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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Schönheit des Seins [Teil 2]
Eingestellt am 22. 08. 2016 02:20


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Pablo Sanchez
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Strahlendes Blau in getupftem Weiß, endlose Tage und träges Treiben, drückende Hitze und brennende Leidenschaft der Herzen - das ist er, unser Bilderbuchsommer. Spürst du ihn, wenn du selbst im Urlaub nicht loslassen kannst, mein Freund?

Herr A öffnete die Augen. Gleißendes Sonnenlicht malte seine Welt in stechendem Weiß; gackernde Tauben und schrille Stimmen von spielenden Kindern bohrten sich in seine Ohren wie rostige Nadeln in frisches Fleisch. Orientierungslos blinzelte er. Er lag quer auf einer alten Holzbank, deren grüner Lack an vielen Stellen abblätterte. Und die Welt um ihn herum kippte; sie kippte, doch seltsamerweise fiel niemand in das unendliche Nichts zwischen blauem Himmel und grüner Wiese. Menschen und Tiere trippelten munter auf und ab wie Spinnen an der Wand. Er seufzte. Sein Rücken schmerzte und das Gesicht glühte sonnenverbrannt. Die völlige Windstille wirkte auf ihn beinahe bedrohlich.
Mühsam, unter großer Anstrengung erhob sich Herr A. Alles drehte sich sofort um neunzig Grad - ein kurzer Abschied von der Querwelt und schon hieß es: guten Tag, geliebte Realität. Noch begriff er sie nicht in all ihrer Pracht - ihrer schrecklichen Freude und wunderbaren Trauer. Sein Verstand lief auf Sparflamme. Die Gehirnzellen machten gerade Urlaub an der Karibikküste, schlürften süß saftige Cocktails mit Hütchen auf ganz gemütlichen Liegestühlen am weitläufig weißen Sandstrand; überm Horizont einzig das weiche Blau des Ozeanhimmels.
Herr A lächelte. Irgendwo bellten irgendwelche Hunde von irgendwem lauthals; ein Moderator kündigte die neuste Attraktion des Parks mit der Art gehetzter Fröhlichkeit an, die nur einen Schluss zuließ: Sein letzter Schnee war vor wenigen Minuten gefallen. Doch all das störte Herr A hier und heute nicht. Zu träge und matt war er in Anbetracht dieser schwülen Hitze.
»Ein Königreich für Wasser«, entwich es seiner trockenen Kehle.
Sofort kam die Antwort:
»Hier bitte. Ein Wasser mit extra Sodiumkalifatisultanat aus dem friedlich-fröhlichen Syrien. Wissenschaftlichen Studien zufolge hundert Prozent gesünder als herkömmliche Soft-Drinks wie Cola oder Eistee. Nehmen sie, trinken sie!«
Völlig perplex drehte Herr sich um. Ihm blieb kaum die Zeit, das Gesicht der jungen Frau zu studieren, schon drückte sie ihm die Flasche in die Hand.
»Äh, ja danke...«, erwiderte er mit einem halbherzig verwirrten Lächeln.
Da saßen sie nun - er mit der Flasche, sie unentwegt lächelnd - ohne weitere Worte zu wechseln; ein eingefrorener Moment, eine gesprungene Schallplatte, ein zu langsam ladendes Video im Internet. Drückende Stille gesellte sich zur drückenden Hitze. Hastig nahm er einen tiefen Schluck und sah auf. Noch immer saß die dort, hier neben ihm, lächelnd und nichtssagend. Verstört nahm er einen weiteren Schluck und betrachtete alsbald die seltsame Flasche genauer. Rot war sie, rot und grün und blau, gelbe und weiße, nein graue Punkte hatte sie. Kurz gesagt: sie war bestialisch bunt.
Zögerlich sprach er: »Eine schöne Flasche ist das...dieses Sodikalidings schmeckt wirklich erfrischend...äh, denke ich.«
Er lachte nervös.
»Haben sie weitere Wünsche, Anregungen, oder Kommentare? Möchten sie mehr erfahren und über unsere Angebote stets auf dem laufenden gehalten werden?! Installieren sie doch gleich unsere kostenlose "Happydrink-App", erhältlich für alle Plattformen - eine Innovation von "Pure Oil lmt. inc.", oder einfach: "Poli"!«
Die Geschwindigkeit, mit der ihr jene Worte in herzlich höflichem Befehlston über die Lippen galoppierten, schüchterte ihn ein.
»Ich äh, tja besitze leider kein Smartphone. Es tut mir leid.«
Sofort wurde ihre Miene hart und das ewige Lächeln gefror. Hysterisch entgegnete sie:
»Kein Smartphone?! Das ist doch ein Witz. Das muss doch ein Witz sein. Sagen Sie, dass das nur ein Witz war. Sagen Sie es!«
Er schüttelte demütig den Kopf. Fassungslos fügte sie hinzu:
»Wirklich, wie können Sie denn überhaupt leben?!«
Wütend sprang sie auf, entriss ihm die Flasche und rannte wild gestikulierend davon.
Herr A brauchte selbst einen Moment um sich zu beruhigen. Er begriff nicht, was gerade passiert war; wieder und wieder spulte er die Szene vor seinem inneren Auge ab. Es war als sähe er etwas Fremdes, einen schlechten Horrorfilm mit billiger-, oder besser: günstiger Gesellschaftskritik. Resigniert erhob er sich und ging von dannen. Aus der Ferne ereilte ihn die Stimme des Moderators in Fetzen: »Jetzt...noch besser...zwei für...kostenlose App...Welt...
kleines...verbessern.«
Niedergeschlagen wanderte er eine Seitenstraße entlang und zählte gesenkten Hauptes die Steine am Boden.
»Einzig sie währen ewig...«, murmelte er geistesabwesend - versunken in Erinnerungen an vergangene Kinder- und Jugendtage. Eine einsame Träne rann sein Gesicht herab, floss flüchtig über Wange und Kinn hinweg zum Abhang - bereit zum Absprung in die Ungewissheit. Die Welt drehte sich schnell, immer schneller im freien Fall; dann kam das Ende: ein plötzlicher Platscher.
Erneut hatte Herr R ihn eingeholt.
Herr A blieb nichts anderes übrig, als weiter vorwärts zu vergehen, während seine Träne im warmen Licht des Sommers versiegte.

Schließe deine Augen, mein Freund und erinnere dich: Das Leben ist ein unerbittlicher Strom, der dich mitreißt, aus dem es kein Entrinnen gibt, kein Innehalten, kein Zurückdrehen. Wer nicht mit ihm schwimmt, ertrinkt in seiner unermesslichen Tiefe - verloren und allein. Denn ein begradigter Fluss ist frei von Seitenarmen.

[Anmerkung: diese Kurzgeschichte versteht sich als Fortsetzung im Geiste; inhaltliche und ausdrückliche Ähnlichkeit zum ersten Teil existiert nur in Ansätzen]


Version vom 22. 08. 2016 02:20
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Languedoc
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Hallo Pablo Sanchez,

Ich merke, du möchtest in Deinem Text ein Anliegen mit möglichst gewählten Worten ausdrücken, aber, sei mir nicht böse, Deine Arbeit finde ich wenig geglückt. Der Stil ist derart daneben, dass mir als Leser die Lust vergeht, mich dem Inhalt des Stückes auch nur anzunähern.

Am unangenehmsten stechen mir die zahlreichen und ungeschickt gewählten Adjektive ins Auge. Um die Geschichte vielleicht doch in den Griff zu kriegen, erlaube ich mir, an dem Text eine Beinahe-Totalamputation vorzunehmen, und 95 % der Adjektive und Adverbien herauszustreichen - was bleibt übrig?

Zunächst mal sind von den ca. 5.600 Anschlägen nur mehr ca. 4.700 Anschläge vorhanden, das ist eine Kürzung um ca. 16 Prozent. (Bei der Gelegenheit korrigiere ich die Fehler, die mir im Schnelldurchgang auffallen, und setze dem Auge zuliebe ein paar Absätze).

Sodann haben wir ein Satzgerüst, das die Frage aufwirft, ob es sich lohnt, auf dieser Basis die Geschichte auszuschmücken und anschaulich zu gestalten. Aber lies selbst:


"Blau in Weiß, Tage und Treiben, Hitze und Leidenschaft der Herzen - das ist er, unser Bilderbuchsommer. Spürst du ihn, wenn du selbst im Urlaub nicht loslassen kannst, mein Freund?
Herr A (schöner wär's, Herr A hätte einen "richtigen" Namen) öffnete die Augen. Sonnenlicht malte seine Welt in Weiß; Tauben und Stimmen von Kindern bohrten sich in seine Ohren wie Nadeln in Fleisch. [Er] blinzelte. Er lag quer auf einer Holzbank, deren Lack an vielen Stellen abblätterte. Und die Welt um ihn herum kippte; sie kippte, doch fiel niemand in das Nichts zwischen Himmel und Wiese. Menschen und Tiere trippelten auf und ab wie Spinnen an der Wand.
Er seufzte. Sein Rücken schmerzte und das Gesicht glühte. Weder ein Lüftchen noch eine Briese kühlten seinen Körper. Jene Windstille wirkte auf ihn bedrohlich.
[Herr A.] erhob sich. Alles drehte sich um neunzig Grad - ein Abschied von der Querwelt und schon hieß es: guten Tag, Realität. Noch begriff er sie nicht in ihrer Pracht - ihrer Freude und Trauer. Sein Verstand lief auf Sparflamme. Die Gehirnzellen machten Urlaub an der Karibikküste, schlürften Cocktails mit Hütchen auf Liegestühlen am Sandstrand; überm Horizont einzig das Blau des Ozeanhimmels.
Herr A. lächelte. Irgendwo bellten irgendwelche Hunde von irgendwem; ein Moderator kündigte die Attraktion des Parks mit der Art [von] Fröhlichkeit an, die nur einen Schluss zuließ: sein (Sein) letzter Schnee (?)war vor wenigen Minuten gefallen. Doch die Geräusche und Eindrücke störten Herrn A. hier und heute nicht. Zu träge und matt war er im Angesicht (in Anbetracht?)dieser Hitze. »Ein Königreich für Wasser«, entwich es seiner Kehle.
Augenblicklich kam die Antwort: »Hier bitte. Ein Wasser mit extra Sodiumkalifatisultanat aus Syrien. Wissenschaftlichen Studien zufolge hundert Prozent gesünder als herkömmliche Soft-Drinks wie Cola oder Eistee. Nehmen sie, trinken sie!«
[Herr A.] drehte sich um. Ihm blieb kaum die Zeit, das Gesicht der Frau zu studieren, schon drückte sie ihm die Flasche in die Hand.
»Äh, ja danke...«, erwiderte er mit einem Lächeln. Da saßen sie nun - er mit der Flasche, sie lächelnd - ohne weitere Worte zu wechseln; ein eingefrorener Moment, eine gesprungene Schallplatte, ein zu langsam ladendes Video im Internet (hier habe ich die Adjektive belassen). Stille gesellte sich zur Hitze.
[Er] nahm einen Schluck und sah auf. Noch immer saß die dort, hier (was nun, hier oder dort?) neben ihm, lächelnd und nichtssagend (nichts sagend?). [Er] nahm einen weiteren Schluck und betrachtete alsbald die Flasche genauer. Rot war sie, rot und grün und blau, gelbe und weiße, nein graue Punkte hatte sie (okay, ohne die Farbe geht es hier nicht). Kurz gesagt: sie war bunt.
[Er] sprach: »Eine schöne Flasche ist das...dieses Sodikalidings schmeckt erfrischend...äh, denke ich.« Er lachte.
»Haben sie weitere Wünsche, Anregungen, oder Kommentare? Möchten sie mehr erfahren und über unsere Angebote stets auf dem laufenden gehalten werden?! Installieren sie unsere „Happydrink-App“, erhältlich für alle Plattformen - eine Innovation von „Pure Oil lmt. inc. (wohl: Ltd. Inc.)“, oder einfach: „Poli“!«
Die Geschwindigkeit, mit der ihr jene Worte in Befehlston über die Lippen galoppierten, schüchterten ihn ein. »Ich, äh, tja, besitze kein Smartphone. Es tut mir leid.«
Sofort wurde ihre Miene hart und das Lächeln gefror. [Sie] entgegnete: »Kein Smartphone?! Das ist doch ein Witz. Das muss doch ein Witz sein. Sagen sie (Sie), dass das nur ein Witz war. Sagen sie (Sie) es!«
Er schüttelte den Kopf.
[Sie] fügte hinzu: »Wirklich, wie können sie (Sie) leben?!« [Sie] sprang auf, entriss ihm die Flasche und rannte davon. Herr A. brauchte selbst einen Moment, um sich zu beruhigen. Er begriff nicht, was passiert war; wieder und wieder spulte er die Szene vor seinem inneren Auge ab. Es war als sähe er etwas Fremdes, einen Horrorfilm mit Gesellschaftskritik.
[Er] erhob er sich und ging von dannen. Aus der Ferne ereilte ihn die Stimme des Moderators in Fetzen (der arme Moderator! in Fetzen!!): »Jetzt...noch besser...zwei für...kostenlose App...Welt...kleines... (das Satzzeichen ... verlangt nach einem Leerzeichen davor und danach)verbessern.« [Er] wanderte eine Seitenstraße entlang und zählte die Steine am Boden. »Einzig sie währen ewig...«, murmelte er - versunken in Erinnerungen an Kinder- und Jugendtage.
Eine Träne rann sein Gesicht herab, floss über Wange und Kinn hinweg zum Abhang (welcher Abhang?) - bereit zum Absprung in die Ungewissheit. Die Welt drehte sich schnell, immer schneller im freien Fall; dann kam das Ende: ein Platscher.
Erneut hatte Herr R. (wer ist das?) ihn eingeholt. Herr A. blieb nichts anderes übrig, als weiter vorwärts zu vergehen (wohl: gehen), während seine Träne im Licht des Sommers versiegte.
Schließe deine Augen, mein Freund und erinnere dich: das (Das) Leben ist ein Strom, der dich mitreißt, aus dem es kein Entrinnen gibt, kein Innehalten, kein Zurückdrehen. Wer nicht mit ihm schwimmt, ertrinkt in seiner Tiefe - verloren und allein.
Denn ein begradigter Fluss ist frei von Seitenarmen."



Entschuldige meine Strenge, aber das Experiment hat mich gereizt. Vielleicht ist es der Sache sogar dienlich.

Freundliche Grüße von
Languedoc

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Pablo Sanchez
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Hallo Languedoc,

erst einmal danke für dein umfangreiches Feedback. Die orthografischen und grammatikalischen Fehler habe ich nun beseitigt. Es ist schade, aber nicht unerwartet das dir der Stil missfällt, denn ein literarischer Text wird niemals jedem Leser gefallen. Dafür sind die Geschmäcker und vor allem auch Eindrücke zu verschieden. Beginnen tut es bereits mit der äußeren Wahrnehmung. Dies werde ich hier kurz verdeutlichen:

Blau in Weiß, Tage und Treiben
Offensichtlich nimmst du deine Umgebung weniger detailliert bzw. stärker fokussiert auf einzelne Aspekte wahr. Aus diesem Grund ist es wenig verwunderlich, dass dir die folgende Wortgruppe übertrieben und blumig vorkommt.

Strahlendes Blau in getupftem Weiß
Nähme ich meine Umwelt nicht derart wahr, gäbe es keinen Grund sie so zu beschreiben. Abgesehen davon muss die Wahrnehmung des Autors natürlich nicht der des Erzählers entsprechen.

Nimm es mir nicht böse, aber ich kann die Welt nicht aus deinen Augen sehen. Den Stil zu verändern, bedeute in jenem Fall mich selbst zu verleugnen.

Gruß
Pablo

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Languedoc
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Hallo Pablo Sanchez,

Mit dem brutalen Rauswurf der Adjektive/Adverbien wollte ich keineswegs sagen, (D)ein Text käme gänzlich ohne diese Wortarten aus; sondern ihr gelungener Einsatz ist mein Anliegen. Sie sind ein mächtiges Gestaltungsmittel, und genau gewählt und geschickt gefügt könnten sie tatsächlich einen Text "literarisch" aufwerten. Ich hoffe, mein radikaler Eingriff in Dein Werk wurde in diesem Sinne aufgefasst.

Natürlich ist ein Stil auch Geschmacksache, aber eben nicht nur.

Hauptsache, der Autor hat Freude am Schaffen. Wer aus innerem Drang schreibt, wird auch seine persönliche Ausdrucksform entwickeln.

Viel Glück!

Languedoc

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Pablo Sanchez
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Hallo Languedoc,

du schriebst von einem gelungenen Einsatz der Adjektive/Adverbien. Die kritischen Stellen des Textes werde ich daher hier nochmal beleuchten:

Weder ein laues Lüftchen noch eine angenehme Brise kühlte seinen verschwitzten Körper.
Dieser Satz war mir schon länger ein Dorn im Auge, denn er liest sich eher schlecht. Änderung folgt.

Gleißendes Sonnenlicht malte seine Welt in stechendem Weiß;
"Gleißend" und "stechend" unterstützen hier die Aussage sinnvoll. Er ist gerade aufgewacht, orientierungslos und fühlt sich nicht gut.

Behäbig, mühsam erhob sich Herr A.
Hier gäbe es die Alternative "behäbig und mühsam...". Allerdings möchte ich an dieser Stelle den Lesefluss drosseln um ein kurzes Innehalten vor dem Hauptteil der Geschichte zu ermöglichen.

...in all ihrer Pracht - ihrer schrecklichen Freude und wunderbaren Trauer
Simpel: Die Welt/das Leben ist voller Paradoxa, genau wie jener Satz.

...Urlaub an der Karibikküste, schlürften süß saftige Cocktails mit Hütchen auf ganz gemütlichen Liegestühlen am weitläufig weißen Sandstrand;
Eine absurde Vorstellung - der Erzähler spottet hier über die clichéhafte Szene und untermahlt dies mithilfe der Adjektive bzw. dem Adverb.

Doch die wirren Geräusche und bunten Eindrücke...
Das ist in dieser Form ein unnötiger Satz. Änderung folgt.

...aus dem friedlich-fröhlichen Syrien...
Die Adjektive untermahlen wie realitätsfern ihr Monolog ist. Zudem erlaubt sich der Erzähler einen Seitenhieb gegen die moderne Konsumgesellschaft.

Drückende Stille gesellte sich zur drückenden Hitze.
Redundanz nutze ich hier als Stilmittel um das unangenehme/seltsame der Situation zu betonen.

;sie war bestialisch bunt.
Es gibt bunte Dinge und es gibt Dinge deren bunt "sein" einen förmlich anspringt. Die Flasche gehört zur letzteren Kategorie. Knallbunt wäre eine Alternative gewesen; ist aber ein wenig origineller Klassiker.

Enttäuscht, entrüstet und empört entgegnete sie: ...
Sie ist durchaus enttäuscht und entrüstet. Aber beide Worte treffen nicht wirklich den Ton ihrer folgenden Aussage. Daher werde ich den Satz ändern.

...einen schlechten Horrorfilm mit billiger-, oder besser: günstiger Gesellschaftskritik...
Schlecht und billig/günstig sind hier essenziell. Der Erzähler bricht sarkastisch mit der vorherigen Szene und verteilt nebenbei einen Seitenhieb an alle Discounter, die ihre billige Ware stets als günstig Anpreisen.

...weiter vorwärts zu vergehen...
Ein Wortspiel - jedes Leben vergeht und kein Lebewesen kann aufhören vorwärts zu gehen, bzw. die Zeit anhalten.

Ich hoffe, du kannst meine Wortwahl nun besser nachvollziehen.

Gruß
Pablo

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Hyazinthe
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Hallo Pablo!

Der 1. Teil von "Die Schönheit des Seins" hat mir sehr gefallen, sowohl wegen seines Themas als auch wegen deines besonderen, wie ich finde, poetischen Schreibstils.

Mit diesem Text allerdings habe ich einige Schwierigkeiten.

Zum einen: Ist es wirklich eine Kurzgeschichte im Sinne des Wortes? Welche Geschichte wird erzählt? Sind es nicht vielmehr Gedankensplitter und Gefühlsmomente eines Mannes, der verkatert und benommen auf einer Bank aufwacht und, frustriert über die oberflächlich-fröhliche Urlaubsstimmung in seiner Umgebung, über die Unmöglichkeit des "Loslassens" sinniert, während er mit der Allgegenwart der Werbeindustrie konfrontiert wird?
Zum anderen: Obwohl ich deinen eigenwilligen Stil respektiere, ja, ihn sogar originell und ansprechend finde, bin ich über einige Wendungen gestolpert.

quote:
Behäbig, mühsam erhob sich Herr A.
Behäbig passt nicht zu mühsam, finde ich.

quote:
Herr A lächelte. Irgendwo bellten irgendwelche Hunde von irgendwem lauthals; ein Moderator kündigte die neuste Attraktion des Parks mit der Art gehetzter Fröhlichkeit an, die nur einen Schluss zuließ: Sein letzter Schnee war vor wenigen Minuten gefallen. Wie habe ich das zu verstehen?Doch all das störte Herr A hier und heute nicht. Zu träge und matt war er in Anbetracht dieser schwülen Hitze.
Dieser Absatz steht insgesamt in einem seltsamen Widerspruch zu den Sätzen vorher:
quote:
Er seufzte. Sein Rücken schmerzte und das Gesicht glühte sonnenverbrannt. Die völlige Windstille wirkte auf ihn beinahe bedrohlich.

Hier wird her A. plötzlich melancholisch, fast weinerlich:
quote:
Eine einsame Träne rann sein Gesicht herab, floss flüchtig über Wange und Kinn hinweg zum Abhang - bereit zum Absprung in die Ungewissheit. Diesen Ausdruck finde ich so übertrieben, dass er fast lächerlich wirkt. Die Welt drehte sich schnell, immer schneller im freien Fall; dann kam das Ende: ein plötzlicher Platscher. Hier musste ich wirklich lachen. War das beabsichtigt?
Erneut hatte Herr R ihn eingeholt.
Wer ist Herr R. ?


Gruß, Hyazinthe
__________________
Immer neugierig bleiben

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