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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Veranstaltung
Eingestellt am 26. 05. 2003 23:25


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Kalle
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2002

Werke: 19
Kommentare: 20
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Das Foyer war interessant ausgestaltet. Die WĂ€nde waren mit Berpostern geschmĂŒckt, die MĂ€dels in wunderschönen Kleidern mit offenem Blick inmitten von Kuhherden oder mit Milchkannen zeigten. Das Buffet bot Leckereinen, die schwer den ursprĂŒnglichen Kreaturen zuzuordnen waren. Die GĂ€ste trugen DesigneranzĂŒge, kombiniert mit lilafarbenen Nylonkrawatten oder AnhĂ€ngseln, wie sie gerne von den Cowboys um den Hals getragen wurden. Die Socken waren meist weiß, die Schuhe trugen oft so merkwĂŒrdige Bembel statt SchnĂŒrsenkel. „Prost Mahlzeit, willkommen auf dem gesellschaftlichen Ereignis des Jahres“, dachte sich Horst. Das Umfeld war fĂŒr die meisten GĂ€ste Ă€ußerst attraktiv. Sie unterhielten sich ĂŒber die neuesten GeschĂ€ftsabschlĂŒsse der örtlichen Bank, deren Chef sich gerne mit „Hr. Vorstand“ anreden ließ. Das fand er cool, bei jeder Anrede verzog sich sein Gesicht in seiner Wahrnehmung in Richtung MondĂ€nitĂ€t. Horst wusste nicht, ob er kotzen oder lachen sollte. Er hielt sich zurĂŒck. Andere spekulierten, ob der geladene Hr. Minister, Leiter von irgendwas pĂŒnktlich erscheint oder nicht. Einer tat so, als ob er öfters mit Ihm Kontakt hĂ€tte und gab das Seinige dazu. Horst war hier, weil ein Referent eingeladen war der vermutlich Bescheid wusste. Er schlenderte durch die Meute, nahm sich das ein oder andere KaltgetrĂ€nk und wartete mit den Anderen zusammen auf den Hr. Minister. Der kam auch einigermaßen pĂŒnktlich. Die Horde weissgesockter empfing ihn freudestrahlend, alle versuchten Ihm ein GesprĂ€ch auf Auge zu drĂŒcken, in der Hoffnung im Dorfblatt abgelichtet zu werden.
„Lieber Hr. BĂŒrgermeister, lieber Hr. stellvertretender Stadtrat, lieber Hr. Stellvertreter des Stellvertreters des Vorstandes der Stadtbank,....“
Horst wurde es langsam ĂŒbel. Der Minister war eigentlich Sportlehrer, nahm sich aber unwahrscheinlich wichtig (in der Hoffnung, dass keiner weiß, dass er eigentlich von nix auch nur irgendeine Ahnung hat). Horst war jetzt endgĂŒltig schlecht und entschloss sich zur Flucht in Richtung Foyer. Er war nicht der Einzige, der dem Martyrium entkommen wollte. In der Ecke stand ein Hygroskop, der ein Wasser nach dem anderen trank.
„Hey, das ist Wasser Mann, hier gibt’s jede Menge gute KaltgetrĂ€nke“. Der Hygroskop ignorierte Horst und schlĂŒrfte lecker weiter.
„Schwachkopf“ dachte Horst und bestellte sich noch einen Korn. „So noch ein, zwei Korn, dann könntest Du Dein Erlebnis des Jahres haben“, sagte Horst zu der sĂ€chsisch sprechenden Aushilfsbedienung. Sie war interessiert, wollte Horst aber hinhalten.
„Glaubsd Du Ă€twa, ich bin so eene, die ne fĂŒnf Minuten Nummer macht?“
„Vergiss es, fĂŒnf Minuten sind mir zu lang, mach mir noch nen Korn“. Sie schenkte noch einen ein, bekam aber langsam Angst, dass ihr der beste Fick des Lebens entgleitete.
„Du, gehen mer in de Ecke“
„Na also, was ist Dein scheiß Problem? Spaß am Arbeitsplatz, wo kriegst Du das sonst?“
Sie gingen in eine Besenkammer, die schon fĂŒr so manches gut war. Doch was war das? Als sich die Namenlose (Horst fiel ein, dass er Ihren Namen mal wieder nicht kannte) vor Horst hinkniete, hörte er ein leises Knistern. Die Namenlose riss Horsts Hose auf und verschlang sein bestes StĂŒck, den kleinen Horst. Die TĂŒr der Kammer war geschlossen, doch es knisterte immer lauter. Fast unertrĂ€glich lauter, nur die Namenlose hörte nichts, sie war schließlich beschĂ€ftigt, aber Ihre Ohren waren eigentlich frei. Horst entschloss sich, einen Blick durch die leicht geöffnete TĂŒr zu wagen. Er traute seinen Augen nicht. Der ganze Saal, den man von hier aus perfekt sehen konnte, war voll mit Knisterbrause. Ja, es musste ein Anschlag sein. Irgendwelche Schurken haben einen Knisterbrauseanschlag verĂŒbt. So eine Sauerei. Die Horde aus Lehrern, wichtigen Weißgesockten und Begleiterinnen mit ordentlichen Titten lief wild schreiend durcheinander.
„Sie haben’s echt gemacht“ dachte sich Horst „einen Knisterbrauseanschlag“. Die Brause knisterte so stark, dass selbst die Namenlose kurzzeitig verwirrt an Horst hoch schaute.
„Mach Dir keine Sorgen, alles wird gut“. Sie machte weiter wĂ€hrend die GSG 9 und andere Truppen eintreffen. Ein riesen Tohuwabohu. Die GSG 9 ballerte durch die Gegend und erschoss jede Menge mutmasslicher Terroristen. Dann folgte die Feuerwehr, die den Löscheinsatz ihres Lebens nicht verpassen wollte und schoss Wasser in den Saal, so dass die Namenlose kaum noch Luft bekam. Dann wurde es langsam ruhiger. Die Truppen zogen ab, die Toten wurden geborgen und der Saal geschlossen.
„ Horst, Du bist wunderbar. Du hast mir mein Leben gerettet. FĂŒr Dich mache ich alles was Du willst“
„ Klar, wĂ€r ja auch noch schöner“
Horst knöpfte seine Hose zu, kĂŒsste der Namenlosen auf die Stirn und zog durch die zerstörte Landschaft ab und ging seiner Wege.
Auf dem Heimweg, kaufte er sich noch schön Knisterbrause an der Tanke.

__________________
Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

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Gabriel
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Kalle!

Abgedreht! ;-)
Aber ich denke, das wolltest du auch so.
Vielleicht wird der (die) eine oder ander es fĂŒr - sorry - Quatsch halten, aber ich finde deine Art, die kleinen Eigenarten und Peinlichkeiten des Lebens mit dem Holzhammer zu demaskieren irgendwie erfrischend.

Fazit - ungewöhnlich - aber mir hat es gefallen. ;-)

Gruß, Gabriel

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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...spitzenklasse...

köstlich, köstlich.

habe wieder sehr gelacht, gibt es irgendwann mal ein horst-buch bzw. hast du es schon mal bei der titanic probiert? ich glaube, da hÀttest du chancen.

ganz ehrlich: da sich deine letzten drei geschichten doch sehr Ă€hnelten dachte ich schon, du hĂ€ttest deinen zenit erreicht. aber der text zeigt mir doch, daß hier noch potential drinsteckt - um klassen besser als die letzten beiden (von den letzten drei war halt der erste der beste)

grĂŒĂŸe, abgang

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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