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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Wunderschuhe
Eingestellt am 08. 08. 2007 14:13


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anna-sophie
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2007

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Lange bevor es noch Zeit zum Aufstehen war, lag Annika missmutig mit geöffneten Augen in ihrem Bett und erwartete den anbrechenden Tag mit großer Angst.
Schlechtes Gewissen hatte sich lÀngst in jedem Winkel ihres Körpers ausgebreitet.
Gestern war es so schön gewesen mit Paul zusammen im Sandkasten Burgen und Stauseen zu bauen. So schön, dass sie Mama, als diese sie fragte ob sie schon ihre Hausaufgaben erledigt habe, anlog.
Annika antwortete einfach „Hab ich schon gemacht.“ und dachte insgeheim, dass spĂ€ter auch noch Zeit fĂŒr Hausaufgaben wĂ€re.
Aber spÀter

SpÀter gab es Abendbrot, danach kam SpongeBob (und darauf wollte Annika auf keinen Fall verzichten!) und nach dem SandmÀnnchen wurden auch schon die ZÀhne geputzt.
Und nach dem ZĂ€hneputzen, ja, da war Annika viel zu mĂŒde um sich noch an Mathe zu setzen.

So quÀlten an diesem noch dÀmmernden Morgen, Annika zwei Probleme:
Zum einen, dass sie die Hausaufgaben nicht hatte und deshalb, weil dies nun das zweite Mal war einen Brief von der Schule nach Hause bekommen wĂŒrde. Das Schimpfen der Lehrerin konnte Annika sich nur zu gut ausmalen. Vielleicht wĂŒrden die anderen Kinder sie außerdem auslachen?
Das zweite Problem, welches sie als noch viel schlimmer empfand, war, dass sie ihre Mutter angelogen hatte. Und diese sich nun nicht mehr auf sie verlassen konnte.
Sie sah auf ihren Wecker – die Uhr konnte sie schon lesen! Es war halb sechs. Um halb sieben wĂŒrde Mama sie wecken. Sie rechnete sich aus, dass ihr noch genau eine Stunde blieb um die leidigen Mathehausaufgaben zu erledigen. Aber nein, die Mutter ist schon frĂŒher wach um FrĂŒhstĂŒck zu machen. Sie wĂŒrde mitbekommen, dass in Annikas Zimmer Licht brennt. Sie wĂŒrde sich wundern und nachschauen was los sei und dann wĂŒrde sie sehen, dass Annika an den Hausaufgaben sitzt und sie angelogen hat. Es wĂ€re also keine Lösung gewesen, wo sich Annika doch ohnehin so schwer tut in Mathe. Vielleicht wĂ€re es ihr nicht einmal möglich, die Aufgaben innerhalb einer Stunde zu bewĂ€ltigen. „Ach verflixt!“, murmelte sie. Und verzweifelt fĂŒgte sie hinzu: “WĂ€re ich doch unsichtbar! Wenn ich unsichtbar wĂ€re, dann wĂ€ren meine Probleme gelöst. Die Lehrerin wĂŒrde nicht schimpfen, die Klassenkameraden nicht ĂŒber mich lachen und Mama wĂ€re nicht enttĂ€uscht.“
Sie malte sich aus wie einfach und lustig das Leben sein wĂŒrde, wenn sie niemand mehr sĂ€he.
Mit diesem Gedanken nickte Annika endlich wieder ein und schlief
.
bis sie plötzlich durch ein entrĂŒstetes Fluchen, ein hilfloses und gleichzeitig dennoch wĂŒtend ausgestoßenes: „Verflixt und zugenĂ€ht!“, aus dem Schlaf gerissen wurde.
Noch etwas benommen, tastete das MĂ€dchen nach dem Lichtschalter zu ihrer rosafarbenen Leselampe die ĂŒber ihrem Bett hing.
Sie ĂŒberlegte. Die Stimme der Mutter war das was sie da eben gehört hatte nicht. Es kam vom Garten her. Aufgeregt sprang Annika von ihrem Bett auf und in ihre Hausschuhe hinein. Sie stĂŒrmte zum Balkon ihres Zimmers unter dem sich der Garten befand. Zu ihrem großen Erstaunen erblickte sie dort ein Wesen. Groß wie ein Kind, doch mit einer seltsam knubbeligen Knollennase und Ohren, so groß wie die Ohren von Riesenelefanten in Indien! Zwischen den beiden ĂŒberdimensional großen Ohren, auf dem Kopf also, an der Stelle, an der man normalerweise Haare vermutet war eine Art Blumenwiese. Ja, auf dem Kopf dieses seltsamen Wesens wuchsen die schönsten Blumen die Annika je gesehen hatte.
Staunend stand sie am GelÀnder ihres Balkons und beobachtete das Geschöpf dabei, wie es fluchend und schimpfend vor Annikas Sandkasten stand und offensichtlich versuchte aus dem schlammigen Stausee, den Paul und Annika zuvor gebaut hatten, etwas herauszufischen.
Es sah ganz so aus, als hÀtte es beim Gang durch den Sandkasten irgendetwas verloren. Die Beine der Kreatur waren bis zu den Knien voller Schlamm.
„Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?“, fragte Annika nach einer Weile freundlich.
Erschrocken blickte das Geschöpf mit den großen Ohren zum Balkon empor, auf dem, in einem rosa Nachthemd gekleidet und mit zerzausten hellblonden Haaren, Annika stand. Es riss die Augen auf, griff sich panisch an seine riesigen Ohren und stĂŒrzte, ohne noch ein Wort zu sagen von dannen.
„Halt! Ich will dir helfen!“, rief Annika ihm nach. Doch zu spĂ€t. LĂ€ngst war das gnomĂ€hnliche Wesen verschwunden.
Annika beschloss der Sache nachzugehen und kurzentschlossen schnappte sie sich ihre Taschenlampe, rannte damit vorbei am Schlafzimmer der Eltern in den Garten zum Schlammloch. Sie hatte Licht. Das war ein Vorteil den der Gnom nicht hatte. Darum hatte er wohl auch das Loch ĂŒbersehen und nicht wiedergefunden, was er gesucht hatte.
Es war noch kĂŒhl so frĂŒh am Morgen. Dennoch griff Annika mit beiden HĂ€nden in den feuchten Sand und fand ein paar Schuhe. Schuhe, die ihre Mutter ihr nie gekauft hĂ€tte.Sie waren abgenutzt, aus Stroh gearbeitet bin bunten Bommeln ringsum. Ohne nachzudenken, zog Annika die Schuhe an. Sie legte sich damit ins Bett und schlief bis die Mutter sie wecken wĂŒrde. Doch wach wurde sie lediglich durch klapperndes Geschirr und aufgeregtes Herumlaufen ihrer Mutter. Noch schlaftrunken setzte sie sich an den FrĂŒhstĂŒckstisch, wollte fragen, was los sei. Doch sie wurde nicht wahrgenommen. Mama rief nach Annika und durchsuchte ihr Zimmer und das ganze Haus nach ihr. „Hier bin ich doch!“, wollte Annika sich bemerkbar machen, doch ihre Stimme blieb ungehört. Annika war darĂŒber sehr verwundert, nutzte die Chance allerdings um ohne ZĂ€hne zu putzen zur Schule zu gehen.

Auch dort gingen die sonderlichen Begebenheiten weiter. Kein Kind redete mit ihr. Nichtmal Noemi und Paul die doch sonst ihre besten Freunde sind. Es war, als wÀre Annika aus Glas. Jeder sah durch sie durch.
Die Lehrerin las die Namensliste vor. Auch Annikas Namen. Doch als Annika auf sich aufmerksam machte um zu bestĂ€tigen, dass sie da sei, schaute die Lehrerin nur kurz ĂŒber den Rand ihrer Brille hervor und wiederholte Annikas Namen. Dann fragte sie die Klasse: „Weiß jemand, ob Annika krank ist?“
Keiner wusste es. Aber Annika wusste jetzt etwas, was sie vor Freude aufspringen ließ: Sie war tatsĂ€chlich unsichtbar geworden! Um die Mathehausaufgaben brauchte sie sich nun keine Sorgen mehr zu machen. Sie war unsichtbar und dieser Zustand musste genutzt werden! Der Kopf schwirrte ihr nur so vor Streichen.
Zuerst stieß sie Leonies Tintenfass um. Leonie, die sonst immer Annika Ă€rgerte. Danach piekte sie Anna mit einem Bleistift. Sie stahl das Notenbuch der Lehrerin indem auch steht wie oft die Hausaufgaben vergessen wurden, und stĂŒrmte fröhlich aus der Schule heraus. Schnurstracks wanderte sie in Richtung Stadt. In der BĂ€ckerei stahl sie sich einen Muffin, eine Zimtschnecke und einen Berliner. Danach ging sie auf den Jahrmarkt und fuhr umsonst mit dem Kettenkarussell. Sie fand es herrlich unsichtbar zu sein, sie konnte tun und lassen was sie wollte, denn niemand sah sie.
Sie fuhr Kettenkarussell bis ihr schwindlig wurde, legte sich dann auf eine nahegelegene Wiese, betrachtete die Wolken und aß von der Zimtschnecke die sie beim BĂ€cker gestohlen hatte.
Sie dachte ein wenig mit Schadenfreude an ihre Klassenkameraden, die jetzt, an diesem wunderschönen sonnigen Tag in der Schule schwitzten.
Aber wenn Paul und Noemi wenigstens hier wĂ€ren. Das wĂ€re toll. Sie hatte das BedĂŒrfnis die Erlebnisse diesen schönen Tages mit jemandem zu teilen, wenigstens jemandem davon zu erzĂ€hlen. Aber Annika war ja unsichtbar. „Und wenn ich nun fĂŒr immer unsichtbar bin??“ Sie begann zu weinen. „Wenn ich fĂŒr immer unsichtbar bin, kann ich mit niemandem mehr spielen, wenn ich fĂŒr immer unsichtbar bin, gibt mit Mama nie mehr einen Gute-Nachtkuss, weil sie mich ja nicht sieht.“
Da wurde Annika sehr traurig und sie begann zu weinen.
Eine wenig spĂ€ter, schleppte Annika sich dennoch nach Hause in der Hoffnung, ein Wunder wĂŒrde geschehen und sie plötzlich wieder sichtbar werden lassen.
Am liebsten hÀtte sie ihrer Mutter alles erzÀhlt. Doch ihre Mutter sah und hörte sie nicht.
So quĂ€lte sie sich bis zum Abend, an dem sie sich alleine ins Bett bringen musste und keinen Gute-Nachtkuss bekommen sollte. Sie schlĂŒpfte in ihr rosa Nachthemd und und wollte sich mit ungekĂ€mmten Haaren und ungeputzten ZĂ€hnen in ihr Bett legen.
Doch wie sie gerade ihre StrĂŒmpfe ausziehen wollte, da fiel ihr auf, dass sie noch immer dir Stroh-Bommel-Schuhe des Großohr-Gnomes, wie sie ihn nannte, trug.
Waren es vielleicht diese Schuhe die sie unsichtbar gemacht hatten?
Plötzlich fiel er ihr wieder ein, der Gnom! Weshalb war er wohl so Àrgerlich und weshalb bekommt man Gnome sonst nicht zu Gesicht?
Weil sie Schuhe tragen, die sie unsichtbar machen! Und weil er diese Schuhe in ihrem Sandkasten verloren hatte, deshalb war er so Àrgerlich geworden.
Annika hatte sie die ganze Zeit getragen und sich gewundert weshalb sie niemand sieht. Vor Erleichterung musste sie laut lachen.
Ihr kam eine Idee: Sie wĂŒrde die Schuhe ausziehen und sie, gut sichtbar, in den Garten zurĂŒckbringen.. Und dann wĂŒrde sie ihrer Mutter beichten, dass sie sie angelogen hatte und von nun an immer rechtzeitig die Hausaufgaben machen.
So geschah es auch.
Annika brachte ihre Schuhe in den Garten zurĂŒck und legte sich hin um am nĂ€chsten Morgen der Mutter alles erzĂ€hlen zu können.
Als sie um 6.30 geweckt wurde, sprang Annika auf und fiel ihrer Mutter erleichtert um den Hals. „Du kannst dir ja gar nicht vorstellen wie froh ich bin, dass du mich siehst!“, schluchzte sie.
Verwundert strich ihre Mutter ihr ĂŒber den Kopf wĂ€hrende Annika erzĂ€hlte. „Da hast du aber was abenteuerliches getrĂ€umt.“, lachte sie als Annika ihre ErzĂ€hlung beendet hatte und kĂŒsste sie auf die Stirn.
Annika, die sie immer noch fest umklammert hielt, murmelte: „Aber es gibt noch etwas, was ich dir sagen muss, was nicht getrĂ€umt ist.“
Und so erzÀhlte sie ihr, von den nicht erledigten Mathehausaufgen, davon, dass sie sie angeschwindelt hatte und von dem Brief, den sie mit nach Hause bekommen wird.
Als sie fertig war sah die Mutter sie streng an. Doch dann seufzte sie und rĂ€umte ein, dass es vielleicht falsch war, Annika mitten im Spiel nach den Hausaufgaben zu fragen. „In Zukunft“, sagte sie, „machst du die Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen und in Mathe helfe ich dir gerne, wenn du etwas nicht verstehst.“
Sie umarmten sich, Annika versprach die Hausaufgaben nach dem Mittagessen zu machen, bevor sie sich aus ihrem Arm löste und ZÀhne putzen ging.

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maerchenhexe
???
Registriert: Nov 2006

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hallo anna-sophier,

habe gerade deine Geschichte gelesen und sie gefĂ€llt mir gut. Kinder im Kindergartenalter und in den ersten Grundschulklassen werden sie gern mögen, den du triffst ihre Sprache. Allerdings könnte dein Text etwas Straffung vertragen. Insbesondere die Stelle, an der du das doppelte Problem Annikas beschreibst, könnte gekĂŒrzt werden. Hier entsteht sonst eine erzĂ€hlerische LĂ€nge, bei der Kinder abschalten. Die Spannung geht fĂŒr sie verloren. Vielleicht schaust du ja noch mal?

lieber Gruß
maerchenhexe
__________________
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be a friend, where a friend is needed and you won't have to look round the other way.

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