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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Schokoladenpudding-Oma (2. Kapitel)
Eingestellt am 23. 10. 2002 20:39


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2.Kapitel

Es dauerte wochenlang bis unsere Möbel alle am richtigen Platz standen, bis die Kisten ausgeräumt waren und die Kleider, die Bücher, unsere Spielsachen und aller große und kleine Krimskrams wieder seinen Platz in den Regalen, Schränken und Schubladen hatte. Mama schimpfte ständig vor sich hin, weil sie irgendwas, was sie ganz dringend brauchte, nicht finden konnte. Papa nahm sie dann in den Arm und beruhigte sie: „Das wird schon wieder. In zwei Monaten ist es hier so ordentlich, wie in unserer alten Wohnung.“
„Ordentlich“ ,schnaubte Mama und war kein bißchen beruhigt, „bei uns war es nicht mehr ordentlich, seit...“ Sie verschluckte den Rest von dem, was sie sagen wollte, und schielte zu Lutz und mir. Lutz warf in aller Ruhe weiter seine Bauklotztürme um und kümmerte sich gar nicht um Mamas Wutausbrüche. Er war ja erst ein Jahr alt. Aber ich - ich wußte genau, was sie eigentlich sagen wollte. Natürlich meinte sie, daß es nicht mehr ordentlich war, seit wir Kinder da waren. Genau das hatte sie sagen wollen und genau deswegen schaute sie auch so halb mit schlechtem Gewissen und halb ärgerlich auf Lutz’ verstreute Bauklötze und meine Farbstifte, die überall um mich herum auf dem Boden lagen.
Papa gab nicht auf: „Ordentlicher als hier war es auf jeden Fall. Und vor allem ist es schön bei uns – selbst wenn das Unterste zuoberst liegt!“ Er gab Mama einen Kuß auf die Stirn und schaute sie ganz lieb an. Das ist immer sein Trick, wenn sie schlechte Laune hat, und der wirkt auch meistens. Mama maulte noch ein bißchen und suchte dann weiter.

Nur mir war der Spaß am Malen verdorben. Ich sammelte meine Farbstifte zusammen. Mit dem Block unterm Arm und dem Mäppchen in der Hand trampelte ich aus dem Zimmer und hoffte dabei, daß mich Mama oder Papa wieder zurückholen. Das machte aber niemand. Also mußte ich mir überlegen, wohin ich nun gehen wollte.
Unser Kinderzimmer war von Sofie und Irina aus dem zweiten Stock belegt. Irina mochte ich von Anfang an nicht. Sie schaute immer so auf mich runter. Nur weil sie zwei Jahre älter ist, dachte sie, sie sei was Besseres. Wenn Sofie da war, dann schaute sie mich nicht einmal an. Also war das Kinderzimmer auch keine Lösung und ich beschloss, bei Oma Piepenbrinck zu klingeln.

Gleich nach dem ersten Klingeln öffnete sie mir die Tür. So als hätte sie schon auf mich gewartet.
„Lisa, du bist es. Komm herein,“ sagte sie und machte ihre Tür ganz weit auf.
Ich hatte schon überlegt, unter welchem Vorwand ich sie wohl besuchen könne. Damals wußte ich noch nicht, daß bei Oma Piepenbrinck kein Vorwand nötig ist. Wenn sie da ist, können wir immer kommen. Es reicht, daß wir Lust haben, sie zu besuchen, oder daß wir den Schlüssel vergessen haben oder daß uns langweilig ist. Komischerweise freut sie sich wirklich immer, wenn wir sie besuchen. Sie sagt: „Ihr seid für mich wie Enkelkinder und die dürften auch jederzeit zu mir kommen.“
Als Oma Piepenbrinck mir damals die Tür aufmachte, kam ich zum ersten Mal ganz alleine zu ihr. Ich war ein wenig aufgeregt, weil ich noch nie einfach so bei jemandem geklingelt hatte, ohne besonderen Grund. Da stand ich in ihrem Flur vor der großen Kommode und wußte nicht, was ich sagen und wohin ich gehen sollte. Sie lud mich ein, ihr in der Küche Gesellschaft zu leisten, also tappte ich ziemlich unsicher hinter ihr her. Auf dem Küchentisch lagen zwei Holzbretter mit Karotten und Lauch. Oma schnitt gerade die Karotten in Scheiben. „Willst du mir helfen?“ fragte sie. Ängstlich schaute ich auf das große Messer und zuckte unsicher mit den Schultern. Mama gab mir die großen Messer damals noch nie, weil sie dachte, ich könnte mir damit in die Finger schneiden.
Ohne daß ich ein Wort gesagt hätte, meinte Oma Piepenbrinck: „Ick paß schon auf, daß dir nichts passiert. Versuch es. Wenn es dir keinen Spaß macht, hörst du einfach wieder auf.“ Sie schob mir das Holzbrett mit den Karotten hin und drückte das Messer in meine Hand.
Es war ganz schön unheimlich, so ein Riesenmesser in der Hand zu halten. Die Klinge sah richtig scharf und gefährlich aus. Ich konnte fast schon das Blut aus meinen Fingern spritzen sehen.
Oma beobachtete mich, wie ich das Messer mißtrauisch von allen Seiten betrachtete und da mußte sie lachen. Wenn Oma Piepenbrinck lacht, klingt das wie ein kleiner Wasserfall. Es blubbert und gluckert und rauscht und manchmal spritzt es nach allen Seiten und ist so ansteckend, daß ich mitlachen muß, auch wenn ich gar nicht verstehe warum. Mit dem Messer in der Hand fühlte ich mich allerdings so unsicher, daß ich nur ein kleines Grinsen hinkriegte.
„Das Messer tut dir nichts“ ,kicherte Oma, „aber wenn es dir so unheimlich ist, dann bekommst du mein kleines. Für die Karotten geht das auch und ick komme dem Lauch mit dem großen Messer sowieso besser bei.“
Aus der Schublade ihres Küchenschrankes holte sie ein kleines Messer und streckte es mir hin. „Lisachen, du kannst viel mehr, als du denkst. Du mußt nur den Mut haben, es zu versuchen,“ ermunterte sie mich, als ich zögernd nach dem kleinen Messer griff, nachdem ich ihr das große erleichtert zurückgegeben hatte.
Also nahm ich das kleine Messer in die Hand und fing an, Karotten zu schneiden. Dicke und dünne Scheiben schnitt ich, gerade und schräge – ganz viele. Oma Piepenbrinck sah mir anfangs noch zu und nickte immer wieder zufrieden. Nach einiger Zeit holte sie den Lauchstängel zu sich her und schnitt ihn schneller als ich schauen konnte in Scheiben.
So haben wir zum ersten Mal zusammen gekocht. „Jemüseeintopf“, wie Oma das nennt. Es macht Spaß mit ihr zu kochen. Seit wir hier wohnen habe ich schon soviel von ihr gelernt, daß ich inzwischen manchmal für unsere ganze Familie koche. Samstagmorgens, während Papa und Mama mit dem Auto zum Großeinkauf fahren.
Meine Klassenlehrerin wollte es mir zuerst gar nicht glauben, als ich mal erzählte, daß ich schon ganz alleine für fünf Leute Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und zum Nachtisch Schokoladenpudding gemacht habe. Und Papa sagt immer: „Unsere Lisa wird mal Köchin im Fünf-Sterne-Hotel.“ Dann bin ich sooo stolz!

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flammarion
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hm,

es macht großen spaß, von der schokoladepudding oma zu lesen. die gescjichte gefällt mir. bin gespannt auf die fortsetzung, die es doch hoffentlich geben wird. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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