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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Wohnung am Babystrich
Eingestellt am 20. 08. 2004 22:57


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Nina K
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Die Wohnung am Babystrich


Da steht er nun also am Fenster und starrt auf die Straße. GegenĂŒber an der Hauswand im Schatten lehnt sie noch immer. Gerade hat sie wieder das PĂ€ckchen Tabak aus ihrer Tasche gekramt, hĂ€lt es eingeklemmt zwischen Ringfinger und dem kleinen und dreht geschickt eine Zigarette. Sie ist schmaler geworden und das Gesicht etwas grauer, findet er plötzlich. Aus der Entfernung meint er die Schatten unter ihren Augen erkennen zu können; ganz sicher sieht er aber das Rot ihrer Lippen.

Nun steh ich hier mindestens schon eine Stunde. Und der Typ gegenĂŒber hĂ€ngt wie blöde am Fenster. Wenn der meine Beine so geil findet, dann soll er doch zahlen. Hoffentlich regnet es heute mal nicht. Den blauen Kombi kenne ich doch? Wenn der hĂ€lt, sag ich nein; Scheißkerl, was der alles wollte. Nur vielleicht kommt kein anderer – fuck, nun fĂ€hrt er vorbei.

Als sie da unten das erste Mal stand, da war sie noch fesselnd. Langsam verliert sie die Jugend und wird eine von ihnen. Dann konzentriert er sich auf ihre Beine, die schwarzen NetzstrĂŒmpfe und der Mini so kurz, dass man die Strapse noch sieht. Und er stellt sich vor, wie seine Hand ihre Schenkel streift und langsam höher gleitend und da macht er mal schnell seine Hose auf. Als er fertig ist und nach dem Taschentuch kramt, fĂŒhlt er sich ein wenig schuldig.

So, der hĂ€lt jetzt, sonst krieg ich 'nen Kaffee und drei Natrovalin. Los, kurbel die Scheibe runter und frag! „Vierzig kost das“ da lach ich doch drĂŒber. „Zehn extra, wenn Du ein Zimmer willst“ und nun der Schleck ĂŒber meine Lippen, vielleicht beißt er an und mir bleibt das stinkende Auto erspart? „Park mal da drĂŒben, das Hotel ist da hinten“, mindestens 10 Natrovalin brauche ich.

Er starrt wieder runter und sieht sie verhandeln. Dann parkt der Kerl. Plötzlich ĂŒberlegt er, wie es gelaufen wĂ€re, wenn er sie am ersten Abend, als er sie sah, angesprochen hĂ€tte. Wenn er sie heimgenommen hĂ€tte in eine wirkliche Welt und in ihr hĂ€tte kommen können. WĂ€re sie weniger grau und er weniger Ă€rmlich?

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nina,
die Idee der Geschichte finde ich richtig gut. Prostitution hat sowieso schon etwas anrĂŒchiges, und dann noch "der Babystrich" (falls es das Wort ĂŒberhaupt gibt und es nicht nur eine SAT 1-Schöpfung ist)- mir gefĂ€llt es. Der Mann, der hin und her gerissen ist, weil er sie erst geil findet und dann darĂŒber nachdenkt, ob er ihr ein nettes Heim hĂ€tte bieten können/mĂŒssen ist auch sehr gelungen.

quote:
So, der hĂ€lt jetzt, sonst krieg ich ‚\'nen Kaffee und drei Natrovalin.
Da ist ein Tippfehler.
quote:
Er starrt wieder runter und sieht sie verhandeln und dass der Kerl parkt.
Das ist etwas komisch formuliert. Vielleicht: Er starrt wieder runter und sieht sie verhandeln. Der Kerl parkt.
Viele GrĂŒĂŸe,
Denschie

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Nina K
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Hallo Denschie,

ich freue mich ĂŒber Deine Anmerkungen. Den Tippfehler habe ich berichtigt und den merwĂŒrdigen Satzbau umformuliert. Vielen Dank fĂŒr die Hilfe.

Lieben Gruß
Nina

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AndreasGaertner
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nina,

Du beschreibst die Anbahnung eines widerlichen GeschÄFTSverkehrs zwischen abartigen Freiern und gestrandetem "Baby" erschreckend nahe.

Hier noch was förmliches:

Und er stellt sich vor, wie seine Hand ihre Schenkel streift und langsam höher gleitend t,und da macht er mal schnell seine Hose auf.

Los, kurbel die Scheibe runter und frag! befiehlt sie ihm gedanklich „Vierzig kostet das“ wĂŒrde sie dem Freier abverlangen, wenn dieser die Scheibe denn runterkurbelte, oder? da lach ich doch drĂŒber.Dein Lachen steht fĂŒr sich alleine. Diesen Satzteil solltest Du logisch in Deine vorangestellte Vorstellung eines wahrscheinlichen Ablaufs einbauen.

Es sind mir auch ein wenig zu viele "er" in Deiner Geschichte.

Wenn er sie heimgenommen hÀtte in eine wirkliche Welt und in ihr hÀtte kommen können.

Mit diesem Satz zeigst Du eindrĂŒcklich, daß der Spanner am Fenster, sich selbst moralischen Vorsatz vorheuchelnd, die gleiche mindere Geilheit in sich birgt, wie die Freier, die es wagen, das MĂ€dchen an zu sprechen.

So hĂ€ltst Du dem Leser einen eindrĂŒcklichen Spiegel des doppelbödigen und degenerativen Denkens innerhalb unser Gesellschaft vor.

Viele GrĂŒsse

Andreas

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Nina K
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Sie hasst das Kopfsteinpflaster der Strasse. Rutschig bei NĂ€sse ist es. Jeder Schritt mit den kniehohen schwarzen Pfennigabsatzstiefeln muss wohl ĂŒberlegt werden, sonst bleibt man stecken. Die Imbissbude vom Ferdi ist fast ein Zuhause. Wie selbstverstĂ€ndlich öffnet er den Flachmann und schĂŒttet ihn in ihren Kaffee, wenn sie kommt. Und zu Ferdi geht sie auch heute als erstes. Ein PĂ€ckchen Tabak, die BlĂ€ttchen und den Kaffee braucht sie halt. „Tigerlady heut?“ frotzeld Ferdi und versenkt seine Augegen in das knappe Top. Das Kindergesicht formt einen eiskalten Blick und Ferdi ist still.

„Sie ist immer noch nicht da“ denkt er und starrt auf seine Armbanduhr; „gleich halb fĂŒnf und ab vier ist sie eigentlich immer doch da“. Er starrt auf die grauen Mauern der Fischauktionshallen und denkt plötzlich an Lena. Weich war sie und noch jung. Ein wenig unerfahren und darum hing sie an ihm. Wie ihre Augen ihm folgten, wenn er durch das Zimmer schlich. Es gab ja auch nur das eine Zimmer, mehr Geld hatten sie nicht. Die Dusche war eng und Lena so nah. Noch immer lehnt sie nicht an der Mauer. „Das Luder“ denkt er und schĂ€mt sich.

„Du hast inzwischen ĂŒber 80,- Euro auf dem Zettel“, meint Ferdi bedrĂ€ngend. „Ach ja, und was soll mir das sagen?“ Und wieder zerrt sie all ihren Hass in den Blick und Ferdi ist still. „Schreib auf“, nuschelt sie und verlĂ€sst staksend den Kiosk. Die Novemberluft fĂ€ngt sie ein und GĂ€nsehaut sammelt sich in ihren Beinen. Plötzlich wird ihr schlecht, weil sie an ihre Mutter denken muss. Sie saß starr auf dem Klo, die Nadel im Arm und dies verkrĂŒmmte Gesicht. Kurz wĂŒrgt der Kurze im Hals, dann tobt wieder Ruhe. Sie hat ihren Platz gefunden, presst einen Stiefel mit angewinkeltem Knie an die Wand und hĂ€lt Ausschau.

„Sie ist nur eine Hure“, denkt er und geht in die KĂŒche. Auf dem Herd steht die Pfanne mit Nasi Goreng von gestern und da wird ihm schlecht. Vater hĂ€tte niemals etwas weg geworfen und doch fĂŒhlt er die Schimmelschicht von dem Reis auf der Zunge. Im KĂŒhlschrank findet er noch ein Bier und ploppt gierig den Deckel. ZurĂŒck am Fenster guckt er auf die „Hure“ hinunter und hat sie ganz plötzlich sehr lieb. Sie könnte seine Tochter sein, dann wĂŒrde er sie da raus holen. Aber sie ist halt Geliebte und mehr will er nicht. „Die Phantasie stirbt immer zuerst“, denkt er. Dann ploppt schon das zweite Bier.


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AndreasGaertner
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nina.

HĂ€??

Einen lieben Gruss.

Andreas

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