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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Sonne geht auf
Eingestellt am 21. 11. 2007 22:48


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Impermeabile
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

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Die Sonne geht auf

Der Kanten Brot war schon ein paar Tage alt. Ich sĂ€gte ihn auseinander und legte einige Scheiben in die mit Olivenöl erhitzte Pfanne, viertelte eine Zwiebel und streute Salz ĂŒber beides. Es tat gut, etwas Warmes zu essen. Also verdrĂŒckte ich drei Scheiben mit einer Knoblauchzehe, aß einen Apfel und etwas von der Zwiebel. Dann ging die Sonne am Himmel auf.

Am Morgen hatte ich Unterlagen sortiert, die Telefonrechnungen, die Arbeitsamtsschreiben, den Fragenbogen der Krankenkasse nach meinen EinkĂŒnften. Ich sortierte die Zeitschriften, von denen ich in den letzten Wochen nicht eine angerĂŒhrt hatte, die mir Frau Templin tĂ€glich durch den Briefschlitz in den Korridor wirft. Die Tageszeitungen stopfte ich ungelesen in den Stoffbeutel. Die Welt und ihre Probleme gehen mich nichts an.

Ich schnitt mir ein StĂŒck Corned Beef herunter, schob noch was von dem Brot und den Zwiebeln und dem Knoblauch hinterher. Ich fand die Lohnsteuerkarte 2006 in meinen Unterlagen und fragte mich, was ich dem Finanzamt eigentlich geschickt hatte. GerĂŒhrt haben sie sich noch nicht. Die etwas erweichte und leicht brĂ€unliche Zwiebel schmeckte gut, ein Suppenlöffel Sonnenblumenkerne. Ich begann also wieder zu denken: “Du machst allerhand Scheiß. Aber da bist du ja nicht allein.”

Mir fielen die Flyer der Zeitarbeitsfirmen wieder in die HĂ€nde. Gut, dachte ich, daß du nicht da aufgeschlagen bist. Und als ich Patsch sagte, daß ich eine 25-Stunden-Anstellung gefunden habe, zog er die Stirn faltig und meinte, aber fĂŒr die Rente ist das schlecht. Und das letzte, woran ich denke, ist an die Rente. Kaum ist einer ins Berufsleben eingetreten, dann denkt er an die Rente. Ich hoffe, daß ich mir dann auch noch einen alten Kanten Brot zersĂ€gen kann, etwas Olivenöl erhitze und ne Zwiebel röste. Vielleicht schneit eine Frau herein und sagt: “Laß es uns zusammen versuchen.” Und wir hĂ€ngen zuhause rum, kochen was anstĂ€ndiges, gehen zum schwimmen, fahren auf dem Rad durch die PrĂ€rie und tauschen unsere SĂ€fte aus.

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petrasmiles
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Hallo Impermeabile,

mir hat Dein Text gut gefallen. Unser aller Leben setzt sich aus diesen kleinen Dingen zusammen. Das Lakonische in der Schilderung der 'wichtigen' Dinge wird durch das Kochen und Essen kontrastiert.
Diese enge VerknĂŒpfung mit der Zubereitung von Speisen hat etwas Sinnliches in einer ansonsten weltabgewandten Haltung.

Ich mag das, wenn man mir Fakten erzÀhlt, aus denen ich mir selbst ein Bild machen kann.
Weiter kann sich ein Autor nicht zurĂŒcknehmen. Gelungen!
In der Form wĂŒrde ich auch lange Texte lesen wollen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Petra

P.S. Dein nick ist italienisch, aber was bedeutet es?
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug fĂŒr Gutwerter!

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