Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5563
Themen:   95493
Momentan online:
150 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Suche nach dem Paradies
Eingestellt am 26. 05. 2003 09:30


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Zwillingsjungfrau
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 23
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zwillingsjungfrau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Die Suche nach dem Paradies

Es war einmal vor langer Zeit. Die Tiere hatten die Herrschaft ├╝ber die Welt und konnten miteinander reden wie heute wir Menschen. Da geschah es, dass die Erde sich von der Sonne entfernte. Das Licht verschwand und Dunkelheit machte den Tag zur Nacht. Kalt war es, wie sonst nur in den Wintermonaten. Es gab nicht mehr genug Nahrung f├╝r alle. Besonders die Tierkinder froren. Sie mochten nicht mehr spielen und herumtollen. Durch den Hunger geschw├Ącht, verkrochen sie sich. Alle Tiere mit einem dichten Fell oder w├Ąrmenden Federn nahmen ein kleines Tierkind auf, um es ein St├╝ck zu tragen und vor den bei├čenden Winden zu sch├╝tzen.

Die Tiere wurden unruhig und bekamen Angst. Laut riefen sie nach einem F├╝hrer, der sie hinausf├╝hren sollte aus der Dunkelheit in das Licht. Sie fragten die Eule, die in der Nacht so gut sehen kann und so weise ist, ob sie den Weg in das Licht kennt. Die Eule blinzelte ein wenig, klappte ihre Augen zu, als wolle sie schlafen und dachte lange nach. Dann lehnte sie diese schwere Aufgabe ab.

Die Tiere gingen zum Elefanten. ÔÇ×Lieber Jumbo, du bist der St├Ąrkste unter uns Tieren, deine trompetende Stimme h├Âren alle meilenweit, willst du uns in das Licht f├╝hren?ÔÇť Doch der Elefant sagte ÔÇ×Ich will euch gerne mit meiner St├Ąrke besch├╝tzen, den Weg in das Licht kenne ich nicht. Fragt doch den L├Âwen, er ist von uns allen der Mutigste, vielleicht kann er helfen.ÔÇť

Also marschierten die Tiere zum L├Âwen und fragten ihn, ob er das Amt annehmen w├╝rde. Die Tiere versprachen dem L├Âwen, dass sie ihn zum K├Ânig der Tiere ernennen w├╝rden. Da er ein kluges Tier war, willigte er ein. Als Begleiterin und Helferin bestimmte er die Taube. Sie sollte eine Strecke vorausfliegen und dem L├Âwen berichten, sobald sie einen sicheren Weg gefunden habe.

So geschah es. Die Tiere versammelten sich auf einem gro├čen Platz und warteten zitternd auf die R├╝ckkehr der Taube. Es dauerte auch gar nicht lange bis die Taube aufgeregt vor den F├╝├čen des L├Âwen landete und berichtete, dass sie den Weg kenne.

Also machten sich die Tiere in einem langen Marsch, einer hinter dem anderen, blind, tastend und suchend auf den Weg. Nur der Mond und die Sterne leuchteten ihnen. Sie mussten viele Monate wandern bis sie an ein hohes Gebirge aus festem Felsengestein kamen. Es gab nur einen Weg durch dieses Gebirge, eine lange schmale Schlucht. Der Wind heulte und die schwarz aufragenden Felsen warfen lange Schatten im Mondlicht. Es war zum F├╝rchten. Die Tiere zitterten. Die Eule, die in der Dunkelheit so gut sehen kann, flog als erste voran, blickte hinter jeden Felsen, erkannte steil abfallende Bergschluchten und konnte die Tiere warnen, damit keines von ihnen st├╝rzen konnte. Also gingen die Tiere, geleitet und gewarnt durch die Eule, langsam in die Schlucht hinein bis sie an eine hohe Mauer kamen. Hier ging es nicht weiter, dies war das Ende.

Abermals wurde die Taube gebeten, sie m├Âge an der Mauer entlangfliegen, um nach einer M├Âglichkeit Ausschau zu halten, wie die Tiere ihren Weg fortsetzen sollten. Die Taube schwang sich sofort in die Luft und segelte an der Mauer entlang. Dann fand sie die L├Âsung. Sie kehrte sofort zur├╝ck und berichtete, sie habe ganz versteckt ein gro├čes schwarzes Loch gesehen, sie wisse allerdings nicht, ob sich b├Âse Geister dort verstecken, die alle Tiere fressen w├╝rden. Sehr vorsichtig und leise bewegte sich der Zug der Tiere bis zu dem schwarzen Loch.

ÔÇ×Hier gehe ich nicht hineinÔÇť, klagte das ├Ąngstliche H├Ąschen und verkroch sich unter die sch├╝tzenden Fittiche des Adlers.

Der L├Âwe aber tr├Âstete alle. Mutig schritt er auf den finsteren Tunnel zu, bereit alles und jeden zu verjagen, der es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Gleich hinter ihm ging der Elefant. Er war bereit, den mutigen L├Âwen und die Tiergruppe mit seiner St├Ąrke zu besch├╝tzen. Alle Tiere zitterten vor Angst, riskierten jedoch nicht, ohne den Schutz des L├Âwen in der pechschwarzen Finsternis allein zur├╝ckzubleiben. Also zogen auch sie dichtgedr├Ąngt in langer Reihe dem dunklen und bedrohlichen Tunneleingang entgegen.

H├Ârt! Pl├Âtzlich braust Jubel auf.

ÔÇ×Seht ihr dort am Ende des Ganges das Licht, h├Ârt ihr das Singen der V├ÂgelÔÇť, schallte es vielen Kehlen. Wie ein helles Fenster schien den Tieren die Tageshelle am Ende der ├ľffnung.

Nun st├╝rmten sie in wildem Galopp hinaus in die Helligkeit. Das vor ihnen liegende Tal war erf├╝llt mit Sonnenglanz, die Wiesen leuchteten in saftigem Gr├╝n, an B├╝schen und B├Ąumen bl├╝hte es, und die Fr├╝chte der Natur boten Nahrung f├╝r alle. Die Tierkinder sprangen aus den w├Ąrmenden Gefiedern, aus den zottigen Wollverstecken und tollten ausgelassen im hohen Gras miteinander.

Die Tiere jedoch, wie dankbar waren sie alle dem L├Âwen, dass er ihnen den Weg ins Paradies gezeigt hatte, beschlossen, dass der L├Âwe f├╝r immer und alle Zeiten ihr K├Ânig bleiben sollte.

Darum nennt man bis heute den L├Âwen den ÔÇ×K├Ânig der TiereÔÇť.

__________________
Verantwortlich ist man nicht nur f├╝r das, was man tut, sondern auch f├╝r das, was man nicht tut.
Laotse

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Ingrid,

das ist eine wunderbare Geschichte. Und sch├Ân, wie Du die Eintracht beschreibst, wie man gemeinsam zu einem Ziel finden kann.

Ganz oben w├╝rde ich das doppelte Zur├╝ckkehren durch ein anderes Wort ersetzen, vielleicht: bis die Taube erschien.

LG
Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


Zwillingsjungfrau
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2003

Werke: 23
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zwillingsjungfrau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Danke,

lieber Volkmar,

"R├╝ckkehr und zur├╝ckkehren" sind tats├Ąchlich keine gl├╝ckliche Wortwahl. Doch "erschien" gefiel mir auch nicht sehr. Es hat so etwas Mystisches, Geister erscheinen. Also habe ich meine Erinnerungen bem├╝ht und mir vorgestellt, wie eine Taube aussieht, wenn sie aus der Luft auf den Erdboden aufsetzt. Sie hat bei ihrem Landeanflug viel mit einem Flugzeug gemeinsam. Die Fl├╝gel sind ausgebreitet, die Landeklappen angestellt, die F├╝├če vorgestreckt, sie landet. Deshalb habe ich den Satz noch etwas umgestellt und glaube "die Taube aufgeregt vor den F├╝├čen des L├Âwen landete ..." ist bildhafter. Dabei habe ich gleich noch eine Korrektur vorgenommen. Ein "nicht" fand ich ├╝berfl├╝ssig.

Du bist mir immer wieder eine gro├če Hilfe. Deine Anregungen ├╝berdenke ich, stelle mir die Situation vor und kann sie dann beschreiben. Dein Gesamtlob tut mir gut und gibt mir den inneren Schwung, weiter zu schreiben.

Es gr├╝├čt dich
Ingrid


__________________
Verantwortlich ist man nicht nur f├╝r das, was man tut, sondern auch f├╝r das, was man nicht tut.
Laotse

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Na, das ist Dir doch prima gegl├╝ckt Ingrid.
Und wirklich, ein sehr sch├Ânes Thema und gut umgesetzt. Nur weiter so.

LG
Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 279
Kommentare: 8231
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hm,

eine sehr nette geschichte und eine neue erkl├Ąrung f├╝r den begriff "K├Ânig der Tiere". hab ich mit vergn├╝gen gelesen.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung