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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Die Verdrängungslüge „Midlifekrise“. Tod dem „Alternativlos“
Eingestellt am 08. 06. 2015 23:48


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Schreibensdochauf
???
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Frauen und Männer, die mit Mitte 40 anfangen – endlich anfangen – Fragen zu stellen, die sind in der „Midlifekrise“. So wurde es uns, heute Mitvierzigern, jedenfalls immer gepredigt. Das Wort wurde spöttisch ausgesprochen, wahrscheinlich von Gleichaltrigen, die sich nicht getraut haben, Fragen zu stellen. Dabei sind diese Fragen doch die besten und die wichtigsten: Soll das alles gewesen sein? Was ist uns nicht alles versprochen worden? Was soll denn jetzt noch kommen? Menschen in dieser sogenannten Midlifekrise haben diese gar nicht, sondern sie stellen die richtigen Fragen. Egal, ob verheiratet oder Single, Eltern oder kinderlos.

Arbeite, verdiene, kaufe, erschaffe. Das war das uns - heute Mitvierzigern – gepredigte. Und den heute Siebzigjährigen, im „Wirtschaftswunder“ aufgewachsenen, sicher auch. Heute gehen bereits Kinder zum Kinderpsychologen. Heute 20jährige – die Guten und Kritischen – stellen uns oder das gesamte System in Frage, bekämpfen uns nicht, sondern belächeln uns.
Lehrer beklagen sich, sie müssten heute mehr Erziehungsaufgaben übernehmen als früher. Eine glatte Lüge. Auch Lehrer früher hätten dies tun müssen. Denn früher wurde im Elternhaus sicher nicht weniger geprügelt und verbogen als heute. Nur heute schaut man genauer hin und stellt – und muss dies auch – Fragen. Das heißt doch unterm Strich: Heute ist vieles besser, wenn die richtigen Konsequenzen gezogen werden.

Wenn wir Mittvierziger uns eingestehen, dass uns Dinge vorenthalten wurden, von Eltern, wie von Lehrerseite, dass uns Dinge gepredigt wurden, die bei genauer Draufsicht nicht haltbar sind. Als wir heute Mittvierziger 15 waren gab es eine 1. Welt, eine 2. Welt und eine 3. Welt. Heute gibt es offiziell nur noch „Eine Welt“. Immerhin. Heute wissen wir, dass "der Neger“ nicht allein schuld ist an seinem Elend. Wir könnten diese Welt – besser denn je, weil vernetzter denn je – besser machen wenn wir wollten. Doch noch spielen wir lieber G7 und weisen „Wirtschafts“-Flüchtlinge brüsk ab. Misstrauisch betrachtet von den Jungen. Und wenn die uns in Frage stellen, ohne Alternativen benennen zu können, belächeln wir sie. Wir, die es doch auch mal besser wussten, jetzt aber all unsere Zeit drauf verwenden, unsere Scherflein irgendwie ins Trockene zu bringen.

Aber manche von uns sitzen lieber fragend da. Schauen und staunen. Und wissen im besten Fall weniger denn je. Weil sie mehr wissen, als früher. Das ist humanistisch, das ist sokratisch. Doch der tanzende Kongress verweigert sich. Nicht die „Midlifekriselnden“ werden gefeiert, sondern die materiell oder akademisch „Erfolgreichen“.

Ein guter „Mitlifekriselnder“ denkt sich wahrscheinlich: Alles ist falsch verschoben und das seit langem. Dieses Wort der Stunde, das so oft die „Krise“ auslöst lautet „Alternativlos“.

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"Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche". Alt und wahr.

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