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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Traurigkeit von Kurt
Eingestellt am 02. 07. 2004 14:48


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Anna Osowski
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An einem st├╝rmischen Wochenende vergangenen Herbst lernte ich anl├Ąsslich einer Veranstaltung des ├Ârtlichen Sch├╝tzenvereins Kurt kennen. Es waren seine klaren, eindeutigen Augen, die mich ├╝berzeugten. Seine unkomplizierte, echte Art. Seine pure Mischung aus animalischer Direktheit und kindlicher Unschuld. Ich hatte die Intellektuellen satt, die st├Ąndig an ihren Neurosen herumdoktern mussten. Die ihre Kompliziertheiten pflegten wie ein besessener Botaniker seine Orchideenzucht. Ich sehnte mich danach, das einfache Sein zu genie├čen. Kurt war genau der Richtige. Kurt war Malermeister und hatte den Betrieb seines Vaters ├╝bernommen. Er sprach wenig ├╝ber seine Arbeit. Wie es ├╝berhaupt wenig Gespr├Ąchsstoff zwischen uns gab. Oft sa├čen wir in einvernehmlichem Schweigen beisammen oder alberten oder tr├Ąumten, meist jedoch tobten wir im Liebeskampf, bis wir ersch├Âpft ins warme Nichts glitten. In Kurts festem Griff konnte ich die Heimt├╝cke des Lebens vergessen. Da musste ich nicht st├Ąndig hinterfragen und ergr├╝nden, dort konnte ich einfach Frau sein..

Es war alles wunderbar, bis ich eines Tages aus der Stille seines vergn├╝gten Minenspiels heraus eine Traurigkeit blitzen sah. Es kann sich nur um einen winzigen Moment gehandelt haben, aber von dem Augenblick an wurde alles anders. Ich wollte das zun├Ąchst auf meine Einbildungskraft schieben oder f├╝r einen schlichten Irrtum erkl├Ąren, doch es gelang mir nicht. Auf meine Treffsicherheit in psychologischen Belangen konnte ich mich verlassen. Immer wieder erwischte ich mich dabei, auf einen neuen Beweis f├╝r diese Traurigkeit zu lauern. Immer ├Âfter merkte ich, wie ich ihn verstohlen von der Seite betrachtete... Ich beobachtete ihn, wie er morgens seinen Kaffee trank. Sah das leise Zucken in seinen Mundwinkeln. Wie er den hei├čen Strahl der Dusche ├╝ber seinen muskul├Âsen K├Ârper pl├Ątschern lie├č. Und dabei die herbe Stirn in heimlich betr├╝bte Falten legte. Wie er mit einem Kollegen telefonierte und lachte. Hinterfragte sein Lachen und suchte mehr und mehr nach Spuren f├╝r diese Traurigkeit, die sich irgendwo in den Ritzen seiner sorglosen Seele verbarg.

Nat├╝rlich konnte ich ihn dazu nicht befragen, denn mir war klar, dass er selbst von alledem nichts ahnte. Nichts ahnte von der stillen Traurigkeit, die ihn bewohnte. Ich war mir selbst nicht dar├╝ber im Klaren, woher sie r├╝hren konnte. Ein innerer Zwang trieb mich immer weiter. Immer tiefer wollte ich in dieses scheinbar schlichte Gem├╝t eindringen. Bald schon war unser fr├Âhliches Beisammensein von dieser Suche ├╝berschattet. Kurt gab sich ahnungslos. Wie h├Ątte er auch wissen k├Ânnen, welch tiefen Einblick ich mir in sein Wesen erlaubte. Wie h├Ątte er ├╝berhaupt diese menschlichen Abgr├╝nde ausmachen k├Ânnen?

Bald schon b├╝├čte unser Liebesspiel seine Spontanit├Ąt ein. Ich begann in seinen K├╝ssen nach Schwermut zu forschen. Fing an, in jeder Geste Schlimmes zu ahnen. Kurt wurde von einer Art Wundern befallen, schenkte dem jedoch keine ├╝berm├Ą├čige Aufmerksamkeit. Er trank nach wie vor morgens mit Hingabe seinen Kaffee, lie├č seinen Blick l├Ąchelnd ├╝ber meine Anwesenheit streichen und atmete, a├č und trank, wie er das eben zu tun pflegte. Meine forschende Zur├╝ckhaltung nahm er mit einer stoischen W├╝rde hin, wurde jedoch nach einiger Zeit etwas unbehaglich. Schlie├člich sp├╝rte auch dieses unersch├╝tterliche Wesen, dass ich an seiner Selbstverst├Ąndlichkeit r├╝ttelte.

Meine Forschungsaktivit├Ąten nahmen bald eine besessene Form an. Selbst in seinen allt├Ąglichen Gesten analysierte ich tief versch├╝ttete Traumata und unbedingt zu behandelnde Verletzungen. Kurt war verst├Ârt. Aus seiner Sicht gab es nat├╝rlich keinen Anlass f├╝r meine Anspannung. Wie konnte er auch wissen, wie tief ich mittlerweile in seine Seele eingedrungen war. Aus Frustration begann er, abends mehr Alkohol als gew├Âhnlich zu trinken. Er begann, lauter zu reden, fr├╝her einzuschlafen und l├Ąnger mit Freunden unterwegs zu sein. Ich nahm das als Best├Ątigung f├╝r meine unumst├Â├čliche These. Er wollte seine Traurigkeit nicht preis geben. Doch ich w├╝rde diese Verletzung aufsp├╝ren. Und hoffentlich heilen.


Meinen Befragungen wich er dickh├Ąutig aus, weder ├╝ber eine zerr├╝ttete Kindheit noch ├╝ber niederschmetternde Erfahrungen konnte ich etwas in Erfahrung bringen. Gerade Kurts Verschlossenheit schien mir eine Best├Ątigung meiner Vermutungen zu sein. Unsere Zuwendung und Hingabe wich einem lauernden Tanz, einem linkischen Schleichen. Die Leichtigkeit, die ich an unserer Beziehung so gesch├Ątzt hatte, war mittlerweile vollkommen verschwunden. Eine stetige ├ťberspannung verdunkelte unsere Tage, ein l├Ąhmendes Unverst├Ąndnis unsere N├Ąchte. Doch ich war besessen davon heraus zu finden, was es mit dieser Traurigkeit auf sich hatte.

An einem lauen Sommerabend gingen wir mit tr├╝ben Blicken und fahrigen Schritten zu einer festlichen Veranstaltung. Kurt lie├č es sich gut gehen, sch├╝ttete den Wein in sich hinein und sein Lachen ebenso hinaus. Es kam wie es kommen musste. Die pralle Margit mit dem Apfelb├Ąckchenlachen und dem unbek├╝mmerten Wesen nahm ihm seine Beklommenheit beim mittern├Ąchtlichen Engtanz. Betroffen beobachtete ich das Geschehen durch die Zweige des Holunderbusches und wusste, dass Margit nie ├╝ber seine Traurigkeit stolpern w├╝rde. Weil sie sie nie wahrnehmen w├╝rde in ihrer hellen Art.

Und vielleicht auch...
weil sie...
nie da war...?

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flammarion
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hm

schade, die letzten drei sehr kurzen zeilen nehmen den humor raus aus der geschichte und lassen sie zu einer normalen kurzgeschichte werden. kannste vielleicht n bisschen ├╝berspitzen?
lg
__________________
Old Icke

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Anna Osowski
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Famous last words

Da muss ich mal grad eindeutig nicken. ;o)

Mit diesen drei letzten Zeilen f├╝hle ich mich auch etwas unbehaglich. Ich bin mir aber unschl├╝ssig, ob man sie einfach weglassen kann. Fehlt dann nicht etwas?

Hm.

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flammarion
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also,

mir w├╝rde nichts fehlen, wenn du die besagten zeilen wegl├Ą├č├čt.
lg
__________________
Old Icke

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AndreasGaertner
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Hallo Anna,

Es ist interessant dargelegt, wie ein Partner mit einer
fast psychopatischen Art und Weise, das Vertrauen des Gegen├╝bers zu zerst├Âren mag.

Ich denke, da├č jeder Mensch, der zu detailliert be├Ąugt wird, fr├╝her oder sp├Ąter Verfolgungswahn einoktroiert bekommt. Wer wird schon gerne bis in die Stirnfalten hinein beobachtet und dies immerfort?

Wird einem dann noch so mancher seelischer Defekt in die Seele hineingedichtet, dann geht man lieber zu einer drallen Oberfl├Ąchlichen, und empfindet es dann, wie das Paradies...Weil man da so sein darf, wie man eben ist...

..Hinterfragte sein Lachen und suchen mehr und mehr nach Spuren...(Ist der Satz Absicht?)

Kurt wurde von einer Art Wundern befallen...Das vermagst Du bestimmt besser zu formulieren, oder?


Einen lieben Gruss

Andreas


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Anna Osowski
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Hallo Andreas.
Vielen Dank f├╝r den Hinweis, das suchen habe ich in suchte ge├Ąndert. Was man immer so ├╝berliest...

├ťber den anderen Hinweis denke ich noch nach, ich empfand diese Wendung als treffend f├╝r die diffuse Reaktion des Gebeutelten. Vielleicht ist Dir das wieder zu holprig?! Hm...

Lieben Gru├č
Anna
__________________
"Gro├če Geister m├╝ssen bereit sein, nicht nur Gelegenheiten zu ergreifen, sondern sie zu schaffen."
(Charles Colton, engl. Geistlicher 1780-1832)

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AndreasGaertner
Guest
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...ne..ne Anna...

..ich dachte: Heu, sie kanns ja auch fl├╝ssig!!!

Einen sch├Ânen Sonntag w├╝nscht Dir

Andreas

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