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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Stille ist ein Raum
Eingestellt am 30. 10. 2005 13:26


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bookwriter
Schriftsteller-Lehrling
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Vorweg: Der Text ist eine Betrachtung, d.h. ihm liegt ein journalistischer Gedanke zu Grunde. Da es aber ein relativ szenischer Text ist, habe ich mir gedacht, dass er hier besser aufgehoben ist. Vielleicht irre ich mich, sagt es mir.



Die Stille ist ein Raum


Der schlichte Teppich schluckt jedes GerĂ€usch. Darauf runde Kissen auf dem Boden und einige StĂŒhle. Alles ist im selben Farbton gehalten. Die Luft hĂ€ngt in dem kleinen Raum unbeweglich zwischen den WĂ€nden. Angenehme WĂ€rme. Das Licht durchdringt nur schwach die schweren VorhĂ€nge an den Fenstern, fĂ€llt gedimmt von Deckenstrahlern. Unwirkliches Licht bricht durch den gewebten Wandteppich. Es ĂŒberwindet die symbolhafte Finsternis des Gewebes. Kein Laut, nur leise AtemgerĂ€usche von den Anwesenden. Stille.
     Raum der Stille.
     Hier im Brandenburger Tor finden sich Menschen, egal welcher Abstammung, egal welcher Religion, Hautfarbe oder der körperlichen Verfassung. Ein Zusammenkommen der Unterschiede. Man redet nicht, diskutiert nicht, streitet nicht - man ist still. Sie verbindet jeden auf der Welt: die Stille. Das Wegkommen vom LĂ€rm der Welt, einkehren in eine Harmonie. Harmonie ĂŒber sich selbst - Harmonie zwischen den Menschen. Der Raum der Stille ist ein Ort des privaten und des zwischenmenschlichen Friedens.
     Eine Frau atmet hörbar. Ihre Kleider sind abgetragen, die Gesundheitssandaletten zeugen von langen Wegen. Ruhig sitzend hat sie ihre Augen geschlossen, hĂ€lt ein Blatt auf ihrem Schoß. Die BroschĂŒre des Raumes der Stille. Darauf stehen Worte - hebrĂ€isch. Neben ihr sitzt ein Mann. Sein dunkles Sakko und die schwarzen Lederschuhe sprechen von Geld. Ein deutsches Namensschild hĂ€ngt an seiner Brusttasche.
     Ihre Blicke treffen sich. Keine Worte fallen. Keine mimische Regung. Hier ist jeder fĂŒr sich allein.
     Man fĂŒhlt sich wohl, geborgen. Doch sogar hier vernimmt man den Ruf der Außenwelt. Die Zeit drĂ€ngt. Nicht hier drin - im Raum der Stille schlĂ€gt keine Zeit, aber man hört sie an der TĂŒr klopfen. Die Welt zerrt einen zurĂŒck.
     Und so folgt man dem Ruf, geht entlang des Weges hinaus aus dem Raum der Stille. Beim Passieren der TĂŒr schwillt die LautstĂ€rke an. Das Brummen der Fahrzeuge, kreischende Reifen, schrilles Murmeln der Menge. Die ersten Schritte weg vom Raum der Stille im Brandenburger Tor fallen schwer. Die Hauptschlagader der Stadt pulsiert. Unangenehm drĂ€ngt die LautstĂ€rke zurĂŒck. Und man weiß: die Stille ist ein Raum.

__________________
"Der ist kein Schriftsteller, der den Blick des Menschen nicht ein wenig klarer gemacht hat!" (Paustowskij, russ. Schriftsteller)

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flammarion
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da

is man nu balina un lernt durch t intanet die eijene schdatt kenn. interesanter text. nur: "Darauf stehen unverstĂ€ndliche Worte, hebrĂ€isch." ich denke, wenn die frau diese blĂ€tter in der hand hat, wird sie die sprache auch verstehen. dass du sie nicht verstehst, ist nicht allgemein gĂŒltig. hier braucht es die einfĂŒgung "mir unverstĂ€ndliche".
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Rumpelsstilzchen
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Hast ein Still-Leben in Szene gesetzt.
Hab's gerne betrachtet.
Nur erzÀhlt hat's nix.
War ganz still.

Noch keine Geschichte, aber kurze Prosa.
WĂ€chst vielleicht noch...

Hat die Stille gebrochen und ist aus dem Ohr gebrochen


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bookwriter
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Danke

Danke fĂŒr eure Antworten.

Das haben Betrachtungen so an sich, dass sie etwas statisch sind und deshalb die Handlung schnell verloren geht.

Was das "Darauf stehen unverstÀndliche Worte, hebrÀisch." angeht, so werde ich das Àndern. Der Einwand ist berechtigt.

Kleine Geschichte zum Text: Ich sollte bis Redaktionsschluss noch ne kleine Story ausfindig machen (war nur eine Art Schreibwerkstatt) und da ich kurz davor im Raum der Stille war, entschloss ich mich den Text an dem Thema aufzuziehen. Schlussendlich, nach einer langen Nacht anstrengendem Redigierends, war der Artikel "druckreif". Im Nachhinein meinte meine Chefredakteurin, dass es einer der besten Artikel war. *freu* (Sie ist halt auch nur ne Journalistin und beurteilt aus journalistischer Sicht einen solchen Text, wobei mir die Meinung aus dem Fachbereich Prosa doch etwas wichtiger ist als ihre.)
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Rumpelsstilzchen
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Hab's wohl zu stilzisch formuliert.
Noch mal platt:
Der Text ist nicht schlecht.
Aber eine Kurzgeschichte ist er auch nicht.
Eben ein Stilleben. Das in die Kurzprosa gehört.
GĂ€be aber guten Stoff fĂŒr eine Kurzgeschichte, wenn Du sie denn schriebest.

Hat sein PlÀtteisen gegriffen und ist mit Dampf davon gepfiffen
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bookwriter
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Hm....

Hm... Ich habe jetzt ersteinmal an einer anderen Kurzgeschichte geschrieben und denke, dass ich es vorerst bei der Betrachtung lasse. Wenn irgendwann "Gras drĂŒber gewachsen" ist, dann nehm ich mit den Text nochmal hervor und schau, was sich draus machen lĂ€sst. Und dann freu ich mich natĂŒrlich wieder auf eure Meinung zu meinem Geschreibsel.

Liebe GrĂŒĂŸe
Jonny
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