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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Standarte der Rabenlegion Teil II
Eingestellt am 22. 02. 2018 11:43


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helmut
Hobbydichter
Registriert: Feb 2018

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Der gefiederte Spion

Schaudernd zog Maximus, der Legatus der Rabenlegion, seine Tunika enger um seinen Körper. Er hatte sich immer noch nicht an die kĂŒhlen Morgenstunden in Britannia gewöhnt. Mit einem Seufzer dachte er an die wĂ€rmende Sonne in seiner geliebten Heimat - Rom!
Was hatte sich sein Feldherr, der mittlerweile schon in die Jahre gekommene Julius Severus, nur dabei gedacht, ihn und seine Legion hier in diesem verfluchten Britannia zu stationieren.
Er hatte ihm immer treu gedient und manchen Sieg fĂŒr ihn errungen. Da gab es sicher einige Legionen, die im Kampf nicht so erfolgreich fĂŒr den Feldherrn waren wie Maximus‘ Mannen. Von denen hĂ€tte Julius doch Eine zum Hadrianswall entsenden können. Dort hĂ€tten sich die Erfolglosen beweisen können.
Seine Augen streiften den Wald am Horizont. Seit zwei Tagen stand er nun jeden Morgen auf diesem Wachturm und schaute in die Ferne. Sein Blick verlor sich im dichten GrĂŒn des Waldes, wenn der Nebel es zuließ.
Es war nun bereits einen Monat her, als er die III. Kohorte seiner Legion unter der FĂŒhrung seines Zenturio Marcus zur Erkundung der militĂ€rischen Lage an den Hadrianswall gesandt hatte. Die Kohorte hĂ€tte lĂ€ngst zurĂŒck sein sollen. Wenn sie heute nicht zurĂŒckkehrt, wĂŒrde er morgen in der FrĂŒhe Kundschafter aussenden mĂŒssen um zu erfahren, warum Marcus mit seiner Truppe noch nicht angekommen ist.
Langsam stieg die Sonne höher und Maximus spĂŒrte ihre WĂ€rme auf seiner Haut. Es war einer dieser Vormittage, an dem er am nebelfreien Horizont im Norden den Wald vom
Kastell Parisi aus sehen konnte.
Oft bedeckte dichter Nebel die GrasflÀche zwischen dem Schutzwall und dem dunklen Wald.
Damit kein Feind vom Wald her ungesehen das Kastell erreichen kann, ließ er das Gras bis zum Wall von den Einwohnern der umliegenden Dörfer kurz halten. Mittlerweile wurde diese Arbeit von den Dorfbewohnern ohne Murren erledigt. Das war aber nicht immer so: anfangs mussten die Peitschen seiner Soldaten die Einwohner von der Wichtigkeit der Arbeit ĂŒberzeugen. Die Hinrichtung der DorfĂ€ltesten samt ihren Familien; sie ließ er öffentlich kreuzigen, brach den letzten Widerstand und die Arbeiten wurden seither zu seiner Zufriedenheit ausgefĂŒhrt.
„Kra, kra“, der Ruf eines ĂŒber ihm fliegenden Raben schreckte ihn aus seinen Gedanken auf.
Der schwarze Vogel setzte sich auf die ihm gegenĂŒberliegende BrĂŒstung des Wachturms und schaute ihn neugierig an.
Maximus wusste nicht warum, aber der Vogel war ihm unheimlich. Seit er mit seiner Legion vor zwei Monaten in Parisi eingezogen war, verging kein Tag, an dem er das Tier nicht anstarrte.
Ein RĂ€uspern ließ ihn erschreckt herumfahren.
Jeth, sein keltischer Kundschafter und TrÀger der Legionsstandarte, stand vor ihm.
Er hatte nie verstanden warum Julius Severus ausgerechnet einen Kelten zum TrÀger dieser Standarte auserkoren hatte.
Mehrmals hatte er seinen Kommandeur darauf hingewiesen, dass Jeth hier in der NĂ€he der keltischen StĂ€mme seine Treue zur römischen Legion verlieren und mit der Standarte zu den Kelten ĂŒberlaufen könnte.
Aber Julius war fest von der LoyalitĂ€t und Treue Jeths zu ihm ĂŒberzeugt. Nachdem Julius Sohn im Knabenalter schwer erkrankt und verstorben war, hatte er dessen Freund Jeth fast wie seinen Sohn behandelt, ihn mit Liebe erzogen und gefördert.
Julius war ĂŒberzeugt davon, dass Jeth, der als Sohn eines keltischen FĂŒrsten in Geiselhaft bei den Römern verweilte, lĂ€ngst ein Römer geworden war und somit keine Gefahr fĂŒr die Legion des Maximus darstellte.
Jeth war sehr hilfsbereit und immer lustig, was ihn bei den Offizieren und Soldaten sehr beliebt machte. Die Warnungen, dem jungen Kelten nicht zu sehr zu vertrauen, wurden daher nur zu gerne ĂŒberhört.
Maximus war ĂŒberzeugt, der Einzige zu sein, der die Unruhe des jungen Kriegers bemerkt hatte, seit dieser in Parisi angekommen war und jetzt so nahe am Hadrianswall, so nahe an seiner alten Heimat war. TĂ€uschte er sich oder begrĂŒĂŸte Jeth den auf der Balustrade sitzenden Raben mit einem LĂ€cheln, noch bevor er seinen Legatus Maximus mit einem „Ave Maximus“ bedachte.
Seine Gedanken abschĂŒttelnd und ohne höflichen Gruß antwortete er dem TrĂ€ger der Standarte: „Was gibt es, warum störst du mich bei meiner morgendlichen Kontrolle der Wachen?“
„Verzeiht Herr, ich nahm an, dass eure Inspektion beendet sei. Es ist ein Bote des FĂŒrsten Helu eingetroffen, der euch sprechen möchte.“
„Helu einen FĂŒrsten zu nennen kann auch nur einem Kelten einfallen. FĂŒr uns Römer ist er der AnfĂŒhrer einer RĂ€uberbande.“
Jeth bemerkte sehr wohl die Beleidigung in den Worten seines Befehlshabers: bewusst nannte er ihn einen Kelten.
Doch der junge LegionĂ€r hatte sich nie der Illusion hingegeben, ausgerechnet er, die keltische Geisel, werde von seinem Ziehvater und den MĂ€nnern der Legion als vollwertiger Römer betrachtet - immer wĂŒrde er auch der Kelte bleiben.
HĂ€tte sein Ziehvater Julius in ihm einen vollwertigen Römer gesehen, wĂŒrde er nicht nur die ehrenvolle Rolle des StandartentrĂ€gers der Legion innehaben, sondern lĂ€ngst den Rang eines Offiziers bekleiden.
Die Worte Maximus brachten ihn zurĂŒck in die Gegenwart.
„Ich gehe jetzt in meine Unterkunft. Den Boten bringst du genau in vier Stunden zu mir. Wollen doch mal sehen, ob ein RĂ€uber so lange geduldig warten kann.“
Der junge Kelte schaute seinem Befehlshaber auf seinem Weg zur Unterkunft ruhig nach. Die Beleidigungen des Maximus gegen sein Volk störten ihn nur wenig.
Da er bis auf die Begleitung des Boten zu seinem Feldherrn keinen weiteren Auftrag mehr zu erledigen hatte, begab er sich zu Taje, dem Boten des KeltenfĂŒrsten. Er war begierig darauf, Neuigkeiten von seinem Volk auf der anderen Seite des Hadrianswall zu erfahren.
Dass mit Maximus auch der Rabe verschwunden war, fiel ihm nicht auf.
Maximus kletterte mit Hilfe einer Leiter vom Wachturm herunter und als er den rechten Fuß auf den Boden setzte, versank er bis zum Knöchel im Schlamm.
NatĂŒrlich musste das so kommen, dachte er; der schon Tage dauernde Regen hatte den Erdboden im Kastell in eine SchlammflĂ€che verwandelt. Was hatte nur sein VorgĂ€nger in den ganzen Jahren an diesem unwirtlichen Ort gemacht? Warum war der Boden nicht befestigt worden? Die WohngebĂ€ude seiner LegionĂ€re und natĂŒrlich seine Unterkunft hĂ€tten schon bei seiner Ankunft in einem besseren Zustand sein mĂŒssen.
Vorsichtig, um sich nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig mit Schlamm zu besudeln, ging er ĂŒber den Ausbildungsplatz der Legion zu seiner Unterkunft.
Nachdem er es sich vor seinem Tisch auf einem einfachen mit BĂ€renfellen gepolsterten Holzstuhl bequem gemacht hatte, rief er nach seinem Sklaven Weco, dabei dachte er an den alten, weißhaarigen Mann. Einmal mehr wurde ihm bewusst, dass Weco ihm bereits seit seiner Kindheit als versklavter Diener zur Seite stand.
Schon so manches Mal hatte er geplant, dem alten Mann die Freiheit zu schenken und einen jĂŒngeren Sklaven zu nehmen.
Bisher konnte er jedoch keinen Sklaven finden, der Weco im Hinblick auf Weisheit und Intelligenz das Wasser reichen konnte.
Leise stöhnend betrachtete Maximus seinen mit Papieren voll beladenen Tisch. Verwaltungsaufgaben gehörten nicht zu seiner LieblingsbeschĂ€ftigung, er war Soldat und sah seine Aufgabe im Kampf auf dem Schlachtfeld. Wenn er schon hier in diesem kalten und nassen Britannia stationiert war, dann wollte er auch mit seiner Legion den Hadrianswall ĂŒberschreiten und die StĂ€mme des Nordens unterwerfen.
ZukĂŒnftig konnten diese Verwaltungsaufgaben sein Sklave Weco erledigen. Besonders dann, wenn er ihm noch einen fĂ€higen Zenturio fĂŒr die soldatischen Aufgaben und einen Beamten zur UnterstĂŒtzung fĂŒr die Verwaltungsaufgaben zur Seite stellen wĂŒrde.
Ein leises RĂ€uspern ließ ihn von seinem Tisch aufblicken.
Vor ihm stand Weco und Maximus fiel erneut auf, wie voll sein weißes Haupthaar noch war und wie edel seine GesichtszĂŒge wirkten. Sein schlanker Körper steckte in einer weißen Tunika und an seinen FĂŒĂŸen trug er trotz der KĂŒhle nur Sandalen. Man sah Weco an, dass er einmal zu den Edlen des griechischen Volkes gehört hatte.
Maximus lehnte sich in seinem Stuhl zurĂŒck und verschrĂ€nkte die HĂ€nde hinter seinem Nacken: „Weco, ich plane grundlegende VerĂ€nderungen vorzunehmen.“
Da Weco keinerlei Reaktion zeigte, fuhr Maximus fort, dabei nahm er die HĂ€nde vom Nacken und erhob sich von seinem Stuhl: „Wir sind nun schon seit acht Wochen hier im Lager. Das Lager ist noch nicht einmal fĂŒr einen Haufen Sklaven zumutbar, umso weniger fĂŒr eine römische Legion. Ich möchte, dass im gesamten Lager befestigte Wege zu allen UnterkĂŒnften, WachhĂ€usern, und StĂ€llen angelegt werden. Mir reicht auch nicht der eine Wall um das Lager. Ich will einen weiteren Wall, sodass unser Lager von einem Ă€ußeren und einem inneren Wall umgeben wird. Zwischen den WĂ€llen ist ein tiefer mit Wasser gefĂŒllter Graben anzulegen. Auf den Grund des Grabens sind eng aneinander stehende angespitzte BaumstĂ€mme einzurammen. Der Übergang ĂŒber den Graben ist mit einer ZugbrĂŒcke zu gewĂ€hrleisten.“
Durchdringend sah der Feldherr seinen Sklaven an: „Jetzt fragst du dich, warum ich dir das alles erzĂ€hle?“
Hatte Maximus erwartet, dass Weco zumindest nicken wĂŒrde, so hatte er sich getĂ€uscht. Der alte Mann stand noch immer unbeweglich vor seinem Schreibtisch und verzog keine Miene.
„Nun Weco, ich erzĂ€hle es dir, weil ich dich freigeben werde und du dann als freier römischer BĂŒrger die Aufgabe ĂŒbernimmst. Ich werde dir den Zenturio Roman zur Seite stellen. Er wird dich bei allen militĂ€rischen Fragen beraten. Benötigst du auch jemanden zur Beratung fĂŒr die Erledigung der Verwaltungsaufgaben?“
Gespannt sah Maximus den alten Mann an.
Dieser hatte sich nun seinem Feldherrn zugewandt.
„Nun, ich fĂŒhle mich geehrt, Herr. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass wir fĂŒr dieses große Bauvorhaben viel Holz schlagen mĂŒssen. Bereits jetzt gibt es weder in der NĂ€he noch in der weiteren Umgebung des Kastells genĂŒgend Holz; unsere Legion und die zwei Dörfer vor unserem Kastell haben kaum noch Feuerholz. Aber das ist nicht alles. Wir vertreiben mit der Rodung auch noch das letzte Wild aus unserer unmittelbaren Umgebung. Woher bekommen wir und auch die Menschen in den Dörfern, dann frisches Fleisch?“
LĂ€chelnd erwiderte Maximus: „Wie weit ist der Hadrianswall von uns entfernt?“
„Zwei TagesmĂ€rsche, Herr.“
„Dann werden wir nicht den Wald hier roden, sondern uns das Holz aus den WĂ€ldern hinter dem Hadrianswall holen. Siehst du ein Problem darin?“
Weco stand immer noch vor dem Tisch des Feldherrn und versuchte, seinem im Raum auf- und abgehenden Herrn mit den Blicken zu folgen. „Der Transport ist kein Problem Herr, nur werden wir mit stĂ€ndigen Angriffen der Barbaren hinter dem Wall rechnen mĂŒssen.“
„Weco, darĂŒber bin ich mir schon im Klaren. Darum höre meinen Plan: die MĂ€nner und Frauen aus den zwei umliegenden Dörfern sollen das FĂ€llen der BĂ€ume ĂŒbernehmen und werden dabei von einer Kohorte bewacht. Glaube mir, keiner wird es wagen, zu fliehen und der FĂŒrst der Kelten wird wohl kaum seine eigenen Leute angreifen. So dĂŒrfte das Holz schnell geschlagen sein und der Transport nach Parisi zĂŒgig erfolgen. Mein treuer Weco, deine erste Aufgabe als freier Mann wird es sein, den Bau der Festung zu organisieren und zu ĂŒberwachen. In drei Monaten muss alles fertig sein!“. Weco öffnete den Mund, bevor er jedoch ein Wort sagen konnte, fuhr Maximus fort: „FĂŒr die Arbeit bekommst du alle MĂ€nner aus den zwei Dörfern und 500 LegionĂ€re. Die Frauen werden erst nach der Aussaat der Ernte zur Arbeit an der Festung herangezogen“.
Erneut hob Weco zu Sprechen an, wurde aber mit einer Handbewegung zum Schweigen gebracht.
„Du kannst gehen, Weco. Schon in fĂŒnf Tagen erwarte ich hier die erste Holzlieferung.“
Weco hatte die TĂŒr fast erreicht, als er die jetzt sehr strenge Stimme des Feldherrn vernahm: „Weco, eines noch: jeder Versuch die Arbeiten zu stören, wird gnadenlos bestraft. Jeder: ohne Ansicht der Person!“
Ohne eine Antwort verließ der alte Mann den Raum.
Weder der Alte noch Maximus sahen, wie der Rabe sich vom Fenstersims erhob und Richtung Hadrianswall davonflog.

Hinter dem Wall flog der Rabe in das Dorf Ibensium, und ließ sich auf einem Stapel Brennholz nieder, der vor einer HĂŒtte aufgeschichtet war. Eine alte, grauhaarige in einen tiefschwarzen Umhang gehĂŒllte Frau trat aus der HĂŒtte und ging auf den Vogel zu. ZĂ€rtlich streichelte sie ihm das Gefieder. Dabei unterhielt sie sich mit dem Raben in einer fĂŒr kein menschliches Ohr verstĂ€ndlichen Sprache.
Nach einer Weile drehte sie sich um und schaute zum Mittelpunkt des Dorfes.
Das in der Mitte des Dorfes stehende Blockhaus, wurde von HĂŒtten umkreist und ĂŒberragte diese auffallend.
Die alte Frau lĂ€chelte als sie sich zu dem Blockhaus begab. Dabei murmelte sie leise: „Mein FĂŒrst wird mit mir zufrieden sein, wenn ich ihm die Worte des uns von Lugus gesandten Boten ĂŒbermittle.“
Das Dorf stand auf einer Anhöhe und bestand aus etwa fĂŒnfzig HĂŒtten und dem Blockhaus des FĂŒrsten. Außer von den HĂŒtten, die den ersten Schutzwall bildeten, war das Blockhaus von einer zwei Mann hohen hölzernen Palisade umgeben. Um Raubtiere oder Feinde abzuwehren, waren die Palisaden oben zugespitzt. Ein Tor, das mit zwei FlĂŒgeltĂŒren verschlossen und von innen mit einem Holzbalken gesichert werden konnte, bildete den Einlass zum Innenhof der BlockhĂŒtte. Der Eingang wurde Tag und Nacht von zwei Bewaffneten bewacht.
Im Innenhof der BlockhĂŒtte befand sich ein hoher Holzturm, der immer mit einem WĂ€chter zur Beobachtung der Umgebung des Dorfes besetzt war. Der große Innenhof und die BlockhĂŒtte boten im Falle eines Angriffs allen Bewohnern die Möglichkeit, sich hinter den Palisaden in Sicherheit zu bringen. Als die Zauberin das Tor erreichte, wurde sie von den beiden TorwĂ€chtern ehrfurchtsvoll begrĂŒĂŸt. LĂ€chelnd ging die alte Frau weiter. wissend, von den Beiden nicht besonders gemocht zu werden; aber das galt fĂŒr alle Bewohner, nur nicht fĂŒr den Raben. Selbst der FĂŒrst sah sie nur gerne, wenn sie ihm wichtige Nachrichten ĂŒberbrachte oder Verletzungen und Krankheiten heilte. Sie war sich sicher, dass alle, die sich der Zauberei und Heilkunst verschrieben hatten, fĂŒr die Menschen unheimlich waren. Mit diesen Gedanken betrat sie die Halle des FĂŒrsten. Erleichtert stellte sie fest, dass der FĂŒrst anwesend war. So musste sie ihn nicht lange suchen.
Der FĂŒrst saß vor einem großen aus Eichenholz hergestellten Tisch und begutachtete mehrere auf ihm liegende SchriftstĂŒcke.
Bei Airams Eintritt erhob er sich. Gespannt richtete er seine Augen auf die Zauberin.
„Sei gegrĂŒĂŸt, Airam. Sicher kommst du nicht um dich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen. Ich hoffe, du bringst mir keine schlechten Nachrichten.

Auf der anderen Seite vom Hadrianswall hatte Jeth den Dorfrand von Burensia erreicht. In dem Dorf erwartete ihn der Bote des KeltenfĂŒrsten.
Das Dorf lag in einer kleinen Senke. Es bestand aus etwa zwanzig HĂŒtten, die an beiden Seiten der Dorfstraße wie an einer Perlenschnur aufgereiht standen. Die Straße fĂŒhrte aus dem SĂŒden kommend durch den Wald, den Maximus eben noch beobachtet hatte, in Richtung Norden nach Parisi.
Die Bewohner hatten um ihr Dorf Weide - und AckerflĂ€chen angelegt, auf dem sie ihr Vieh grasen ließen und Getreide anbauten. An den HĂŒtten waren kleine, sĂ€uberlich bestellte GĂ€rten angelegt, in denen die Dörfler ihr GemĂŒse zogen.
Ziemlich genau in der Mitte des Dorfes befand sich der Brunnen zur Wasserversorgung der Dorfbewohner.
Schon vom Dorfrand erkannte Jeth, dass die Bewohner des Dorfes um den Brunnen einen Kreis gebildet hatten. Innerhalb des Kreises schien irgendetwas vorzugehen, das die Dörfler stark erregte.
Am Brunnen angekommen, schob Jeth einige der Umherstehenden beiseite und trat in den Kreis.
Was er dort sah, ließ ihn sogleich sein römisches Kurzschwert ziehen.
Taje, stand mit dem RĂŒcken gegen den Brunnen gelehnt und wurde von drei römische Hilfssoldaten mit ihren Lanzen bedroht. Der junge Kelte hielt zwar sein Schwert in der rechten Hand und schwenkte es immer wieder von rechts nach links, aber gegen die ihn bedrohenden Lanzen konnte diese Verteidigung nicht lange erfolgreich sein. Mit einem Blick sah Jeth, die Blutflecken auf dem Schwert des jungen Kelten. Erst jetzt erblickte er einen Hilfssoldaten, der hilflos am Boden kauerte und sich mit der rechten Hand die blutende linke Schulter hielt. Neben dem verletzten LegionĂ€r saß ein junges MĂ€dchen, deren lange blonde Haare völlig zerzaust das Gesicht bedeckten. Die Bluse des MĂ€dchens war zerrissen und verbarg so den Anblick ihrer kleinen, festen BrĂŒste vor den Augen der Umherstehenden nicht mehr. Sie hatte die Beine angezogen, der hochgerutschte Rock ließ so jedem Betrachter ihre schlanken wohlgeformten Beine erkennen.
Neben dem MĂ€dchen lag ein umgestĂŒrzter Korb, der anscheinend mit den FrĂŒchten, die jetzt neben ihm lagen, gefĂŒllt gewesen war.
Der Anblick des MĂ€dchens ließ Jeth nur einen Moment zögern, dann wandte er sich wieder dem Kampf des Kelten mit den römischen Hilfssoldaten zu.
Die KĂ€mpfenden nicht aus den Augen lassend rief er: „Was geht hier vor? Stellt den Kampf ein. Sofort!“
Da die Hilfssoldaten in dem Rufenden den StandartenfĂŒhrer ihrer Legion erkannten, ließen sie die Speere sinken. Der junge Kelte behielt sein Schwert weiterhin in der rechten Hand und bedrohte mit ihm noch immer die LegionĂ€re.
Jeth sah den Boten der Kelten an und versuchte ihn zu beruhigen: „Es besteht keine Gefahr mehr. Du kannst dein Schwert wieder einstecken.“
Dann wandte er sich dem Ă€ltesten der LegionĂ€re zu: „Was ist hier vorgefallen? Warum bedroht ihr den Boten des KeltenfĂŒrsten?“
Wenn Jeth nun erwartet hatte, dass der LegionĂ€r ihn schuldbewusst ansehen wĂŒrde, weil dieser mit seinen Kameraden den Gesandten eines FĂŒrsten bedroht hatte, so sah er sich getĂ€uscht.
Mit wĂŒtender Miene antwortete dieser: „Was mischt du dich hier ein? Der Barbar hat uns angegriffen, als wir die Marktfrau bestrafen wollten. Sie hat meinen Kameraden dort“, dabei zeigte er auf den noch immer am Boden sitzenden verwundeten LegionĂ€r, „betrogen. Sie hat ihm fĂŒr zwei Assen einen verfaulten Apfel verkauft; als mein Kamerad das Geld zurĂŒckforderte, hat sie sich geweigert es herauszugeben. Wir haben sie dann festgehalten um es ihr abzunehmen. Dabei hat sie sich wie eine wilde Katze gewehrt und dabei ist ihr Kleid gerissen - ihre eigene Schuld war das. Dann kam dieser Kelte dazu und griff uns ohne Vorwarnung an. Als du kamst, waren wir gerade dabei ihn abzuwehren. Das Geld meines Kameraden haben wir immer noch nicht. Ich werde es jetzt holen.“ Der LegionĂ€r drehte sich um und wollte zu dem MĂ€dchen gehen, als diese aufstand und ihm zurief: „Bleib wo du bist oder ich steche dich nieder!“ Blitzschnell zog sie ein Messer aus einer ihrer Rocktaschen und bedrohte den alten LegionĂ€r damit. Die Bedrohung eines erfahrenen, mit einer Lanze bewaffneten LegionĂ€rs mit einem Messer war eher bemitleidenswert und vor allem aussichtslos. Ein kurzer heftiger Schlag mit der Lanze auf die Messerhand ließ das MĂ€dchen aufschreien und das Messer zu Boden fallen. Ein weiterer Schrei entfuhr dem MĂ€dchen und der Schmerz ließ sie langsam zu Boden gehen. Dort kniete sie und starrte auf ihre schlaff vom Handgelenk herabbaumelnde Hand. Der LegionĂ€r ging nĂ€her zu ihr und drĂŒckte dem MĂ€dchen die Lanzenspitze an die Kehle. Bluttropfen sickerten aus der von der Lanzenspitze verursachten Wunde am Hals.
Mit finsterem Blick sah der Alte das MĂ€dchen an: „Meinen Kameraden betrĂŒgen und mich bedrohen, dafĂŒr stirbst du am Kreuz, dass schwöre ich dir.“ Dann nahm er die Lanzenspitze vom Hals des MĂ€dchens, hob den Kopf und sagte zu seinen zwei GefĂ€hrten: „Nehmt sie mit ins Lager.“ Die zwei Soldaten rissen das MĂ€dchen an den Armen hoch und schleiften es fort. Der alte LegionĂ€r beugte sich zu seinem verletzten Kameraden hinunter und inspizierte die Wunde. „Da hast du nochmal GlĂŒck gehabt, die Wunde ist nicht gefĂ€hrlich. Komm, wir gehen zum Zenturio und melden den Vorfall. Dann drĂ€ngten sie sich durch die sie umgebenden Dörfler und folgten ihren Kameraden in das Heerlager.
Taje war klug genug, sich nicht mehr einzumischen. Er hatte einen Auftrag zu erfĂŒllen und eine weitere Einmischung konnte diesen gefĂ€hrden. So sah er den TrĂ€ger der Standarte an und sagte: „Ich nehme an, du wolltest mich zu deinem Feldherrn fĂŒhren?“ Auch Jeth wollte den unschönen Vorfall schnell vergessen. Sollte der Zenturio sich um den Fall kĂŒmmern, schließlich waren es seine Soldaten. Daher antwortete er: „Ja, der Feldherr erwartet dich.“
So verließen beide das Dorf und begaben sich zum Kastell des Maxims.

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helmut

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