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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die alte Tanne
Eingestellt am 07. 09. 2001 10:01


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Willi Corsten
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Die alte Tanne
Ein WeihnachtsmÀrchen
von Willi Corsten

Vogelstimmen wispern durch den stillvertrĂ€umten Winterwald. Der Rabe hockt auf einem Ast und putzt sein schwarzglĂ€nzendes Federkleid. Nach einer Weile wendet er sich an den Dompfaff, nickt mit dem Kopf und sagt: „Es stimmt, mein Freund! Wenn der Mond bald wieder sein volles Gesicht zeigt, ist es Weihnachten ĂŒberall auf der Welt.“
Die Tanne hörte neugierig dem GesprĂ€ch zu, schĂŒttelt ein wenig Schnee von ihren Zweigen und murmelt wehmĂŒtig: „Als ich klein war, wollte ich ein Christbaum werden, bunte Kugeln tragen und fröhliche Lieder hören. Doch weil mir der raue Novemberwind die Spitze verbog, holten die Menschen meine Schwester zu sich in die gute Stube. Die Jugendzeit liegt nun weit zurĂŒck, und heute ist es leider zu spĂ€t fĂŒr meinen Wunschtraum.“
In der Nacht denkt der weise Rabe lange nach und ruft am nĂ€chsten Morgen die Bewohner des Waldes zu sich. Drossel, Buchfink, Dompfaff und Buntspecht kommen. Der muntere Sperling findet sich ein, die Elster, der dunkle, geheimnisvolle Waldkauz und die Kohlmeise. Sogar der Zaunkönig kommt und bringt seine Frau gleich mit. Das putzige Eichhörnchen ist von dem ungewohnten LĂ€rm aus der Winterruhe erwacht und hört nun aufmerksam dem schwarzen Gesellen zu, der mit krĂ€chzender Stimme vom Leid der alten Tanne erzĂ€hlt. „Der Baum ist unser bester Freund“, sagt er. „Er schĂŒtzt uns vor Regen und Schnee, trĂ€gt geduldig unser Nest und ist Jahr fĂŒr Jahr die traute Kinderstube fĂŒr manchen Piepmatz. Daher sollt ihr gut ĂŒberlegen, wie wir seinen Lebenstraum erfĂŒllen können.“
Sogleich machen sich die Tiere auf den Weg. Der Sperling schleppt feine Schafwolle heran, die sich im Weidenzaun verfangen hatte. Buchfink, Kohlmeise und Dompfaff ziehen gemeinsam los. Neben dem Forsthaus finden sie eine alte Strickweste und zupfen blaue FĂ€den daraus hervor. Der Rabe hĂŒpft durch ein offenes KĂŒchenfenster und entwendet ein rotes Seidentuch. Die Drossel fliegt zur HolzfĂ€llerhĂŒtte, besucht das Arbeitspferd dort und bittet um ein BĂŒschel Haar. Auch Buntspecht und Waldkauz sind emsig bei der Arbeit. Sie tragen vom Futterplatz der Rehe Heu und Stroh herbei. Die Elster dachte sich etwas Besonderes aus. Auf der Suche nach glitzernden Ringen und Ketten hatte sie auf dem Dachboden der alten Schule einen Pappkarton mit Weihnachtsschmuck entdeckt. Vorsichtig schlĂŒpft sie nun durch einen LĂŒftungsschacht, kommt zurĂŒck und sieht aus wie ein JahrmarktskrĂ€mer. Lametta hĂ€ngt um ihren Hals und die Krallen halten eine goldfarbene Christbaumspitze fest.
Das Eichhörnchen hat seine Vorratslager aufgesucht und schleppt Eicheln und NĂŒsse heran. Dann klettert es in die umliegenden BĂ€ume, sammelt Harz und alte Spinnweben, wĂ€rmt und knetet die Masse, rollt sie zu feinen FĂ€den aus und klebt die harten FrĂŒchte sorgsam daran fest.
Wenige Tage spĂ€ter lĂ€uten die Kirchenlocken den Heiligen Abend ein. Glutrot versinkt die Sonne hinter den Bergen, der tief verschneite Winterwald hĂŒllt sich in feierliches Schweigen. Doch als am Himmel die ersten Sterne blinken, erwacht die frostklare Vollmondnacht zu neuem Leben. In den BĂ€umen huschen putzmuntere Wesen umher und verrichten mancherlei ungewohnte Arbeit. Und als am ersten Weihnachtstag die Buben des Waldbauern zur Heiligen Messe eilen, entdecken sie unterwegs eine altehrwĂŒrdige Tanne, die auf wundersame Art geschmĂŒckt ist. Schafwolle hĂ€ngt an ihren Zweigen, Lametta und Pferdehaar, blaue FĂ€den und Heu, NĂŒsse und Stroh. Ein rotes Seidentuch wetteifert mit der goldenen Christbaumspitze, die wie tausend Diamanten im hellen Sonnenlicht funkelt. Die Tanne wiegt sich freudig im Wind und das Rauschen ihrer Zweige klingt wie leise Musik. Und hoch oben in dem Baum sitzen Vögel ohne Zahl und singen ein Lied, wie es schöner in keiner Weihnachtsstube gesungen wurde. Das Lied berichtet von der Geburt des Herrn und erzĂ€hlt vom Frieden, der da kommen soll fĂŒr alle Geschöpfe auf Erden.

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Breimann
???
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Schade,

dass es noch nicht weihnachtet; aber es wird ja schon kalt. heute haben wir die Heizung angemacht!
Ich habe diese wunderbare Geschichte gedruckt und sie liegt bei meinen AdventssingbĂŒchern. meine Enkelkinder werden sie an einem Adventsabend, wenn es draußen grauselig und dunkel ist, sicher mit Begeisterung hören. Ich danke dir, lieber Willi Costner, fĂŒr die herrliche ErzĂ€hlung; man möchte mehr davon!
Liebe GrĂŒĂŸe
Eduard
__________________
Ich schreibe - also bin ich.

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flammarion
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ja,

ich war vorhin so begeistert darĂŒber, daß ich die schreibwerkstatt gefunden habe, so sind mir zwei ungereimtheiten nicht aufgefallen. wodurch erwacht das eichhörnchen? es ist doch nicht normal, daß es einfach nur so aufwacht. bei den waldbauerbuben fehlt in der mitte ein n. und warum gehen nur die buben zur messe? haben sie keine schwestern? auf jeden fall aber ist es eine herrliche weihnachtsgeschichte, die in meine sammlung kommt. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Willi Corsten
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Hallo Eduard,
vielen Dank fĂŒr dein Lob.
DemnĂ€chst kommen noch weitere Weihnachtsgeschichten von mir in die LL. Wir haben diesen Text in der Schreibwerkstatt vorzeitig ĂŒberarbeitet, damit er vor dem Fest druckreif wurde.
Liebe GrĂŒĂŸe
Willi

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Willi Corsten
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Liebe oldicke,
auch dir ein herzliches Dankeschön fĂŒr dein Lob.
Zu deinen Fragen: Eichhörnchen halten ja keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe, wachen also immer wieder einmal auf, um zu fressen.
Und die Schwestern fehlen, weil der Waldbauer noch keine Zeit hatte, fĂŒr neuen Nachwuchs zu sorgen. Kommt vielleicht im nĂ€chsten Jahr.
Es grĂŒĂŸt dich lieb
Willi

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flammarion
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gut,

lieber willi, dennoch wĂŒnschte ich mir, daß das eichhörnchen nicht so unmotiviert aufwacht und bei den buben sollte es dann heißen: die Buben des Waldbauern. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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