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Leselupe.de > Ungereimtes
Die Würde des Menschen
Eingestellt am 06. 02. 2005 22:01


Autor
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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
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Ein Abschied


Als ich beim Schachspiel erstmals Dich besiegte,
da wars auch schon zum allerletzten Mal.
Das Leben hatte gegen Dich entschieden,
undenkbar jeder weitere Versuch

Gelassen nahm das Schicksal Deine Stifte,
Papiere, Pinsel, Tuschen, still an sich,
versagte Dir den Zugang zu Geräten,
erklärte Deine Arbeit für getan

Wir sahen Deine Welt sich stetig wandeln
und Dich in ihr, bis auch das letzte Band,
das Wenn mit Dann verknüpft, zerrissen, lose,
in Deinen regen Händen nutzlos lag

Wir sahen Deinen Weg sein Ziel verlieren,
dein Handeln seine ordnende Struktur,
es kam der Tag des Singens mit den Vögeln,
im Garten mit den Freunden, die Dir fremd

Und über allem lebte frei in Liebe,
Gefühl und Klang und Farben, Deine Seele,
empfindsam, edel, zärtlich und in Sorge,
von keiner Maske länger mehr geschützt

Kein Anspruch ist auf unversehrtes Bleiben,
nicht auf verstanden werden noch verstehen,
wir mögen fordern, doch es wird uns nicht gewährt;
Trost liegt im Hoffen auf Gedenken nur allein.

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MH
Routinierter Autor
Registriert: Jan 2004

Werke: 3
Kommentare: 319
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hallo gareth,

ich weiss nicht warum, aber schon nach dem lesen der ersten beiden zeilen wusste ich worum es in diesem werk gehen wird.

ich habe mich mit diesem thema, ohne direkt oder indirekt betroffen zu sein, aus irgendeinem merkwürdigen anstoss heraus literarisch ein wenig auseinandergesetzt und muss dir sagen: selten hat jemand so gute worte gefunden.

es fällt schwer hier zu loben, zu kritisieren, wenn man die position des autors nicht genau kennt, sein anliegen und die ursache - dennoch, hervorheben möchte ich

Wir sahen Deine Welt sich stetig wandeln
und Dich in ihr, bis auch das letzte Band,
das Wenn mit Dann verknüpft, zerrissen, lose,
in Deinen regen Händen nutzlos lag

denn diese stelle zwingt zum erstarren, zum nochmals lesen, macht selber sprachlos.

mfgMH
__________________
Aberglaube bringt Unglück.

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

Werke: 1
Kommentare: 875
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Distanz, die Nähe zeigt !


lieber gareth,

ich bewundere es immer, wenn reimlos
ein text eine musikalität entwickelt,
die aus dem thema heraus geboren wird.
perfekt die form ! Schafft sie doch autor
wie leser eine distanz zu halten, die nötig
ist einen solchen "abschied" sprache zu verleihen.

diese distanz, und das halte ich für sehr gelungen,
läßt die tiefe nähe des autors zu seinem prot.
warm aufleuchten. die verbundenheit beider
wird in jeder zeile deutlich.


alles gute

montgelas



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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
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Guten Tag, Gareth!

Dein Gedicht ist durchaus ein Gewinn für die Leselupe. Es wäre nicht nur einer für dieses Forum. Mein Lob, besonders ein überschwängliches, muß man sich in der Regel hart verdienen, wie andere hier schon bemerkt haben. Asche auf mein Haupt.

Eigentlich sollte man hier Textarbeit leisten, daher will ich mit diese "Lobhudeleien" belassen und einige bemerkenswerte Eigenschaften Deines Beitrags hervorheben. Die erste: Es ist Dir trotz der Länge des Beitrags gelungen, einen Spannungsbogen aufzubauen, der es erscheinen läßt, daß keines Deiner Wörter, kein Vers und keine Strophe zuviel ist. Eigentlich sollen Gedichte "dicht" sein und damit auch kurz. Langatmigkeit ist nichts für die Lyrik.

Des Weiteren ist keines Deiner Bilder verrutscht oder platt, auch das ist bei einem solch sperrige Thema wie dem letzten Abschied von einem Menschen eher ein Wunder. Dafür gebührt Dir separater Respekt.

Und zum Dritten ist dem Gedicht das beschwingt Liedhafte eigen, das ich bei vielen Einträgen so schmerzlich vermisse. Hier hat jemand, auch ohne den Reim, eine rhtythmische Sprache gefunden, die durchaus dem Thema angemessen ist. Und dennoch so gehalten, daß man dem traurigen Sujet noch ansieht in seiner Verarbeitung, daß der so besprochenen Person ein sehr positives Gefühl entgegengebracht wird. Es ist beides in den Versen und im Metrum: die Trauer um und die Freude am verlorenen Menschen. Auch das ein einzigartiges Faszinosum, daß dies so gelingen konnte.

Fürwahr ein Gewinn für die Leselupe. Und ein Beispiel für uns alle, besonders auch für mich, wie ein Gedicht, wenn es denn über den Tag hinausreicht, sein könnte und sollte. Es bleibt zu hoffen, daß mir irgendwann ein solcher Markstein wie dieser gelingt. Das sage ich, mit ehrlicher Verneigung vor der Könnerschaft, mit aller hier nötigen Bescheidenheit. Und rufe Dir ein lautes "Châpeau" zu, denn diesen Ausruf hast Du Dir mehr als redlich verdient.

Liebe Grüße

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An gareth

Ich saß am Bette meines Vaters. Er hat mich nicht mehr erkannt. Es war das erste Mal und als ich ihm meinen Namen sagte, da blieben seine Blicke leer. Er lebt in seiner Welt, zu der ich keinen Zutritt mehr habe.

Mit dieser traurigen Erkenntnis habe ich gestern Abend dein Gedicht gelesen.

Du hast es sensibel, authentisch und glaubwürdig ausgedrückt. Ich fand beide wieder in deinen Worten: den Betroffenen und den hilflosen, nahestehenden Menschen.

Lotte Werther

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lapismont
Foren-Redakteur
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Registriert: Jul 2001

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Hallo gareth,

mein Leseeindruck ist zwar auch geprägt von Achtung und Aufrichtigkeit. Harmonie, die die Worte vermitteln.
Aber dennoch finde ich es sehr kompliziert.

Die Melodie zwingt an einigen Stellen die Worte in eine ungebräuchliche Stellung, wodurch der Text zwar an alter Ehrwürdigkeit gewinnt, aber auch etwas gezwungen zu sein scheint. Dadurch verspüre ich eine unerklärliche Gegenbewegung in mir, eine Protesthaltung.

Vielleicht war das aber auch Deine Absicht, oder ich bin vielleicht auch nicht der Typ dafür.

Aber in der Wortwahl ist der Text sehr beachtlich!

cu
lap



__________________
Kunst passiert.

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