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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Schlangenfrau
Eingestellt am 15. 12. 2011 13:49


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vimana
AutorenanwÀrter
Registriert: Apr 2011

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Die Schlangenfrau von Wendel SchÀfer

Es war ein leidvoller Weg der kleinen Bo bis zur großen Belboa, der Schlangenfrau. Ein ĂŒberharter Vater quĂ€lte sie schon frĂŒh zu grotesken Verrenkungen, wie sie die kleinen TurnmĂ€dchen verbiegen in der Gier nach Gold und Geld. Am Ende konnte die junge Frau sich so geschmeidig bewegen, dass sie zur Attraktion der VarietĂ©s rund um den Globus wurde. Frauen beneideten sie, MĂ€nner begehrten ihren Leib, wieder andere schĂŒttelten den Kopf.
Belboa, wie sie sich nur noch nennen wollte, lockte Tausende auf den Plakaten in enger Schlangenhaut. Zu ihrer Besonderheit gehörte es, sich kopfĂŒber nur mit Zehen oder Fersen haltend durch ein Gewirr von Seilen und Lianen zu drehen und zu winden. MĂŒhelos wieder nach oben, nur mit zwei Fingern, um erneut nach der Art des Reptils herabzugleiten. Höhepunkt dann immer die Schlangennummer: Boa, die Riesenschlange. Ein drahtiger Artist hielt sich an einem Trapez, und Belboa glitt unter betörenden FlötenklĂ€ngen an seinem fast nackten, ölglĂ€nzenden Körper auf und ab. Dabei bezĂŒngelte sie ihn, als wollte sie ihr Opfer vor dem Verschlingen einspeicheln. Das Publikum raste und forderte Zugaben. Die gab es dann regelmĂ€ĂŸig nach der zweiten Pause. Nun erschien die Schlangenfrau in ihrem LieblingskostĂŒm: Schwarzer Python. Über die Haare hatte sie eine Kapuze gezogen mit draufgestecktem Schlangenkopf. Aus dem Schlund hing eine lange, gespaltene Zunge. In das KostĂŒm waren hellgrĂŒne MetallblĂ€ttchen genĂ€ht. Fluoreszierende Schuppen. Sie blitzten bei den Bewegungen im grellen Licht der Scheinwerfer.

Die KĂŒnstlerin bewohnte eine weitlĂ€ufige Gartenanlage aus GewĂ€chshĂ€usern und Glaspavillons. Wenn es die Auftritte zuließen, verschwand sie in ihrem grĂŒnen Paradies und erholte sich von den Strapazen ihrer Tourneen.
Belboa hatte viele Verehrer. Mit drei MĂ€nnern war sie verheiratet. Die Gatten verschwanden alle drei nach kurzer Zeit. Hatten sich aus dem Staub gemacht. Hieß es. Den einen ekelte es vor den, langen, dicken, nackten WĂŒrmern‘, der andere mochte den ,faulen Urwaldmief‘ nicht ertragen. Der Dritte mied den stummen Diener, den ,wirr gestikulierenden RattenfĂ€nger‘.
FĂŒr Belboa keine Verluste. War sie mit der Zeit doch am liebsten allein. Und hatte sie drei Vermögen geschickt an sich gebracht.

Eine Unaufmerksamkeit beendete rasch ihre Karriere. Die linke HĂŒfte ist nach dem Sturz steif geblieben. Das Publikum verzichtete auf ungelenke Bewegungen mit schmerzverzerrter Miene. Belboa zog sich nun ganz zurĂŒck. Es hieß nur, die Schlangenfrau ist menschenscheu geworden. TatsĂ€chlich verkroch sie sich ins Labyrinth ihrer tropischen GewĂ€chshĂ€user. Sie gab ihr ganzes Vermögen in diese Anlage, gut verborgen vor einer Felswand, zwischen BĂ€umen und aufgeschĂŒtteten HĂŒgeln. Tiefer und halb im Berg schon war eine Grotte angelegt. Von den Felsen herab quoll Wasser, und tropisches Gehölz tĂŒrmte sich hoch in die Glasgewölbe. Ihr stummer Diener, ein Mitbringsel aus einem aufgelösten Kleinzirkus, tat alles, was ihm die Herrin auftrug und versorgte sie mit dem Nötigsten. Auch gaben die TreibhĂ€user ĂŒppige Kost und nahrhafte FrĂŒchte.
Die Bo, wie nur wenige sich noch erinnerten, wurde nicht mehr gesehen. Nie verließ sie ihr Paradies. Papageien und Sittiche lĂ€rmten zwischen Palmen und Bananenstauden. Schildkröten bevölkerten die Teiche, handgroße Falter umflatterten Mondkakteen, Kolibris saugten die SĂŒĂŸe der BlĂŒten, Echsen huschten ĂŒber Wege und Steinformationen, Libellen schwirrten ĂŒber weiße und rote Fische, die trĂ€ge ihre Bahnen durch weitverzweigte WasserlĂ€ufe zogen.

Und natĂŒrlich Schlangen. Aber nur die großen, krĂ€ftigen WĂŒrger: Anakonda, Boa und Python. Favoritinnen, Freundinnen am Ende. Sie hingen fast unsichtbar und meist reglos zwischen Riesenfarnen, Lianen und Efeuranken oder schoben sich ĂŒber verfaulte StĂŒmpfe und warteten unter feuchtem Laub.

Der stumme Diener hatte zwei Kammern ganz hinten in der halb dunklen, streng verriegelten Grotte. Dort zĂŒchtete er Kaninchen und Ratten. Bo empfand grĂ¶ĂŸtes VergnĂŒgen, wenn sie kopfĂŒber neben ihren Schlangen zwischen BlĂ€ttern und Lianen, Stricken und Schlingen hĂ€ngen konnte. An den FĂŒĂŸen festgebunden jetzt. DafĂŒr bemĂŒhte der Diener eine hohe Stehleiter. Die Schlangenfrau schloss dann die Augen und sah Plakate und Scheinwerferlicht, spĂŒrte den glatten, athletischen Körper, streichelte ihre Schlangenhaut, hörte Flöten, Applaus, PlĂ€tschern und lĂ€rmende Vögel und genoss den herben Duft des Urwaldes. Stundenlang konnte sie so hĂ€ngen und trĂ€umen. Bis der Diener sie wieder losmachte und ihr auf den Boden half. Der grinste breit, wenn er seiner Herrin wieder aus dem viel zu engen KostĂŒm half und sah sich vor, denn er traute den Schlangen nicht.

Einmal vergaß der Stumme, die GlastĂŒr sorgsam zu schließen. Eine Python konnte entweichen und versteckte sich zwischen aufgeschichtetem Holz und dem HĂŒhnerstall eines nahen Gehöftes. Es stand sofort fest: ‚Die stammt aus dem Dschungel der komischen Bo.‘
Man fand die Gartenanlage verschlossen. Es half kein RĂŒtteln und Rufen. Nach Tagen endlich entschloss man sich, gewaltsam vorzugehen. Neben Polizei und Ordnungsbeamten waren auch FachkrĂ€fte vom stĂ€dtischen Zoo und botanischen Garten dabei. Das brachiale Eindringen ließ einige Glaskonstruktionen zusammenstĂŒrzen. BlĂ€tter wurden gequetscht, BlĂŒten abgeknickt, StĂ€ngel gebrochen und Anlagen zertrampelt. Beim Betreten der hinteren Pavillons kam den Eindringlingen ein dumpfer Geruch aus Erde, Moder und allerlei Abgestorbenem entgegen. Die Schlangen und das andere Getier wurden fachkundig eingesammelt und weggebracht. Als sie sich der Grotte nĂ€herten, stach ihnen ein unertrĂ€glicher Gestank in die Nasen. Es roch nach Verwesung. An Palmen, in PlastiksĂ€cken mit Hautfetzen der WĂŒrger ĂŒberzogen, hingen wie Schmetterlingspuppen drei Leichen. Ihre MĂ€nner, wie die Gerichtsmedizin spĂ€ter herausfand. Und noch weiter hinten an einem Riesenfarn die Bo, Belboa, die Schlangenfrau. Noch warm und biegsam mit dem Kopf nach unten, eine feste Schlinge um den Hals gezogen. In ihrem Lieblingsgewand: Schwarzer Python. Und im Licht der Stablampen blitzten eingenĂ€hte Metallschuppen.
In einem Erdloch entdeckten sie noch einen verwirrten, stummen Mann mitten unter Kaninchen und Ratten.

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo vimana,

an und fĂŒr sich eine (gut formulierte) Geschichte mit entwicklungsfĂ€higem Inhalt. GrundsĂ€tzlich interessiert mich der Plot um die Schlangenfrau sehr, aber er ist m.M.n. nicht genĂŒgend ausgebaut und mangelhaft in der HandlungsbegrĂŒndung.

Warum hat sie ihre 3 MĂ€nner entsorgt?

Diese Antwort bleibt offen, obwohl sie elementare Triebkraft deiner Prot. ist (wÀre).
Ebenso ihr spontanes Ableben, welches Eigeninitiative aufzeigt, aber keine Ursachenforschung.
Ihr innerer Konflikt, der alles erklÀren könnte, fehlt vollends, und deswegen bleibe ich als Leser auch "im Regen stehen" und bin im nachhinein frustriert - alles hat so spannend angefangen ...

Ein paar Fragen:

quote:
... wie sie die kleinen TurnmÀdchen verbiegen in der Gier nach Gold und Geld.

Die kleinen TurnmĂ€dchen lechzen sicher nicht nach Gold und Geld. Die wollen höchstens den Eltern gefallen (oder gefallen mĂŒssen). Die kennen noch nicht die Bedeutung von Gold oder Geld.

quote:
Belboa, wie sie sich nur noch nennen wollte, lockte Tausende auf den Plakaten in enger Schlangenhaut.

Wollte sie sich nennen, oder hat sie es tatsÀchlich getan? Vielleicht sowas wie: Belboa nannte sie sich auf zahlreichen Plakaten mit ihrem Konterfeit und Körper in eng umschlungener Schlangenhaut ...

Weitere Ideen:
Zu ihrer Besonderheit gehörte es, sich kopfĂŒber nur mit Zehen oder Fersen haltend durch ein Gewirr von Seilen und Lianen zu drehen und zu winden. MĂŒhelos wieder nach oben, nur mit zwei Fingern, um erneut nach der Art des wie ein Reptils herabzugleiten.

So, erst mal Schluss, da ich nicht weiß, ob dir diese Art Kritik angenehm ist. Auf Wunsch gern mehr!

LG kageb

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