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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Spieluhr
Eingestellt am 20. 09. 2001 13:25


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Antaris
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"Mich friert", klagte die zierliche TÀnzerin gerade so laut, dass ihr Begleiter es hören konnte. Mit eiserner Mine hielt der sie so fest in den Armen, als habe er sich noch nie bewegt. Aufreicht und stumm stand er da im fahlen Morgenlicht, obwohl der Wind immer kÀlter durch die Ritzen des DachgebÀlks pfiff. Eisige Kristallsplitter und sogar einzelne Schneeflocken stieben bis auf die abgenutzten Holzdielen auf den Boden wo sie sich in die staubigen Nichen zwischen den altmodischen Möbeln und and die anderen ausrangierten GegenstÀnde setzten.

"Mich friert so entsetzlich", wiederholte die TĂ€nzerin, "und es ist, als ob es nie wieder hell werden soll in unserer Welt."

"Heute schneit es eben, und zu diesem Anlass sind wir zugegebenermaßen unpassend gekleidet, aber es lĂ€ĂŸt sich nicht Ă€ndern", antwortete ihr Begleiter, der ĂŒber ihre Frisur hinweg ins Leere blickte.

"Damals als wir ins Haus kamen war auch tiefster Winter", sprach die TĂ€nzerin. "Wir standen tagelang mitten auf dem Wohnzimmeritisch und tanzten. Die Kinder stritten sich darum, wer das Spielwerk aufziehen durfte und dann leuchteten ihre Augen vor GlĂŒck wenn wir tanzten. Auch spĂ€ter haben sie immer wieder das Spielwerk aufgezogen, und wenn sie Hausaufgaben machten, miteinander spielten, oder sich Geschichten erzĂ€hlen ließen, standen wir auf dem Regal und gaben acht." Aprupt stoppte sie und es schien, als legte sich ein grauer Schatten auf ihr bleiches Gesicht, dabei trieb der Wind draußen nur eine besonders mĂ€chtige Schneewolke vor sich her.

"Ich wĂŒnschte", ich könnte noch einmal tanzen", sprach sie schließlich, "vielleicht nur eineinziges Mal. Sie brĂ€uchten uns nur vom Dachboden zu holen. Glaubst du denn, die Menschen werden nicht mehr glĂŒcklich wenn sie uns beim Tanzen zuschauen?"

"Die Kinder sind lĂ€ngst erwachsen und leben woanders", antwortete er gereizt. "Sie studieren, arbeiten, und sind wichtig. Statt Hausaufgaben machen sie SteuererklĂ€rungen, und sie spielen nicht mehr, sie spekulieren höchstens ein wenig. Die MĂ€rchen und Geschichten haben sie lĂ€ngst vergessen, und uns auch.. DIe Leute im Haus sind alt geworden. Das Treppensteigen macht ihnen MĂŒhe, und so lange sie nicht heraufkommen lassen sie uns wenigstens in Ruhe."

Nachdenklich schwieg die TĂ€nzerin. "Der MĂŒllwagen mit den eisernen ZĂ€hnen, ist das der Tod?" fragte sie schließlich.

"Er mag eines von unzĂ€hligen Gesichtern sein, wer weiß. Über den Tod zu sinnieren ist ebenso mĂŒĂŸig wie sich Dinge aus der Vergangenheit zurĂŒck zu wĂŒnschen", nörgelte er. "Eines Tages, wenn die alten Leute gestorben sind wird schon jemand heraufkommen und alles hier rĂ€umen. Dagegen können wir nichts ausrichten. Bis dahin gilt es Haltung zu bewahren."

War die TĂ€nzerin nun gekrĂ€nkt oder entmutigt? Sie sprach kein einziges Wort mehr, auch nicht als die TĂŒr zum Dachboden aufgestoßen wurde und ein Fremder die Treppe herauf kam. Suchend schweiften seine Blicke durch den Raum. "Der Anschlusskasten ist auf der anderen Seite, gegenĂŒber dem Fenster am Schornstein", rief eine MĂ€nnerstimme von unten.

Missmutig öffnete der Fremde die BlechtĂŒre und begann, im Inneren des Anschlusskastens zu schrauben. Er fluchte leise als er ein Ersatzteil nicht auf Anhieb in seiner Wekzeugkiste fand, griff in seine Jackentasche, und dann fiel sein Blich auf die TĂ€nzerin. Das gerade gefundene Ersatzteil legte er auf den schiefbeinigen Tisch neben dem Schornstein um die Spieluhr in seine HĂ€nde zu nehmen. Erschreckend groß, derb und schmutzig waren die HĂ€nde, der Riss, der sich quer ĂŒber das schwarze PlastikgehĂ€use zog, verschwand fast ganz in ihnen.

Die TĂ€nzerin ließ sich nichts anmerken und rĂŒhrte sich nicht einmal als der Fremde den Staub von ihrem Klein blies. Wer konnte wissen, dass ihr vergĂ­lbtes Kleid einmal strahlend wei? gewesen war? Auch der goldene Saum war lĂ€ngst stumpf geworden, nur der schwarze Abendanzug ihres BelÂŽgleiters hatte sich etwas besser gehalten. Mit klammen Fingern drehgte der Fremde den SchlĂŒssel einige Male, und als er dĂ©n SchlĂŒssel losliße tanzten beide Figurne genau so, wie sie schon unzĂ€hlige Malezu ihrem einfachen Lied getanzt hatten. Sie tanzten langsamer als die Musik langsamer lief und blieben schließlich stehen mit dem letzten Ton der verklang.

"Kommen Sie zurecht?" klang die Stimme von unten gerade als der Fremde noch einmal den SchlĂŒssel umdrehen wollte.

"Bin gleich fertig", antwortete der Fremde, stellte die Spieluhr zurĂŒck und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. "So, jetzt mĂŒĂŸte wieder alles funktionieren", rief er wenig spĂ€ter, schloss die BlechtĂŒre und verließ den Dachboden mit der Spieluhr in seinem Werkzeugkasten.

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gladiator
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Hallo Antaris...

Eine schöne, melancholische Geschichte. Das nĂ€chste Mal solltest Du ein Rechtschreibprogramm ĂŒber den Text laufen lassen .

Ich habe sprachlich nichts anzumerken.

Vielleicht hĂ€tte ich es von Aufbau her erst sehr viel spĂ€ter deutlich gemacht, daß es sich um eine Spieluhr handelt. Vielleicht sogar erst in dem Moment, in dem der Techniker das Spielzeug aufnimmt. Das hĂ€tte den Aha-Effekt verstĂ€rkt.

Ist aber nur so ein Gedanke.

Gruß
Gladiator
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Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

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Ralph Ronneberger
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Hallo Antaris,

ich gebe zu: Die Geschichte hat mich inhaltlich nicht gerade vom Hocker gerissen. Irgendwie war ich vom Schluß enttĂ€uscht. Ich wĂŒĂŸte aber auch nicht, wie man eine zĂŒndendere Pointe hĂ€tte finden können. Aber eines fiel mir sehr angenehm auf. Du schreibst fĂŒr meine Begriffe verdammt gut. Handwerklich gibt es wohl kaum was zu meckern. Und Rechtschreibfehler? Ich halte sie fĂŒr vermeidbare FlĂŒchtigkeitsfehler. Auf jeden Fall bin ich mal gespannt, was noch von dir kommt.

Gruß Ralph
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Antaris
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Die Spieluhr

Hallo Jungs,

zunĂ€chst herzlichen Dank fĂŒr die konstruktive Kritik. Ich habe diese Geschichte gerade deswegen ausgewĂ€hlt weil sie nicht gerade meine stĂ€rkste Geschichte ist. Da ist zwar dieses flaue GefĂŒhl, das irgendwas an der Geschichte verbesserungsbedĂŒrftig ist, und ich wollte gerne wissen, wie andere die Geschichte sehen.

Zu meinen technischen Problemen: An diesem Rechner lĂ€ĂŸt sich weder das Rechtschreibekorrekturprogramm noch die Kopierfunktion aktivieren. Ich muss also jeden Text den ich ins Netz stelle abtippen, daran fĂŒhrt kein Weg vorbei. Irgendwann wenn bei mir mal der Reichtum ausbricht kaufe ich mir einen anderen Rechner, das ist versprochen.

Gruß

Antaris

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leonie
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hallo antaris

na wenn das einer deiner schwĂ€cheren geschichten ist, bin ich sehr auf die besseren gespannt. Ich selbst habe es genossen sie zu lesen. etwas traurig am anfang, und dann der wunsch noch einmal tanzen zu können, der in erfĂŒllung geht. tat mir gut, nachdem ihr Tanzpartner eigentlich schon mit allem abgeschlossen hatte. ich liebe geschichten die gut ausgehen.
ganz liebe grĂŒĂŸe leonie

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Antaris
Routinierter Autor
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Hallo Leonie,

schön, dass Dir meine Geschichte gefĂ€llt. Seltsamerweise ist sie mir auf der Beerdigung meines Opas eingefallen vor etwa einem halben Jahr eingefallen, und seither habe ich das GefĂŒhlt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Vielleicht liegt es daren, dass die CharaktĂ€re relativ schwach sind.

Viele GrĂŒĂŸe

Antaris

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