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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Straße
Eingestellt am 15. 09. 2011 12:59


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Krom
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Die Straße


Is it any wonder I can’t sleep?
Smashing Pumpkins


Wir treffen uns im Cafe. Carsten, Gon, Peter und ich.
Wir haben in diesen Tagen nur wenig zu tun und davon sind wir erschöpft; das Cafe mit seinen endlosen Nachmittagen und den immer gleichen Gesprächen ist unsere letzte Zuflucht.
Heute jedoch hat Carsten eine Idee. Er habe, behauptet er, eine Möglichkeit gefunden, dem ewigen Grau zu entfliehen.
„Einfache Sache, aber dabei könnte was rumkommen“, sagt er.
Was wir dafür tun müssen?
Wir müssen die Grenze überqueren, auf der anderen Seite etwas abholen und dieses Etwas in die Stadt bringen. Alles ganz einfach, wenn man Carsten glaubt.
„Klingt zweifelhaft“, sagt Peter.
Ich teile seine Bedenken. Es existieren Regeln, die jeder Stadtbewohner beachten muss; unausgesprochene und ungeschriebene und doch äußerst strenge Regeln.
„Ihr müsst euch keine Gedanken machen“, sagt Carsten. „Wir werden keinen Verstoß begehen, das versichere ich euch.“
Ich sehe aus dem Fenster, betrachte die Menschen auf der Straße. Sie tun Dinge, die mich nichts angehen und mich nicht interessieren, hier gibt es nichts für mich und für die anderen auch nicht. Möglicherweise ist dies unsere letzte Chance, dem Grau den Rücken zu kehren und sei es nur für kurze Zeit.
Also aus der Stadt.
Ein Auto mieten.
Über die Grenze fahren.
Bei Nacht.
Wenn das Scheinwerferlicht den Asphalt erhellt und die Büsche am Straßenrand nur Ahnungen sind. Wenn wir schweigend im Wagen sitzen, weil wir schon lange kleine Lust mehr zu reden haben und wenn die Stadt zu einer verschwommenen Erinnerung geworden ist, unwirklicher als jeder Schatten im Gehölz.
Carsten als Fahrer, Gon als Beifahrer, Peter und ich auf dem Rücksitz.
Hinter der Grenze wird der Radioempfang rasch schlechter. Bald fließt nur noch Knistern aus den Lautsprechern, Kurzwellenechos in dem Stimmen oder Musik bestenfalls zu erahnen sind.
„Versteht das jemand?“, fragt Peter. „Was soll das alles?“
Niemand antwortet ihm.
Die Abzweigung kommt so plötzlich, dass Carsten das Steuer herumreißen muss. Die ruckartige Bewegung schleudert mich zur Seite und ich ramme Peter meinen Ellenbogen in den Magen.
„Pass doch auf, verdammt noch mal.“
„Tut mir leid.“
Der Wagen hüpft über Schlaglöcher und das Scheinwerferlicht zittert. Bald erreichen wir einen quadratischen Betonbau ohne Fenster.
KALYPSO – MÄDCHEN UND MEHR
steht auf einem Neonschild über dem Eingang.
Unser Wagen ist der einzige auf dem Parkplatz.
Drinnen erwarten uns dämmrige Beleuchtung und so leise Musik, dass sich ihre Unverständlichkeit nicht vom Geflüster des Radios unterscheidet.
Stühle und schmale Tische stehen in Nischen. In der Raummitte erhebt sich eine Bühne mit einem Standmikrofon.
An der Bar lehnt ein Mann in einem dunklen Anzug; außer ihm und uns ist niemand hier.
„Warum sind keine Mädchen da?“ Gon klingt enttäuscht.
Der Anzugmann winkt uns zu sich.
„Schön Sie zu sehen. Ich hoffe, Sie hatten keine Schwierigkeiten herzukommen. Heutzutage kann man die Grenze ja nicht mehr so einfach überqueren.“
„Haben Sie heute geschlossen?“, will ich wissen.
Die Leblosigkeit des Raumes, der so offenkundig für eine große Menschenmenge ausgelegt ist, gibt mir ein ungutes Gefühl.
Der Anzugmann lächelt. „Sie missverstehen die Situation. Tatsächlich drängen sich heute Abend die Leute; sie steigen einander auf die Füße, so wenig Platz ist vorhanden. Die Sängerin auf der Bühne trägt ihr blondes Haar offen und ihr Lied, vorgetragen mit kristallklarer Stimme - ein bisschen traurig und dabei doch kraftvoll - rührt uns alle zu Tränen. Schweiß, Parfüm und Zigarettenqualm tränken die Luft. Man darf bei uns noch rauchen, müssen Sie wissen.“
Ich sehe mich um und immer noch sind wir alleine. Da ist keine Sängerin und da ist auch kein Lied.
„So ein Blödsinn.“
„Ganz wie Sie meinen.“
Der Anzugmann greift hinter die Theke und holt einen Koffer hervor.
Carsten nimmt ihn entgegen.
„Das ist alles, was Sie brauchen“, sagt der Anzugmann.
„Was ist da drin?“, fragt Peter. „Sie müssen uns wenigstens sagen, was da drin ist. Immerhin fahren wir damit in die Stadt zurück.“
Der Anzugmann lächelt wieder und schüttelt den Kopf. „Wie ich schon sagte, ist dies ein Missverständnis Ihrerseits. Aber das würde nun wirklich zu weit führen und die Nacht wird immer dunkler. Es wird besser sein, sie machen sich auf den Weg.“
Wir haben die Türschwelle gerade überschritten, als Gon stehen bleibt und die Augen aufreißt.
„Ich sehe es. Ich kann alles sehen.“ Seine Stimme klingt schrill und kippt über. Tränen laufen über seine Wangen. „Die Leute drängen sich. Sie stehen Schlange vor dem Eingang und sogar auf dem Parkplatz sind jede Menge Menschen. Ich kann auch die Sängerin auf der Bühne hören, sogar hier draußen kann ich sie hören. Sie singt wirklich wunderschön. Jetzt verstehe ich, warum die Zuhörer von so weit her kommen.
Ich will noch nicht gehen. Ich will abwarten, nur ein ganz klein wenig. Vielleicht singt sie ja noch ein weiteres Lied für uns, das wäre doch möglich.“
Wir steigen in den Wagen und Gon bleibt vor dem Eingang des Betonbaus zurück.
Ich winke ihm zum Abschied. Er erwidert meinen Gruß und scheint ganz alleine in der Nacht glücklich zu sein.
Wieder fahren wir über den Schlaglochweg. Wieder hüpft das Scheinwerferlicht über den Asphalt. Die scharfe Kurve, unsere Reifen quietschen und wir sind auf der Hauptstraße.
Carsten versucht erst gar nicht, das Radio in Gang zu bringen.
Peter rutscht vor unterdrückter Nervosität hin und her. „Ich will endlich wissen, was in dem Ding drin ist.“
Der Koffer steht zwischen Carstens Knien, gerade so balanciert, dass unserem Fahrer genug Platz bleibt, die Pedale zu bedienen.
„Wir dürfen ihn nicht öffnen“, sagt Carsten. „Das wäre ein schwerwiegender Verstoß.“
„Aber ich muss wissen, was da drin ist, verdammt noch mal.“
„Das können wir nicht machen“, sagt Carsten.
„Halt an. Halt sofort an.“ Peter spuckt vor Aufregung Speicheltröpfchen und eines trifft mich am Ohr.
„Wir halten jetzt nicht“, sagt Carsten.
„Halt an. Halt an oder ich flipp aus. Mir ist schlecht, verdammt. Halt an.“
„Also gut.“ Carsten fährt an den Straßenrand.
„Gib mir das Scheißding. Gib ´s mir.“
Peter greift zwischen Carstens Beinen hindurch und packt den Koffer. Bevor Carsten reagieren kann, reißt er die Wagentür auf. Er springt in die Nacht.
„Vollidiot. Trottel.“ Carsten hechtet ebenfalls hinaus. „Du brockst uns Riesenärger ein, du Trottel.“
Sie stürmen die Straße entlang, tolle Hunde, die einander jagen.
Ich bleibe sitzen, bis beider Silhouetten zu Schemen verschmolzen sind, dann verlasse auch ich den Wagen.
Carsten hat den Motor abgestellt. Als ich die Straße hinuntergehe, sind meine Schritte das einzige Geräusch.
Nach kurzem Weg treffe ich meine Begleiter wieder. Sie stehen sich gegenüber, wenig mehr als Scherenschnitte, statuenhaft stumm, der Koffer zwischen ihnen.
„Habt ihr genug?“, will ich wissen.
„Du missverstehst die Situation“, sagt Carsten.
„In diesem Raum drängen sich die Menschen“, sagt Peter.
„Da war überhaupt keiner.“ Ich schreie, so wütend bin ich. „In dem ganzen Laden war keiner und der Parkplatz war ebenfalls leer. Wenn jemand etwas anders behauptet, dann lügt er. Die Geschichte ist eine Lüge und zwar vom Anfang bis zum Ende.“
Peter schüttelt den Kopf. „Auch vor dem Eingang und auf dem Parkplatz sind Leute. Sie stehen Schlange, um hereinzukommen. Willst du das nicht sehen?“
„Hier darf man noch rauchen.“ Carsten zieht eine Schachtel aus seiner Jackentasche und zündet sich eine Zigarette an. „Wenigstens das musst du anerkennen.“
„Das Lied klingt wunderschön und es gibt stehenden Applaus“, sagt Peter. „Ich bin so froh, hergekommen zu sein und dieses Lied gehört zu haben.“
Ich bücke mich. Öffne den Koffer. Eine Pistole liegt darin, ihr Knauf liegt kalt in meiner Hand.
Carsten und Peter stürzen auf den Asphalt. Ihre Gesichter erstarren zu Totenmasken und um ihre Köpfe bilden sich schwarze Pfützen. Menschenpuppen, deren Fäden ich durchtrennt habe.
Das Lied ist zu Ende.
Mit Koffer und Pistole kehre ich zum Wagen zurück.

***

Im Cafe sind unsere Stammplätze leer. Ich bestelle ein Bier und warte.
Nach einiger Zeit kommt Carsten durch die Tür.
„Wie geht’s denn so?“ frage ich.
„Könnte besser sein.“ Er setzt sich mir gegenüber.
Wir bleiben zu zweit. Peter ist krank und Gon hat irgendetwas mit einem Mädchen.
„Es gibt da so eine Sache“, sagt Carsten. „So eine Sache hinter der Grenze. Eine Gelegenheit für uns, verstehst du?“
„Das wird nichts. Nicht mit mir, tut mir sehr leid.“
„Bist du sicher?“
„Ganz sicher. Es wäre gegen die Regeln.“
„Ist das alles, was du dazu sagen kannst?“
„Das ist mehr als genug.“
„Du willst mir nicht helfen?“
„Auf keinen Fall.“
Carsten verlässt das Cafe ohne ein Abschiedswort. Durch das Fenster sehe ich ihn mit hängenden Schultern den Bürgersteig entlangschlurfen. Seine Enttäuschung drückt ihn nieder.
In dieser Stadt, wo das Banale schon vor langer Zeit die Macht übernommen hat, verrinnt unsere Lebenszeit. Mit jedem Tag kommt uns ein klein wenig mehr abhanden und in einer nicht allzu fernen Zukunft werden wir lediglich Hülsen sein, bar aller Ambitionen und Leidenschaft.
Lange beobachte ich die Straße, ohne sie zu sehen. Ich denke an die Grenze und an das, was dahinter auf uns warten mag.



Version vom 15. 09. 2011 12:59
Version vom 16. 09. 2011 12:00
Version vom 16. 09. 2011 16:53

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Architheutis
Guest
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Hallo und willkommen auf der Leselupe.

Puhh, selten ein anstrengenderes Erstlingswerk hier gesichtet.

Isoliert betrachtet finde ich, dass du eigentlich gekonnt schreiben kannst. Du verwendest viele Hauptsätze, hauchst ihnen durch viele aktive Verben Leben ein und meidest Füllwörter. Eigentlich ist dein Stil damit prädestiniert, deinem Leser einen gut verständlichen Text zu gönnen.

Jetzt kommt das Aber:

Ich musste mich hart durch deinen Text kämpfen. Es ist sicher Absicht, dass du ständig Sprünge machst und nicht verrätst, wohin du als nächstes springst. Der Text hat etwas von einer Collage einzelner Fragmente. Jedes Fragment bleibt unscharf, die Gesamtschau bleibt daher diffus.

Ich hatte bei jedem Satz das Gefühl, etwas zu lesen, dass ich für mein Verständnis nicht benötige. Der Text ist geradezu eine permanente Androhung der Bedeutungslosigkeit. Zum Glück bleibt es m.E. bei der Androhung.

Ich finde deinen Text aber interessant, da er doch vom Einheitsbrei erheblich abweicht, ohne dass es gekünstelt wirkte.

Du lässt mich aber mit der Empfindung zurück, dass deinem Text irgendwas fehlte. Ich kann für mich kein "Ergebnis" ziehen, ich hänge im luftleeren Raum. Es wird hierauf sicher wieder jemand antworten, dass dies doch in der Literatur Geltung hat. Mag sein, ich brauche aber etwas handfestes, eine Orientierung. Ich bin auf die Deutungen und Meinungen anderer gespannt. Vielleicht bin ich auch nur wieder zu lahm im Kopf.

Etwas holprig finde ich den Schluß. Ich dachte, Carsten sei per Kopfschuß ins Jenseits befördert. Stattdessen taucht er im Schlußabsatz wieder im Cafe auf. Hier überziehst du es meiner Meinung nach mit der diffusen Doppeldeutung der Handlungen.

Ich würde gerne mal etwas von dir lesen, dass etwas leichter erzählt und mich weniger quält. Ich glaube nämlich, dass dein gekonnter Stil dir eine Tür öffnet, ein richtig guter Erzähler zu werden.

In diesem Sinne, lass bald was von dir sehen. :-)

Gruß,
Archi

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Krom
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Hallo Archi,

vielen Dank, dass Du Dich mit meinem Text beschäftigt hast und schön, dass Dir mein Sprachstil gefallen hat.

Die Unschärfe der Handlung, die Dir aufgefallen ist, war tatsächlich die Hauptintention für diese Geschichte. Ich möchte nicht allzu viel erklären, da das dem Sinn des Textes zuwiderlaufen würde. Aber als Hinweis kann ich geben, dass im Text sehr oft von einer Grenze die Rede ist und Grenzen müssen nicht zwangsläufig räumliche Grenzen sein.

Man könnte sich auch die Frage stellen, ob der Erzähler das Cafe jemals verlassen hat oder ob die Geschichte linear erzählt wurde.

Habe ich schon erwähnt, dass ich ein großer Anhänger von David Lynch bin?


Zum Schluss nochmals vielen Dank und bis auf Weiteres viele Grüße,

Krom

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Krom,

Handlungen dürfen unscharf bleiben, Sprünge sind ein gängiges Stilmittel - alles kein Ding. Der Leser braucht aber kleine Möglichkeiten, sich an der Geschichte entlanghangeln zu können.

Die Gefahr dieses Stils ist klar: Entweder, man schreibt so flach, dass sämtlich Ecken und Kanten fehlen, an denen der Leser Halt finden könnte. Oder die Handlung springt immer tiefer ins Dunkel, und der Leser findet sie nicht mehr wieder.

Beide Gefahren hast du umschifft. Die Grenz(-erfahrung) nimmt man schon mit, unabhängig von Zeit und Raum. Mir fehlt aber sowas wie eine Schlußfolgerung. Ich stelle mir beim lesen unbewusst die Testfrage "Der Protagonist sondiert/verliert Grenzen, daher/das hat die Folgen...". Ich würde mein Problem gerne genauer schildern, allein mir fehlen die Worte. Mag welche geben, denen es nicht abgefahren genug sein kann; ich gehöre nicht dazu.

Probleme habe ich mit Ansätzen wie "ich wollte mal was schreiben wie..."; das kann nur in die Hose gehen. Dein Stil öffnet dir eigene Türen, mach was draus. Niemand sieht die Welt mit deinen Augen, lass uns teil daran haben, wie du die Welt siehst. Darum geht es bei echter Literatur, um nichts sonst. Was anderes hast du nicht nötig und sollte nicht dein Anspruch bleiben. ;-)

Wie gesagt: Ich bin gespannt auf weitere Werke.

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Lio
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Hi Krom,

vor der Lektüre deines Textes habe ich sofort an "The road" von MC Carthy gedacht und mir gedanklich die Hände gerieben. Im Verlauf des Lesens wurde mir aber recht schnell klar, dass deine Handlung nicht direkt etwas mit der Apokalypse zu tun hat. Ich hage mich dann gefragt, ob ich mir überhaupt die Mühe machen will über ihn nachzudenken, tue es hiermit jetzt aber doch.

Erstens Mal, du kannst gut erzählen. Das hat mein Vorredner ja schon gesagt. Das Gleichgewicht Erzählung/Dialog ist ausgeglichen. Die Figurenrede schaltet sich unmittelbar ein, du füllst die Handlung nicht mit unnötigen "sagte er, sagte sie" (das geht mir bei Martin Walser so auf die Nerven). Bis auf ein paar Ausnahmen machen deine Sätze auch alle Sinn. Ausnahmen:

quote:

Drinnen erwarten uns dämmrige Beleuchtung und so leise Musik, dass sich ihre Unverständlichkeit nicht vom Geflüster des Radios unterscheidet.
quote:



Sie sind doch drinnen, wie können sie da noch das RAdio hören?

quote:

Der Koffer steht zwischen Carstens Knien, gerade so balanciert, dass unserem Fahrer genug Platz bleibt, die Pedale zu bedienen.
quote:


Hier entsteht der Eindruck, als ob es einen fremden Fahrer gäbe. Gerade so balanciert, dass ihm genug Platz bleibt... wäre verständlicher.

quote:

Lange beobachte ich die Straße, ohne sie zu sehen
quote:


Wenn man etwas beobachtet, sieht mann es immer. Lange schaue ich zur Straße, ohne sie zu sehen, ginge.

Zu deinen Figuren

Deine Figuren sind mir grundsätzlich zu ähnlich, deshalb besteht die Gefahr, dass man sie beim Lesen verwechselt. Warum zum Beispiel weiß der Ich-Erzähler plötzlich, dass das Konzert eine Ilusion ist, wenn Carsten die Spazierfahrt angeregt hat? Wenn der Ich-Erzähler den Durchblick hat und auch am Ende behält, muss das von Anfang an angedeutet werden.

Zum Inhalt

Ich höre nicht Smashin Pumpkins, deshalb ist mir das Zitat am Anfang keine Verständnishilfe. Auch der Name des Bordells, der wahrscheinlich irgendeine Bedeutung trägt und der vorletzte Satz während der Reise ("Das Lied ist zu Ende") bringen mich nicht weiter. Ich habe ´mal ein Buch von José Revueltas Sánchez gelesen, es hieß "El luto humano". Dort war ein Fluss die Grenze zwischen Irdischem Leben und Totenreich. Wahrscheinlich erfüllt deine Straße einen ähnlichen Zweck.
So weit, so gut, aber jetzt wird es problematisch. Die fantastische Welt, die du nach dem Überquerren der Straße darstellst, ist meines Erachtens aber IN SICH instabil. Denn zum einen können die vier Typen zwar mit Figuren dieser Welt interagieren, hören aber nicht alle das gleiche (Gon kann die Sängerin hören, die anderen nicht), zum anderen können sie in diser Welt sterben und sind später dann doch nicht tot. Man weiß nicht genau, machen die vier Typen einen Ausflug in ihre eigene Vergangenheit? Oder ist die graue Stadt eine Art Wartezimmer der Untoten und sie unternehmen einen Trip in UNSERE REALITÄT? Ein Blick auf die Motivation der Figuren (Langweile) bringt einem beim Verstädnis da nicht weiter, die Faszination für den Koffer, in dem der Ich-Erzähler eine Pistole weiß, ist mir ein vollkommenes Rätsel. Als Leser hat man es daher bei dieser Geschichte schwer.


Viele Grüße, Lio

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Krom
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Hallo Lio,

auch Dir vielen Dank für Deine Kritik. Du hast natürlich recht, der Text ist schwierig und letzten Endes nicht bis ins Letzte erklärbar. Seine Welt ist instabil und ihre Figuren sind es auch. Ich frage mich langsam, ob das überhaupt eigenständige Persönlichkeiten sind und nicht unterschiedliche Aspekte einer einzigen Person zu unterschiedlichen Zeiten oder auf verschiedenen Realitätsebenen.

Dein Gedanke über das Totenreich gefällt mir, auf die Idee bin ich selbst ehrlich gesagt nicht gekommen, aber das ist in Ordnung. Literatur lebt auch von Ihrer Interpretierbarkeit.

Die Smashing Pumpkins höre ich selbst auch nicht und man muss sie nicht kennen, um die Geschichte zu verstehen. Mir gefiel nur die Zeile dieses Liedes in Zusammenhang mit meinem Text, das ist alles.

Nochmals vielen Dank für Deine Kritik und viele Grüße,

Krom

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