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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Suche nach dem Paradies
Eingestellt am 26. 05. 2003 09:30


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Zwillingsjungfrau
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Die Suche nach dem Paradies

Es war einmal vor langer Zeit. Die Tiere hatten die Herrschaft ĂŒber die Welt und konnten miteinander reden wie heute wir Menschen. Da geschah es, dass die Erde sich von der Sonne entfernte. Das Licht verschwand und Dunkelheit machte den Tag zur Nacht. Kalt war es, wie sonst nur in den Wintermonaten. Es gab nicht mehr genug Nahrung fĂŒr alle. Besonders die Tierkinder froren. Sie mochten nicht mehr spielen und herumtollen. Durch den Hunger geschwĂ€cht, verkrochen sie sich. Alle Tiere mit einem dichten Fell oder wĂ€rmenden Federn nahmen ein kleines Tierkind auf, um es ein StĂŒck zu tragen und vor den beißenden Winden zu schĂŒtzen.

Die Tiere wurden unruhig und bekamen Angst. Laut riefen sie nach einem FĂŒhrer, der sie hinausfĂŒhren sollte aus der Dunkelheit in das Licht. Sie fragten die Eule, die in der Nacht so gut sehen kann und so weise ist, ob sie den Weg in das Licht kennt. Die Eule blinzelte ein wenig, klappte ihre Augen zu, als wolle sie schlafen und dachte lange nach. Dann lehnte sie diese schwere Aufgabe ab.

Die Tiere gingen zum Elefanten. „Lieber Jumbo, du bist der StĂ€rkste unter uns Tieren, deine trompetende Stimme hören alle meilenweit, willst du uns in das Licht fĂŒhren?“ Doch der Elefant sagte „Ich will euch gerne mit meiner StĂ€rke beschĂŒtzen, den Weg in das Licht kenne ich nicht. Fragt doch den Löwen, er ist von uns allen der Mutigste, vielleicht kann er helfen.“

Also marschierten die Tiere zum Löwen und fragten ihn, ob er das Amt annehmen wĂŒrde. Die Tiere versprachen dem Löwen, dass sie ihn zum König der Tiere ernennen wĂŒrden. Da er ein kluges Tier war, willigte er ein. Als Begleiterin und Helferin bestimmte er die Taube. Sie sollte eine Strecke vorausfliegen und dem Löwen berichten, sobald sie einen sicheren Weg gefunden habe.

So geschah es. Die Tiere versammelten sich auf einem großen Platz und warteten zitternd auf die RĂŒckkehr der Taube. Es dauerte auch gar nicht lange bis die Taube aufgeregt vor den FĂŒĂŸen des Löwen landete und berichtete, dass sie den Weg kenne.

Also machten sich die Tiere in einem langen Marsch, einer hinter dem anderen, blind, tastend und suchend auf den Weg. Nur der Mond und die Sterne leuchteten ihnen. Sie mussten viele Monate wandern bis sie an ein hohes Gebirge aus festem Felsengestein kamen. Es gab nur einen Weg durch dieses Gebirge, eine lange schmale Schlucht. Der Wind heulte und die schwarz aufragenden Felsen warfen lange Schatten im Mondlicht. Es war zum FĂŒrchten. Die Tiere zitterten. Die Eule, die in der Dunkelheit so gut sehen kann, flog als erste voran, blickte hinter jeden Felsen, erkannte steil abfallende Bergschluchten und konnte die Tiere warnen, damit keines von ihnen stĂŒrzen konnte. Also gingen die Tiere, geleitet und gewarnt durch die Eule, langsam in die Schlucht hinein bis sie an eine hohe Mauer kamen. Hier ging es nicht weiter, dies war das Ende.

Abermals wurde die Taube gebeten, sie möge an der Mauer entlangfliegen, um nach einer Möglichkeit Ausschau zu halten, wie die Tiere ihren Weg fortsetzen sollten. Die Taube schwang sich sofort in die Luft und segelte an der Mauer entlang. Dann fand sie die Lösung. Sie kehrte sofort zurĂŒck und berichtete, sie habe ganz versteckt ein großes schwarzes Loch gesehen, sie wisse allerdings nicht, ob sich böse Geister dort verstecken, die alle Tiere fressen wĂŒrden. Sehr vorsichtig und leise bewegte sich der Zug der Tiere bis zu dem schwarzen Loch.

„Hier gehe ich nicht hinein“, klagte das Ă€ngstliche HĂ€schen und verkroch sich unter die schĂŒtzenden Fittiche des Adlers.

Der Löwe aber tröstete alle. Mutig schritt er auf den finsteren Tunnel zu, bereit alles und jeden zu verjagen, der es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Gleich hinter ihm ging der Elefant. Er war bereit, den mutigen Löwen und die Tiergruppe mit seiner StĂ€rke zu beschĂŒtzen. Alle Tiere zitterten vor Angst, riskierten jedoch nicht, ohne den Schutz des Löwen in der pechschwarzen Finsternis allein zurĂŒckzubleiben. Also zogen auch sie dichtgedrĂ€ngt in langer Reihe dem dunklen und bedrohlichen Tunneleingang entgegen.

Hört! Plötzlich braust Jubel auf.

„Seht ihr dort am Ende des Ganges das Licht, hört ihr das Singen der Vögel“, schallte es vielen Kehlen. Wie ein helles Fenster schien den Tieren die Tageshelle am Ende der Öffnung.

Nun stĂŒrmten sie in wildem Galopp hinaus in die Helligkeit. Das vor ihnen liegende Tal war erfĂŒllt mit Sonnenglanz, die Wiesen leuchteten in saftigem GrĂŒn, an BĂŒschen und BĂ€umen blĂŒhte es, und die FrĂŒchte der Natur boten Nahrung fĂŒr alle. Die Tierkinder sprangen aus den wĂ€rmenden Gefiedern, aus den zottigen Wollverstecken und tollten ausgelassen im hohen Gras miteinander.

Die Tiere jedoch, wie dankbar waren sie alle dem Löwen, dass er ihnen den Weg ins Paradies gezeigt hatte, beschlossen, dass der Löwe fĂŒr immer und alle Zeiten ihr König bleiben sollte.

Darum nennt man bis heute den Löwen den „König der Tiere“.

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Laotse

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Rote Socke
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Liebe Ingrid,

das ist eine wunderbare Geschichte. Und schön, wie Du die Eintracht beschreibst, wie man gemeinsam zu einem Ziel finden kann.

Ganz oben wĂŒrde ich das doppelte ZurĂŒckkehren durch ein anderes Wort ersetzen, vielleicht: bis die Taube erschien.

LG
Volkmar

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Zwillingsjungfrau
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Danke,

lieber Volkmar,

"RĂŒckkehr und zurĂŒckkehren" sind tatsĂ€chlich keine glĂŒckliche Wortwahl. Doch "erschien" gefiel mir auch nicht sehr. Es hat so etwas Mystisches, Geister erscheinen. Also habe ich meine Erinnerungen bemĂŒht und mir vorgestellt, wie eine Taube aussieht, wenn sie aus der Luft auf den Erdboden aufsetzt. Sie hat bei ihrem Landeanflug viel mit einem Flugzeug gemeinsam. Die FlĂŒgel sind ausgebreitet, die Landeklappen angestellt, die FĂŒĂŸe vorgestreckt, sie landet. Deshalb habe ich den Satz noch etwas umgestellt und glaube "die Taube aufgeregt vor den FĂŒĂŸen des Löwen landete ..." ist bildhafter. Dabei habe ich gleich noch eine Korrektur vorgenommen. Ein "nicht" fand ich ĂŒberflĂŒssig.

Du bist mir immer wieder eine große Hilfe. Deine Anregungen ĂŒberdenke ich, stelle mir die Situation vor und kann sie dann beschreiben. Dein Gesamtlob tut mir gut und gibt mir den inneren Schwung, weiter zu schreiben.

Es grĂŒĂŸt dich
Ingrid


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Laotse

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Rote Socke
Guest
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Na, das ist Dir doch prima geglĂŒckt Ingrid.
Und wirklich, ein sehr schönes Thema und gut umgesetzt. Nur weiter so.

LG
Volkmar

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flammarion
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hm,

eine sehr nette geschichte und eine neue erklĂ€rung fĂŒr den begriff "König der Tiere". hab ich mit vergnĂŒgen gelesen.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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