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Leselupe.de > Gereimtes
Die Suppe von Kunersdorf
Eingestellt am 22. 05. 2003 08:13


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Talarmar
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Die Suppe von Kunersdorf

Der preu├čische Adler am Boden zerst├Ârt.
Dumpf rollt der Klang von Kanonen.
Der Marschallstab jetzt dem Feinde geh├Ârt.
Friedrich der Gro├če, gequ├Ąlt mit Reparationen.

Die Leibhusaren mit H. Joachim von Zieten.
Sie hatten gewaltig die Schei├čerei
Und waren im Busch mal eben drieten.
Beim Kampf waren sie nicht dabei.

So konnte der Russe die Flanke aufmischen.
Den schw├Ąchsten Punkt in der Schlacht.
Die Preu├čen flohen unter Hieben und Stichen.
Der alte Fritz war um seinen Sieg gebracht.

Doch wie kam es zu dieser b├Âsen Schlappe?
Ein Schuldiger musste jetzt schleunigst her.
Wem schob man dieses Ungl├╝ck in seine Kappe,
Wen zog man daf├╝r aus dem Verkehr?

Zur Meldung kam der Herr von Zieten:
ÔÇ×Verzeiht mir Euer Majest├Ąt,
Doch von verdorbener Suppe kam das Drieten.
Darum kamen wir zur Schlacht zu sp├Ąt.ÔÇť

Sofort wurde der Kriegsrat einberufen.
Der alte Fritz wettert mit hochrotem Gesicht.
Voll hysterisch h├Ârt man im Zelte ihn rufen:
ÔÇ×Den Koch erwartet Standgericht!

Der Kerl soll erst mal Gassen laufen,
Bevor man ihn standrechtlich f├╝siliert.
Doch vorher soll er die restliche Suppe saufen,
Die er meinen Leibhusaren hat serviert.

Wenn er nicht auch hat die Schei├čerei,
Nachdem er die Br├╝he ausgeschl├╝rft,
So sei er in meinem und Gottes Namen frei.
Sonst wird sofort seine Grube gesch├╝rft!ÔÇť

Jetzt lamentierte laut zeternd der Koch.
Weinerlich kam es und ziemlich bitter.
Er dem K├Ânig vor die F├╝├če kroch:
ÔÇ×Majest├Ąt, es sind fast drei├čig Liter!

Die mir verblieben noch im K├╝bel.
Bei dieser gro├čen menge Bohnensuppe.
W├╝rde auch selbst Euer Majest├Ąt ├╝bel.
Bedenkt, es a├č doch die ganze Truppe.ÔÇť

Der Fritz sein K├Ânigsein verga├č:
ÔÇ×Man bring uns L├Âffel her und Teller,
Wir beiden machen uns jetzt den Spa├č,
Dazu noch vom besten Muskateller.

Bleibt ├╝brig auch nur eine Bohne,
Falls uns nicht vorher kommt das Sausen,
Feuer ich selbst ab die Patrone.
Ihr seht Kerl, ich lass mich nicht lausen.ÔÇť

Da gingÔÇÖs der Suppe an den Kragen,
Die zwei schlangen mit vollen Backen.
Die hei├čen Bohnen in den Magen
Und keiner traute sich zu kacken.

Ihre B├Ąuche quollen dick und pr├Ąchtig.
Von der Uniform sprang schon ein Knopf.
Die Suppe war sehr dick und m├Ąchtig
Und m├Ąchtig viel war noch im Topf.

Es war wei├č Gott kein leichtes Schmausen.
Der K├Ânig entledigte sich der Jacke,
Dabei geht ihm pl├Âtzlich einer sausen
Und er sitzt bis zum Bauch in Kacke.

Gel├Ąchter macht im Zelt sich breit,
Nebst schwerem fauligen Gestank.
Doch der Koch scheint davon gefeit,
Dr├╝ckt seinen Arsch fest auf die Bank.

Stoisch schaufelt er die Bohnensuppe,
In sich hinein mit Leichenbittermiene.
Er tat als w├Ąre ihm alles Schnuppe,
Als m├╝sste er niemals auf die Latrine.

Da h├Ârt man vor dem Zelt ein Rufen.
Eine Ordonanz dringt schnell zum K├Ânig vor.
Sein Pferd voll Schwei├č mit blutigen Hufen.
Er fl├╝stert dem K├Ânig die Meldung ins Ohr.

Da greift der K├Ânig sich zum Bauch:
ÔÇ×Kerl, Er ist mir ├╝ber hier, im Fressen
Und wie man merkt, im Kneifen auch.
Mach Er sich fort, ich willÔÇÖs f├╝r heut vergessen.

Herr von Zieten Ihr macht Euch jetzt die M├╝he.
Nehmt mit Verlaub hier meinen Trog.
Schl├╝rft diese f├╝nfzehn Liter Bohnenbr├╝he.
Ich sah, wie Er sich gerade vor Lachen bog.

Ach ja, bevor wir es noch vergessen.
In Kunersdorf hat Er vor der Schlacht.
Von dieser verdorbenen Suppe gefressen?
Er hat uns damit um den Sieg gebracht!

Langt ruhig zu, zeigt mir eueren Appetit.
Erfreut mit der Suppe eueren Gaumen.
Meine Ordonanz meldete mir nach argem Ritt.
Er fand in dem Busch nur unreife Pflaumen!ÔÇť

┬ęRT


__________________
"Die historische Wahrheit ist ein M├Ądchen, das man vergewaltigen kann, Hauptsache man macht ihr sch├Âne Kinder" Alexandre Dumas

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Vera-Lena
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gut nachempfunden

Hallo, Talamar,

auch wenn diese Geschichte sich nicht ereignet hat, so hast Du doch den Alten Fritz gut nachempfunden. Solch Art der Bestrafung liebte er. Hat er doch einmal einen Soldaten, der rohe Kartofflen aus Wut mit den Stiefeln zerstampft hatte, solange eingesperrt, bis dieser die Kartoffeln aufgemapft hatte. Auf diese Weise soll der Kartoffelpuffer entstanden sein.
Ich bewundere Deine Ausdauer, ein so langes Gedicht zu schreiben, und auch wie Du das hingekriegt hast, der Geschichte immer wieder neue Wendungen zu geben, so da├č es spannend blieb bis zum Schlu├č.

Liebe Gr├╝├če Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Talarmar
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Ausdauer

Hallo Vera-Lena

Danke f├╝r das Lob und es freut mich das Dir diese, zugegeben nicht gerade kurze, Geschichte gefallen hat. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wer hat mehr Ausdauer, der Schreiber ober der Leser? Ich w├╝nsche Dir noch einen sch├Ânen Tag Nachbarin.

Talarmar
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