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Leselupe.de > Kurzprosa
Die Treppenfrau
Eingestellt am 06. 03. 2009 23:31


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nisavi
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Registriert: Feb 2006

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Ich steige ins Tal hinab.

Eine alte Frau kommt mir entgegen.

Das Laufen f├Ąllt ihr schwer. Unendlich schwer. Sie geht geb├╝ckt, erklimmt einige der staubigen Stufen auf allen vieren.

Die Greisin ist in einen leuchtend gr├╝nen Schleier und ein kobaltblaues Gewand geh├╝llt.
Wenn sie sich bewegt, sieht man silbernen Schmuck unter ihrer Kleidung blinken.

Ich halte ein. Trete zur Seite. Will abwarten. H├Âflich sein. Sie vorbeilassen.

Als die Alte endlich auf meiner H├Âhe angelangt ist, richtet sie sich zu meiner ├ťberraschung auf. Sie tritt an mich heran. Ganz nah. Ich kann ihren Atem sp├╝ren.

Dann nimmt sie sanft die Innenseite meiner Hand und legt f├╝r einen Lebensmoment ihre k├╝hle, papierene Handfl├Ąche dagegen.

Sie schaut mich an. Ernst und durchdringend.

Wenn sie sprechen w├╝rde, ich k├Ânnte sie nicht verstehen.

Aber in ihren Augen sehe ich Freude. Und Trauer. Sie hat geliebt. Gehofft. Getr├Ąumt. Gehasst. Verloren. Gewonnen.

Wie ich.

Zart gr├╝├čt sie mein Kind, so, wie sie mich soeben gegr├╝├čt hat. So muss sie auch die eigenen T├Âchter ber├╝hrt haben. Vor vielen Jahren.

Im Tal.

Schlie├člich wendet sich ab und setzt ihren beschwerlichen Weg fort. Ich sehe ihr nach.

Nach wenigen Schritten dreht sie sich noch einmal um, so, als habe sie etwas vergessen.

Den Mann. Und die S├Âhne.

Sie gr├╝├čt zum Abschied mit erhobener Hand und verschwindet aus meinem Blickfeld.

Sie l├Ąuft die Stufen meiner Erinnerung hinauf.

Die Treppenfrau.

__________________
On a poet's lips I slept.
(P.B.Shelley)

Version vom 06. 03. 2009 23:31

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

f├╝r sich genommen sind das sehr sch├Âne bilder. man betrachtet sie, und bevor man sie wieder weglegt, denkt man dar├╝ber nach, was einen daran, so pr├Ąsentiert, denn st├Ârt.

nach einer tasse kaffee schreibt man: "liebe @nisavi, wahrscheinlich ist jedem von uns schon einmal eine alte frau begegnet, die solche gef├╝hle ausgel├Âst hat - in einem bergdorf, in sizilien, in indien oder irgendwo. dass sich zwei (drei) generationen auf einer m├╝hsam zu steigenden treppe begegnen, ist ein sch├Âner gedanke. leider gehen die die personen aus sicht des walfisches den falschen weg: mit der jungen geht's abw├Ąrts in den graben, und die alte dame steigt auf; letztere kriecht auf allen vieren und hat doch sch├Âne, bunte kleider an; an ihrem fauligen atem ist nichts absto├čendes; obwohl sie sich so nachdr├╝cklich abgeschunden hat, ist ihre zuvor in den dreck gestemmte handfl├Ąche papierern k├╝hl.

erinnerungen liegen nicht oben im licht, sondern unten im tal der k├Ânige, und wer sie nochmal sehen will, muss graben.

die ansage, dass man das idiom der landessprache nicht beherrscht, ist in einem stummfilm wie diesem entbehrlich, ebenso wie viele andere, meiner ansicht nach ├╝berfl├╝ssigen untertitel: du darfst den kinog├Ąngern schon einiges zutrauen, @nisavi.

nur eins ist wirklich unentbehrlich: ein "sie" nach "schlie├člich wendet".

tipp: den film r├╝ckw├Ąrts abspulen und nicht so viele gebrauchsanweisungen in die squenzen hineinschreiben - dann wird's so was h├╝bsches, das man sich's ins regal stellen oder an die wand h├Ąngen mag.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

eigentlich, liebe @nisavi, mag ich gar nicht in den manuskripten dritter herumredigieren (au├čer, ich krieg geld daf├╝r): es ist, als ob man jemandem an die unterw├Ąsche geht. aber in einem forum, in dem man mehr und mehr abh├Ąrtet, kann man's ja ab und zu tun, so wie hier:

quote:
Ich steige ins Tal hinab. Wir steigen die steile Felsentreppe hinauf.

Eine alte Frau kommt mir uns entgegen. Das Laufen Gehen f├Ąllt ihr schwer. unendlich schwer. Sie geht Geb├╝ckt, erklimmt einige der kommt sie die staubigen Stufen herab auf allen vieren., h├Ąlt immer wieder inne.

Die Greisin ist in einen leuchtend gr├╝nen Schleier und ein kobaltblaues Gewand geh├╝llt.
Wenn sie sich bewegt, sieht man silbernen Schmuck unter ihrer Kleidung blinken.

Ich halte ein. Trete zur Seite. Will abwarten. H├Âflich sein. Sie vorbeilassen.

Als die Alte endlich auf meiner H├Âhe angelangt ist, richtet sie sich zu meiner ├ťberraschung auf. Sie tritt ganz nah an mich heran. Ganz nah. Ich kann ihren alten Atem sp├╝ren.

Dann Wortlos nimmt sie sanft die Innenseite meiner Hand und legt sie f├╝r einen Lebensmoment ihre k├╝hle, papierene Handfl├Ąche dagegen meine hei├če, feuchte.

Sie schaut mich an. Ernst und durchdringend.

Wenn sie sprechen w├╝rde, ich k├Ânnte sie nicht verstehen.

Aber In ihren Augen sehe ich Freude und Trauer. Sie hat geliebt, gehofft, getr├Ąumt, gehasst, verloren. Gewonnen.

Wie ich.

Zart gr├╝├čt sie mein Kind, so, wie sie mich soeben gegr├╝├čt hat. So muss sie auch die eigenen T├Âchter ber├╝hrt haben. Vor vielen Jahren.

Im Tal.

Schlie├člich wendet sie sich ab und setzt ihren beschwerlichen Weg fort. Ich Wir sehen ihr nach.

Nach wenigen Schritten dreht sie sich noch einmal um, so, als habe sie etwas vergessen.

Den Der Mann und die S├Âhne?

Sie gr├╝├čt zum Abschied mit erhobener hebt die Hand und verschwindet aus meinem unserem Blickfeld, Sie l├Ąuft die Stufen meiner Erinnerungen hinauf hinabsteigend.

Die Treppenfrau.
es sind nur unverbindliche vorschl├Ąge - sie ├Ąndern an deinem text (au├čer der laufrichtung) nichts wesentlich, sondern befreien den leser von ein paar unn├Âtigen zw├Ąngen.

vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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