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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Die Symbole und Zeichen der Zeit
Eingestellt am 25. 09. 2010 17:36


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Gas gab er, viel Gas, der Fahrer des bullig designten BMW-SUVs. Dabei war die Ampel l├Ąngst auf rot umgesprungen. Dennoch trat er das Gaspedal durch und raste ├╝ber die Kreuzung, w├Ąhrend jene Autos, die vor den gr├╝nen Ampeln gestanden hatten, bereits z├╝gig in die Kreuzug einfuhren. Ihre Fahrer traten auf die Bremsen und kamen quietschend und schleudernd gerade noch rechtzeitig zum Stehen.
Immer h├Ąufiger signalisieren rote Ampeln gewissen Autofahrern offenbar, nicht Halten sei geboten sondern extremste Beschleunigung.
Nicht nur im Stra├čenverkehr verlieren einst eindeutige Symbole und Regeln gegen├╝ber einer selbst zu erzwingenden Realit├Ąt an Bedeutung. Kraftfahrzeuge, vor allem schnelle und aggressiv aufgemachte, sind schlie├člich zum Fahren gebaut, nicht zum Anhalten oder gar Stehen. Zeit m├Âgen andere haben. Auf rasante Erfolgstypen warten st├Ąndig und ├╝berall Aufgaben und Ziele, die es schnellstm├Âglich zu erreichen gilt. Es geht um Gewinne. Um Raumgewinn, Zeitgewinn und Geld. Und mit Geldern gelingt es Regeln, vor allem solche, die menschlich notwendig erscheinen, umgehend au├čer Kraft zu setzen.
Geld befreit S├╝chte und Sehns├╝chte, hebt g├╝ltige Regeln durch Korruption auf und ver├Ąndert die verabredeten Bedeutungen von Symbolen. Alles, was sich grenzenloser Bewegung in den Weg stellt, wird mit Missachtung bestraft.
Kennen wir das nicht schon aus Kindertagen? Besonders unangenehme Spielkameraden ver├Ąnderten die Regeln gewisser Spiele, wenn sie die zu verlieren f├╝rchteten. Wollten wir uns nicht auf ihre willk├╝rlichen Regel├Ąnderungen einlassen, drohten sie uns mit Schl├Ągen, wenn sie kr├Ąftiger gebaut waren. Und waren sie wegen anderer Eigenschaften bevorzugt, wollten sie pl├Âtzlich nie wieder mit uns spielen. Dabei kann Einsamkeit schlimmer sein als Schl├Ąge.
Je mehr unsere Sehnsucht nach grenzenloser Weite w├Ąchst, desto enger kommt uns unsere Massengesellschaft vor. Das vermehrt die Sehnsucht nach Weite und Freiheit ins Unermessliche. Ein Teufelskreis. Das ber├╝hmte Hamsterrad und Rausch-Karussel beginnt zu routieren, bis Schwindelgef├╝hle einsetzen, die jegliche reale Wahrnehmung verwischen.
Welcher langsame Zeitgenosse will schon ertragen, dass andere ihm davonfahren oder er gar feststellen muss, er beherrsche gewisse neue Regeln nicht und bemerke nicht die Zeichen und Symbole der Zeit. So einer sieht einfach nur noch alt aus. Und wer will das schon im Zeitalter des Anti-Agings?
Also mithasten oder im Weg stehen, das ist hier die Frage des Seins. Die Ampeln stehen auf Tiefrot, bevor dir schwarz vor Augen wird.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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