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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Teekanne - Teil 2
Eingestellt am 01. 01. 2003 12:46


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Lugh
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2002

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Diese Geschiche ist eine Art Fortsetzung von Meine Teekanne.

Die Teekanne Teil 2

Flackernd gingen die Neonröhren an und beleuchteten den langen Gang, der vor ihnen lag. Ihre Schritte hallten von den WĂ€nden wieder. Roman hasste diesen Teil des GefĂ€ngnisses. UnzĂ€hlige Reihen von vergitterten StahltĂŒren reihten sich links und rechts in die WĂ€nde ein. Keine Stimmen, kein Klopfen an die TĂŒren. Die meisten Insassen hier standen unter Drogen, damit sie gar nicht erst auf die Idee kamen, zu fliehen. Roman war noch nicht lange fĂŒr die RundgĂ€nge hier unten eingeteilt, kannte aber bereits fast alle der Gefangenen hier unten vom Sehen. Wenn Herbert, sein Ă€lterer Kollege, die kleinen Guckfenster öffnete und in die Zellen spĂ€hte, sah sich auch Roman die Gefangenen an. Einige sahen richtig psychopathisch aus, andere beunruhigend normal. Fast am Ende des Gangs, dort, wo zufĂ€lliger- und stimmungsvoller Weise eine Lampe ausgefallen war, lag Zelle 313. Herbert hatte es bisher immer vermieden, dort in die Zelle zu spĂ€hen. Roman hatte sich vorgenommen Herbert diesmal darauf anzusprechen.
„Du Herb, wer sitzt in der Zelle?“ Roman deutete auf 313.
Herbert blickte nur kurz, fast Ă€ngstlich, in die Richtung der Zelle. „Ein Gefangener.“
So leicht ließ sich Roman nicht abspeisen. „Kann ... kann ich ihn sehen?“
Herbert war unschlĂŒssig, doch das machte Roman noch neugieriger. Mutig machte er ein paar Schritte in Richtung der ZellentĂŒr und sah Herbert auffordernd an. Nach kurzem zögern gab sich Herbert einen Ruck und trat an die TĂŒr.
Er hatte die Hand bereits am Schieber fĂŒr das Guckfenster, als er noch einmal kurz innehielt. „Was du in dieser Zelle siehst, ist wohl der ungewöhnlichste Gefangene, den dieses GefĂ€ngnis jemals hatte. Er ... ES hat unzĂ€hlige Morde auf dem Gewissen. Was du da drinnen zu sehen bekommst, kann dein Leben verĂ€ndern. Willst du das wirklich machen?“
Roman war jetzt ein ganz klein wenig eingeschĂŒchtert, brachte aber ein Nicken zustande. Herbert holte noch einmal kurz Luft und öffnete das Fenster. Dann trag Roman heran und blickte durch den Sehschlitz in die Zelle. Dann blinzelte er und sah noch einmal hinein.
„Der Gefangene ist weg“, sagte er.
„Was?“ Herbert stieß ihn zur Seite und sah selbst hinein. Erleichtert seufzte er. „Du Depp, er ist ja eh noch da. Erschreck mich nicht so.“
Roman sah noch einmal hinein. Noch immer nichts. Die Zelle sah aus wie jede andere und war vollkommen leer. Lediglich in der Mitte der Zelle stand eine hĂ€ssliche Teekanne, die wohl irgendein Witzbold da hineingestellt hatte. „Da ist nur eine Teekanne.“
„Nicht eine Teekanne ... die Teekanne. Weiß du wie viele Menschenleben diese Teekanne auf dem Gewissen hat?“
Roman setze den dĂŒmmsten Gesichtsausdruck auf, den er auf Lager hatte. Wollte ihn Herbert verarschen? Eine Teekanne als Gefangener? Herbert hatte das Guckfenster schnell wieder geschlossen als hĂ€tte er Angst davor, die Teekanne könnte ihm durch den Sehschlitz hindurch etwas anhaben. Eine Teekanne!
„Sag, Herbert, willst du mich verarschen?“
„Über so etwas macht man keine Witze. Hör zu, ich mache diesen Job schon ewig, ich habe Psychopathen hier hereinkommen gesehen, und habe gesehen, wie sie irgendwann wieder rausgetragen wurden. Mit denen kenne ich mich aus, aber das ist eine Teekanne, und das macht mir Angst.“ Er sagte das mit einem derartigen Ernst, dass Roman langsam wirklich mulmig wurde.
„Vielleicht ist diese Geschichte etwas weniger krank, wenn du mir erklĂ€rst, warum die Teekanne da drinnen steht.“
„Gut, dann erzĂ€hle ich dir die Geschichte der Teekanne:

Angeblich gehörte die Teekanne frĂŒher einmal einer alten Dame, erwiesen ist nur, dass sie eines Tages ein Polizist in die HĂ€nde bekam, als er die Teekanne neben der Leiche des Sohns dieser alten Dame fand. Die Frau war damals auch schon lĂ€nger tot, ein Verschulden der Teekanne konnte man damals aber nicht nachweisen. Dieser unglĂŒckselige Polizist nahm die Teekanne mit zu sich nach Hause. Zuerst trieb die Teekanne den Polizisten einmal in den Ruin. In Folge von einigen Streitigkeiten, die erwiesen mit der Teekanne zusammenhingen, verließ ihn seine Frau und nahm ihren Sohn mit. Dem armen Mann blieb nur diese teuflische Teekanne, und darauf hatte sie gewartet. Als er eines Abends von einem Kneipenbesuch betrunken nach Hause fuhr, verunglĂŒckte der Polizist. Er war am Lenkrad eingeschlafen, das wĂ€re aber noch nicht so schlimm gewesen, denn sein Fuß hatte sich vom Gaspedal gelöst. Aber die Teekanne, die er aus irgendeinem Grund mitgenommen hatte, rutschte vom Beifahrersitz und landete genau auf dem Gaspedal, wo sie sich verklemmte. Schließlich raste das Auto mit knapp 100 km/h in eine Mauer.

Das nĂ€chste Opfer war ein Streifenpolizist, der die Teekanne aus dem Autowrack herausholen wollte. Sie klemmte fest und er legte seine ganze Kraft hinein, um sie herauszubekommen. Als sie sich plötzlich löste schleuderte es ihn nach hinten und an der Absperrung vorbei auf die Straße. Ein LKW ĂŒberrollte ihn, der Polizist war nur noch Matsch. Die Teekanne hatte dabei keinen Kratzer abbekommen.

Nach einem nicht nĂ€her geklĂ€rten LKW-Unfall landete die Teekanne dann auf dem Tisch eines Gerichtsmediziners, der sie als provisorische Unterbringung fĂŒr die Augen eines Mordopfers benutzte. Das die Putzfrau, die sich ohne das Wissen des Arztes einen Tee machen wollte, an einem Herzinfarkt starb, ist nicht verwunderlich.
Aber auch der Gerichtsmediziners kam nicht lebend davon. Er nahm sich die Teekanne mit nach Hause, verzichtete allerdings darauf, sie zum Teekochen zu benutzen, was verstĂ€ndlich ist, auch wenn die AugĂ€pfel wieder daraus entfernt worden waren. Nun stellte er die Teekanne oben auf einen KĂŒchenschrank. Es kam, was kommen musste. Bei dem Erdbeben vor einem Jahr hielt sich unser Doktor gerade in der KĂŒche auf und bekam prompt die Teekanne auf den SchĂ€del, als er aufstand. Diese Teekanne ist ĂŒbrigens ĂŒberraschend schwer, was den Doktor auch das Leben kostete, zusammen mit dem Umstand, dass ihn die Teekanne an einer sehr unglĂŒcklichen Stelle traf.
Daraufhin landete die Teekanne wieder bei zwei Privatpersonen, die auch beide teekannenbedingt ums Leben kamen.

Inzwischen war ein Polizist auf die Idee gekommen, diese unterschiedlichen „UnglĂŒcksfĂ€lle“ miteinander in Verbindung zu bringen, woraufhin Klage gegen die Teekanne erhoben wurde. In einem Musterprozess wurde sie dann auch zu lebenslanger Haft verurteilt.“

Roman fĂŒhlte sich ungefĂ€hr so, wie er sich gefĂŒhlt hatte als ihn ein Freund gebeten hat, einer Sekte beizutreten, die einen sprechenden SuppenwĂŒrfel anbetete. Aber das war eine andere Geschichte, und diese hier war schon schlimm genug.
„Nehmen wir einmal an, das alles hat wirklich mit dieser Teekanne zu tun, warum hat man sie dann auch noch hierher gebracht, in ein HochsicherheitsgefĂ€ngnis? Da hĂ€tte doch wohl eine ganz normale Zelle genĂŒgt.“
„Sie war ja in einer normalen Zelle, bis zu ihrem Ausbruchsversuch.“
„Ausbruchsversuch? Das ist eine Teekanne! Wollte sie davonlaufen?“
„Wie denn? Nein, sie musste das natĂŒrlich geschickt einfĂ€deln und den richtigen Moment abwarten. Dieser Moment war vor zwei Monaten. Die Heizung im Haus war ausgefallen und das mitten im Winter. Wir hatten eisige Temperaturen im GefĂ€ngnis. Nun kam ein Beamter zur Teekanne, um sie zu ihrem tĂ€glichen Rundgang im GefĂ€ngnishof abzuholen, der ja vorgeschrieben ist. Da die Teekanne jedoch weder mitgehen konnte noch wollte, musste der Beamte sie tragen. Im Hof erkannte er dann, dass er an dem metallenen Griff der Teekanne festgefroren war. Der Beamte ging nun mit der Teekanne zum GefĂ€ngnisarzt. Der wollte die Finger des Aufsehers mit heißem Wasser losbekommen, das Wasser war dann aber doch ein wenig zu heiß und verbrĂŒhte dem Beamten die Finger. Als dieser erschrocken aufsprang stieß er gegen den Tisch des Arztes, eine Schere fiel herunter und borte sich in den Fuß des Arztes. Die Teekanne hatte sich inzwischen von seine Hand gelöst und war auf den Boden gefallen und rollte in diesem Durcheinander aus dem Zimmer auf den Gang. Als die beiden das realisierten war es bereits zu spĂ€t, die Teekanne war verschwunden. Erst drei Tage spĂ€ter konnte sie wieder gefunden werden, ein HĂ€ftling, der am nĂ€chsten Tag entlassen werden sollte, hatte sie bei sich. Ein Tag lĂ€nger und diese mörderische Teekanne wĂ€re wieder auf freiem Fuß gewesen.“
Roman blickte kurz in Richtung Zelle 313, dann sah er wieder Herbert an. „Das ist schon eine verrĂŒckte Geschichte. Glaubst du denn, dass die Teekanne wirklich fĂŒr all das verantwortlich ist?“
„Na ja, vielleicht hat sich auch nur eine enorme Anziehungskraft auf dumme Leute.“


__________________
Es gibt nichts sinnloses. Selbst wenn etwas scheinbar sinnlos ist, zeigt es durch seine Sinnlosigkeit doch den Kontrast zum Sinnvollen - und erhĂ€lt dadurch einen Sinn. GĂ€be es schließlich nichts sinnloses, wĂŒssten wir nicht was sinnvoll ist.

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chrishilden
???
Registriert: Oct 2002

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NEGATIV:


1.Den dĂŒmmsten Gesichtsausdruck, den er auf Lager hatte.
Das klingt krumm und nicht Prosa-mĂ€ĂŸig.
2. Kann...Kann ich ihn sehen?
Wer spricht so? Sprech es einmal laut und du wirst bemerken, wie blöd das klingt.
Kann...ich ihn sehen?
Simple Sprechpausen, verdeutlicht durch Punkte ... oder Gedankenstriche - sind einfach runder.
3. Wieso ist man dumm, wenn man einen Herzinfarkt hat? Ich weiß, ein Herzinfarkt ist eine hĂ€ufig vorkommt und die in diesem Repertoire (eigentlich) nicht fehlen darf ; - } aber da ist man dann doch wahrlich nicht dumm.
4. Nach kurzem zögern <----- Zögern!?

Ich hoffe die Liste mit Positiven Sachen wird lÀnger ;-)


POSITIV:


1. Du hast eindeutig Phantasie bewiesen. Ich habe schon gedacht, Roman erblickt jetzt eine vor-Sabber-triefende-gurgelnde-vollgekotzte-Hannibal&Jack-the-Ripper-Kreuzung aber dass eine simple Teekanne verhaftet ist ĂŒberrascht sehr!!!
2.Ich muss demnĂ€chst meine KĂŒchenschrĂ€nke abschließen!!
Schönen Gruß


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Lugh
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2002

Werke: 5
Kommentare: 16
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Danke einmal fĂŒr deine Kritik.

Gleich einmal, wer einen Herzinfarkt kriegt ist sicher nicht dumm, aber wer AugÀpfel in eine Teekanne legt könnte schon eher in diese Kategorie fallen (hier geht es um Ursache, nicht Wirkung).

Das "Kann ... kann ich ihn einmal sehen?" finde ich schon okay. Ich habe schon öfters Leute erlebt, die zuerst mit einem Satz anfangen, kurz abbrechen und es noch einmal von vorne versuchen. Gerade in so einer Situation. Aber das ist wohl Geschmackssache.

Zögern gehört natĂŒrlich groß, mein (Tipp-)Fehler.


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