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Leselupe.de > Gereimtes
Die Weihnachtsgeschichte des Kaisers Julianius
Eingestellt am 24. 08. 2002 01:18


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Till Braven
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
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Die Weihnachtsgeschichte des Kaisers Julianius

Diese Geschichte beginnt mit „Es war einmal...“, denn es handelt sich bei ihr in der Tat um eine geradezu mĂ€rchenhafte Geschichte, und deshalb soll sie ruhig genau so anfangen:
Es war einmal ein Kaiser des einst so mĂ€chtigen römischen Reiches. Wir werden ihn Julianius nennen, denn wie er wirklich hieß, ist nicht von Belang, und wer weiß, vielleicht hieß er ja genau so. Er lebte zu einer Zeit, als Trier fĂŒr einige Jahre die Hauptstadt des großen Imperiums war, und er war der Sohn einer reichen Trierer Kaufmannstochter germanischen Ursprungs, und eines LegionĂ€rs aus Britannien, und er hatte auch noch einen Bruder, der etwas jĂŒnger war, als er selbst.
Wie unzĂ€hlige römische Kaiser zu jener Zeit, begann er seine Karriere als Soldat im Heer, und als in Trier plötzlich die Stelle des Kaisers neu zu vergeben war, weil der alte Amtsinhaber ĂŒberraschend gestorben war, da riefen die Soldaten, er solle der zukĂŒnftige Kaiser sein.
Dies hatte er nicht zuletzt seiner Mutter zu verdanken, denn sie war es, die die Soldaten bestochen hatte, so zu rufen. Aber auch solch ein Umstand braucht uns nicht zu wundern, denn er war damals Gang und Gebe. In diesen vergangenen Tagen wurde ein Kaiser Kaiser, entweder weil er den Titel erben konnte, oder wenn er ihn sich von der römischen Armee erkaufte. Wer am meisten zahlte, oder die besten VergĂŒnstigungen versprach, durfte Kaiser werden.
Aber es waren schwierige Zeiten, als Julianius zum Kaiser wurde. Man schrieb das Jahr 353, und zwar nach Christi Geburt, als dieses Ereignis sein Leben verĂ€ndern sollte. Das Imperium Roms besaß eine riesige Ausdehnung, und hatte seine Grenzen auf drei Kontinenten, in Europa, Afrika und auch in Asien. Doch von Norden und Osten waren die Grenzen bedroht. Die Völkerwanderung hatte eingesetzt, woraus immer heftiger werdende Auseinandersetzungen an den Grenzen folgten. Alemannen, Goten, Burgunder und Wandalen hießen die Völker, die zunehmend und zahlreicher gegen das Riesenreich drĂ€ngten. Zu Julianius Zeiten waren sie gewissermaßen noch keine wirkliche Gefahr, aber die Tage des Römischen Reichs waren bereits gezĂ€hlt, und knapp einhundert Jahre nach seiner Epoche, hörte es auf, zu existieren.
Und auch im Innern war es unruhig geworden. Es gab eine neue Religion, nĂ€mlich das Christentum, deren AnhĂ€nger, als sie zuerst auftraten, vehement verfolgt worden waren, in den Tagen des Julianius nun aber als BĂŒrger anerkannt und gleichberechtigt leben konnten. Ja, selbst Julianius war Christ, genau wie es sein Vater gewesen war.
Doch die Kirche war gespalten. Man stritt sich um die Frage, welche Stellung nun Jesus im VerhĂ€ltnis zu Gott haben sollte, um die Deutung der Formulierung „Gottes Sohn“ also. Die eine Fraktion nahm das wohl zu wörtlich, und sah in Jesus ein Gottesgeschöpf, so wie jedes Lebewesen. Dann gab es jene, welche die Dreieinigkeit von Gott, seinem Sohn und der des heiligen Geistes predigten. Sie waren es, die sich durchzusetzen vermochten, aber gerade als Julianius zum Kaiser ausgerufen wurde, lagen sich beide Lager in einem BĂŒrgerkrieg unversöhnlich in den Haaren.
WĂ€hrend der Geschichte des Römischen Reiches haben immer wieder KĂ€mpfe und Kriege stattgefunden. Zuerst, und lange vor der Zeit, in der dieses MĂ€rchen spielt, um das Reich zu vergrĂ¶ĂŸern, indem neue LĂ€nder als Kolonien erobert wurden. Doch bald nur noch, um eben diese GrĂ¶ĂŸe zu wahren. Das war aber sehr viel kostspieliger, als die Eroberungen, denn nun fielen dem Staat ja keine fremden SchĂ€tze mehr zu. Als Julianius Kaiser war, beutelte eine Wirtschaftskrise das Land, gegen die auch schon seine Vor- und VorvorgĂ€nger kein Rezept gefunden hatten.
So herrschte in der Staatskasse eine ziemliche Ebbe. Julianius konnte es eben nicht wagen, von großen Bauwerken zu trĂ€umen, so wie es Kaiser vor ihm gern getan hatten, die ihre ResidenzstĂ€dte mit Prachtbauten zu schmĂŒcken wußten. Eine ganze Reihe davon gab es inzwischen in Trier, ein Theater, eine Therme und ein imposantes Stadttor zierten die Metropole, und gaben, wenn man sich ihr nĂ€herte, schon von Weitem ein Zeugnis von der GrĂ¶ĂŸe und der Macht hinter den Mauern. Doch sie alle waren ein Dokument aus der Vergangenheit, und nun fĂŒgte ihnen kein Kaiser mehr neue Bauten hinzu.
„Das Wichtigste ist ein guter Handel, mein Junge, dann funktioniert der ganze Rest wie von selbst.“ hatte ihm seine Mutter eingebleut, und diese Worte wollte Julianius sich zu Herzen nehmen.
Doch Probleme machte ihm auch die Provinz Britannien. Der Statthalter dort, wir werden ihn Ambrosius nennen, hatte verkĂŒnden lassen, daß er fortan seine Steuereinnahmen nicht mehr an die römische Staatskasse ĂŒberweisen werde, und dies traf Julianius, den jungen Kaiser, bitter. Zudem, so zitierte man Ambrosius in Trier, ließ sich dieser von seinen Untergebenen nun „König“ nennen, geradezu eine Unverfrorenheit dem Herrscher gegenĂŒber.
So entschloß sich Julianius, hart durchzugreifen, und ein Exempel zu statuieren. „Was kann ich tun, um den Gehorsam wieder herzustellen.“ ĂŒberlegte er. „Dem Ambrosius, dem solle man die Villa abbrennen!“ befahl er daraufhin.
„Aber du kannst niemandem in Britannien trauen.“ gab sein Bruder zu bedenken, „wenn dort nun ein König die Herrschaft an sich gerissen hat, wird kein LegionĂ€r deinen Auftrag ausfĂŒhren.“
„Es gibt andere Legionen.“ antwortete Julianius knapp.
„Dann laß mich es machen.“ bat der Bruder, „die Legion aus Trier und deine Leibwache sind dir treu ergeben. Diese MĂ€nner werden es schaffen.“
Julianius stimmte kurzerhand zu, und so zog sein Bruder aus, um dem britannischen Statthalter das FĂŒrchten zu lehren. Die Aktion dauerte ein gutes halbes Jahr. Ambrosius bewohnte eine Villa mit Meerblick im SĂŒden, erbaut in der Ära Neros, kaum weniger prachtvoll als die des Kaisers selbst. Es handelte sich um eine quadratische Anlage, in deren Mitte ein von SĂ€ulengĂ€ngen umgebener Garten angelegt war, welcher von einem breiten Weg durchschnitten, und mit Statuen und kleinen Brunnen verziert war. Das Herrenhaus verfĂŒgte ĂŒber drei verschieden große FestsĂ€le, in denen man feine Mosaiken bewundern konnte. Daneben gab es ein GĂ€stehaus, das sogar ein Warmwasserbad besaß, auf der anderen Seite fanden sich die WerkstĂ€tten und die GebĂ€ude fĂŒr die Bediensteten, sowie etliche Stallungen fĂŒr Pferde und anderes Haustier.
Im Juli erreichten die Trierer den Ort, und sie stießen auf erstaunlich wenig Gegenwehr. So verwĂŒsteten sie die Anlage gehörig und plĂŒnderten, was von Wert erschien. Der Statthalter floh darauf in den Norden der Insel ins Exil, und der Bruder des Kaisers ĂŒbernahm dieses Amt fortan höchstpersönlich. Schließlich wurde der stolze Besitz des Ambrosius tatsĂ€chlich ein Raub der Flammen. Danach stand kein Stein mehr auf dem andern.
Aber auf eben diese Steine stieß man, als ein Bagger neben einer Landstraße die Erde zum Verlegen einer Hauptwasserleitung aushob. Da hinderte ihn etwas Hartes an der Fortarbeit, und so stieg der Fahrer von seiner Maschine. Er erblickte einen Haufen Ziegel und benachrichtigte seinen Polier. Nachdem nun von jedem, der neu hinzugetreten kam, ein weiterer Experte herbei gerufen worden war, begutachtete schließlich ein ArchĂ€ologe die Steine, um festzustellen: „Aus der Römerzeit.“ Derart tauchte die Villa des Ambrosius wieder ans Tageslicht.
Dies ist die eine Tat, die sich mit Kaiser Julianius aus Trier verbinden lĂ€ĂŸt. Aber es gibt noch eine zweite, und die hat sich sogar stĂ€rker in unsere Erinnerung eingeprĂ€gt. Wie schon ausgefĂŒhrt wurde, waren es gerade fĂŒr die Wirtschaft schwierige Zeiten, als Julianius das Reich regierte, und er hatte doch angekĂŒndigt, dagegen etwas zu unternehmen.
So erfand er das Weihnachtsfest.
Nun feiern die Menschen schon seit Urzeiten ein Fest am Winteranfang, möglicherweise schon seit der Steinzeit. Und im Laufe von Generationen haben sich dafĂŒr bei jeder Kultur spezielle Regeln herausgebildet. So waren es vielleicht die alten Ägypter im Pharaonenreich, die begonnen hatten, ihre Lieben mit kleinen Geschenken zu bedenken. Die Germanen in unseren Breiten feierten ausgelassen bei reichlichem Bierkonsum die kĂŒrzeste Nacht des Jahres, und anderen Ortes wiederum nannte man das Fest „Wiederkehr der unbesiegbaren Sonne“, und gab sich eher still.
Das römische Imperium war ein Staat aus vielen Völkern und Kulturen, und so gab es in jeder Gegend eine andere Art, das Fest des Winteranfangs zu begehen. Das hat damals niemanden gestört. Was sich jedoch als Nachteil erwiesen habe, so dachte Julianius, sei die Tatsache, daß die Feierlichkeiten keinen einheitlichen Zeitplan verfolgten.
So begannen die Germanen direkt in der Nacht des Winteranfangs ihre Saufgelage, welche rund eine Woche anhielten, wĂ€hrend die BĂŒrger Roms und Italiens eine Festwoche abhielten, die am Samstag nach Winteranfang begann, derweil es in Nordafrika und Kleinasien zur Gewohnheit geworden war, mit dem 25. Dezember fĂŒr ebenfalls eine Woche in Feststimmung zu verfallen.
Nur die junge Gruppe der Christen, die kannte das Weihnachtsfest bis dato noch gar nicht, oder hatte es zumindest nicht fĂŒr wichtig erachtet. Diese Menschen begingen Anfang Januar den Tag der „Heiligen drei Könige“ als eine bedeutende Feierlichkeit.
Doch fĂŒhrte es mitunter dazu, daß im Reich, zumindest auf der Nord-SĂŒd-Achse, fĂŒr zwei Wochen lang alles Wirtschaftsleben zum Erliegen kommen konnte. Zuletzt war das Jahr 351 aus dieser Sicht ein Ă€ußerst ungĂŒnstiges.
„Das bringt nichts Gutes.“ hatte Julianius daraufhin verkĂŒndet. „Die Menschen feiern zur Wintersonne einfach zu viel, und vor allem zu lange...“ Schließlich wurde er von seiner Mutter immer wieder auf die Wichtigkeit eines guten Handels verwiesen.
„Ich werde dieses Fest einfach abschaffen,“ sagte er, „zum Ruhme Roms, und zur Ehre meiner Person.“
„O, ich glaube, kein Mensch wird dich ehren, wenn du die Feste aus dem Kalender streichst.“ gab die Mutter zu bedenken, „Erst recht nicht die Legionen.“
„Dann sollen die Leute genau drei Tage feiern, und keinen Tag mehr. Und sie sollen alle, im ganzen Imperium, mit dem 25. Dezember beginnen, damit es einheitlich wird.“
„Das ist eine viel bessere Idee.“ beglĂŒckwĂŒnschte ihn die Mutter. „Aber gib dem Fest einen neuen Namen, damit die BĂŒrger es als eine echte Reform begreifen können.“
„Wie wĂ€r’s mit Weihnachten?“ fragte Julianius vorsichtig.
„Hm, klingt gut.“ pflichtete die Mutter bei.
So hatte Julianius das Weihnachtsfest erfunden.
Nun bleibt jedoch die Frage, was mit dem dritten Feiertag passiert ist, hatte, wie wir erfahren haben, Julianius doch drei Festtage eingesetzt. Er ist irgendwann gestrichen worden. Im fĂŒnfzehnten oder im sechzehnten Jahrhundert wird ein Herrscher die Meinung gehabt haben, daß zwei Tage zum Feiern völlig ausreichen dĂŒrften, und der dritte Tag verschwand zugunsten der Wirtschaft und des Handels. Daher gibt es heute nur noch zwei Feiertage.
Über Kaiser Julianius selbst gibt es jetzt nicht mehr viel zu berichten. Kurz nachdem er das Weihnachtsdekret verabschiedet hatte, wurde er kaltgestellt, um es so zu sagen. Die allermeisten römischen Kaiser hatten ein Problem, denn Kaiser wurde man stets auf Lebenszeit. Und ein Kaiser, der nun viele Feinde hatte, lebte daher Ă€ußerst gefĂ€hrlich. Es hatte sich nĂ€mlich eingebĂŒrgert, ungeliebte Herrscher vorzeitig ins Jenseits zu befördern, um Platz zu schaffen fĂŒr den nĂ€chsten Kandidaten.
Wir wissen nicht, welche Intrige nun genau Julianius zum VerhĂ€ngnis geworden ist, es ist aber bekannt, daß seine Mutter dabei durchaus ihre HĂ€nde im Spiel gehabt hatte. Und nach einer Regierungszeit von gerade einmal eineinhalb Jahren schied der Kaiser im Winter des Jahres 355 frĂŒh und unerwartet, und keinesfalls gewaltlos, aus dem Leben. Aber so war das zu der damaligen Zeit.
Und damit endet auch die Weihnachtsgeschichte des Kaisers Julianius. Also, wir sollten einfach im GedÀchtnis behalten, was damals vor sich ging.

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Jena
Hobbydichter
Registriert: Sep 2002

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Stark!

Hallo Till,

was fĂŒr eine grandiose historische Geschichte aus einer eher dunklen Zeit. Mich wĂŒrde ja nun interessieren, ob der historische Hintergrund auf Wahrheit beruht, oder der dichterischen Freiheit entsprungen ist.

Jena grĂŒĂŸt

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Till Braven
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
Kommentare: 30
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Zum Teil

Hallo Jena,

ja - zum Teil. Den Kaiser Julianius aus Trier hat es gegeben, Regierungszeit ca. 18 Monate von 353 bis Anfang 355. Die Regelung der Weihnachtsfeiertage geht tatsĂ€chlich auf ein Gesetz aus seiner Regierungszeit zurĂŒck.
Mehr ist allerdings in der Tat nicht bekannt ĂŒber ihn. Die Nebenhandlung in Britannien, mit dem abtrĂŒnnigen Statthalter, ist zwar ebenso historisch, lĂ€ĂŸt sich aber nicht direkt mit Julianius in Verbindung bringen. Was stimmt, ist, daß damals ein Statthalter seiner Stuerpflicht nicht nachgekommen ist, und römische Truppen vom Festland daher seine Villa abgebrannt haben. Die Reste der Villa können heute besichtigt werden. Den Vorfall kann man nur anhand der Asche aus der Villa mit der C-14-Methode datieren, und kommt auf ca. 350 - 360. Somit könnte auch dies in die Zeit des Kaisers Julianius gefallen sein, muß es aber nicht. Der von mir verwendete Name fĂŒr den britannischen Statthalter ist falsch. Ich verwendete den Namen des letzten britannischen Statthalters des römischen Reiches, Ambrosius, der um das Jahr 410 die Aufgabe hatte, fĂŒr den geordenten RĂŒckzug der römischen Legionen und Zivilisten aufs Festland zu sorgen. Ambrosius blieb danach in Britannien und bekleidete weiter hohe Ämter. Er taucht auch in der Artussage als der Schöpfer des neuen Britanniens nach der Römerzeit auf, und wird dort als erster König gefĂŒhrt...

Viele GrĂŒĂŸe von der KĂŒste

Till


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Jena
Hobbydichter
Registriert: Sep 2002

Werke: 0
Kommentare: 4
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Vielen Dank fĂŒr die ausfĂŒhrliche Antwort!

Jena grĂŒĂŸt

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