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Leselupe.de > Science Fiction
Die TULK-Sonde
Eingestellt am 01. 10. 2010 19:14


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Dirk Paulsen
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2010

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Die TULK-Sonde
(04.10.2010)

Es war die Nacht der Nächte. Gerade testete er seine Erfindung das erste mal. Was er sah, übertraf seine kühnsten Erwartungen. Reflexartig presste er den Unterarm vor das Gesicht. Sein Innerstes tobte. Er hätte vor Begeisterung am liebsten laut geschrien. Aber überbordende Emotionen waren im Labor nicht angebracht – und auch nicht erwünscht. Aber in dieser Nacht war Dr. Swônni ganz allein.

Erneut brachte er sein rechtes Auge vor das Okular des modernsten Quantenmikroskops der Welt. Dieser Prototyp war praktisch in der Lage, stufenlos zu vergrößern – ohne Begrenzung. So zumindest die Theorie, denn man war bisher an keine Grenzen gestoßen. Vielleicht würde er das heute schaffen. Er selbst hatte an der Entwicklung dieses technischen Meilensteins entscheidenden Anteil. Schließlich war er der Erfinder der TULK-Sonde, ohne die das Mikroskop nur bis auf die subatomare Ebene hätte blicken können.

Doch heute Nacht bescherte seine Erfindung der Wissenschaft einen so gewaltigen Sprung nach vorne, dass es Dr. Swônni fast den Atem verschlug. Er schlang einen seiner zwölf tentakelartigen Arme vorsichtig um den Drehregler, mit dem er die Sonde manipulieren konnte. Der Begriff Sonde war eigentlich nicht ganz zutreffend, aber es war ihm noch kein passender Begriff für dieses Wunderding eingefallen. Er lachte laut. Da gelang ihm die größte Sensation des Universums - und er fand keinen äquivalenten Namen!

Swônni projizierte den gebündelten Gammastrahl, den er in Rotation versetzte, auf das zu untersuchende Objekt. Ihm kam der Vergleich mit einem Diamantbohrer in den Sinn. Nur dass dieser Bohrer nicht das Objekt auf dem Objektträger zerschneiden oder zerstören würde. Das war der Clou. Auf dem Bildschirm des Mikroskopes tauchten mit zunehmender Rotation des Gammastrahls immer neue Einzelheiten auf. Zuerst sah man das Objekt, dann seine Oberflächenstruktur, die Molekular- und folgend die Atomarstruktur. Aber es ging weiter in bisher nie gesehene Winzigkeiten.

Dr. Swônni schwebte völlig bewegungslos im Wasser vor dem Gerät. Nur das regelmäßige Öffnen und Schließen seiner Atemöffnung zeigte ein erkennbares Lebenszeichen. Mit dem linken Auge fokussierte er einen weiteren Monitor. Drei seiner zwölf Arme bedienten eine kreisrunde Tastatur. Er verfeinerte die Programmierung des graphischen Interface, damit man alle Bilder der Sonde aufzeichnen und parallel dazu ohne Zeitverzögerung zoomen oder in Zeitlupe betrachten konnte.
Mit dem anderen Auge starrte Dr. Swônni fasziniert auf den Bildschirm, der das Objekt des Scans zeigte – ein einzelnes schnelles Neutron, das sie aus einem Kernfusionsreaktor mit einem Magnetfeld eingefangen hatten.

Dr. Swônni drehte an dem Regler und erhöhte langsam die Rotationsgeschwindigkeit des Gammastrahls. Die Bilder auf dem Schirm erinnerten an einen rasanten Flug durch - ja durch was eigentlich? Er beließ die Rotation des Gammastrahls exakt gleich. Sofort stoppte die rasende Bewegung auf dem Schirm. Dr. Swônni schaute verblüfft. Denn was er sah, erinnerte an einen Blick durch ein riesiges Weltraumteleskop auf einen Haufen von Galaxien. Er drehte den Regler etwas zurück. Sofort raste die Darstellung weg von den Lichtpunkten, bis sie nicht mehr zu sehen waren. Der TULK drehte erneut in die andere Richtung, bis die Lichter erneut auftauchten. Aber selbst mit seinen hypersensiblen Tentakeln war Dr. Swônni nicht in der Lage, die Einstellung der Sonde so langsam zu verändern, dass man in Echtzeit etwas erkennen konnte. Der Duodecipus stellte zwei weitere Arme für die Programmierung. In wenigen Trekunden implementierte er eine rechnergestützte Drehzahlveränderung. Nun konnte er die Umdrehungszahl des Gammastahls in Größenordnungen eins Mikrons verändern. Das reichte für eine visuelle Darstellung, die man mit bloßem Auge verfolgen konnte. In Schritten von einem Mikron pro Trekunde erhöhte der TULK nun die Gammastrahldrehung. Mit weit geöffneten Pupillen starrte der Duodecipus gebannt auf die Bilder. Er vergaß zu atmen. Wie in einem Raumschiff flog scheinbar ein Universum an ihm vorbei. Der Flug ging durch Lichthaufen, bunte Schlieren und Formen, die Swônni sich in seinen kühnsten Phantasien nicht hätte ausmalen können. Er sah ihm unbekannte Farben, für die es in seiner Welt keine Namen gab.

Dann erblickte er etwas – nein, das war unmöglich. Tief zog er das Wasser in die Kiemen und hielt das Bild an. Schnelle Justierung - da war es wieder. Es sah aus wie … das musste ein Zufall sein. Schnell kopierte der Duodecipus noch die Steuerungsroutinen in den Teil des Programmes, der die dreidimensionale Achsensteuerung des Objektträgers übernehmen sollte. Die Erregung verlieh seinen Tentakeln Flügel. In Rekordzeit erledigte er die Aufgabe. Nun konnte er den Objektträger frei im Raum bewegen, ohne dass der Gammastrahl seine exakte Ausrichtung verlor. Vorsichtig probierte er die Routine aus. Auf dem Bildschirm sah man ein Lichtband, das jetzt im vorderen Bereich nach unten kippte. Dabei eröffnete sich der Blick auf eine rotierende Spiralscheibe. Aber es war keine Scheibe. Denn das Objekt bestand aus Milliarden einzelner Lichtpunkte.

„Eine Galaxis?“, entfuhr es Swônni, dessen Körperfarben vor Aufregung wild und unkontrolliert wechselten, während einige seiner unbenutzten Arme nervös zuckten. Er stoppte die Achsenverschiebung und die Kippbewegung der Scheibe stoppte. Nun erhöhte er wieder die Drehzahl des Gammastrahls. Es sah aus, als flöge man in einem Raumschiff auf den Randbereich einer Galaxis zu. Je näher er kam, desto mehr Einzelheiten wurden sichtbar. Dr. Swônni konnte sich gar nicht satt sehen. Dann zuckte er zusammen. Vor seinen Augen flog eine Anordnung heran, die an ein Sonnensystem erinnerte. Abrupt verlangsamte er die Drehung des Gammastrahls. Was er sah, wollte sein Verstand nicht zulassen. Dort war eine Sonne. Und sie hatte ein Planetensystem.
Etwas blitzte dort auf – der dritte Planet. Swônni ging ein, zwei Mikron näher heran – ein blauer Planet! Wasser? Noch etwas näher – hoch konzentriert passte er das Steuerungsprogramm so an, dass er das Objekt seiner Wahl markieren konnte, um es permanent in der Bildschirmmitte zu halten.

Das Bild eines Planeten füllte den Bildschirm: Blaue Atmosphäre, ein Ozean, weiße Wolken und grüner Bewuchs, der offenbar nicht unter Wasser lag. Für den Duodecipus war die Vorstellung von pflanzlichem Leben, das nicht unter Wasser existierte, ein völlig neuer Gedanke. Er zitterte vor Aufregung. Wenn das stimmte, war das mehr als eine Sensation. Vorsichtig erhöhte er die Drehzahl des Gammastrahls. Auf dem Bildschirm tauchte die Ansicht in eine blaue Atmosphäre ein. Swônni richtete die Achsen neu aus. Nach einigen Trekunden füllte die obere Hälfte des Bildschirms die Draufsicht eines grünen Streifens oberhalb der Wasseroberfläche, während die untere Hälfte blaues Wasser zu zeigen schien.

Da bewegte sich etwas. Es sah aus wie ein langgezogenes, weißes Dreieck, das mit der Spitze voran über das Wasser glitt. Am Heck schien ein Motor zu arbeiten. Ein dünner Faden ragte dort heraus, an dessen Ende etwas hing. Es wurde hinter dem Dreieck hergezogen, während es hin und her schwang. Swônni zoomte näher heran und fokussierte das Objekt. In diesem Moment näherte es sich dem grünen Bereich. Da! Das Anhängsel trennte sich vom Faden. Es glitt in Richtung Ufer. Doch bevor es die Grenze zwischen Wasser und Nichtwasser erreichte, fiel es ins blaue Nass. Die Bewegungen dieses Objektes waren so unregelmäßig, so fremd und doch so vertraut. Dort schwamm etwas – etwas Längliches mit vorne und hinten je zwei Gliedern – etwas Lebendiges!

Dr. Swônni nahm ruckartig die Augen vom Mikroskop und kontrollierte ungläubig, ob ihm vielleicht jemand einen Streich spielte. Aber er war allein. Litt er an Halluzinationen? Der Duodecipus kniff die Augen zusammen und fuhr mit einem Tentakel darüber. Dann schaute er wieder in das Okular des Gerätes.

Das Anhängsel erreichte gerade die Grenze des blauen Wassers und bewegte sich heraus. Nun veränderte sich die Perspektive. Das Ding drehte sich um 90 Grad und bewegte sich auf den längeren Gliedern aufrecht weiter. Dann kam ein zweites Objekt hinzu und gemeinsam gesellten sich die beiden zu einer Gruppe weiterer – Wesen? Dr. Swônni verlor jegliche Farbe. Der Schock der Erkenntnis ließ ihn völlig weiß erbleichen.
„Ein Universum in einem Neutron!“ entfuhr es ihm ungläubig.
„Ein Universum in einer Nuklearreaktion! Leben!“

Die Erkenntnis traf ihn wie ein elektrischer Schlag. In jedem Neutron ein Universum! Unzählige Universen! Diese Wahrheit war größer als alles, was Dr. Swônni je zu denken in der Lage gewesen war. Er schüttelte sich. Viel hätte nicht gefehlt, um ihn wahnsinnig werden zu lassen. Doch er fing sich schnell.

„Wir sind nicht allein!“ flüsterte der Duodecipus. Ein glückliches türkis-blaues Wallen lief pulsierend um seinen Körper.

Zur gleichen Zeit auf dem dritten Planeten des Sonnensystems. Freddy hatte das Seil losgelassen und glitt auf seinem Wasserski Richtung Ufer. Die letzten Meter musste er schwimmen. Als er den Strand hinaufging, kam ihm seine Freundin Soé entgegen und küsste ihn fröhlich auf den Mund. „Jetzt was trinken“, sagte Fred gut gelaunt. Gemeinsam gingen sie zur Strandbar.

In diesen Minuten zeichnete das Gammastrahlen-Teleskop MAGIC auf der Insel La Palma eine Gammastrahleneruption auf. Sie kam aus einem riesigen schwarzen Loch, das am Rande des den Menschen bekannten Universums lag. Unglaubliche 11,9 Milliarden Lichtjahre entfernt, vielleicht sogar noch weiter.

Dr. Swônni verließ sein Labor, bewegte sich majestätisch durch die Fluten und tauchte an der Wasseroberfläche auf. Er setzte eine Art Brille auf. Dadurch passte er seine Augen der deutlich geringeren Dichte der Sauerstoffatmosphäre an. Nun sah er fast noch besser als unter Wasser.

Der TULK richtete seinen Blick in den Nachthimmel, in dem ein samtschwarzes Universum Trilliarden von Lichtpunkten zeigte. Dies war sein eigenes Universum, das nach aktuellem Wissensstand etwa 23 Milliarden Standardzyklen alt war. Erst kürzlich hatte man an seinen äußersten Grenzen gigantische Gammastrahlenquellen entdeckt.

Dr. Swônni lächelte.
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GruĂź, Dirk
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"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." (Albert Einstein)

Version vom 01. 10. 2010 19:14
Version vom 04. 10. 2010 10:27

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jon
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Netter Text, gefällt mir; ist aber vielleicht wirklich etwas langatmig. (PS vom Redakteur: Die Vorrede an den Leser gehört nicht zum Werk, oder? Also streichen!) Das Techno-Blabla ist unnötig – "man kann damit ins unendlich Kleine gucken", reicht. Der Point of View (Erzählerstandpunkt) passt eigentlich auch nicht zu dem Techno-Blabla, der Typ erklärt sich ja nicht selbst, was genau er da erfunden hat. Der Point of View wird – gravierender – auch noch an den Stellen mit der Namensgebung gebrochen:

quote:
Er sah aus wie ein Oktopus mit 12 Tentakeln, also ein Duodecipus. Seine Art nannte sich selbst „TULK“. Ihren Planeten, der vollständig von Wasser bedeckt war, nannten die TULK ebenso. Sie waren die beherrschende Spezies des Planeten mit immenser Intelligenz.

Das wird für den irdischen Leser gemacht, ist aber nicht nur der erwähnte Poin-of-View-Bruch (der zudem den Lesefluss stört), sondern auch überflüssig. Bei 12 Tentakel im Wasser denkt man automatisch an Tintenfische. Wie die ihren Planeten und sich selbst nennen, ist schnurz (übrigens auch später der expilzite Hinweis auf Sol – die Beschreibung ist eindeutig), und als Großbuchstaben geschrieben auch unsinnig – wir nennen uns ja auch Menschen und nicht MENSCHEN, als sei das eine Abkürzung von "Man, echt nervende SuperChaoten hausen erdgebunden nah" oder so. Dass Tulk komplett mit Wasser ebdeckt ist, ist unten (bei Vergleich) früh genug erwähnt.


Du solltest unbedingt noch die Zeiten anpassen. Erzähljetzt-Zeit ist die Vergangenheit – das gilt dann z. B. auch für die Funktionsbeschreibung.

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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