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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Spinne
Eingestellt am 26. 04. 2004 12:31


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Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

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Die Spinne

Ich bin ein M├Ârder. Jawohl. Ich habe gemordet, und das nicht einmal ohne Gewissen. Es tat mir das Herz weh, mein Gewissen schrie, und ich habe dennoch meine abscheuliche Tat zu ende gef├╝hrt. Dabei fing doch alles ganz harmlos an.
Ich wollte ins Bad, blieb aber schon vor lauter Entsetzen in der T├╝rschwelle stehen und starrte auf die Dusche mir gegen├╝ber. Da sa├č sie, ganz still und friedlich. Eine gro├če, schwarze Spinne, und mich ergriff sofort ein tiefes Ekelgef├╝hl, wie es den meisten Menschen bei einem solchen Anblick ergeht. Ich stand immer noch in der T├╝r und r├╝hrte mich nicht. Ob sie wohl zucken, gar die Flucht ergreifen w├╝rde, wenn ich mich bewege? Mich schauderte. Aber dann ging ich doch auf sie zu, und es war nicht der Mut, der mich f├╝hrte, sondern die Gedanken des Mordes. Ich wollte sie vernichten, mit ihr das Ekelgef├╝hl austreiben.
Doch ich stand noch ein wenig an der Dusche, betrachtete mein Opfer, das da so friedlich und nichts ahnend im Duschbecken ruhte. Sie war nicht einmal dick, wie so viele eklige Spinnen. Ich w├╝rde sogar behaupten, f├╝r eine Spinne hatte sie eine richtig tolle Figur, sportlich und wohlgeformt und so... Die Beine ,passend zum K├Ârper, nicht zu dick und nicht zu lang, hielten den K├Ârper in ruhiger Schwebe und verliefen geschwungen bogenf├Ârmig zum Boden. Auf dem K├Ârper eines feines Muster, soweit ich das erkennen konnte (so lange betrachtete ich die Spinne nun auch wieder nicht). Aber augenblicklich waren meine Gedanken wieder bei meinem Plan, ich hatte den Duschkopf fest im Auge.
W├╝rde sie jetzt weglaufen? Wenn ich mich leicht ├╝ber sie beuge, um nach dem Duschkopf zu greifen? Schlie├člich stand ich verd├Ąchtig nahe am Duschbecken, sie w├Ąre im Nu bei mir, mit ihren kleinen, flinken, sportlichen Beinen.
Doch ich hoffte auf ihre Beinchen, dass sie sie nur weit genug an ihren K├Ârper ran ziehen konnten! Wie sollte sie sonst durch eines der L├Âcher im Abfluss passen, war sie doch selbst schon so gro├č wie der Abfluss?
Vorbei mit dem Denken, mein Ekel dr├Ąngte zur Tat, ich griff nach dem Duschkopf, zog den Griff der Wasserhahns hoch und zielte auf das schwarze Tier.
Sie reagierte, wie ich es erwartet hatte, und zog brav ihr Beinchen an. Wie klein sie auf einmal war.
Ich zielte mit dem Duschkopf, so dass der d├╝nne Wasserstrom im Duschbecken die Spinne zum Abfluss dr├Ąngte - und schwups! da lag sie drin. Aber in eines der L├Âcher passte sie noch nicht. Noch nicht. Ich lie├č das Wasser nun direkt in den Abfluss regnen, und schon im gleichen Augenblick
war das Tierchen v├Âllig mit Wasser bedeckt. Nur eine Frage der Zeit, bis es sie durch das kleine Loch dr├╝cken w├╝rde. Ha! Das war’s passiert, weg war sie! Ich schwenkte den Duschkopf ab, machte das Wasser aus. Aus dem Abfluss kamen Luftbl├Ąschen. Luftbl├Ąschen kamen doch sonst nie, dachte ich. War sie weg? Oje, mir wurde bang! Was sah ich da? Kleine schwarze Beinchen kamen zum Vorschein, tasteten aus dem Loch, krallten sich fest, wo eigentlich nichts zum Festhalten war. Und da war sie wieder. Aufgetaucht und nass gl├Ąnzend, die kleine Spinne mit ihrem unglaublichen Lebenswillen. Ein Schauer ergriff mich erneut, und mein Ekel schien einen neuen H├Âhepunkt zu st├╝rmen, wie sie da wieder aus dem Loch gekrochen kam.
Ich handelte schnell, bevor sie auf eine trockene Stelle im Duschbecken fl├╝chten konnte - Wasser an! Immer drauf halten, genau auf den Abfluss, genau auf das kleine Tier im Abflussloch. Und wieder zog sie sich blitzschnell zu einem kleinen, lebenden B├Ąllchen zusammen. Es dauerte nicht lange, da wurde sie wieder durch die Wassermassen hinab gedr├╝ckt. Und wieder stie├čen Luftblasen hinauf, und ich hielt den Wasserstrahl noch lange auf das Abflussloch, v├Âllig starr vor Angst, sie w├╝rde noch einmal auftauchen. Hei├čes Wasser musste es nun sein! Ich musste mir ja sicher gehen, ich musste meinen Plan sorgf├Ąltig und gewissenhaft ausf├╝hren, und das bedeutete: Weg mit der Spinne! Ob tot oder lebendig! Und w├Ąhrend ich mich bei diesen Gedanken erwischte, bei diesem Hoffen auf den Tod, bei diesem unmenschlichen Handeln einem Tier gegen├╝ber, dass doch nur um sein Leben gek├Ąmpft und fast gesiegt hatte, zog sich mein Innerstes tief in meiner Brust zusammen, ein bitterer Schmerz, ein unsagliches Schuldgef├╝hl und Wehleid ergriff mich.
Was hatte ich nur getan? Zu welchem schw├Ąchlichen Handeln hatte ich - Mensch - mich da hinrei├čen lassen? Und w├Ąhrend elendige Scham mich erdr├╝ckte, ich mich kr├╝mmte in meiner Trauer und Schuld, da riss mein Gewissen mich zu Boden, sog mich mit aller Kraft ins Abflussloch, dem unschuldigen Tierchen hinterher. Und immer noch hielt ich ihn krampfhaft fest, den Duschkopf, mit meiner blutigen M├Ârderhand.


__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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IKT
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Alpha, wie gut ich Dich verstehen kann! Aber wie hei├čt es so sch├Ân: Willkommen im Club!
Nein, ehrlich - wer von uns (Frauen) hat nicht schon mal einen solchen Mord begangen? (Obwohl - einige Mutige solls ja geben.)
Deine Geschichte ist witzig erz├Ąhlt und trotzdem beginnt man ├╝ber sein eigenes Verhalten zu gr├╝beln. Gut gemacht.
LG IKT

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

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Kommentare: 497
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Hallo Alpha,

eine kleine Situation sehr sch├Ân ausgesponnen. So intelligent und gut, und dann schreibst du zum Schluss von der ÔÇ×blutigenÔÇť M├Ârderhand. Die ÔÇ×M├ÂrderhandÔÇť ist doch alles andere als blutig, da sie das Tierchen mit viel hei├čem Wasser wegsp├╝lt. Hier und da gehtÔÇÖs etwas ins Satirische. Beste Stellen f├╝r mich: Die Beschreibung der Spinnenbeine, wodurch das Viehchen etwas dem Menschen Vergleichbares bekommt, also zum individuellen Wesen wird. Andere tolle Stelle, wie die T├Ąterin bildlich mit in den Abfluss gezogen wird.

Zwei, drei Stellen etwas straffen, hier und da eine ├ťbertreibung vielleicht zur├╝cknehmen, ohne aber die Ironie zu mindern ((ÔÇ×ÔÇŽein bitterer Schmerz, ein uns├Ągliches Schuldgef├╝hl und Wehleid ergriff mich.ÔÇť Hier ist beispielsweise ein bisschen dick aufgetragen, auch wenns Ironie ist)), dann ist die Sache wirklich ganz ausgezeichnet, finde ich. Und witzig dazu, wie schon IKT schrieb.

Beste Gr├╝├če
Monfou
PS:
Ich habe kein so gro├čes Problem mit Spinnen, die mir zwar auch nicht gerade in Duschen gefallen. Meine wahren Feinde sind M├╝cken. Lieber ein Dutzend harmloser Spinnen im Zimmer als eine blutgierige M├╝cke.
__________________
Monfou

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Alpha

Nachdem du hier von zwei Seiten schon und zu Recht Lob bekommen hast f├╝r deine kleine Geschichte, m├Âchte ich dir wohlmeinend einige Schw├Ąchen des Textes zeigen.

Beim Lesen fiel mir das Gef├Ąlle stark ins Auge. Vom Handwerklichen ist der Text zu Beginn holprig unbeholfen, ein Schulaufsatz. Dann steigerst du dich, wirst immer sicherer, und ab dem Absatz "Vorbei mit dem Denken.." kannst du deinen "Kampf" mit der Spinne witzig spannend erz├Ąhlen.

Hier nun einige Stellen, an denen du unbedingt arbeiten solltest.

Ich bin ein M├Ârder. Jawohl. Ich habe gemordet, und das nicht einmal ohne Gewissen. Es tat mir das Herz weh, Das Herz tat mir weh, mein Gewissen schrie, und ich habe dennoch habe ich meine abscheuliche Tat zu Ende gef├╝hrt. Dabei fing doch alles ganz harmlos an.
Ich wollte ins Bad, blieb aber schon vor lauter Entsetzen in der T├╝rschwelle stehen und starrte auf die Dusche mir gegen├╝ber. Da sa├č sie, ganz still und friedlich. Eine gro├če, schwarze Spinne. und Mich ergriff sofort ein tiefes Ekelgef├╝hl, wie es den meisten Menschen bei einem solchen Anblick ergeht. Ich stand immer noch in der T├╝r und r├╝hrte mich nicht. Ob sie wohl zucken, gar die Flucht ergreifen w├╝rde, wenn ich mich bewege? Mich schauderte. Aber dann ging ich doch auf sie zu, und es war nicht der Mut, der mich f├╝hrte, sondern die Gedanken des Mordes Mordgedanken. Vernichten Ich wollte ich sie vernichten, mit ihr das Ekelgef├╝hl austreiben.


Zusammenfassend m├Âchte ich sagen, dass mich geh├Ąuft auftretende F├╝llw├Ârter wie "doch", "aber", "ganz" st├Âren.
Als Beispiel dieser Satz hier:

Doch ich stand noch ein wenig an der Dusche
Ich stand an der Dusche... - empfinde ich fl├╝ssiger.

Es gibt S├Ątze, die ich g├Ąnzlich umschreiben w├╝rde:

Eine gro├če, schwarze Spinne, und mich ergriff sofort ein tiefes Ekelgef├╝hl, wie es den meisten Menschen bei einem solchen Anblick ergeht.

Klammers├Ątze weglassen. Entweder, die Bemerkung ist dir wichtig, dann bitte ohne Klammer, oder du streichst den ganzen Satz.

Vom Inhalt her hast du, wie von anderen hier schon erw├Ąhnt, eine kleine Episode gut beschrieben, die jedem von uns bekannt ist.

Lotte Werther

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