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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Umarmung
Eingestellt am 20. 09. 2003 10:00


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Senerva
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Wie fast jeden Abend rannte sie durch den Wald. Ihre Kleidung klebte nass an ihrem K├Ârper und an ihren sonst wei├čen Turnschuhen hing der Schlamm, der durch das Regenwetter entstanden war.
Einzelne Tropfen bahnten sich einen Weg ├╝ber ihre Wange und doch waren es keine Regentropfen, sondern Tr├Ąnen ÔÇŽ Tr├Ąnen vor Wut und Verzweiflung.
An einem Baum blieb sie stehen und st├╝tzte sich keuchend an diesem ab. Doch dies alles n├╝tzte nichts. Sie f├╝hlte keinen Boden mehr unter ihren F├╝├čen und sie sp├╝rte, wie sie in die tiefe Dunkelheit zu st├╝rzen drohte. Sie versuchte sich zu erinnern, was geschehen war. Sie l├Ąchelte, denn sie brauchte sie nicht an das zu erinnern, denn es war immer das gleiche.
Ihre Noten und Leistungen waren schwach geworden seit dem Tod eines ihr so vertrauten Menschen. Ihre Eltern lie├čen sie immer ├Âfter allein und wenn sie zu Hause waren, beschimpften sie sie nur hart. Sie konnte sich gar nicht mehr an die letzte Umarmung ihrer Eltern erinnern und sie konnte auch nicht sagen, ob sie jemals umarmt wurde.
Ihre Hand klammerte sich fest an den Stamm des Baumes. Sie schloss die Augen und versuchte den Schmerz zu vergessen. Den Schmerz der ÔÇÜSchl├ĄgeÔÇÖ ÔÇŽ den Schmerz der Liebe ÔÇŽ den Schmerz der Einsamkeit.
EinsamÔÇŽ nein, dass war sie nicht immer gewesen. Sie hatte einmal viele Freunde und sie war sehr beliebt in ihrer Klasse gewesen. Doch als sie mit dem ersten, blauen Auge in die schule kam, wollte niemand mehr mit ihr befreundet sein. Nur wenige trauten sich in ihre N├Ąhe und wenn sie jenes wirklichen kamen, tuschelten sie und warfen ihr b├Âse und misstrauische Blicke zu. In der Schule sa├č sie immer in der letzten Reihe am Fenster ÔÇŽ allein und einsam.
Ihr Blick war immer nach drau├čen gerichtet, so dass sie den durchdringenden Blicken ihrer Mitsch├╝ler f├╝r wenige Zeit entgehen konnte.
Der einzige Mensch, der sich um sie gek├╝mmert und sie verstanden hatte, war ihre Tante gewesen. Ja, sie war w├╝tend, als sie das blaue Auge gesehen hatte. Doch nicht auf sie, sondern auf den, der jenes getan hatte. Es war ihr Freund gewesen, den, den sie wirklich geliebt hatte und f├╝r den sie wirklich alles gegeben h├Ątte. Bis zu jenem Tag. Er hatte sie fallen gelassen.. wegen einer anderen.
Und zu guter letzt hatte er sie zusammengeschlagen, weil sie auf die Knie gefallen war und ihn angefleht hatte, dass er das falsche tun w├╝rde. Er hatte halt zu viel von ihr verlangt, sie hatte doch schon so nicht mehr viel Kraft.
Was ihre Eltern dazu sagten? Sie schmunzelte f├╝r einen Augenblick. Sie hatten nichts dagegen getan, nein, sie hatten nicht einmal etwas dagegen gesagt.
Sie ging einige Schritte vor und rutschte schlie├člich auf dem schlammigen Boden auf. Langsam ├Âffnete sie die Augen, nachdem ein leichtes St├Âhnen des Schmerzes ihren Lippen entwich. Sie hob ihre H├Ąnde vor ihre Augen.
Bleich waren jene und mit Schlamm bespritzt und doch konnte man die Schnittwunden und Narben erkennen. Schmerzen? Angst? So etwas kannte sie nicht, als sie das Messer umfasste und ÔÇŽ
Z├Âgerlich stand sie auf. Unsicher sah sie sich um, als ob sie nicht w├╝sste, wohin jetzt. Auf den Friedhof zu ihrer Tante? Oder nach Hause?
ÔÇ×Nach HauseÔÇŽÔÇť Ein Fl├╝stern in absoluter Stille. Sie wusste nicht mehr, wie sie nach Hause gekommen war. Doch stand an der Haust├╝r ihr Vater, welcher auf sie zu gerannt kam, als sie aus der Dunkelheit des Waldes kam. ÔÇ×Ich liebe dich ÔÇŽ meine TochterÔÇť, sagte er leise und nahm sie in den Arm.

Es gibt Menschen, die erkennen ihre Gef├╝hle erst dann, wenn es (fast) schon zu sp├Ąt ist.

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Minds Eye
Guest
Registriert: Not Yet

Herzlich Willkommen.

Hi Senerva,
mir ist hier zuviel "dies" und "jenes" drin. Ich pers├Ânlich w├╝rde versuchen, andere Formulierungen zu finden. Auch die Gro├č- und Kleinschreibung m├╝├čte nochmal ├╝berpr├╝ft werden, hier und da.
Gru├č,
ME.

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Greenlia
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Aug 2003

Werke: 11
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Ailtta Senerva!

Deine Geschichte ist am Anfang recht spannend zu lesen, so viel Leid und Schmerzen. Deshalb hat es mich auch ├╝berrascht, als das Ende so pl├Âtzlich und kurz kam. Meiner Meinung nach fehlt eine Art ├ťberleitung, etwas Hinausz├Âgerndes, das die Umarmung des Vaters, die doch der Kern der Geschichte sein soll, nicht so lasch hin├╝berbringt. Dann wirkt die Geschichte auch allgemein ergreifender. Der Schluss ist ja mit das Wichtigste.

Ich w├╝nsche dir noch viel Erfolg beim weiteren Schreiben! :-)

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