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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Die Selbe
Eingestellt am 12. 06. 2003 10:11


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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

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Habe heute nach etwas gesucht, dabei alle Schr√§nke durchw√ľhlt und zwar nicht gefunden wonach ich gesucht habe, aber irgendwo ganz oben, ganz hinten in einem Schrank etwas Anderes, ein kleines Buch voller Gedichte aus meiner Jugend entdeckt. Es stand ein Datum auf der ersten Seite, ich errechnete, dass ich 17 Jahre alt gewesen war, als ich es schrieb. Heute bin ich nochmals 17 Jahre √§lter, und dieser Zufall hat mich in meinem Suchen nach dem Anderen innehalten lassen. Ich habe statt dessen diese Gedichte von vor, wie mir scheint Ewigkeiten, gelesen, und ich war ganz √ľberrascht, denn sie waren nicht schlecht.

Ich habe in diesem Buch einen Menschen wiedergefunden, den ich vor langer Zeit einmal gut gekannt habe. Ich habe auch einen Menschen wiedergefunden, mit dem ich selbst damals sehr unzufrieden gewesen bin, den ich aber heute, wenn ich seine Gedichte lese, ja geradezu bewundere, denn er war unglaublich f√§hig zu f√ľhlen. Und noch mehr als das, er konnte seine Gef√ľhle sogar in Worte fassen, frei von der Angst, schw√ľlstig zu klingen oder sentimental oder sonst was. Er konnte noch tr√§umen, bunte Tr√§ume, bunte Tr√§ume von einer bunten Welt.
Es hat mich neidisch werden lassen.
Jahrelang habe ich dieses Buch nicht mehr gelesen. Hatte es in Erinnerung als unreife Worte eines unreifen Menschen und f√ľhlte mich so viel besser, so viel erfahrener, so viel wissender, so erhaben gegen√ľber dieser kindlichen Person.
Und so ist es wohl wirklich.
Trotzdem haben die Worte mich bewegt. Meine eigenen Worte √ľber Tr√§ume, die ich lange schon vergessen habe.
Wovon träumt ein 17 jähriges Mädchen wohl schon?
Von der grossen Liebe nat√ľrlich.


"Wie sch√∂n ein Kuss sein kann. Seine weichen Lippen mit leichtem, z√§rtlichem Druck auf den meinen. Wie gierig, wie hungrig, ich nach seinen Lippen war. Einfache z√§rtliche K√ľsse, niemals vorher habe ich einen Kuss so empfunden, wie heute abend.“

„Liebe, es ist wundersch√∂n. Wie ein Sturm kam es √ľber mich, und der Blitz traf mich mitten ins Herz. Der Wind nahm mich mit sich, und im siebten Himmel erwachte ich aus tiefster Bewusstlosigkeit und sah sie- die Liebe.“


Was f√ľr Gef√ľhle! Denke ich heute. Eifers√ľchtig auf damals? Vielleicht ein bisschen. Aber eigentlich doch erleichtert, dass all die Jahre, die Erfahrung, die Hormone oder was auch immer, daf√ľr gesorgt hatten, dass ich endlich auch sogar die Liebe rationaler betrachten konnte. Was will ich denn heute noch mit grossen Gef√ľhlen? Ich bin doch froh jemanden lieben zu k√∂nnen, ohne ihn gleich mit Haut und Haaren fressen zu wollen. Heute tr√§ume ich doch kaum mehr davon, jemanden so zu begehren, dass ich ohne ihn nicht mehr leben k√∂nnte. Will doch eher unabh√§ngig und selbstbewusst sein, sogar innerhalb einer Beziehung. Bin doch schliesslich auch emanzipiert und eigenst√§ndig. Und stolz darauf! Oder etwa nicht?

Wovon träumt ein 17 jähriges Mädchen noch? Davon, die Welt zu verstehen.


„Der Mensch weiss erst
was es bedeutet zu Sehen
wenn er blind ist
was es bedeutet zu Hören
wenn er taub ist
was es bedeutet zu Gehen
wenn er gelähmt ist
Merken wir immer erst zu spät
Dass wir gl√ľcklich waren?“


„Die St√§rke der Jugend
liegt in ihrem Idealismus
Die Stärke der Erwachsenen
In ihrer Gen√ľgsamkeit.“

Die Worte von damals zeigten mir, dass ich heute nicht viel mehr verstand als vor so vielen Jahren. Ich habe nur gelernt, mich anzupassen.





„Die beste Eigenschaft des Menschen
ist sein Anpassungsvermögen
wie sonst sollte er mit seiner schlechtesten
der Unzufriedenheit
leben k√∂nnen?“

Bin ich denn gar tatsächlich unzufrieden?




"Habt ihr so zufriedenen Menschen
die ihr immer wisst, was ihr wollt
wer ihr seid und wof√ľr ihr lebt
Habt ihr schon einmal weinen m√ľssen
vor Gl√ľck, nur weil ihr leben d√ľrft?“

Das ist tats√§chlich lange her. Ich nehme an fast 17 Jahre. Aber ich bin froh dar√ľber, wer will denn schon weinen? Wer will denn schon mit 34 Jahren noch tr√§umen von der perfekten Liebe, oder den perfekten Menschen?
Ich bin doch schon froh, wenn ich mich nicht verliebe in irgendeinen, schliesslich bin ich verheiratet und möchte nicht auf dumme Gedanken kommen. Dumme Gedanken!
Bunte Tr√§ume waren das. Von einem Menschen am Anfang seines Lebens. Heute bin ich mittendrin und weise. Zufrieden stehe ich √ľber solchen Gef√ľhlen.



„Individuell ist
wer √ľber die Ziele der Gesellschaft
nicht seine eigenen
und √ľbe die eigenen Probleme
nicht die der Gesellschaft
vergisst.“

Genau. Genau so bin ich. Habe ich also doch irgendwie meine Tr√§ume erf√ľllt.

„Der Weg zu sich selbst
ist wie ein Puzzle
das man zusammen setzt
um ein Bild zu erkennen.“

Jawohl. Da bin ich einen grossen Schritt vorwärts gekommen. Ich kenne mich gut. Heute. Und ich bin stolz darauf.



„Erwachsen zu werden heisst
sich festzulegen
Erwachsen zu werden
heisst auch
aufgeschlossen zu bleiben
Erwachsen zu werden ist eine Utopie.“

Naja, ich denke, ich habe einen guten Mittelweg gefunden.



„Wer einmal so gl√ľcklich war
wie ich
so √ľberschwenglich gl√ľcklich
so voller Liebe
von Kopf bis Fuss
so voller Liebe
zu einem Menschen
und zu der ganzen Welt
Wer einmal so gl√ľcklich war
wird mit dem Alltag
nicht mehr zufrieden sein.“

Doch. Doch ich bin mit dem Alltag zufrieden. Ich will diese Liebe gar nicht mehr. Diese grossen Träume, die machen nur krank. Krank vor Sehnsucht. Ich will sie nicht mehr.



„Auf der Suche nach Liebe
habe ich nach so viel Regen
endlich die Sonne entdeckt
wie lange wird es noch dauern
bis ich den Regenbogen finde?“

Ich habe den Regenbogen gefunden. Ich denke schon. Es ist zwar nicht immer die riesengrosse Liebe, aber wir verstehen uns gut. Ich liebe ihn mit jedem Tag ein wenig mehr. Es sind jetzt auch schon √ľber 11 Jahre. Das ist eine lange Zeit. Aber davon hattest du, die 17 J√§hrige, keine Ahnung, von der Liebe mit der Zeit. Die Gewohnheit. Es ist auch eine grosse Form der Liebe. Wenn auch nicht so romantisch, gef√ľhlvoll, wie du vielleicht glaubtest.
Deine grossen bunten Tr√§ume sind zwar vielleicht etwas verk√ľmmert, vielleicht sogar nur noch schwarz- weiss, aber daf√ľr tun sie auch nicht mehr so weh. Und ich weiss, denn ich war es ja selbst, die da getr√§umt hat, diese Tr√§ume tun weh. Sie tun verdammt weh, weil sie immer irgendwie unerf√ľllt bleiben, weil sie unerf√ľllbar sind, weil man sie eigentlich gar nicht erf√ľllen will, denn was w√§ren die Tr√§ume ohne die Sehnsucht? Wer also tr√§umen will, muss die Sehnsucht aushalten k√∂nnen. Und da w√§hle ich doch heute lieber die Zufriedenheit. Meistens. Ein kleines bisschen Sehnsucht bleibt dabei erhalten. Aber das wusstest du ja auch schon, als du schriebst:

„Zufriedenheit ist
Erinnerungen nicht nach zu hängen
sondern sie als schöne Erfahrungen
in sich zu behalten.“

Und so behalte ich meine bunten Träume in mir, auf dass ich sie niemals ganz vergesse.






















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rilesi
Guest
Registriert: Not Yet

oh

hallo s.

danke f√ľr den interessanten einblick es tut mir gut es zu lesen. vielleicht hast du noch mehr solche eintr√§ge auf lager?


lg, von rilesi

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strumpfkuh
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 15
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Liebe(r?) R.,
danke f√ľr dein Lob, es hat mir besonders gut getan, weil hier doch ein gutes St√ľck Autobiographie drin steckt. Mehr in der Art habe ich leider nicht. Leichter ist es, sich etwas auszudenken, finde ich. Dann ist es nicht so schlimm, wenn es anderen nicht gef√§llt.
L.G.
Doro

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