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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Tinn
Eingestellt am 06. 08. 2013 02:03


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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
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Die Tinn

quote:
Markus Plie├čnig 23.07.2013



Drau├čen vor dem Fenster



"Wieder einmal auf, nach Schei├č-Brinkmaar, um beschissene Vorr├Ąte einzukaufen!", murmelte Georg gedankenverloren vor sich hin und sp├╝lte diese, f├╝r ihn widerw├Ąrtigen Worte, mit einem kr├Ąftigen Schluck selbstgebrandten Zirbenschnaps hinunter. Wieder einmal...
Georg hasste diese Stadt. Er hasste die Menschen dort, verabscheute jeden Stra├čezug, jedes Haus, ja jeden gottverdammten Ziegelstein. Aber besonders die Menschen. Diese heuchlerischen Bastarde.
"Ist ja ├╝berall das selbe Pack. Arbeiten blo├č f├╝r Ansehen und Wohlstand - diese mickrigen Hunde!" Und wieder zogen diese Worte einen kr├Ąftigen Schluck Schnaps nach sich, gerade so, als wollte Georg das Gesagte damit wieder in die Kehle zur├╝cksp├╝len und es dadurch ungesagt machen. W├Ąre das wirklich seine Absicht gewesen, h├Ątte Georg die Unm├Âglichkeit dieses Vorhabens an dieser Stelle vermutlich zutiefst bedauert. Aber f├╝r solcherlei Gedankengut war Georgs Verstand momentan sowieso viel zu besch├Ąftigt. Er war erstens schon ziemlich besoffen und es musste zweitens, schlie├člich noch allerlei getan werden - damit diese leidige Zwangsma├čnahme (diese Reise) auch tats├Ąchlich umgesetzt werden konnte. Nach Schei├č-Brinkmaar war es eben kein Katzensprung und Siebenmeilenstiefel hatte Georg leider auch nicht. Au├čerdem war da ja noch das andere Problem. Georg schluckte und seine stark ger├Âteten Augen blickten sorgenvoll auf seine alte Schrotflinte an der Wand, direkt neben dem einzigen, nicht verbarrikadierten (weil aus Panzerglas bestehenden) Fenster, seiner schon l├Ąngst in die Jahre gekommenen H├╝tte.
Dann wanderten seine Augen dorthin und er sah nach drau├čen. Es war Nacht und es schneite...
"Diese, diese, ..."; Georg setzte zu einem weiteren Schluck an, hielt kurz inne und vollendete den Satz,"...Schweinebr├╝der!"
So hockte er nun, in warmes Kerzenlicht getaucht, immer angespannter auf seinem einzigen Stuhl vor dem alten Stubentisch, an diesem Fenster, alleine in dieser sch├Ąbigen und beinahe v├Âllig eingeschneiten H├╝tte, mitten in der Wildnis und war au├čer mit Saufen, auch noch eifrig damit besch├Ąftigt, auf einem vergilbten Zettel festzuhalten, was er nach ca. 2 Tagen anstrengendem Fu├čmarsch unten in Schei├č-Brinkmaar eigentlich alles zu besorgen hatte. "Die doppelte Menge an Kerzen als beim letzten Mal...", notierte er sich in krakeligen Buchstaben auf dem Zettel. Dabei schaute er immer mal wieder ├╝ber seine linke Schulter, wo seine alte Schrotflinte, die eigentlich eine Pumpgun war, v├Âllig ruhig (beinahe schon l├Ąssig) an der Wand hing und tanzende Schatten warf. "Das w├Ąr ja was!", sagte er mit trockenem Hals und lie├č auch diese Aussage nicht ohne einen brennenden Abgang ausklingen. Georg wollte gar nicht daran denken, was geschehen w├╝rde, sollte das Undenkbare Wirklichkeit werden. Das gelang ihm bedauernswerter Weise gerade ├╝berhaupt nicht.
"Sch..., SCH...,Schweinebr├╝der!"
Es stimmte ihn n├Ąmlich gerade schon besonders nachdenklich, dass er keine Kerzen mehr hatte - und mit schnell wachsenden Schwei├čperlen auf der Stirn, be├Ąugte er immer misstrauischer den k├╝mmerlichen Rest dieses flackernden Mistdings vor ihm am Tisch, das definitiv die letzte ihrer Art war (zumindest in seiner H├╝tte). Angestrengt versuchte Georg dabei abzusch├Ątzen, wie lange er wohl noch warten musste, bis der letzte Wachstropfen dieser einst stattlichen (15 cm Durchmesser, 30 cm H├Âhe) Kerze abperlen und der Docht schwarz sein w├╝rde - wie alles andere auch. 5, 6 oder sogar 7 Stunden? Denn dann, gab es wohl nur noch ein probates Mittel, um am Leben zu bleiben: Weil ein Tischfeuer mit in Diesel getr├Ąnkten Lumpen kam bestimmt nicht in Frage - obwohl er diese M├Âglichkeit gerade ernsthaft in Betracht zog. Nein - alles Bl├Âdsinn, der n├Ąchste Morgen w├╝rde bestimmt noch rechtzeitig kommen (obwohl Georg gerade das, arg bezweifelte)! Ansonsten w├╝rde er seine alte Pumpgun von der Wand nehmen m├╝ssen und k├Ânnte nur hoffen, dass seine H├╝tte dem zu erwartenden Ansturm standhalten w├╝rde. Eine eigenartige Vorstellung, nach all der Zeit hier oben. Aber vielleicht irrte er sich ja in Bezug auf die Kerze, oder eventuell hatte er ja das Gl├╝ck und sie w├╝rden gar nicht kommen. Doch Gl├╝ck hatte Georg nicht - auch an diesem Abend...

dunkel

Pl├Âtzlich wurde es dunkel, gerade in dem Moment als Georg in die Vorratskammer trat, um sich die letzten Dinge auf der Liste, f├╝r die morgige Reise zu notieren. Viel fr├╝her als erwartet. "Unm├Âglich!"
Mit eiligen Schritten st├╝rmte er aus der Kammer, tapste unbeholfen durch die nunmehr v├Âllig dunkle H├╝tte und versuchte, die unterdessen schon als reine Vorsichtsma├čnahme vorbereitete und durchgeladene Waffe zu erreichen. Sie lag am Tisch. Das musste jetzt schnell gehen, wusste Georg. Diese "Schweinebr├╝der" w├╝rden jede noch so kleine Chance ausnutzen um ihn endlich zur Strecke zu bringen. Doch dann traf sein Blick auf etwas Erfreuliches - etwas, das seinem Verst├Ąndnis von der Restbrenndauer der (wirklich allerletzten) Kerze halbwegs nahe kam. Vor ihm auf dem Tisch loderte noch ein kleines Flammenz├╝nglein, ausgesprochen schwach zwar, aber stark genug, um gerade noch zu erkennen, das sich unterhalb der Flamme noch gut 4 bis 5 Zentimeter "Restkerze" befanden.
"Warum brennst du nicht heller, bl├Âdes Ding?", entfuhr es Georg, der einige Augenblicke sp├Ąter, den Grund f├╝r diesen Unzustand entdeckte: Die Kerze war so ungl├╝cklich heruntergebrannt, dass sich eine kleine Mulde gebildet hatte, die es dem fl├╝ssigen Wachs unm├Âglich machte, irgendwo auf der Seite abzuflie├čen. Deshalb ragte nur mehr eine kleine Spitze Docht aus dem fl├╝ssigen Wachs - auf welcher eine ebenso kleine Flamme thronte und loderte.
"Ach, so ein Gl├╝ck!"
Diese freudige Erkenntnis wurde aber prompt zunichte gemacht, als wie aus dem Nichts etwas Unheilvolles vor seiner H├╝tte Stellung bezog. Georg konnte es genau h├Âren - und trotz seines mittlerweile etwas entr├╝ckten Bewusstseinszustandes, bekam er es ernsthaft mit der Angst zu tun. Georg, der b├Ąrtige Einsiedler in der Wildnis. Er, von dem die Leute sich die seltsamsten Geschichten erz├Ąhlten. Verr├╝ckt sollte er sein - und das war er auch. Beinahe verr├╝ckt vor Angst...
Dann begannen die Tinn, wie sie Georg manchmal nannte, damit ihr Opfer etwas einzusch├╝chtern. Ein irres Lechze und Keifen war das Mittel ihrer Wahl, begleitet von einem energischen Schaben und Kratzen (ganz in der N├Ąhe) und all das lie├č Georgs Nackenhaare steil zu Berge stehen.
Wie paralysiert stand er nun im sterbenden Kerzenlicht ( was aber eigentlich kaum mehr als Licht zu bezeichnen war) und begann sich auf sein wohl baldiges Ende einzustellen. Ein Teil seines Bewusstseins lie├č die eine Hand nach der geladenen Waffe greifen und ein anderer, wacherer und kl├╝gerer Teil seiner Wahrnehmung, fasste mit der anderen Hand nach der Kerze, neigte sie ein St├╝ck weit zur Seite und verhinderte so auf simple Art, ein v├Âlliges Absterben der Flamme. Und binnen Sekunden war das Innere der H├╝tte wieder in warmes Kerzenlicht getaucht - das Schaben und Kratzen verstummte. Ein schmerzvolles Heulen war noch zu h├Âren, dann war es wieder still...
"Ja!", br├╝llte Georg," Verpisst euch nur, ihr, ihr lichtscheuen Sch., Sch., SCHweinebr├╝der!"
Eilig stolperte er, stockbesoffen wie er leider schon war, zur├╝ck in die Vorratskammer, griff sich die 2 Packungen Munition (eine ohne Inhalt lie├č er dort zur├╝ck), ging zur├╝ck zum Tisch und setze sich.
" Das war knapp!", und wieder lie├č Georg diese Worte mit einem kr├Ąftigen Schluck Schnaps ausklingen und fuhr sich mit zittriger Hand ├╝ber seine schwei├čnasse Stirn.
"Das war knapp...", ├Ąchzte er nochmals.
Die Flamme der Kerze flackerte freudig auf und kurz dachte Georg daran, dass es ja nicht mehr lange dauern konnte, bis der Morgen anbrach. Dann wurde sein Blick tr├╝ber und seine Augenlider schwer. Langsam sackte sein Kopf nach vorn und einige Momente sp├Ąter ruhte sein Gesicht auf seinen Handr├╝cken auf der Tischplatte. Neben seinem Kopf stand die ge├Âffnete Schnapsflasche und die Kerze loderte weiter munter vor sich hin. Noch f├╝r einige Zeit...

"Long Distance Trip"

Da war wieder einer - einer dieser lauen Sommerabende, an denen es nichts Besseres zu tun gab, als sich hemmungslos und ohne R├╝cksicht auf Verluste, die Birne wegzuknallen. Der sch├╝chterne Pierre teilte sich diese Ansicht mit seinen fragw├╝rdigen Freunden Muktada, dem Arschloch Axel (der immer das Zeug hatte) und nicht zu vergessen dem wahren Grund (zumindest an diesem Tag) seiner Anwesenheit auf dieser netten kleinen Wohnungsparty, der h├╝bschen/hei├čen Simone. Alles was hierzu n├Âtig war, wurde vom Arschloch Axel gerade, unter den freudigen Blicken dieser Partygesellschaft und von Pierre, auf dem kleinen Glastisch in Muktadas Wohnung ausgebreitet. Zun├Ąchst ein kleiner Taschenspiegel, etwas Gras, ein wenig Koks, ca. 1 Gramm Speed und noch ein paar "Papers" f├╝r den Jointbau. Pierre war fast ein wenig erschrocken dar├╝ber. Muktada aber zog nur anerkennend die Augenbrauen nach oben und Simone fixierte mit gierigem Blick das durchsichtige Briefchen mit dem Koks.
"Jetzt brauchen wir nat├╝rlich erstmal die richtige "Mucke", Mucke!", sagte Axel betont cool zu Muktada gewand.
"Sonst gibt's keine rechte Stimmung, Alter - was?!"
"Tja, ├Ąhm...", Muktada kratze sich verlegen am Hinterkopf - und wirkte auf die anderen sichtlich gestresst - wegen der Frage, die ihn aber in Wahrheit eher kalt lie├č. Vielmehr kam seine offensichtliche Unruhe von diesem pl├Âtzlichen ├ťberangebot an Drogen, welches ihn gerade gewaltig ├╝berforderte, zumindest seine Widerstandskraft. Da war diese unerwartete Aufforderung geradezu l├Ącherlich nebens├Ąchlich - welche "Mucke" sollte jetzt wohl die passende sein? War ihm egal.
Aber die Finger von Pierres linker Hand zuckten kurz zusammen, als Muktada sein "Hab-keine-Ahnung" Gesicht aufsetzte und es kurz ziemlich ├Âde wurde auf der "Party". Als Pierres linke Finger erneut zuckten, war ein leises Seufzen zu h├Âren - von Simone stammend und Pierres linke Finger bewegten sich gleich noch einmal - so wie immer wenn er sehr aufgeregt war oder versuchte, etwas zu unterdr├╝cken. Doch Simones Anwesenheit schien gerade wahre Wunder zu wirken, erstaunlicherweise. Entgegen seinen "normalen" Gewohnheiten" wagte er es einfach so, die fade Stille zu durchbrechen.
"Ich glaub ich hab da was!", verk├╝ndete er mit halblauter Stimme und kramte wie von einer Hornisse gestochen mit der rechten Hand in seiner gr├╝nen Kampftasche herum. Alle beobachteten ihn dabei und Pierre wurde es etwas mulmig. Im Augenwinkel sah er Simone, wie sie sich eine Zigarette anz├╝ndete. Seine H├Ąnde begannen zu zittern und die Finger der linken Hand, mit welchen er die Tasche hielt, zuckten erneut und begannen sich leicht zu verkrampfen. Kurz sah er auf und streifte Simones Blick - er l├Ąchelte verlegen...
Und dann pl├Âtzlich ruhten alle Augen der Anwesenden (einschlie├člich Pierres) auf dem neuen Album von Samsara Blues Experiment, welches er gerade aus der Tasche zog. "Long Distance Trip" war der Titel und das schien gut zu ihrem Vorhaben zu passen, fand Pierre - was auch f├╝r alle Beteiligten zur bitteren Wahrheit werden sollte. Beim einen fr├╝her, beim anderen etwas sp├Ąter. Weil dies aber niemand auch nur ahnte, widmeten alle Anwesenden weiterhin ihre sp├Ąrliche Aufmerksamkeit diesem Album, welches Pierre gerade in den H├Ąnden hielt. Das Cover war sehr ansprechend gestaltet und Pierre wusste dazu zu sagen, dass diese vielsagende, in Gr├╝n gehaltene Zeichnung, mit den tanzenden nackten Frauen, an irgendein mehr oder weniger ber├╝hmtes Gem├Ąlde, irgendeines mehr oder weniger ber├╝hmten K├╝nstlers, angelehnt war. Aber das interessierte keinen in der Runde wirklich, so wie fast alles von dem Zeug, das Pierre so sagte - wenn er denn einmal was sagte. Denn Pierre geh├Ârte der Spezies von Menschen an, an welcher sich die anderen mal so richtig austoben konnten, wenn sie das Bed├╝rfnis dazu hatten. Juckte es also jemanden im kleinen Finger, war Pierre stets ein willkommenes Ventil; das Opfer. So war er froh, wenn er wenigsten irgendwo Anschluss fand. Diese Tatsache hatte ihn auch zu diesen "netten" Leuten getrieben, dar├╝ber hinaus auch die zaghafte Hoffnung, so vielleicht auch mal so ein l├Ąssiger Kerl zu werden, wie zum Beispiel Muktada. Um irgendwann einmal auch eine nette, oder zumindest eine h├╝bsche Freundin zu haben. Wie Simone...
Klar hackten auch Muktada und vor allem das Arschloch Axel auf ihm rum, aber wenigstens nur die. Pierre empfand es deshalb als halb so schlimm. Z├Ąhlte es doch am Ende nur, mit welchen Leuten man so abhing. Das stellte sich Pierre in etwa so vor, wie bei den Hundebesitzern. Der Hund wird seinem Herren mit der Zeit immer ├Ąhnlicher. Genau auf diesen Effekt hoffte Pierre. Da war eben Mukatada, und der war sogar so cool, dass es niemand anderer wagte, jemanden, der mit so einem coolen Typen unterwegs war oder abhing, auch nur zu verarschen. Ein netter Nebennutzen f├╝r Pierre. Aber auf die M├Ądchen wirkte er deshalb nicht anziehender. Wie das halt so ist, wenn man dieser Hundehalterphilosophie anh├Ąngt. Und w├Ąhrend Pierre die noch unbekannte Disc in den CD-Schacht dr├╝ckte, heftete sich sein Blick an Axel, wie der gerade die vier nackten Frauenk├Ârper auf der Disc-H├╝lle, bewunderte.
"Ey Simi, die haben sicher genau so sch├Âne Titten wie du - hahaha...", r├Âhrte er, wof├╝r er auch prompt, mehrere b├Âse Blicke erntete - einer wilder als der andere. Besonders hervor tat sich der des Revierverteidigers Muktada - denn ER, wollte SIE unbedingt haben - wof├╝r auch immer.
Der von Simone selbst nat├╝rlich, war auch nicht schlecht, so leicht erregbar wie sie war. W├╝tend ritt sie auch gleich einen wilden Gegenangriff gegen dieses Schandmaul.
"Axel, halts Maul !", keifte sie forsch und versuchte Axel mit ihren spitzen Lackstiefeletten am Knie zu erwischen, was ihr um Haaresbreite auch gelang.
Lediglich der Blick von Pierre tanzte etwas aus der Reihe. Einfach aus dem Grund, da er vielmehr ein trauriger war, denn ein b├Âser. Aber das fiel sowieso niemandem auf, denn Pierre war gerade damit besch├Ąftigt, die CD zum Laufen zu bringen und die anderen gackerten wirr durcheinander.
Doch dann: Die ersten sph├Ąrischen Kl├Ąnge von "singata mystic queen", bewahrten den verdutzt drein schauenden Axel vor einer zweiten Stiefelattacke, Simone verschonte ihn unerwartet - diese Musik war einfach zu toll f├╝r sie. Bis jetzt.
"Das klingt irgendwie indisch, findet ihr nicht?", warf sie anerkennend ein und alle lauschten den unerwartet ruhigen Kl├Ąngen des ersten Samsara Albums, welche aber sodann in einem groovigen Stonerrock-Riff m├╝ndeten und das St├╝ck weiter vorantrieben, wohl auf irgendeinen bombastischen H├Âhepunkt zu. Alle K├Âpfe bewegten sich leicht im schweren Rhythmus der Musik - alle bis auf Pierres.
"Derbe, aber cool?", sagte Muktada grinsend und zum pers├Ânlichen Start der Party, goss er sich zun├Ąchst einmal etwas Absinth in sein Glas - das empfand er meistens als sehr ideal f├╝r den Anfang. Sein Lippen spitzten sich als sie sich dem Glas n├Ąherten.
Simone zwinkerte und nickte ihm dabei wohlwollend zu, was den sensiblen Pierre tief im Inneren zusammenzucken lie├č - ja, das war heute wirklich bitterer als sonst, ein Herrchen zu haben - und zum ersten Mal ├╝berkam ihn der Hauch eines seltsamen silbernen Gef├╝hles. Verst├Ârt sah er zu Simone und fragte sich, ob er wohl jemals eine Freundin wie sie haben w├╝rde.
"Hey Axel, hast du eigentlich die Pilze dabei? W├Ąre schade, wenn das wieder nur leere Worte gewesen w├Ąren!", ├Ątzte der Gastgeber Muktada, der heute auf jeden Fall zuschlagen wollte (bei Simone). Jetzt wo's doch offensichtlich so gut lief.
"Und davor mal ein bisschen Koks - was?", erg├Ąnzte Muktada. Simone's Blick zollten ihm unverhohlenen Beifall und genau das wollte Muktada erreichen - Pierre lief ein unbehagliches Fr├Âsteln ├╝ber den R├╝cken - ein leises Ti, Ti, Ti dr├Âhnte in seinem Sch├Ądel. Es war irgendwie seltsam - aber nicht so schlimm, das man dar├╝ber besorgt sein musste. Pierre atmete durch und verfolgte das weitere Gespr├Ąch. Doch dann sah er etwas aufflackern - etwas wie ein Paar schwach gelb leuchtender Augen. "Aber was?"
Pierre war geschockt, doch bevor er diese Sichtung einordnen konnte, waren diese Augen auch schon wieder verschwunden. H├Ątte er aber gewusst, was die Konsequenzen seiner bald getroffenen Entscheidung sein w├╝rden, w├Ąre er vermutlich sofort abgehauen - aber, er wusste von nichts. Nichts von diesen kleinen Rissen zwischen zwei (bald so ├Ąhnlichen) Welten, die einem oftmals als Warnung geschickt wurden. Als b├Âses Omen. Pierre hatte, wie gesagt, keine Ahnung von dergleichen und erkannte sie nicht, die Zeichen, welche bald mehr als das sein w├╝rden. Denn die Zeichen w├╝rden Wahnsinn werden - frostiger und blutiger Wahnsinn...
"Hey! Axel was is jetzt?!", h├Ârte Pierre Muktada nachhacken. Erst darauf nickte Axel stumm, griff in seine Bauchtasche und warf einen kleinen Beutel mit einem Hanfblatt drauf, auf den Tisch. In diesem befanden sich feinste, von Axel selbst gezogenen und getrocknete Magic Mushrooms der st├Ąrksten Sorte. Ihre spitzkegeligen H├╝te gl├Ąnzten in mattem Braun, ihre gekringelten St├Ąngel leuchteten derartig silbern, dass es mehr als nur eine magische Verhei├čung zu sein schien - vielleicht ein weiterer Riss zwischen 2 Welten?
Und Axel musste kurz schlucken als er noch lapidar anmerkte: "Die m├╝ssten reichen, sag ich!"
Muktadas dezente Augenbrauen wanderten abermals anerkennend nach oben. Ja, es sah so aus als w├╝rden die reichen! W├Ąhrend der ersten Kl├Ąnge von "army of ignorance", griff Axel in den Beutel und legte f├╝r jeden, drei gro├če, getrocknete Pilze auf den Tisch, welche Muktada und deshalb nat├╝rlich auch der sch├╝chterne Pierre sofort dankend an - und einnahmen. Die Zukunft erbebte und Pierre wandelte nun endg├╝ltig auf den Pfad in seinen Untergang...
" Und auch du Simi! Let there be rock...", sagte Axel grinstend, f├╝r Simones Geschmack etwas zu widerlich, aber das war nicht der alleinige Grund, weshalb sie ihren gerade von Axel offerierten Trip gleich ablehnen w├╝rde. Weil sp├Ąter war sie noch mit ihrer Freundin Joey verabredet. Die Beiden hatten vereinbart, gemeinsam auf irgend so ein illegales Festchen zu gehen. Da wollte Simone einfach auf keinen Fall voll auf Pilzen dort aufkreuzen. Laut dem Flyer, den sie in ihrer Tasche hatte, war die Party n├Ąmlich irgendwo im Wald. Keine gute Umgebung f├╝r Stadtm├Ądchen - schon gar nicht f├╝r Stadtm├Ądchen auf Pilzen...
"Phu, nein, ich nicht! Lieber nur eine kleine Nase Koks! Hab heute noch was vor!"
Axel l├Ąchelte ├╝berlegen: "Ach SCHADE! Trotzdem, auch gut! Aber gib's zu Simi! Die Shroomsis magst du nur nicht, weil sie meine Babys sind!", schlussfolgerte er dennoch irgendwie richtig, w├Ąhrend er nach dem gew├╝nschten Briefchen griff. Bereitwillig streute er ihr daraufhin eine "Nase" auf seinen kleinen Taschenspiegel mitten im anderen Zeugs auf dem Tisch und schaute verstohlen zu Muktada, der nur d├Ąmlich grinste. In einer Hand hielt er schon sein silbernes, speziell zu diesem Zweck von einem besonderen Freund georderte und angefertigte R├Âhrchen - dazu auch noch die Bankomatkarte und die hackte gleich wild vor sich hin und Simone's Augen r├╝ckten keinen Zentimeter mehr vom wei├čen Pulver ab, als Axel das Koks auf dem Spiegel f├╝r sie vorbereitete . Ihre Atmung beschleunigte sich etwas. Mit etwas schriller Stimme sagte sie endlich, aber f├╝r einen gelungenen Konter viel zu sp├Ąt: "Ja Axel, aber das ├Ąndert nichts daran, dass ich mit Joey heute noch auf eine Party gehe, da kann ich echt keine Paranoia gebrauchen! Ich hoffe, dass geht in deinen Sch├Ądel rein..."
Axel, der Simone mit ├╝bertrieben g├Ânnerhafter Miene den Spiegel samt Zubeh├Âr ├╝berreichte, wollte gerade noch was dazu sagen, als ihm Muktada mit fester Stimme dazwischen funkte:" Echt? Party! Wieso wei├č ich dann nichts davon?"
Simones Miene zuckte, sie nahm sich die ganze Brise mit nur einem Nasenloch und schaute zornig zu Muktada auf.
"Weil dich das nichts angeht! Bist ja nicht mein Kerl, oder!" , entkam es ihr kaltschn├Ąuzig. Das Koks begann schon zu wirken, bekam Muktada zu sp├╝ren, der daraufhin mit offenem Mund dastand. Und f├╝r Pierre wirkte alles gerade ziemlich wie in einer besonders schlechten Sitcom. "Schon seltsam...", dachte er sich und die zarten Finger seiner linken Hand zuckten erneut - der Geschmack der Pilze klebte nun auf seiner pelzig gewordenen Zunge...
"Was isn das f├╝r eine Party, Simone?", warf er ├╝berraschend ein, mit wesentlich lauterer Stimme als sonst und fuhr kurz darauf besch├Ąmt zusammen. Simone sah ihn unvermittelt an und zog besonders hektisch an ihrer Zigarette. Ja, ihm konnte sie es ja verklickern - auch wenn die anderen davon Wind bekamen. Jetzt wo sie bald alle auf Pilzen sein w├╝rden, w├╝rde bestimmt niemand auf so eine bl├Âde Idee kommen und sie begleiten wollen, oder? Dann griff sie in ihre Tasche, nahm den Partyflyer, welchen ihr ein h├╝bscher Unbekannter vor ein paar Tagen in der Fu├čg├Ąngerzone zugesteckt hatte und reichte ihn an den verdutzten Pierre weiter. Das war der Moment in dem sich Muktada auch eine kr├Ąftige Nase nahm - nur f├╝r ein stabiles Gleichgewicht des Schreckens, dachte er sich.
" Partybox, feiern bis zum n├Ąchsten Tag! Let your Eggs rock!", las Pierre (in einer erfrischend ungehemmten Variante) allen laut vor, den Simones Aufmerksamkeit gerade zu einem wahren H├Âhenflug anstachelte - seine Stimme bebte nur leicht.
"Klingt aber schon komisch Simi! Das w├╝rde mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken! Also ehrlich...", Muktada schaute gelangweilt drein und f├╝gte, als Simone ihn nicht einmal ansah, w├╝tend hinzu:" Wann wirst du denn dann abhauen? W├╝rd mich nur interessieren..."
"Jetzt, du Arschloch! Jetzt sofort!", fauchte Simone k├Ąmpferisch und pl├Âtzlich v├Âllig au├čer sich. Ihre Augen funkelten ├╝berheblich und ein tiefes Rosa ├╝berzog auf einmal ihre glatten Wangen, das an einigen Stellen sogar in ein feuriges Rot ├╝berging - sah ziemlich bedrohlich aus.
"Ah ja, und viel Spa├č bei eurem Horrortrip w├╝nsche ich euch! K├Ânnt die schei├č Shroomsis gleich auf einen Pizzateig streuen und sie euch in den Arsch schieben, wo's doch dort so sch├Ân warm ist!", setzte sie noch eins drauf und Pierre musste innerlich lachen - jetzt wo das noch ging. Diese Aussage hatte wirklich Feuer. Dann traf ihn der vernichtende Blick von Muktada und der war ziemlich emp├Ârt: "Was ist denn mit dir jetzt auf einmal los Simi! Packst das Koks nicht, oder...", denn damit hatte er nun auch wieder nicht gerechnet - zumindest nicht so schnell, au├čerdem war ihm aufgefallen, dass sein Hundchen gerade gel├Ąchelt hatte ├╝ber ihn. Ja, dieser Pierre, der stand wohl auf Simone, na klar. Bevor er noch etwas dagegen tun konnte, warf Simone ihre Kippe achtlos auf den Parkettboden, w├╝rdigte ihn keines Blickes mehr und ging unter klacksenden Schritten schnurstracks zur T├╝re, wie eine hochwohlgeborenen Prinzessin, welche man extrem beleidigt hatte und das einzig zu dem Zweck, um nur blo├č so schnell wie m├Âglich von diesen (angew├Ąrmten) Idioten wegzukommen. Wieso war sie nur ├╝berhaupt dort hingegangen? Diese Frage konnte sie momentan nicht schl├╝ssig beantworten. Wegen Muktada? Naja, vielleicht - nein, doch nicht.
Sie ├╝berlegte: "Oder wegen, NEIN - wegen Axel bestimmt nicht. Wegen Pierre? Kaum!" Also entschied Simone spontan, dass diese Typen sie so schnell nicht wieder zu Gesicht bekommen w├╝rden. Denn Drogen hatten andere auch. Vielleicht nicht so gutes Koks. Nun: Mit beiden Annahmen sollte Simone richtig liegen.
Bevor sie nun die T├╝re mit aller Wut ins Schloss "dreschen" wollte, dr├Ąngte sich Pierre, kurzerhand dazwischen. Sein Schuh hinderte die T├╝re am Zuknallen und Simone wirkte pl├Âtzlich stark irritiert. So was auch? Reflexartig h├Ątte sie ihm beinahe eine runter gehauen - beinahe...
"Du, das mit der Pizza war gar nicht so eine schlechte Idee! Kann ich dich vielleicht ein St├╝ck begleiten?", spielte Pierre auf ihren vorherigen "Sager" an, l├Ąchelte scheu und senkte seinen sch├╝chternen Blick. Ein Hauch von Silber lag in der Luft...
"Musst du wissen Pierre! Wann wirken denn die Pilze?", fragte Simone mit etwas sanfterer Stimme. Pierre war ja irgendwie in Ordnung - absolut langweilig zwar, aber doch irgendwie in Ordnung. Der einzige von diesen Arschl├Âchern...
"Wei├č nicht - in einer Stunde?!"
"Na dann, komm halt mit!"


Die ├ťbermacht

Die Lider schnellten blitzschnell nach oben. Doch den Augen bot sich nichts als schier endlose Schw├Ąrze. An die Ohren aber, drang ein eifriges und gesichtsloses Gekeife...
"Ein elendes, sabberndes und gesichtsloses Gekeife!", erg├Ąnzte Georg im panischen Gedanken und wusste sofort: "Ja, jetzt seid ihr da, ihr SCH..., Tinn!" - und alles war pure Dunkelheit als Georg blitzschnell aufsprang. Blindlings versuchte er nach der geladenen Waffe vor ihm am Tisch zu greifen. Dieser verzweifelte Griff ging jedoch soweit ins Leere, dass nur der Daumen ausgestreckt am Gewehr vorbei donnerte und es in hohen Bogen unter einem dumpfen Knallen auf den Boden bef├Ârderte - irgendwo in der Finsternis. Erregt sprang Georg auf und tappste unbeholfen aber dennoch flink (mit dr├Âhnendem Sch├Ądel), noch einigerma├čen gut abgef├╝llt, einen Schritt zur├╝ck, was auch noch den Stuhl zu Boden warf. Darauf folgten zwei weitere, hastige Schritte nach rechts, einer nach links, zwei Schritte nach vorn und der ungl├╝ckselige Georg krachte nach einem dumpfen "Klonk!" r├╝cklings auf den Bretterboden seiner H├╝tte. Danach hatte er nicht einmal die Chance, sich auf die frisch eingehandelten Schmerzen ├╝berhaupt einzulassen. Die Tinn begannen offenkundig gerade damit, sich zu Dutzenden gegen die Eingangst├╝re seiner Behausung zu werfen, was einen Krach verursachte, dass es Georg nur so durch Mark und Bein ging. Und von unter dem Bretterboden der H├╝tte, vernahm Georg zu allem ├ťberfluss auch noch ein verd├Ąchtiges Schaben und Kratzen...
Er war nun au├čer sich vor Panik und tastete sich nun doch, aber unter Schock stehend und mit zittrigen H├Ąnden kurz ├╝ber die Stelle, wo er wahrscheinlich gerade gegen den gro├čen Messingkochtopf, der an einer Kette von der Decke hing, gerannt war. Warmes Blut benetzte sein Fingerkuppen...
"Wo ist meine Waffe !?", murmelte er aufgebracht, stand auf und taumelte, nicht nur vom Zusammensto├č mit dem vermuteten Messingkochtopf noch ein wenig benommen, aber durchaus zielstrebig drei weiter Schritte nach vorne, um endlich an dieses Gewehr zu kommen. Ein, zwei, drei - er ging in die Knie und seine Finger streckten sich gierig aus. Doch da war es nicht!
"Nein, mit mir nicht!!!", br├╝llte Georg und warf sich wieder, diesmal freiwillig und b├Ąuchlings auf den Bretterboden - unter die Ger├Ąuschkulisse der angreifenden Tinn, mischte sich somit kurz, ein wuchtiges Donnern. Dann begann Georg wie wahnsinnig, einem irrer Fensterputzer gleich, mit den Armen nach dem Gewehr zu rudern. Und: "Klack" - tats├Ąchlich.
Die zittrigen Finger seine rechten Hand hatten es doch gl├╝cklicherweise gestreift. Wie ge├Âlt schlitterte es ├╝ber den Boden und fuhr letztlich gegen die blecherne Verkleidung seines Holzherdes, was Georgs Ohren freudig vernahmen. Eilig kroch Georg nun einigerma├čen zuversichtlich in die angepeilte Richtung. Ganz nah vor der erwarteten Fundstelle erstarrte Georg, als hinter ihm der Boden aufbrach und etwas raubkatzengro├čes ausgesprochen bedrohlich hinter ihm aufb├Ąumte. Georg konnte es zwar nur h├Âren - trotzdem fasste er diesen spontanen Entschluss: Beherzt, mit der Bestie im R├╝cken, sprang er nun auf die Stelle zu, wo er das Gewehr zuletzt geh├Ârt hatte und hoffte, diesmal nicht daneben zu liegen. W├Ąhrend des Sprunges biss er sich auf die Lippen, wohl wissend, dass es bestimmt gleich wieder weh tun w├╝rde; und das stimmte auch, wenn es auch aufgrund des Blutalkoholspiegels bei weitem nicht so schlimm war...
Hart schlug er auf dem unbehandelten und rauen Bretterboden auf, rammte sich ein paar Sp├Ąne in beide Oberschenkel - als Bonus aber, bekam er so wenigstens die hei├č begehrte Pumpgun mit den Z├Ąhnen zu fassen. F├╝r seinen Zustand wirklich au├čergew├Âhnlich schnell, fuhr er herum, streckte beide H├Ąnde nach der Pumpgun aus, fasste sie fest und feuerte die ersten 7 Schuss v├Âllig blind aber wie besessen, auf den Tinn ab und zerfetzte damit zuf├Ąllig (und zum Gl├╝ck) dessen Kopf.
Die H├Âlle war losgebrochen!!!
Dem zweiten aus den Loch im Boden st├╝rmenden Tinn schlug er mit dem Gewehrschaft genau zwischen den schwach gelb leuchtenden Augen, den Sch├Ądel ein. Panisch hetzten seine Pupillen danach durch die Dunkelheit, auf der stetigen Suche nach einem weiteren Paar gelb strahlender Pupillen. Aber momentan war da nichts. Etwas Zeit f├╝r Georg in die Vorratskammer zu st├╝rmen, um sich aus dem rechten, obersten Regal die restliche Munition zu besorgen - eine leichte Erinnerungsl├╝cke hinderte ihn aber daran, gleich auf dem Tisch nachzusehen...
Und Georg war w├╝tend, das Adrenalin hatte seine Angstgef├╝hle beiseite gedr├Ąngt. Er kochte geradezu vor Zorn. Verdammt! Ja, er h├Ątte es wissen m├╝ssen. Er h├Ątte darauf vorbereitet sein k├Ânnen - diese hinterh├Ąltige Kerze. Denn so war er dazu gezwungen, immer nur zu reagieren, hinkte dem Geschehen immer einen Schritt hinterher - was mit Sicherheit auch am Schnaps lag. Und wenn er sich nicht irrte, hatte er dort im Regal nur l├Ącherliche 43 Schuss Munition. Viel zu wenig, dachte er - bei Weitem zu wenig...
"W├Ąr ich doch nur einen Tag fr├╝her..."
Als er die T├╝re zur Kammer aufriss, tat er das so ungeschickt, dass der Besen, welcher innen neben der T├╝re lehnte, von der Wucht, mit welcher die T├╝re aufgrund Georgs ungest├╝men Vorgehens gegen die Au├čenwand der Kammer prallte, umgesto├čen wurde und Georg mit etwas Schwung an der Nase erwischte. Ein kurzer, brennender Stich durchfuhr Georgs Nasenspitze und wanderte ├╝ber die Nasenwurzel weiter nach innen und ergoss sich wie ein hei├čer, elektrischer Impuls hinter seinen Schl├Ąfen. Die kurze Zeitspannen, in der er dadurch ausgesprochen unaufmerksam war, reichte aus, dass er sich in der folgenden Schrittl├Ąnge irrte und mit ebenso brachialer Gewalt, welche den Besen vorhin aus seiner ruhigen Position gerissen hatte, gegen das Regal vor ihm rannte. Unter heftigem Get├Âse wurde er von den unz├Ąhligen Dosen und Kanistern, welche zuvor noch fein s├Ąuberlich dort aufgeschlichtet waren, begraben. Eine wahre Schmerzeruption war die Folge. Unter dem Berg aus Vorr├Ąten fluchte und tobte Georg wie ein kleines Kind, w├Ąhrend drau├čen, vor der Kammer weitere Bodenlatten nach oben gedr├╝ckt wurden und ein biestiges Keifen und R├Âcheln zu h├Âren war. Georg aber, bekam von all dem vorerst noch nichts mit, er versuchte stattdessen sich von dem ganzen Zeug frei zu machen. Mit zwei kr├Ąftigen Armbewegungen gelang es ihm und er ruderte sich durch das Ger├╝mpel nach oben und schaffte es sogleich, sich, was ihn in Anbetracht der j├╝ngsten Ereignisse selbst verwunderte, mit der linken Hand den vermeintlich vollen Karton mit den Patronen zu fassen und steckte ihn sich gleich in Tasche seiner roten Holzf├Ąllerjacke. Georg wollte kurz durchschnaufen, doch jetzt hatte er das Problem, dass sein Gewehr sich nicht mehr in seiner rechten Hand befand - dieses gemeine Unding musste sich noch irgendwo zwischen den heruntergefallenen Vorr├Ąten befinden. "Schei├če, Gott - du Arschloch!", br├╝llte Georg.
"Das ist meine H├╝tte ihr Drecksviecher - k├Ânnt ihr das h├Âren?! Meine H├╝tte..."
Nat├╝rlich konnten ihn die Tinn h├Âren, welche sich inzwischen zu Dutzenden in seiner H├╝tte eingefunden hatten. Und Georg fuhr herum und schaute ungl├Ąubig durch die weit offen stehende Vorratskammer, in seinen spartanischen, gerade ziemlich dunklen Wohn-Schlaf-Essbereich und konnte nicht umhin, sich selbst eine runterzuhauen. Fast ungl├Ąubig bemerkte er, dass er diesen Schmerz gar nicht mehr sp├╝rte, also schlug er sich ein zweites Mal - nur um ganz sicher zu gehen, dass er nicht tr├Ąumte. Wieder sp├╝rte er nichts! Aber alles was er noch immer sehen konnte, waren ungef├Ąhr 60 Paare gelb leuchtender, beschissener Mutantenhy├Ąnenaugen, sonst nichts weiter.
"Ihr Schweine lasst mir ja keine andere Wahl!"
Das war der traurige Moment, in dem er sich erinnerte, alle Patronen schon auf den Tisch gelegt zu haben - denn eine Hand griff in die Westentasche und zerdr├╝ckte einen leeren Karton.
Und schon wieder konnte er sich nur auf sein, immer in reichlichem Ausma├č vorhandenes, "Gl├╝ck", verlassen. Blindlings grub sich seine Rechte in den Vorr├Ątehaufen und...

Nachladen! Schie├čen, schie├čen, schie├čen, schie├čen...
Nachladen! Georg kam nicht mehr dazu, mehr als 4 Patronen auf einmal nachzuladen. Das war aber gerade noch ausreichend. St├╝ck f├╝r St├╝ck schoss er sich den Weg frei, oder besser gesagt, schoss er sich ins Zentrum seiner H├╝tte. Mit dem f├╝r ihn schlechten Ergebnis, dass er jetzt von allen Seiten gleichzeitig attackiert wurde. Ein (beinahe) z├Ąrtlicher Prankenhieb hier, ein kleiner Biss da; bis jetzt noch nichts Ernstes. Aber, bekanntlich, h├Âhlt steter Tropfen ja jeden Stein...
Nachdem Georg mit seiner Pumpgun einen wilden (vorerst befreienden) Drehangriff vollf├╝hrt hatte, bemerkten die Finger seiner linken Hand, dass nur noch etwa 5 Patronen in der (von ihm vorhin ziemlich eilig gef├╝llten) Westentasche waren. Bis jetzt waren es aber, soweit er sich erinnern konnte, nur 16 Schuss die er abgefeuert hatte. Daraus konnte er schlussfolgern, dass er vorhin nur etwa die H├Ąlfte der Patronen vom Tisch ergattern konnte.
"Ah - Nein!"
Einige davon nahm sich Georg und zog die Hand wieder aus der ger├Ąumigen Westentasche seiner dicke Holzf├Ąllerjacke. Oder waren es sogar noch 6 in der Tasche verbleibende St├╝ck - fragte er sich gleich darauf, sein Ged├Ąchtnis schien unter dem Schnaps und den zahlreichen Blessuren der nahen Vergangenheit, enorm zu leiden - unterdessen fielen ihm 2 Patronen von den 6, die er sich hastig gekrallt hatte, auf den Boden. Er h├Ârte es nicht. Egal - jedenfalls erkannte Georg trotz seiner nicht unwesentlich ins Gewicht fallenden, geistigen Umnachtung, auf den zweiten Blick sofort, dass er seine H├╝tte umgehend aufgeben musste, wenn er diese "bekackte" Nacht ├╝berleben wollte! Sofort und auf der Stelle!
"Ihr gottlosen Tinn!", schimpfte er ein letztes Mal und st├╝rmte unvermittelt auf die Eingangst├╝re zu, dr├╝ckte noch im Lauf, deren rostige Klinke nach unten und hechte mit fuchtelnden Armen (diesmal hatte er das Gewehr noch fest in der rechten Hand) ins Freie - geistesgegenw├Ąrtig drehte er sich, sobald er die kalte Luft dieser Winternacht in seinen Lungen sp├╝rte, um und schoss das ganze (halbvolle) Magazin auf die ihm eilig folgenden Tinn ab, sodass gleich mehr als vier von ihnen, aus der offen stehenden T├╝re in die H├╝tte zur├╝ckgeschleudert wurden. Daraufhin setzte er ein paar Schritte zur├╝ck, sah noch, wie die Tinn gleich einen erneuten Versuch starteten, ihm zu folgen und schmetterte die T├╝re zur├╝ck ins Schloss. Mit ├╝bermenschlicher Kraft stemmte er sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen - die Tinn br├╝llten vor Zorn, es war ein widerliches Ger├Ąusch.
"Das w├Ąr erstmal geschafft!", schnaufte Georg und fasste sich hastig an die G├╝rtelschnalle, wo an einem kleinen Hacken (zum Gl├╝ck noch immer) der rostige Schl├╝ssel zu dieser T├╝re hing und versperrte entschlossen das Tor zu seiner H├Âlle. Im Anschluss holte er die letzten, ├╝berraschenderweise jetzt nur mehr drei Patronen (Wo waren die andern beiden?) aus dem Karton in seiner Jackentasche und dr├╝ckte sie in den Munitionsschacht seiner Pumpgun, w├Ąhrend es bereits schon immer heftiger von innen gegen die T├╝re h├Ąmmerte.
Nur einige Augenblicke verstrichen, bis Georg wusste, was nun in weiterer Folge zu tun war. Wollte er, wie schon gesagt, am Leben bleiben, musste er rennen. Und das schnell - irgendwohin! Denn die T├╝re w├╝rde diesen Biestern bestimmt nicht lange standhalten. Einmal noch, drehte er sich um, erschrak f├╝rchterlich , als ein Tinn durch ein kleines Loch unter seiner H├╝tte sprang, erlegte ihn mit einem gezielten Schuss zwischen die leuchtenden Augen und versuchte seine Flucht fortzusetzen...
Doch DANN:
"Hey, was isn? Bist du auch so rot wie ich?", fragte ihn ein v├Âllig unpassend bekleideter junger Mann pl├Âtzlich und wie aus dem Nichts. Georg wunderte sich gewaltig. Er sah ihn kurz an, diesen Fremden mit einem stinkenden Karton in den H├Ąnden. Konnte aber nichts mit dieser sonderbaren Erscheinung anfangen und schrie ihm warnend entgegen: "Renn um dein Leben, du Narr, die Tinn kommen! Siehst du sie nicht? Hinter mir - die Viecher mit den leuchtenden Augen!"
Als Georg nur einen d├Ąmlichen, v├Âllig verkl├Ąrten Blick als Antwort erhielt, rannte er einfach weiter und ├╝berlie├č den jungen T├Âlpel seinem Schicksal. Einen Schuss feuerte Georg noch aus einiger Entfernung ab, um den Tinn, der gerade auf diesen v├Âllig lethargischen Jungen zu hechtete, unsch├Ądlich zu machen, dachte sich aber gleich, dass es doch sowieso v├Âllig sinnlos war. Au├čerdem konnte er von Gl├╝ck reden, dass er den Jungen nicht auch gleich mit umgenietet hatte - aufgrund der enormen Streuung seiner Waffe. So rannte er einfach weiter, schnell wie ein Windhund! Doch so weit konnte er gar nicht kommen um nicht zu h├Âren, wie die Tinn sich ├╝ber den jungen Mann hermachten und ihn mit unglaublicher Brachialit├Ąt, in kleine St├╝cke zerrissen und sich so ihren Wanst vollschlugen. Somit hatte der Junge ihm wenigstens einen kleinen Vorsprung verschafft, dachte sich Georg, fand aber nicht mehr die Zeit, sich bei diesem, wenn auch nur rein gedanklich, zu bedanken - oder gar, um diesen zu bedauern. Denn bl├Âderweise rannte er gerade gegen etwas in Bauchnabelh├Âhe, kippte vorn├╝ber und st├╝tzte wortlos in die Tiefe - einige Meter, sein K├Ârper schlug hart und ungebremst auf hartem Untergrund auf. Georg war sofort tot.


Bad Trip

W├Ąhrend sie so den B├╝rgersteig entlang schlenderten, konnte es Pierre sich nicht verkneifen, immer mal wieder einen Blick in Simones imposanten Ausschnitt zu riskieren - zu verlockend war es. Er gab sich zwar redlich M├╝he, dass sie es nicht bemerkte, doch scheinbar stellte er sich so ungeschickt an, dass sich Simone nach einigen verstohlenen Blicken dazu aufgefordert f├╝hlte, etwas dazu zu sagen.
"Hast wohl schon l├Ąnger keine Freundin mehr? Oder, Pierre?", fragte sie in einem, f├╝r diese Situation fast ungew├Âhnlich sanftem Tonfall und lachte Pierre noch dazu herzlich an - v├Âllig ungewohnt f├╝r Pierre, dessen Magen sich zusammenzog um gleich darauf klebrigen "Pilzschleim" durch die Speiser├Âhre nach oben zu dr├╝cken. Ein intensives Aroma f├╝llte seinen Mund.
"├ähm, ├Ąh - nein, hab ich nicht! ├äh, noch nie - ja...", stammelte er verlegen, schluckte den Schleim hinunter und schaute versch├╝chtert zu Boden. Simone fand das irgendwie s├╝├č...
"Nun, also - ├Ąhm, du musst doch jetzt bestimmt weiter, zu deiner Partybox-Sache, nicht?", versuchte Pierre abzulenken und ein leises Rauschen t├Ânte pl├Âtzlich zwischen seinen Augen. Und da war es wieder, nur wesentlich st├Ąrker - ein helles, ja ein silbernes Gef├╝hl ├╝berkam ihn. Pierre blieb sofort stehen. Sein Blick war verkl├Ąrt und seine Lippen zeichnete ein hohles Grinsen in sein Gesicht. Simone begann sich gerade ernsthafte Sorgen zu machen.
"Hey hallo! Noch da?", fragte sie vorsichtig.
Klar war er noch da, dachte sich Pierre - dann der erschrockene Blick in Simones Augen - ├Ąh Augenwinkeln? Ein dumpfes Brummen, die Finger der linken Hand verkrampfen sich zusehends.
"Hey hallo, Pierre!"
Doch Simone erhielt noch immer keine Antwort.
"HAaLo PieRRe├ä├ä├ä├Ą?"
Auch die Finger seiner rechten Hand verkrampften sich.
"PIIIIIIIIIIIIII├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├Ą├ĄAAAA!?"
Und dann: Das silberne Gef├╝hl verschwand wieder - ein paar Augenaufschl├Ąge lang und Pierre schaute verwirrt in Simones fragendes Gesicht. Was war nur los mit ihm? Ah, die Pilze - das ging aber schnell. Wie lange war es jetzt her? 20 Minuten?
"Ähm, ja - was - ach so!"
Pierre war inzwischen ziemlich drauf, dachte sich Simone. Seine glasigen Augen wirkten irgendwie leicht verdreht. Seltsam. Auch sie bemerkte, dass das aber recht schnell gegangen war. Zu schnell?
"Gehts bei dir noch?", wollte sie umgehend wissen.
Pierre hatte sich diese Frage gerade auch selbst gestellt. Aber, ja - es ging ihm gut, konnte er sagen. "Seltsam" gut. Nur wusste er nicht genau, was er gerade vor hatte. Nat├╝rlich gefiel es ihm trotzdem, mit Simi hier unten zu sein. Bei diesen - "dumpfen Vibrationen?"
"Ah, Pierre, falls du noch eine Pizza willst - wenn du noch bis kurz vor die U-Bahnstation mitkommst, wenn du das noch schaffst, da ist eine gute Pizzeria! Da kann ich auch noch ein bisschen auf dich warten!", sagte Simone und z├╝ndete sich eine Zigarette an. ├ťber Pierres Blick huschte etwas Raubtierhaftes und ein Hauch des silbernen Gef├╝hles kehrte wieder.
"Wei├čt du, meine n├Ąchste U-Bahn kommt aber schon in einer halben Stunde. Da m├╝ssen wir ein wenig Gas geben!"
"├äh - cool, dann bis gleich, Simone!", freute er sich total irritiert und stiefelte betont l├Ąssig munter drauf los - einem stolzierenden Pavian gleich und wirklich nur ausgesprochen knapp verfehlte er den beabsichtigten Imponier-Effekt, stolperte gleich danach ├╝ber den fransigen Teppich eines Feinkostladens - was ihn beinahe einen b├Âsen Sturz einbrachte. Simone musste unvermittelt lachen und zog intensiv an ihrer Zigarette. Nein, der Typ war bestimmt nichts f├╝r eine Beziehung, stellte sie fest. Aber er war s├╝├č. Wie ein Hundewelpen, ein tollpatschiges Welpen ( das Welpen von Muktada...)
Als reine Sicherheitsma├čnahme, fasste sie Pierre schlie├člich an seiner linken Hand und zog ihn behutsam von der Stra├če weg.
"So, dich nehm ich wohl besser an der Hand!", sagte sie in vergn├╝gtem Tonfall und so machten sich die beiden "H├Ąndchen haltend" auf den Weg - Richtung U-Bahnstation. F├╝r Pierre w├Ąre diese g├Âttliche Ber├╝hrung schon unter normalen Umst├Ąnden etwas Besonderes gewesen. Aber so: Pierres Hand zuckte und sein Penis wurde steif. Ja, das silberne Gef├╝hl war nun allgegenw├Ąrtig. Der sonst so verhaltene Pierre fasste sich mit der rechten Hand in den Schritt und seufzte...
Silber, Silber, SILBER !!!

10 Minuten vergingen, in denen Pierre immer wieder, durch die gro├če Fensterfront neben der Eingangst├╝re der Pizzeria, nach der rauchenden Simone Ausschau hielt und jedes Mal ein heftiges Pulsieren in seinem Penis versp├╝rte, wenn er ihre, aus dem weit ausgeschnittenen Shirt quellenden, f├╝r ihn herrlichen, Br├╝ste ansah. Nach dem ungef├Ąhr 10ten Hingucker, h├Ątte er schw├Âren k├Ânnen, dass Simone mittlerweile v├Âllig nackt war und sich, w├Ąhrend sie ihn beobachtete mit den Fingern ├╝ber ihren feuchten Kitzler rieb und dabei das Gesicht auf ekstatische Weise verzog.
V├Âllig ungl├Ąubig beobachtete er das elektrisierende Schauspiel und als Simone schlie├člich einen letzten Zug von ihrer Zigarette nahm, spritze sich Pierre in die Hose - die Finger seiner beiden H├Ąnde entspannten sich das erste Mal seit ca. 20 Minuten und gaben mahnend 2 blutige Handfl├Ąchen frei. Pierre liebte das Silber - es war geil! Anders als sonst, anders als er - doch einfach herrlich enthemmt. Die Luft war pl├Âtzlich Freiheit - jawohl - die Luft war, WAS?
"Bitte sehr, 8 Euro macht das dann!"
Pierre drehte sich zu der dumpfen, weit entfernten Stimme um und erblickte erstaunt die mittlerweile v├Âllig nackte, schwarzhaarige Kellnerin (wahrscheinlich italienischer Herkunft) wie sie vom schwitzenden K├╝chenchef mit kr├Ąftigen St├Â├čen von hinten genommen wurde. Pierres Finger verkrampften sich sofort. Das Silber wurde zu Gold. Ein goldenes - ja, ein goldenes Gef├╝hl war das jetzt.
"AAAcht Euroohhhhh, jaaahhh...", st├Âhnte sie.
Pierre biss sich auf die Unterlippe und sp├╝rte pl├Âtzlich den feuchten Fleck in seiner Hose. Und sein noch immer steifes Glied schien ihm gleich zu zerbersten. Diese beiden Sinneseindr├╝cke schafften es f├╝r einen kurzen Moment, Pierre kurz in die Realit├Ąt zur├╝ck zu katapultieren.
"Ist ihnen nicht wohl? Sie sehen gar nicht gut aus!", fragte die auf einmal wieder angezogene Kellnerin besorgt.
"├ähm, nein es geht schon!", entgegnete Pierre, schon v├Âllig blass und dr├╝ckte der Kellnerin einen 10 Euroschein in die Hand, nahm den wohlriechenden Karton, mit der Champignonpizza darin, entgegen und versuchte eilig zu entkommen. Doch der Druck in seinem Penis wurde ├╝berm├Ąchtig und ein wahrer Goldrausch k├╝ndigte sich an. Der hilflose Pierre wusste gar nicht, wie ihm geschah.
"Gut dann, ├Ąhm tsch├╝ss!", sagte er mit allerletzter Klarheit und alles wurde zu Gold.
"Ciaohhhhhh, Bellissimohhhh, ohhh, ahhh...", Pierres Penisspitze schien gleich zu explodieren.
"Warten Sie, Sie bekommen AHHH! JAH, WILLST DU IHN AUCH EINMAL REINSTECKEN, OH, noch ihr, AH - ihr Wechselgeld!"
"├äh! - Ja; Fr├Ąulein - das w├╝rde mir sehr gut tun!", entgegnete Pierre, mit einem goldigen L├Ącheln im Gesicht - in seinem Blick aber, regierte schon mehr als blo├č die Pilze. Und JA, das w├╝rde er jetzt gerne - ihn reinstecken. So ging er wieder ein paar Schritte auf die Kellnerin zu und streckte eine seiner blutigen H├Ąnde zitternd nach ihr aus - die andere Hand fingerte an der Hose herum. W├Ąhrend ihr St├Âhnen nur immer lauter wurde und der Koch ihr auf die Pobacken schlug.
"JAH, JAH! Hey, was soll das? - ICH KOMME!"
Bevor Pierre seine Hose v├Âllig ge├Âffnet hatte und die Kellnerin nach dem Chef br├╝llen konnte, st├╝rmte Simone in den Laden und beendete somit dieses, f├╝r alle wohl auf seine ureigenste Art, v├Âllig absurde und eigenartige Schauspiel. Das Gold wurde kurz zu Bronze - auch der Geschmack in seinem Mund - Pierre leckte sich ├╝ber seine aufgebissenen Lippen...
"Das ist mein autistischer Bruder - ├ähm, Asperger oder so - ja!", versuchte Simone hastig zu erkl├Ąren. Die Kellnerin aber schaute nur v├Âllig angewidert und wies auf die T├╝r.
"Ja, nur raus mit diesem Perversen - schnell! Hier haben Sie das Restgeld! Der Rest interessiert mich nicht!"
Simone hob schnell den Pizzakarton vom Boden und beeilte sich, Pierre so schnell als nur m├Âglich dort raus zu bekommen. Die Kellnerin z├╝ndete sich inzwischen ein Zigarette an und inhalierte tief. Dann schob Simone Pierre durch die T├╝r, eine ihrer H├Ąnde streifte unbeabsichtigt seinen steifen Penis und Bronze wurde wieder zu Gold...
Auf der Stra├če, dr├╝ckte sie Pierre den Pizzakarton in die zitternden H├Ąnde und versuchte nochmal eine Verbindung zu Pierres extrem vernebelten Verstand aufzubauen. Pierre war aber schon beinahe nicht mehr Pierre und er w├╝rde es nie wieder sein (k├Ânnen)...
Seine Augen waren es, etwas in seinen Augen und er starrte sie die ganze Zeit an. Simone war zutiefst schockiert - ├╝ber Pierres Zustand. Konnte man den so rumlaufen lassen, fragte sie sich. Pierre begann wild in seiner noch immer ge├Âffneten Hose herumzurubbeln.
"Sag mal spinn ich!", dachte sie und war heilfroh, zum Gl├╝ck doch keine Pilze angenommen zu haben...
"So ich muss jetzt gleich los - hey, h├Ârst du mich?", fragte Simone irgendwie angewidert und hatte das dringende Bed├╝rfnis, nur so schnell wie m├Âglich von Pierre wegzukommen. Zumindest ein Teil von ihr wollte das. Ein anderer Teil f├╝hlte sich irgendwie verantwortlich und dachte daran, etwas zu unternehmen.
"Hey, h├Ârst du mich?"
Pierre konnte es h├Âren, das war nie das (besonders nicht sein) Problem. Sondern vielmehr war ausschlaggebend, wie er es h├Ârte und auch vor allem, was sich vor seinen Augen abspielte. Munter rubbelte er weiter und lie├č Simone dabei nicht aus dem Blick. Simone wusste nicht, wie sie sich jetzt verhalten sollte. War ihr noch nie passiert, dass jemand vor ihr auf der Stra├če zu masturbieren anfing...
"Eine kann ich noch rauchen! Ich werd auch versuchen, jemanden zu erreichen, der dich abholen kann!"
Als sich Simone darauf noch eine Zigarette anz├╝ndete, nur um irgendwie abgelenkt zu sein und eilig ihr Handy aus der Tasche holte, spritzte sich Pierre zum zweiten Mal in die Hose. Danach war alles blau. Oder war es violett? Nein, eindeutig ein klares, ein wissendes Blau. Die Klarheit! Pierre wusste auf einmal was zu tun war. Er musste, er musste - rennen?
"Ach ja, ├Ąhm - fein, danke!", sagte Pierre und erg├Ąnzte unerwartet: "Ich komm schon klar - danke und ciao!"
Simone sah etwas best├╝rzt drein, als Pierre sich nun blitzschnell von ihr abwandte und einfach davon rannte. "Ist er jetzt gerade gekommen?", fragte sie sich voll der Best├╝rzung.
"Hey, Pierre! Hey warte!", rief sie ihm besorgt nach. Doch Pierre rannte einfach weiter und bog in irgendeine Seitenstra├če.
"Pass auf dich auf, ja?", murmelte Simone resignierend und steckte das Handy wieder in ihre Tasche. Wen sollte sie jetzt noch zur Hilfe rufen k├Ânnen? Dann nahm sie einen Tiefen Zug von ihrer Zigarette, drehte sich schwerm├╝tig um und ging zur U-Bahnstation auf der andern Stra├čenseite. Bei einem beil├Ąufigen Blick zur Pizzeria, sah sie noch einmal die Kellnerin, die nur abwertend die Augen verdrehte.
"Ich hoffe, Pierre baut keine Schei├če - verdammt!"
Dann verschwand sie in der Station und war dennoch froh, nicht mehr mit dieser Sache in Verbindung zu stehen. Daf├╝r aber, sollte sie bald mit einer anderen, mit einer sehr viel schrecklicheren Sache in Verbindung stehen...
"Let your Eggs Rock!"

Beinahe donnerte Pierre gegen einen Hydranten - zumindest seine Hoden. Als kosmische Strafe eventuell, dachte sich Pierre. Und die Klarheit schritt weiter voran. Simone interessierte ihn gerade nur mehr am Rande. Denn sein Pfad w├╝rde der der allumfassenden Erleuchtung sein. Und alles war so - so herrlich blau.
Als er um die Ecke bog und Simone einfach aus seinem Ged├Ąchtnis verschwunden war, wunderte er sich, dass er einen Pizzakarton in den H├Ąnden hielt. Was? Ein Geschenk, dachte er - wundervoll. Was wohl Muktada davon halten w├╝rde? Ja, genau - da wollte er jetzt hin. Muk Ta DA...
Es war aber sein Pech, das er gerade "irgendwohin" unterwegs war - nur mit Bestimmtheit nicht zu Muktadas Wohnung.
Kurz darauf bog Pierre in die n├Ąchstbeste Seitenstra├če ein und marschierte auf irgendeinen Wohnblock, welcher dem Geb├Ąude, in dem seine Freunde gerade auf einen ebenso derben Trip waren, eigentlich ├╝berhaupt nicht ├Ąhnlich sah, zu und verschwand kurz darauf in dessen Stiegenhaus. Wie ein Irrer rannte er die Stufen nach oben - mit der Ausdauer eines Langstreckenl├Ąufers. In irgendeinem Stockwerk schlie├člich, sp├╝rte Pierre, das er richtig war und schwenkte auf einen schmalen Korridor ein. Schier unz├Ąhlige T├╝ren zweigten von ihm ab. Nebeneinanderliegend, gegen├╝berliegend - ├╝bereinanderliegend. Pierre begann zu zittern. Und dieser Gang vor ihm, zog sich gewaltig in die L├Ąnge. Pierre, f├╝r den jetzt alles immer mehr rot zu werden schien, befand sich gerade im 7ten Stockwerk dieses, ihm v├Âllig unbekannten Geb├Ąudes. M├╝hevoll setzte er stark schwankend, einen Fu├č vor den anderen und fokussierte das sich (komischerweise) immer weiter entfernende Ende dieses langen Ganges vor ihm. Doch pl├Âtzlich und ohne Vorwarnung, war er mit nur einem Schritt an dessen Ende angelangt. Ungl├Ąubig stand er vor der Wand am Ende - und ein abartiges Aroma durchstr├Âmte seinen Rachen. Es war kaum auszuhalten und das Rot schien ihn gleich zu ├╝bermannen. In seinem Kopf begann es ungew├Âhnlich heftig zu dr├Âhnen und zu stechen, irgendwie wurde ihm arg ├╝bel und der mittlerweile unangenehme Geruch, den der Karton in seinen H├Ąnden verstr├Âmte, trug auch nicht dazu bei, dass die ├ťbelkeit verschwand. Bevor er sich dessen bewusst wurde und er kotzen musste, sprang hinter ihm pl├Âtzlich eine T├╝re auf und ein b├Ąrtiger, ├╝bel nach Schnaps riechender Mann, der einen abges├Ągten Besenstiel wie ein Gewehr in beiden H├Ąnden hielt, sprang ein oder zwei Schritte nach vorn, drehte sich um, tat so als w├╝rde er auf jemanden schie├čen und stemmte sich anschlie├čend mit aller Gewalt gegen die T├╝re. W├Ąhrend der B├Ąrtige hastig den Schl├╝ssel ins Schloss steckte und die T├╝re versperrte, fragte sich Pierre, ob er sich das gerade einbildete, oder ob das wirklich geschah. Er konnte es n├Ąmlich ├╝berhaupt nicht mehr einsch├Ątzen, aber diese Feststellung wiederum best├Ąrkte ihn irgendwie darin, dass er diesen Trip ja eigentlich gut im Griff hatte. Denn nur, wenn man sich diese Frage nicht mehr stellen konnte - wusste man nicht mehr, dass man auf einem Trip war und dann, ja dann war man erst im Arsch. Doch Pierre irrte sich gerade gewaltig, ein stechender Schmerz hinter seinen Augen begleitete diese falsche Erkenntnis und war au├čer diesem satten ROT, momentan die einzige Verbindung zu dieser, seiner Wirklichkeit. Rot war es - jawohl, alles rot! Geht es dem Mann gleich, oder geht es ihm gut. Oder - ja, ist er wom├Âglich rot?
Um zu ├╝berpr├╝fen, ob der Mann nun auch rot war oder nicht, fiel Pierre nichts besseres ein, als diesen danach zu fragen. Ein fragender Blick war die Antwort, gefolgt von den mehr als eindringlichen Worten.
"Renn um dein Leben, du Narr, die Tinn kommen! Siehst du sie nicht? Hinter mir - die Viecher mit den leuchtenden Augen!", br├╝llte ihm dieser als Antwort entgegen.
Pierre konnte mit so einer Antwort nat├╝rlich gerade ├╝berhaupt nichts anfangen. Au├čerdem wurden seine Kopfschmerzen gerade noch eine Spur st├Ąrker. Ti, Ti, Ti, polterte es in seinem Sch├Ądel und mit ungl├Ąubigen und stark ger├Âteten Augen, beobachtete Pierre, wie der B├Ąrtige wie ein Besessener den langen Gang, den er selbst eben, so sonderbar und dadurch m├╝hevoll bew├Ąltigt hatte, entlang rannte und so den Eindruck erweckte, als w├╝rde er vor irgendetwas davon laufen.
Ti, Ti, Ti...
"Die Tinn?", fragte er sich. Ja, dieser B├Ąrtige konnte einem wirklich leid tun. Die Tinn - da hatte er ja noch richtiges Gl├╝ck mit seiner roten Farbe. So ein Gl├╝ck..
Ti, Ti, Ti, und auf einmal waren die Kopfschmerzen verschwunden.
Als er sich von diesem letzten Ti - Ausbruch etwas erholt hatte, beschloss Pierre, einfach nachzusehen, ob dieser Gang hier vorne vielleicht um die Ecke bog und ob dort vielleicht Muktadas Wohnung war. Dann h├Ârte er einen lauten Schuss und ihm fr├Âstelte. Erschrocken drehte er sich um und versuchte herauszufinden, von woher dieser Schuss denn gekommen war. Als er das rasche Drehman├Âver abgeschlossen hatte, stand er aber pl├Âtzlich vor einer alten H├╝tte mitten im Nirgendwo, bei sternenklarer Nacht und im Winter. Er war mehr als nur erstaunt und ganz weit hinten, sah er diesen B├Ąrtigen gegen etwas rennen, das von hier aus, wie das Gel├Ąnder einer Stiege aussah. Komisch- mitten in der Wildnis, dachte sich Pierre noch und bevor er erkennen konnte, wie ihm geschah, drangen dutzende scharfe Krallen in seinen Leib und begannen ihn zu zerfetzen und alles - ja alles wurde ROT...

__________________
jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

Version vom 06. 08. 2013 02:03
Version vom 07. 08. 2013 12:08
Version vom 07. 08. 2013 22:45

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