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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Welt am Sonntag
Eingestellt am 16. 12. 2002 23:29


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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

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Die Welt am Sonntag


Ihr kennt das, wer fr├╝h zur Arbeit f├Ąhrt, leert abends den Briefkasten. So auch ich. Das einzige, was an diesem Mittwoch im Kasten lag, war ein Schreiben von meiner bevorzugten Tageszeitung:


Hamburg, 16. April 2002
WELTGESCHEHEN KENNT KEINE PAUSEN,

Sehr geehrte Frau Deminien,

von Montag bis Samstag begleitet Sie DIE WELT durch den Tag, und Sie als regelm├Ą├čiger Leser wissen genau, was Sie von ihr haben: anspruchsvolles Lesevergn├╝gen und nutzwertige Informationen, sechs Tage die Woche.
Und was haben Sie am Sonntag vor?

Ich kenne kein Argument, sonntags auf niveauvollen Journalismus zu verzichten. Daher und als Dankesch├Ân f├╝r Ihre Treue zur WELT mache ich Ihnen heute einen Vorschlag, der Ihnen gefallen wird:
Sie bekommen ab dem 28. April die Welt am SONNTAG f├╝r einige Zeit bequem ins Haus geliefert - absolut kostenlos und garantiert ohne Verpflichtungen!

Das bedeutet f├╝r Sie: Sonntag f├╝r Sonntag hochkar├Ątiger Qualit├Ątsjournalismus mit spannenden Reportagen und Hintergrundberichten in lesefreundlicher Gestaltung.

Mit WELT am SONNTAG erg├Ąnzen Sie optimal Ihre t├Ągliche WELT-Lekt├╝re. ├ťberzeugen Sie sich selbst!
Schon jetzt w├╝nsche ich Ihnen gute Unterhaltung und viel Freude beim Lesen.



Wenn man meint, mich so zu einem Sonntags-Abo zu bewegen, dachte ich bei mir, dann werde ich die kostenlose Zeit gern in Anspruch nehmen. Eine qualitative, unterhaltsamere Abwechslung zu den anderen beiden kostenlosen K├Ąsebl├Ąttern, die ich jeden Sonntag ungelesen zum Altpapier lege.

Eine Woche sp├Ąter war das Schreiben vergessen. Berufliche Unw├Ągbarkeiten f├╝hrten mich am Freitag ins ferne Hamburg. Sitzung von morgens bis abends, viele Gespr├Ąche und am Ende war doch nichts gesagt. ├ťbernachtung im Astron mit Blick auf die Trabrennbahn, die fest in der Hand der Hundebesitzer war. Es freute mich zu sehen, da├č man hier die Hunde-un-Verordnung ebenso ernst nahm wie bei uns. Freiheit als Rassenprivileg, welch ein Unsinn. Diese wenigen privaten Gedanken waren mir verg├Ânnt, bevor die M├╝digkeit ihr Recht forderte und mich ins Reich der Tr├Ąume entf├╝hrte.
Der Samstag verlief nicht minder anstrengend, daf├╝r erfolgreicher. Rechtzeitig konnten wir uns auf den Heimweg machen, doch die Sonne war bereits verschwunden, als ich mehrere Stunden und hunderte Kilometer sp├Ąter endlich meine Reisetasche im heimischen Flur abstellte. Schuhe flogen unkontrolliert davon und endlich konnte ich tun, wonach ich mich seit Stunden gesehnt hatte. Nein, das Bad hatte die zweite Priorit├Ąt, dicht gefolgt von der Bettdecke, die ich mir bis unters Kinn ziehen w├╝rde. Die erste Priorit├Ąt lag eindeutig bei einem schlichten Glas Rotwein in zur├╝ckgelehnter Position, die F├╝├če auf dem nicht daf├╝r vorgesehenem Beistelltisch. Ein Moment der Stille. Wobei ich erw├Ąhnen sollte, da├č das Glas schlicht war, der Wein hingegen geh├Ârt zu der Sorte, die man garantiert in keinem Supermarkt bekommt.

Das war es also, mein Wochenende, welches am Sonntagmorgen mit einem improvisierten Fr├╝hst├╝ck beginnen sollte. Einer Eingebung folgend schaute ich vorher im Postkasten nach, ob dort irgendeine ├ťberraschung lauerte. Der war leer, im Gegensatz zum Zeitungskasten. Dort sollte ja eigentlich noch die Samstagszeitung stecken. Tat sie aber nicht, was angesichts meiner Nachbarn nicht weiter ├╝berraschend war. Daf├╝r fand ich die "WELT am SONNTAG". Der nat├╝rlichen Neugier nachgebend schaute ich auf die Titelseite:

"Trauer und Entsetzen in Erfurt"

Meine Augen erfa├čten die Zeilen, bevor mein Verstand sie davon abhalten konnte. Leider.

Es stimmt, da├č sich die Welt vierundzwanzig Stunden im Kreise dreht und das st├Ąndig irgendwo irgendetwas berichtenswertes geschieht. Auch am Sonntag. Aber mal ehrlich, m├╝ssen wir uns das deshalb jeden Tag antun? Jeden Wahnsinn sofort hautnah mitten ins Wohnzimmer? ├ändert das etwas am Geschehen? Nein. Und deshalb habe ich am Montag bei der Zeitungs Hotline angerufen und dem netten Menschen am anderen Ende der Leitung gesagt, da├č die Welt mich am Sonntag einfach mal gernhaben kann.



Deminien

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo deminiem,

ist das eine parodie - dann ist sie supertrocken, und ich w├╝rde mich freuen, mehr davon lesen zu k├Ânnen.
ansonsten ist es nicht der rede wert.

gru├č

rainer

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
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Gut geschrieben, nur wirkt es ein wenig konfus, da du zwischendurch sehr abschweifst. Was hat die Reise nach Hamburg mit dem Ganzen zu tun?
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

Werke: 5
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Hallo,


eine Parodie ist es nicht, vielmehr eine wahre Begebenheit mit ├änderungen. Die Abschweifung im Mittelteil ist Absicht, nur so kann die "├ťberaschung" am Samstag eingeleitet werden.


Gru├č
Deminien

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