleicht ist das Sterben Abigails noch nicht vorbei?“
Ethan wollte hoch. Mit schier unmenschlichen Anstrengungen gingen vereinzelt Zuckungen durch seinen Körper. TrÀnen schossen ihm aus den Augenwinkeln.
„Aber, aber, wir wollen doch nicht, das du deinem schönen Körper Schaden zufĂŒgst.“ Abigail sprach zu ihm, aber es war nicht ihre Stimme. Diese Worte kamen aus ihrem Mund, doch sie klangen wie ein Chor aus tiefen, toten MĂ€ulern. Mit jedem Wort fuhr ihm ein Stich, unendlich schmerzhaft, durch den Kopf. Ethan schrie auf.
„Hör auf, sag nichts mehr.“
Die SchwĂ€ne schlugen mit ihren FlĂŒgeln. Der Mond versank hinter einer Wolkenbank. Er sah bewegungsunfĂ€hig, wie der Person, die Abigail sein sollte, das Haar in feinen StrĂ€hnen vom Kopf fiel und wie Tang ĂŒber das Wasser davon trieb. Die Haut wurde durch den Wind der FlĂŒgel brĂŒchig und zerstaubte. Übrig blieb der kahle SchĂ€del, aus den Augenhöhlen waren kleine blaue FeuersĂ€ulen zu erkennen. Eine Knochenhand fuhr der Gestalt auf den RĂŒcken und zog eine Kapuze ĂŒber das Antlitz. Ethan konnte nur zusehen, nichts tun. Er wĂŒnschte sich, endlich aufwachen zu können. Er schloss die Augen, als die Gestalt mit der Knochenhand eine Bewegung machte. Tief in seinem Kopf hörte er wieder die Stimme.
„Ethan, ich weiß, das du dich fĂŒrchtest. Ich weiß, das du endlich erwachen möchtest. Ich kann dir den Wunsch erfĂŒllen. Möchtest du erwachen, so zeige auf Curee. Sie ist der Tod und ermöglicht dir ein Leben bis zu einem natĂŒrlichen Ende. Wenn du allerdings mit Abigail wieder vereint sein möchtest, dann richte deinen Kopf auf Caree. Er ist das Leben und du weißt, das Abigail nicht tot ist. Sie wartet auf dich, Ethan. Sie möchte mit dir das ewige Leben teilen.“
Ethan wand sich vor Schmerz und brĂŒllte „was soll das? Das ist ein Traum. Deine Versprechungen kannst du nicht halten. Abigail ist tot. Hier wie auch im wirklichen Leben. Lass mich zufrieden. Ich werde nichts dergleichen tun. Ich werde nicht zwischen Leben, der Tod verspricht, und Tod, der Leben verspricht, wĂ€hlen. Dazu kannst du mich nicht zwingen.“
„Ethan.“ Er riss die Augen auf. Der ganze See war von einem blauen, flammenden Licht erhellt. Die Stimme, die nach ihm rief, war wirklich Abigail. Er sah, wie die Gestalt auf dem Boot zur Seemitte deutete. Da stand sie. So wie er sie in Erinnerung hatte und zuletzt sah. In ihrer blauen Anstaltskluft stand sie auf einer kleinen Insel inmitten im See. Hinter ihr waren ganze Horden von menschlichen Statuen wirr angeordnet. Die blauen Flammen brachen sich in den feinen, fast bis zur Perfektion getriebenen Linien und Ausarbeitungen der Kunstwerke.
„Ethan.“ Ihre sanfte, liebliche Stimme war zuviel fĂŒr ihn. „Möchtest du nicht mit mir sein. Möchtest du nicht, das wir wieder vereint sind. Ethan, entscheide dich fĂŒr das Leben. Entscheide dich fĂŒr mich. FĂŒr unsssssss.“ Der Klang ihrer Worte verlor sich in der verdunkelnden Umgebung. Ein paar Augenblicke spĂ€ter war die Insel in Finsternis getaucht. Die Gestalt auf dem Boot stand auf, stieg in das seichte Wasser und kam auf ihn zu.
„Nun, Ethan, entscheide dich. Du hast sie gehört.“ Die Stimme war unendlich tief und langsam, wie aus dunklem, unergrĂŒndlichem Wahnsinn geboren. Die Gestalt stieg aus den Wogen des Sees. „Entscheide dich, Ethan, entscheide dich. WĂ€hle weise, fĂŒr oder gegen uns.“
Ethan deutete auf Caree. „Nun gut, eine weise Wahl“ sagte das Ding unter den schwarzen Lumpen und streckte Ethan eine Knochenhand entgegen. „Las uns nun rĂŒber gehen.“
Ethan Peabody durfte sich wieder bewegen und nahm die Hand der Gestalt. Sie war kalt und griff ihm fest um das Gelenk. Der Knochenmann fĂŒhrte den Alten auf das Boot und sie machten sich auf den Weg zu Abigail. Ethan war glĂŒcklich. Ein schöner Traum.
Christopher Lord öffnete das Fenster zu seinem BĂŒro und roch den Morgentau, dessen geschlossene feuchte Decke der Landschaft vor ihm ein glĂ€nzendes, von der aufgehenden Sonne gespeistes, Antlitz verlieh. Er warf einen Blick zum Friedhof. Seine Anweisungen wurden zu seiner Zufriedenheit ausgefĂŒhrt. Das Loch des irren Mr. Peabody war wieder geschlossen. Gut so. Niemand durfte hinter das Geheimnis der Anstalt kommen. Pech fĂŒr Peabody, gut fĂŒr Lord und alle anderen hier im Haus. Er sah auf die Wiese vor ihm und auf den kleinen See, ungefĂ€hr 150 Meter hinter dem altehrwĂŒrdigen Mooreland Sanatorium. Der See glitzerte trotz seines schwarzen Wasser wunderschön in der, ĂŒber die HĂŒgelkette, kriechenden Sonne. Die kleine Insel in der Mitte des Sees lag noch im Schatten, aber er konnte deutlich die vielen Statuen auf dem Eiland erkennen. Zum GlĂŒck musste er nicht in ihre Augen schauen. Zwischen den Gebilden wanderte eine Gestalt hin und her. Mal drehte sie eine der Statuen, arrangierte ganze Gruppen um, trug eine von hier nach dort, stemmte die knochigen Arme in den schwarzen Umhang und kratzte sich an der Kapuze. Lord hatte das GefĂŒhl, das Wesen sei zu beschĂ€ftigt, um zu spĂŒren, das er sie bei ihrem seltsamen Treiben auf der kleinen Insel beobachtete. Plötzlich drehte sich die Gestalt zu ihm und winkte ihm zu. Er erstarrte, in seinem Kopf hörte er die Nadeln der Stimme des Wesens um sich stechend kreischen: „Guten Tag, Mr. Lord, wie wĂ€re es, wenn ich, sagen wir mal, in drei Tagen spĂ€testensssss,“ Lord musste sich am Fenstersims festhalten, um von der Stimme nicht umgerissen zu werden, „meiner kleinen Sammlung hier eine neue Errungenschaft hinzufĂŒgen könnte. Wie wĂ€re es diesmal mit IHNEN.“ Lord schrie auf. „Nein? Nun, dann bin ich gespannt, welch schönes Exemplar ich diesmal auf der Eichenbank vorfinden werde. Unversehrrrrt!!“
Die Stimme lies ihn los, zusammenbrechen. Die Gestalt machte sich wieder daran, seine Sammlung zu begutachten. Der Professor wĂŒrde sich erholen und ihm ein weiteres, hĂŒbsches Exemplar liefern. Die Gestalt war zufrieden. Sie liebte diese Sammlung, aber was war das? Oh je, eine seiner Figuren stand im falschen Licht. Nicht schön, nicht schön.
Die Gestalt drehte die Statue in die Sonne.
Die Augen der Statue blinzelten und warfen einen verÀngstigten, wirren Blick um sich.
„Oh, gut,“ sagte die Gestalt „willkommen in meiner Sammlung, Mr. Peabody. Wie ihnen sicher auffĂ€llt, sind sie noch am Leben und durch die Gegebenheit, das sie sich nicht mehr bewegen können, werden wir zusammen eine schöne lange Zeit miteinander verbringen. Jaaaa, endlossssss sogarrrrrr.“
Ethans Augen waren starr aufgerissen. Er begriff. Der Traum war vorbei. War es ein Traum?
Im Augenwinkel konnte er eine weitere Statue mit weinenden Augen erkennen.
Abigail.
Sie waren wieder vereint.
FĂŒr immer und ewig.

__________________
Ch. Ertl

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