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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Schreibmaschine
Eingestellt am 09. 01. 2012 19:33


Autor
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Eskarina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2012

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Gro├čvater sa├č in seinem B├╝ro unter dem Dach und schrieb. In dem Raum mit den schr├Ągen W├Ąnden vereinten sich D├╝fte von gefettetem Leder, Leim, Druckerschw├Ąrze und Unmengen alter B├╝cher. Wann immer ich heute ein Antiquariat oder ein Auktionshaus betrete, f├╝hle ich mich unwillk├╝rlich daran erinnert.
Zu Gro├čvaters F├╝├čen auf dem Teppich sitzend, konnte ich mir keinen besseren Platz auf der Welt erdenken. Das mochte auch daran liegen, dass kein Winkel, keine Schublade und keine alte Zigarrenkiste, gef├╝llt mit Briefen und Urkunden, f├╝r meine forschenden Kinderh├Ąnde verschlossen blieb. Hier durfte ich untersuchen, st├Âbern und entdecken.
Auf Zehenspitzen balancierend, klaubte ich das alte Jagdhorn von der Wand und versuchte ihm ein paar d├╝nne T├Âne zu entlocken. Ich spielte mit der bronzenen Briefwaage, betrachtete vergilbte Fotoaufnahmen und versuchte, meinen Gro├čvater unter den schneidigen Soldaten in ihren Uniformen auszumachen.
Wann immer ich eine Frage hatte, unterbrach er seine Arbeit und erkl├Ąrte mir geduldig und mit einer Erz├Ąhlerstimme, wie nur alte M├Ąnner sie haben, was ich wissen wollte. Staunend betastete ich Orden in Form eines krummen, hakigen Kreuzes und betrachtete Geldscheine, auf denen Zahlen mit so vielen Nullen standen, dass ich sie mir nicht einmal vorzustellen vermochte.
Wenn ich in meinem Forscherdrang erm├╝dete, rollte ich mich wie eine Katze auf der kratzigen, altmodischen Couch zusammen und lauschte den schweren, langsamen Anschl├Ągen auf der Schreibmaschine. Tack, tack, tacktack, tack ÔÇô Gro├čvater benutzte immer nur den Zeigefinder zum Schreiben und dieser fand die Lettern mit der Zielgenauigkeit und Wucht eines beutejagenden Raubvogels. Dann das Knarzen, wenn er die Schreibwalze per Hand zur├╝ck schob, bis sie ger├Ąuschvoll einrastete.
Es war eine eigene kleine Welt f├╝r mich, dieses B├╝ro unterm Dach. Das Tacken und Klacken, das Rattern und Klappern der Schreibmaschine gab ihren Rhythmus vor.

Lux, 04.01.2012

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Eskarina,

ich kann den Prot. "st├Âbern" sehen und f├╝hle mich mit ihm wohl in seiner Erinnerung.

Was mir auffiel:

quote:
Wann immer ich heute ein Antiquariat oder ein Auktionshaus betrete, f├╝hle ich mich unwillk├╝rlich daran erinnert. Zu Gro├čvaters F├╝├čen auf dem Teppich sitzend, konnte ich mir keinen besseren Platz auf der Welt erdenken.


"Wann immer" nutzt du weiter unten im Text nochmals - w├╝rde ich ├Ąndern in z.B. "Wenn". Danach vielleicht eine Satzkopplung wie zum Beispiel:
Wenn ich heute ein Antiquariat oder Auktionshaus betrete, erinnere ich mich unwillk├╝rlich daran, wie ich zu seinen F├╝├čen auf dem Teppich sa├č - kein besserer Platz auf der Welt f├Ąllt mir ein.


Auf Zehenspitzen balancierend, klaubte ich das alte Jagdhorn von der Wand und versuchte ihm ein paar d├╝nne T├Âne zu entlocken. Ich spielte mit der bronzenen Briefwaage, betrachtete vergilbte Fotoaufnahmen und versuchte, meinen Gro├čvater unter den schneidigen Soldaten in ihren Uniformen auszumachen.
Wann immer(doppelt) ich eine Frage hatte, unterbrach er seine Arbeit und erkl├Ąrte mir geduldig und mit einer Erz├Ąhlerstimme, wie nur alte M├Ąnner sie haben mit br├╝chiger Stimme, was ich wissen wollte. Staunend betastete ich Orden in Form eines krummen, hakigen Kreuzes und betrachtete Geldscheine, auf denen Zahlen mit so vielen Nullen standen, dass ich sie mir nicht einmal vorzustellen vermochte.
Wenn ich in meinem Forscherdrang erm├╝dete, rollte ich mich wie eine Katze auf der kratzigen, altmodischen Couch zusammen und lauschte den schweren, langsamen Anschl├Ągen auf der Schreibmaschine. Tack, tack, tacktack, tack ÔÇô Gro├čvater benutzte immer nur den Zeigefinder zum Schreiben und dieser fand die Lettern mit der Zielgenauigkeit und Wucht eines beutejagenden ("Raubvogel" reicht zum Verst├Ąndis IMHO v├Âllig aus) Raubvogels. Dann das Knarzen, wenn er die Schreibwalze per Hand zur├╝ck schob, bis sie ger├Ąuschvoll einrastete.
Es war eine eigene kleine Welt f├╝r mich, dieses B├╝ro unterm Dach. Das Tacken und Klacken, das Rattern und Klappern der Schreibmaschine gab ihren Rhythmus vor.

LG kageb

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