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Leselupe.de > Humor und Satire
Die Verfilmung von Monopoly
Eingestellt am 10. 03. 2012 00:28


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RobertRescue
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2012

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Badstraße bringt wenig, Rathausplatz dagegen mehr

Über den Ideenmangel der Traumfabrik Hollywood regen sich viele Leute auf und die AnkĂŒndigung, gemeinsam mit dem Spielzeughersteller Hasbro Brettspiele zu verfilmen, lĂ€sst einen nur noch den Kopf schĂŒtteln. Voraussichtlich 2014 wird man einen Auswurf dieser Kooperation sehen können – die Verfilmung von Monopoly. Unmöglich, werden manche jetzt sagen, doch mit etwas Phantasie kommt man auf einen abendfĂŒllenden Stoff. Produzent und vermutlich Regisseur wird Ridley Scott sein und das lĂ€sst hoffen, schließlich hat Scott einige gute Filme gedreht wie „Blade Runner“ oder „Gladiator“. Mit Monopoly hĂ€tte Scott die Möglichkeit, ein neues Genre im Kino zu etablieren – den Gentrifizierungsfilm. Weitere Informationen etwa ĂŒber die Wahl der Schauspieler und vor allem ĂŒber die Handlung sind noch nicht bekannt, aber vielleicht könnte es so laufen:

Die Hausbesitzerin Edeltraut Halbedel besitzt mehrere HĂ€user in unsanierter Lage und gilt bei ihren Mietern als korrekt. Sie fĂ€lscht keine Betriebskostenabrechnungen, sie achtet penibel darauf, dass die Hausflurreinigung von einem externen Dienstleister erledigt wird und bei ausgefallenen Heizungen oder Durchlauferhitzern kĂŒmmert sie sich sofort um die Reparatur. Dennoch hat die Figur eine dunkle Seite, die schon durch den Nachnamen angedeutet wird. Sie wĂŒrde gerne bei den Abrechnungen schummeln, sich nicht am Mietspiegel halten und die Frage, ob gewischt ist oder nicht, geht ihr inzwischen auf den Keks. Aber die gute Seite in ihr ĂŒberwiegt und drĂ€ngt das böse immer zurĂŒck. Im Film hört man gelegentlich die Off-Stimme ihres verstorbenen Vaters, der sie mahnt, armen Leuten ein Dach ĂŒber den Kopf zu geben und von ihnen nicht mehr zu verlangen, als das Jobcenter bereit ist zu zahlen. Gespielt wird Edeltraut Halbedel von Meryl Streep, keine andere Schauspielerin wĂ€re in der Lage, diese Zerrissenheit der Person besser darzustellen als sie. Zudem baut Produzent Scott darauf, fĂŒr seine „Monopoly“- Verfilmung einen Oscar zu erhalten und da Meryl Streep fĂŒr eigentlich jeden ihrer Filme einen bekommt, stehen die Chancen gut. Gedreht wird der Film ĂŒbrigens in Berlin und das aus zwei GrĂŒnden. Zum einen ist dort die Gentrifizierung in vollem Gange und ĂŒberzieht immer mehr Stadtteile mit einer urbanen, neuen Wohnkultur, zum anderen zĂ€hlt Berlin zu den StĂ€dten auf der Welt mit den meisten „OriginalschauplĂ€tzen“, wie zum Beispiel Berliner Straße (Wilmersdorf), Seestraße (Wedding), Turmstraße (Moabit), Hafenstraße (Rudow), um nur einige zu nennen.
FĂŒr eine SchlĂŒsselszene (Der weiße Ritter Anthrax Oropax klebt dem Immobilienspekulanten Magnus Clawfinger einen vollgerotzten 100 Euro Schein an die Backe) wird der heutige Bebelplatz, der frĂŒher Opernplatz hieß, kurzzeitig zurĂŒck benannt.
Edeltraut Halbedels Immobilien befinden sich ĂŒberwiegend im Wedding und in Moabit und die Mieterstruktur reicht von Arbeitslosen mit Suchtproblemen bis zu Kleinfamilien mit wenig Einkommen. Manche der HĂ€user verfĂŒgen noch ĂŒber Außentoiletten und Ofenheizungen. Die Mieteinnahmen reichen nicht zu Sanierungen und Banken geben keine Kredite, da die Immobilien in Straßen wie Turmstraße und Badstraße liegen. Hier hĂ€lt sich Scott an die Brettspielvorlage, wo die genannten Straßen das wenigste Geld abwerfen.

Eines Tages tritt der Immobilienspekulant Magnus Clawfinger auf den Plan. Er ist Vorstandsvorsitzender der Firma „Clawfinger Corporation“ aus den Vereinigten Staaten. Der Name der Firma weckt beim Zuschauer sofort negative Assoziationen, denn böse Firmen tragen in Filmen grundsĂ€tzlich was mit „Corporation“ im Namen. Gespielt wird Clawfinger von Michael Douglas, der auf Anraten von Regisseur Scott seine Rolle als Clawfinger an die des Gordon Gekko in Wall Street anlehnt. Gekko ...Ă€h ...Clawfinger residiert natĂŒrlich in der Schlossallee in Pankow und besitzt verschiedene Straßen wie Hauptstraße (Friedenau-Schöneberg) und Bahnhofsstraße (Köpenick), die viel Rendite abwerfen. Zudem gehören ihm alle Bahnhöfe sowie das ElektrizitĂ€tswerk und er besitzt ein Vorkaufsrecht fĂŒr das GefĂ€ngnis, was ihm fĂŒr all sein Handeln Straffreiheit zusichert. Clawfinger verfolgt das Ziel, Edeltraut Halbedel zum Verkauf ihrer Immobilien zu bewegen, um dort zu sanieren. Zu diesem Zweck sorgt er dafĂŒr, dass Halbedel stĂ€ndig Einkommenssteuer und Zusatzsteuer zahlen muss und er lĂ€sst sie mehrfach unter dubiosen UmstĂ€nden verhaften und ins GefĂ€ngnis stecken. Durch die Kontrolle des ElektrizitĂ€tswerks sorgt er dafĂŒr, dass die Mieter nicht mehr fernsehen und surfen können und drĂŒckt damit die, ohnehin kaum vorhandene LebensqualitĂ€t. Clawfingers Handeln folgt dem Motto „Double income, one kid“. Junge Paare mit Kind, die beide gut verdienen und nach einer 3-4 Zimmer Wohnung in bester Lage suchen, sind seine liebsten Kunden. In einer Szene trifft er eine Kundin, die mit ihrem Mann, der als Abteilungshauptagent beim BND arbeitet, in die Hauptstadt ziehen will. Er will ihre Hand kĂŒssen, doch speichelt sie stattdessen ein.
Seine Straßen hat Clawfinger bereits mit Lofts zugebaut, doch aus Stuttgart und Pullach strömen immer neue Interessenten, was Clawfingers Streben nach dem Immobilienbesitz von Edeltraut Halbedel erklĂ€rt.

Diese kann sich den Anfeindungen von Clawfinger nicht erwehren und steht kurz davor, ihre böse Seite, trotz der mahnenden Off-Stimme ihres Vaters, auszuleben, als sie bei einer Wohnungsbesichtigung Anthrax Oropax kennenlernt. Oropax, gespielt von Russel Crowe, der oft von Ridley Scott besetzt wird, ist ein spleeniger Superreicher, der in Berlin eine Wohnung sucht und dabei keinen Wert auf Komfort legt, weil er schon ĂŒberall in der Welt Lofts, Schlösser und PrivathochhĂ€user besitzt und fĂŒr die Bleibe in Berlin mal was anderes haben will. Oropax ist bekannt dafĂŒr, dass er sich immer mit 100 Euro Scheinen die Nase putzt, die er in einer Packung SOLO-TaschentĂŒcher aus dem ALDI mit sich herumtrĂ€gt. Edeltraut Halbedel erkennt ihre Liebe zu ihm, als sie ihn bei der Wohnungsbesichtigung auf die vollgerotzten Geldscheine aufmerksam macht, die er fallen gelassen hat. „Meine Liebe, wenn sie sie reinigen, können sie sie noch investieren“ ist seine Antwort, bevor er sie leidenschaftlich kĂŒsst. Oropax nimmt den Kampf gegen Clawfinger auf. Jetzt kommt das wesentliche Spielprinzip von Monopoly zum Einsatz. Oropax kauft sĂ€mtliche Straßen in Berlin auf und verhĂ€ngt eine Maut fĂŒr Clawfinger, sobald er die Straße betritt oder durchfĂ€hrt. Zudem kauft er das Wasserwerk und kappt die Wasserversorgung fĂŒr Clawfingers Immobilien, bis die Mieter in ihrer Scheiße schwimmen und vor Gericht Mietminderung durchsetzen, wobei sie von AnwĂ€lten vertreten werden, die Oropax bezahlt. Letztendlich wirft Clawfinger das Handtuch und verlĂ€sst Berlin. In einer Szene am Schluss des Films steht Clawfinger am Hauptbahnhof, der inzwischen auch Oropax gehört und fĂŒr dessen Betreten Clawfinger sein vorletztes Geld ausgeben musste, und hĂ€lt ein Ticket nach Greifswald in den HĂ€nden. Man sieht ihn auflachen, bevor er den Zug besteigt.

Oropax und Halbedel heiraten und Oropax lĂ€sst den Immobilienbestand seiner Frau modernisieren, ohne dafĂŒr mehr Miete zu verlangen.
Zum Schluss fahren die beiden frisch vermĂ€hlten durch die Turmstraße und alle Mieter stehen Spalier und jubeln dem Ehepaar zu. Oropax lĂ€sst gönnerhaft ein paar benutzte 100 Euro Scheine springen, die er zuvor in seiner Hosentasche gesammelt hat.

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