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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Sterne sind an allem schuld!
Eingestellt am 07. 04. 2003 11:32


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GerdaHaeusler
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Registriert: Mar 2003

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Die Sterne sind an allem schuld !

Die Sonne scheint. Voller Elan und Tatendrang springe ich aus den Federn, um s├Ąmtlich Fenster zu putzen, die in meinem Hausfrauenleben eine Rolle spielen. Mindestens 3 Gr├╝nde sprechen f├╝r meine pl├Âtzlich und v├Âllig unerwartet aufgetretene Putzwut.
1) Die Sonne scheint.
2) Gute Hausfrauen putzen halt hin und wieder.
3) Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich nicht mehr erkennen, ob es Tag oder Nacht, Sommer oder Winter ist.
Ich bin wild entschlossen den D├Ąmmerzustand in meiner Wohnung zu beheben und etwas Glanz in meine bescheidene H├╝tte zu bringen.
Aber da f├Ąllt mir ein, bevor ich wirklich und ernsthaft loslege, k├Ânnte ich ja eigentlich noch schnell eine Freundin anrufen, um mit ihr ein bi├čchen ├╝ber das Leben an sich und als solches oder ├╝ber die M├Ąnner im einzelnen und im speziellen und ├╝berhaupt zu philosophieren.
Damit mir beim Telefonieren der Hals nicht pl├Âtzlich austrocknet, sch├╝tte ich mir 2 1/2 l Kaffee auf. Die Suche nach einem freien und gem├╝tlichen Pl├Ątzchen in meiner chaotischen Wohnung ist bereits nach 10 Minuten von Erfolg gekr├Ânt. Zwar muss ich erst 3 B├╝cher, 2 Zeitschriften, meine Lesebrille,eine leere Packung Zigaretten, eine angebrochene Tafel Schokolade und andere diverse Kleinigkeiten beiseite r├Ąumen, aber die Aussicht auf ein nettes,kleines Plauderst├╝ndchen l├Ąsst mich das alles mit einem Mindestma├č an Unmut in einen Schrank stopfen, der mir seit 17 Jahren dazu dient alles hineinzuwerfen,was mir irgendwie im Weg ist und den ich unter Einsatz meines Lebens verteidigen w├╝rde,k├Ąme jemand auf die wahnwitzige Idee ihn zu ├Âffnen.
So, gleich ist es soweit. Um meinen guten Willen zu demonstrieren, stelle ich schon mal alles, wovon ich vermute, dass man es zum Putzen braucht mitten ins Wohnzimmer. Das beruhigt mein schlechtes Gewissen ein wenig und vielleicht, entgegen allen rationalen Erw├Ągungen, f├Ąngt das Fensterleder ja schon mal ohne mich an.
Dem bi├čchen Entspannung vom stressigen Hausfrauendasein steht nun nichts mehr im Wege.
Ich setze mich gem├╝tlich hin, lege meine m├╝den Beine hoch und w├Ąhle die Nummer meiner besten Freundin. Freizeichen, dem Himmel sei Dank !
Es klingelt ungef├Ąhr 11 mal, bis sich am anderen Ende eine genervte und ausser Atem geratene Stimme meldet. Ganz entspannt frage ich: "Hi, S├╝├če, ich st├Âre doch hoffentlich nicht?" "Naja, eigentlich schon. Ich habe gerade im Zuge meines allw├Âchentlichen Hausputzes die Steckdosen
abgeschraubt, um dahinter zu wischen."
Mmh, ich bin leicht irritiert, weil mir diese Idee in all den Jahren, die ich meinem Haushalt geopfert habe, noch nie gekommen ist.
Was habe ich alles vers├Ąumt? Erste Zweifel ├╝ber meine Daseinsberechtigung machen sich breit. Ich habe mich r├╝hrend um meine Kinder gek├╝mmert,habe versucht W├Ąrme und Geborgenheit in meine Wohnung zu bringen, aber
meine Steckdosen (von hinten) habe ich str├Ąflich vernachl├Ąssigt.
Ich f├╝rchte, ich mu├č mir ernsthafte Gedanken ├╝ber mein verkorkstes Leben machen und verabschiede mich kleinlaut von meiner Freundin.
1 Stunde, 1 Kanne Kaffee und 8 Zigaretten lang verbringe ich damit, dar├╝ber nachzudenken, ob meine Steckdosen ungl├╝cklicher als die meiner Freundin sind. Ich komme allerdings zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Also kann ich genausogut meine ├ťberlegungen verschieben und in der Zwischenzeit mit einer anderen Freundin telefonieren. Die hebt erst nach dem 16. Klingeln ab. "Oh,Gott, st├Âre ich dich etwa?" "Nein, 5 Minuten kann ich schon mit Dir plaudern. Ich bin gerade dabei im Keller die Vorratsdosen abzustauben."
Just in diesem Moment erleidet mein Selbstbewu├čtsein als Hausfrau den letzten und alles vernichtenden Schlag. Ich bin ein Versager, keine Frage.
Da m├╝he ich mich jahrelang meinen Lieben gerecht zu werden und sehe tatenlos zu, wie meine Konservendosen verstaubt und unw├╝rdig ans Licht geholt zu werden, im Keller ihr langweiliges und unbeachtetes Schicksal beklagen. Ich bin am Boden zerst├Ârt. Zwar habe ich seit l├Ąngerem schon geahnt,
dass ich nicht die beste Hausfrau von allem bin, aber dass ich so ignorant bin, das stellt ja meinen ganzen Charakter in Frage.
Um mir den n├Ąchsten Schlag ins Gesicht zu ersparen, stelle ich das Telefon erst mal ganz weit weg.
Oh, Mann, was mache ich blo├č?
Lege ich mich auf die Couch eines Therapeuten, oder lieber auf die, die da so v├Âllig verwahrlost in meinem Wohnzimmer rumsteht?
Ich entscheide mich f├╝r die zweite M├Âglichkeit und lese in meinem Astrologiebuch nach, ob Sch├╝tze-Frauen denn eventuell und unter Umst├Ąnden auch gute Seiten haben.
Was ich da lese, richtet mein geschundenes Selbstwertgef├╝hl wieder etwas auf.
Ich bin also offen, ehrlich gerechtigkeitsliebend und unersch├╝tterlich optimistisch. Mein geistiger Regenbogen schillert in allen Farben. Nur meine hausfraulichen Qualit├Ąten lassen eher zu w├╝nschen ├╝brig.
Na, klasse, jetzt habe ich es schwarz auf wei├č. Die Entschuldigung f├╝rs Leben.
Ich kann schlie├člich nicht ununterbrochen gegen meine wahre Natur ank├Ąmpfen.
Also, liebe Konservendosen und liebe Steckdosen:
Ich liebe euch mit der verzweifelten Seele einer Nicht-Hausfrau, aber wenn ihr in meinem Haushalt weiterleben wollt, m├╝sst ihr euch wohl oder ├╝bel mit dem einen oder anderen Staubk├Ârnchen abfinden.
Ich kann eben nicht anders. Und wenn ihr mir nicht glauben wollt, k├Ânnt ihr in meinem Asto-Buch, Seite 132, Absatz 6 gerne nachlesen.
__________________
Jedes Bild ist nur so bunt,wie die Farben, an die sein Maler sich wagt

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