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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Die Schlägerei
Eingestellt am 22. 04. 2010 12:56


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pspleen
Schriftsteller-Lehrling
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Dienstag, 16. Oktober 2010

Die Schlägerei

Als die Gruppe mir im Fußgängertunnel entgegenkam, wusste ich, dass es Ärger geben würde. Ich wechselte auf die andere Seite, hoffend, dass sie mich in Ruhe lassen würden. Aber sie waren offensichtlich nicht bereit, sich ihren „Spaß“ entgehen zu lassen. Es waren sieben, ein Vorteil, denn sie würden sich im engen Tunnel gegenseitig behindern. Ich sackte zusammen und wurde zu einem hilflosen, verängstigten alten Mann, der kaum seine Reisetasche tragen konnte.

Der kleinste der Bande mimte den Betrunkenen, torkelte mir in die Arme und kippte Bier aus seiner Dose über meine Jacke. Er packte mich an der Jacke und die anderen grölten und schrien durcheinander: „Hey - er hat ihn geschlagen!“, rief einer und die anderen bildeten drohend einen Kreis, um mich treten und prügeln zu können. Den Anführer hatte ich schon von weitem erkannt; er war nicht der größte und stärkste und hielt sich etwas im Hintergrund.

Ich hielt mich an dem Kleinen fest und sackte zusammen, als hätte ich einen Schwächeanfall. Jetzt drehte ich mich seitlich neben ihn, benutzte ihn als Stütze und machte eine tiefe Verbeugung. Dabei riss ich das rechte Bein schräg nach oben und trat mit aller Kraft zu. Es knackte, als mein Schuh den Anführer mitten im Gesicht traf. Er brach zusammen wie ein vom Blitz getroffener Baum, ohne einen Laut.

Ich ließ ihnen keine Zeit, sich von dem Schock zu erholen. Dem Kleinen in meinen Armen verpasste ich einen brutalen Kopfstoß auf die Nase. Er riss aufheulend die Hände vors Gesicht und taumelte von mir weg. Mit einer schnellen Drehung trat ich dem Typen neben ihm, der mich ungläubig anstarrte, mit voller Wucht zwischen die Beine, so dass auch er beschäftigt war und sich vor Schmerzen krümmte.

Ich hatte gehofft, dass sie genügend erschreckt waren und mich laufen ließen. Die Unversehrten zogen sich zögernd zurück. Aber einer trat mir mit finsterer Entschlossenheit in den Weg. Die Art, wie er das Messer hielt, zeigte mir, dass er damit auch umgehen konnte. Er tänzelte vor mir mit einem siegessicheren Grinsen im Gesicht und ließ das Messer zwischen seinen Händen tanzen.

Ich seufzte, fiel wieder zum alten Mann in mich zusammen. Als er zustieß, drehte ich mich in ihn hinein, schob meinen Arm unter seine Achsel und nutzte seinen Schwung. Er schrie auf und das Messer klirrte auf den Boden. Ich hatte ihm die Schulter ausgekugelt.

Jetzt griff ich meine Tasche, wischte mir das Bier von der Jacke und ging brummend weiter:
„Müsst doch nicht alte Leute schikanieren – oder?“ Knurrte ich in schönstem Schwyzerdütsch.



__________________
Peter Milz

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ENachtigall
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Hallo Peter,

willkommen in der Leselupe und bitte nicht wundern, dass der Einstiegstext im literarischen Tagebuch gelandet ist.

Ich habe ihn "adoptiert". Der Text ist gut geschrieben. Er hat einen unerwarteten Handlungsverlauf. Als quasi persönliches Zeugnis einer ungewöhnlichen Alltagssituation eines Zeitgenossen erachte ich ihn als gelungen.

Vielleicht bereicherte ihn die eine oder andere Beschreibung von Gefühlen oder Gedanken des Protagonisten, der seltsam selbstverständlich (fast routiniert) mit der Situation umzugehen scheint. Das nimmt dem Text etwas an Glaubwürdigkeit.

Grüße von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Estrella fugaz
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Hallo Peter,

leider habe ich deinen Text erst jetzt gesehen. Du beschreibst die Situation sehr realistisch. Genau das passiert tagtäglich. Immer wieder sind die Medien voll davon. Es gefällt mir sehr, wie der Protagonist sich zur Wehr setzt und nicht als Opfer endet. Ich habe - wie beim Fußball schauen - mit zugetreten. War erstaunt, was für eine Reaktion deine Geschichte bei mir auslöste. Ja, ich war mitten drin im Geschehen. Gut geschrieben!

Lieben Gruß,
Estrella
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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